Trendreport
Edle Früchte müssen reifen
22.06.2012
Fachkräftesicherung: Der Fachkräftemangel im Maschinenbau und der Metallbearbeitung ist ungebrochen. Mit Ausbildungsinitiativen wollen Verbände wie etwa VDWF und VDW sowie Unternehmen diese Berufe transparent machen und bewerben. w&f-Redakteur Jürgen Gutmayr hat sich in der Branche umgehört und einige Initiativen hinterfragt.
Der Fachkräftemangel ist allÂgegenwärtig – vom Facharbeiter bis hin zum Ingenieur fehlen in der Werkzeugbaubranche, aber auch in den anderen metallverarbeitenden Unternehmen qualifizierte Fachkräfte. Konkret: Laut IG Metall gibt es vor allem beim Beruf des Zerspanungsmechanikers Engpässe. Hier fehlen insbesondere im Norden sowie in den Bundesländern Hessen, Baden-Württemberg und Bayern Arbeitskräfte. Ein regionaler Mangel lässt sich auch für Industriemechaniker in Baden-Württemberg und Bayern sowie Werkzeugmechaniker in Baden-Württemberg feststellen.
Initiativen für mehr Attraktivität
Industrie und Fachverbände reagieren seit geraumer Zeit und versuchen mit verschiedenen Initiativen, mehr Transparenz in die einzelnen Berufsbilder zu bringen – das soll die Attraktivität erhöhen. Wie wichtig das Thema Nachwuchsförderung dem Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer ist, zeigt eine neu gestartete Ausbildungsoffensive. Ziel ist, eine bundesweit einheitliche Ausbildungssituation mit zeitgemäßen und branchenspezifischen Lehrinhalten zu schaffen und das Berufsbild in der Öffentlichkeit attraktiver darzustellen. Unter Leitung des VDWF-Vorstandsmitglieds Markus Bay wurde dazu Ende Mai ein Gremium für bessere und nachhaltigere Ausbildung gebildet.

Berufsbild attraktiv gemacht: Mit einer gezielten Ausbildungsinitiative will der Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer eine bundesweit einheitliche Ausbildungssituation schaffen.
Schon auf der EuroMold stand die Sonderschau „Innovationen durch Werkzeug- und Formenbau“ ganz im Zeichen der Nachwuchsförderung. Dass die Werkzeug- und Formenbaubranche durchaus spannende Möglichkeiten für Jugendliche mit handwerklichem Geschick, technischem Verständnis und Teamfähigkeit bieten kann, wurde anhand eines Praxisparcours und verschiedenen Ausbildungsvorstellungen eindrucksvoll demonstriert. Besonders in Szene gesetzt hatte sich dabei das Kunststoffinstitut Lüdenscheid mit dem Thema Kunststoff. Hier wurden auf spielerische Art und Weise technische Berufe nähergebracht. Außerdem erhielten Schüler die Möglichkeit, sich über die Ausbildungsmöglichkeiten zum Feinmechaniker oder Werkzeugmacher zu informieren. Abgerundet wurde das Programm durch Informationen über Weiterbildungsmöglichkeiten sowie verschiedene Studiengänge im Werkzeug- und Formenbau unter anderem durch die WBA Aachener Werkzeug- und Formenbau Akademie.Wolfgang Boos, Geschäftsführer der WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH, brachte kürzlich die Ausbildungssituation auf den Punkt: „Der Werkzeug- und Formenbau lebt von dem Wissen der Experten in der Branche. Um hier weiter an der Spitze zu bleiben, reichen die herkömmlichen Ausbildungskarrierewege nicht mehr aus. Hier sind neue Weiterbildungs- und Qualifizierungskonzepte erforderlich.“ Und genau hier stetzt die vor kurzem gegründete WBA an – sie wurde neben dem Bereich der Forschung, speziell auf die Bedürfnisse der Weiterbildung von Führungs- und Nachwuchskräften ausgelegt. Das Angebot umfasst eine modular aufgebaute Hochschulausbildung, in die befähigte Teilnehmer auch ohne klassischen Hochschulzugang einsteigen können. Unterstützt werden die Aktivitäten durch namhafte Unternehmen. Premiumpartner wie der Audi Werkzeugbau, Rath oder Gira haben sich sogar für eine langfristige Zusammenarbeit entschieden.
Studiengänge ergänzen Praxiswissen
„Wissenschaftliches Know-how mit Anwenderbezug“ steht im Fokus des noch jungen Studiengangs „Projektmanager (FH) für Werkzeug- und Formenbau“ an der Hochschule für angewandte Wissenschaft in Schmalkalden. Das berufsbegleitende Studium, das in enger Zusammenarbeit mit dem VDWF konzipiert und durchgeführt wird, richtet sich vorwiegend an Führungskräfte und Leistungsträger in der Branche.
Ganz im Zeichen der Nachwuchsförderung stand auch kürzlich die Messe Metav 2012 in Düsseldorf. Unter dem Motto „Maschinenbauer – Job mit Power“ macht sich die VDW-Nachwuchsstiftung stark für eine hervorragende Ausbildung und eine bessere Kommunikation zwischen Berufs- und allgemeinbildenden Schulen sowie der Industrie. Drei Jahre Arbeit stecken bereits in dieser Initiative. Im Rahmen der Eröffnungspressekonferenz der Messe präsentierte die VDW-Nachwuchsstiftung ihre Ergebnisse.
Jan Braasch, Mitglied des Stiftungsbeirats und Bereichsleiter Marketing und Produktmanagement der Dr. Johannes Heidenhain GmbH, betonte, dass insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland unter dem Fachkräftemangel verstärkt leiden. Sie können Ausbildungsplätze nicht mehr entsprechend besetzen. So haben im Berichtsjahr 2010/2011 mehr als 2000 Bewerber bei der Besetzung der Ausbildungsplätze gefehlt. Ein ähnliches Bild zeigt die Neubesetzung von Stellen im Ingenieurbereich. Nicht ohne Grund steht also die Fachkräftesicherung im Mittelpunkt der Arbeit der VDW-Nachwuchsstiftung. Ziel ist es, das Image des Berufsbildes Maschinenbauer zu verbessern und damit mehr junge Leute für einen Beruf in der Metallbearbeitung zu gewinnen. Ein weiterer Punkt ist die Kompetenzinitiative Berufsausbildung, kurz KiBa, der VDW-Nachwuchsstiftung und der IHK, die sich gezielt an die Ausbilder in den Unternehmen richtet. Sie sollen in den neuesten TechnoloÂgien geschult werden, um selbst attraktiv und innovativ ausbilden zu können.
Qualifizierungsmaßnahmen
Inzwischen haben auch Personaldienstleister sich des Themas angenommen und bieten Qualifizierungsmaßnahmen in den CNC-Berufen wie etwa CNC-Fräser oder -Dreher an. Aktuell suchen der Personaldienstleister Randstad und der Werkzeugmaschinenhersteller Deckel Maho Gildemeister Teilnehmer für eine Qualifizierung zum CNC-Fräser. Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften, die die hochmodernen Maschinen bedienen und programmieren können, steigt bei den Unternehmen im Allgäu stetig an.
Unter dem Motto „Die passende Fachkraft zur Maschine“ setzen Randstad und DMG bereits seit 2010 passgenaue CNC-Qualifizierungen um. Die nächste Weiterbildung startet am 4. Juni 2012 bei der DMG-Trainings-Akademie in Pfronten. Die Kurse richten sich speziell an Arbeitssuchende mit Ausbildung im Metallbereich oder Berufserfahrung in der Metallverarbeitung. Je nach Vorkenntnissen dauert die Maßnahme bis zu sechs Monate. Der erfolgreiche Abschluss wird von DMG mit einem in der Industrie anerkannten Zertifikat ausgezeichnet.
Gezielte Image-Werbung
Über einen Facharbeitermangel klagte kürzlich auch Uwe Schmidt, Vizepräsident des Fachverband Deutscher Präzisions-Werkzeugschleifer, kurz FDPW, im Interview mit w&f-Chefredakteur Richard Pergler. „Die Zahl geeigneter Ausbildungsplatzbewerber hat in den vergangenen zwei Jahren rapide abgenommen.“ Die w&f-Schwesterzeitschrift fertigung betreibt übrigens seit seit vielen Jahren Image-Werbung für die Hightech-Berufe Dreher und Schneidwerkzeugmechaniker, respektive Werkzeugschleifer: Mit den Wettbewerben „Werkzeugschleifer des Jahres“ und „Dreher des Jahres“ veranstaltet fertigung stets in enger Kooperation mit namhaften Unternehmen diese Events alle zwei Jahre auf den Messen AMB und GrindTec. Dass diese Wettbewerbe gut ankommen, unterstreicht FDPW-Vizepräsident Schmidt: „Wir brauchen diese Veranstaltung, um die Vielschichtigkeit der Berufe zu zeigen.“gt
Fünf Fragen an Thorsten Schmidt, VDW-Nachwuchsstiftung
„Positive Entwicklung“
Thorsten Schmidt ist Vorsitzender des Beirats der VDW-Nachwuchsstiftung, deren Projekte und Stiftungsaktivitäten sich seit ihrer Gründung am 23. Februar 2009 überaus positiv entwickelt haben.
Welche konkreten Ziele verfolgt die VDW-Nachwuchsstiftung?
Seit ihrer Gründung im Jahr 2009 hat sich die VDW-Nachwuchsstiftung des Themas Fachkräftesicherung angenommen und sich auf die Verbesserung der Ausbildung in der rechnergestützten Fertigung konzentriert. Ein wichtiger Punkt hierbei ist die Image-Verbesserung und Nachwuchsgewinnung. Die Stiftung wirbt unter anderem auf Branchenmessen um qualifizierten und engagierten Nachwuchs. Im Bereich Qualifizierung von Ausbildern und Lehrern werden Fortbildungskurse in der Programmierung sowie dem Einrichten und Bedienen von CNC-Maschinen mit unterschiedlichen Steuerungen angeboten. In diesen Qualifizierungsprozess sind sowohl Steuerungs- und Werkzeugmaschinenhersteller als auch Anbieter von CAD- und CAM-Systemen eingebunden.
Wie bringen sich die Partner aus der Industrie mit ein?
Unsere Kooperationspartner unterstützen die VDW-Nachwuchsstiftung mit aktuellem technischem Know-how, das unter anderem zur Verbesserung der Ausbildung in der Entwicklung von neuen Lehr- und Lernunterlagen für den Bereich der rechnergestützten Fertigung eingesetzt wird.
Suchen Sie eventuell noch Partner für weitere Kooperationen?
Wir freuen uns über das stetige Wachstum unserer bestehenden Projekte und die positive Entwicklung der Stiftungsaktivitäten. Selbstverständlich sind wir als VDW-Nachwuchsstiftung neuen Ideen und Kooperationsmodellen gegenüber aufgeschlossen.
Von welchen Seiten wird die VDW-Nachwuchsstiftung unterstützt?
Unsere Partnerschaften sind vielfältig. Zum einen wird die Stiftung von Experten aus der Wirtschaft und dem Bildungssektor unterstützt. Darüber hinaus arbeiten wir im Rahmen unseres NRW-Projektes „Kompetenzinitiative Berufsausbildung“ sehr eng mit den 16 lokalen IHKs zusammen.
Über welche Ergebnisse können Sie sich nach dem Start der VDW-Nachwuchsstiftung besonders freuen?
In den vergangenen zehn Jahren besuchten über 80 000 Schülerinnen und Schüler mit ihren Fachlehrern und Fachlehrerinnen im Rahmen der Sonderschau Jugend die jeweiligen Messestände und informierten sich über Berufschancen und neueste Entwicklungen in der Branche. Weiterhin wurden von der VDW-Nachwuchsstiftung 18 neue handlungsorientierte Schüler- und Lehrerunterlagen sowie Ausbilder- und Lehrerfortbildungsunterlagen entwickelt, die über den Online-Shop der Stiftung bezogen werden können. Bis heute wurden in Zusammenarbeit mit VDW-Mitgliedsunternehmen in vier Bundesländern knapp 1600 Lehrer und Ausbilder im Bereich der rechnergestützten Fertigung weitergebildet; die Hälfte der Schulen, mit denen wir zusammenarbeiten, hat bereits in neueste Technologien investiert.







