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Mit Innovation und PrÀzision zum Erfolg

27.07.2012

Trotz zuletzt leicht rĂŒcklĂ€ufiger Zahlen in der Werkzeugmaschinenbranche: Die Hersteller von PrĂ€zisionswerkzeugen schwimmen auf einer Erfolgswelle. Mit immer neuen Innovationen halten sie dem globalen Wettbewerb stand. Ihre neuesten Antworten auf Trends wie Energieeffizienz oder neue Werkstoffe, aber auch rund um das Thema Dienstleistung, zeigen sie auf der AMB, internationale Ausstellung fĂŒr Metallbearbeitung, die vom 18. bis 22. September auf dem Stuttgarter MessegelĂ€nde neben dem Flughafen stattfindet.

„Wir profitieren von neuen Modell- und Motorengenerationen mit den entsprechenden UmrĂŒstprojekten in der Automobilindustrie, wobei das Downsizing von Motoren und Turboladern auch die Produktionsmittel vor hochtechnologische Herausforderungen stellt.“ Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbands PrĂ€zisionswerkzeuge im VDMA

„FĂŒr dieses Jahr erwarten wir in Summe nochmals eine spĂŒrbare Produktionssteigerung“, hatte Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbands PrĂ€zisionswerkzeuge im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) und GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Paul Horn GmbH, anfangs des Jahres verkĂŒndet. Er sollte recht behalten, wie Verbandssprecher Alfred Graf Zedtwitz bestĂ€tigt: „Die Zahlen bis April sind positiv, wenn auch der Zuwachs kleiner wird.“ BestĂ€tigt wird dies vom Bundeswirtschaftsministerium: Die Produzenten von Maschinen, GerĂ€ten und anderen InvestitionsgĂŒtern hatten im Juni 1,7 Prozent mehr hergestellt als im Vormonat – deutlich ĂŒber den Erwartungen. Zwar rechnet Graf Zedtwitz „nicht mit einem extrem starken zweiten Halbjahr, aber den Umsatz des Vorjahres dĂŒrften wir wohl auf jeden Fall halten.“ Und der konnte sich sehen lassen: 2011 war mit einem Plus von 21 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro Umsatz ein Rekordjahr. Die Teilbranche Zerspanwerkzeuge legte sogar ĂŒberdurchschnittlich um 29 Prozent zu.

BegrĂŒndet wird der Optimismus beim VDMA Fachverband PrĂ€zisionswerkzeuge, der auch ideeller TrĂ€ger der AMB ist, mit den weiterhin guten Aussichten in den Hauptabnehmerbranchen, der Automobilindustrie und dem Maschinenbau. Wenngleich auch dort der ganz große Boom sich wohl dem Ende neigt, ergĂ€ben sich fĂŒr die Werkzeugehersteller aus dem immer schnelleren Modellwandel positive Effekte. Lothar Horn: „Wir profitieren von neuen Modell- und Motorengenerationen mit den entsprechenden UmrĂŒstprojekten in der Automobilindustrie, wobei das Downsizing von Motoren und Turboladern auch die Produktionsmittel vor hochtechnologische Herausforderungen stellt.“

„Der wachsende Wettbewerbsdruck auf nationalen und vor allem internationalen MĂ€rkten fĂŒhrt dazu, dass Anwender von Zerspanungstechnologien sich mit der Forderung nach immer kĂŒrzeren Bearbeitungszeiten konfrontiert sehen – bei gleichzeitig geringeren Produktionskosten und gleichbleibender oder sogar höherer QualitĂ€t.“ Marc Busch, Gruppenleiter Hochleistungszerspannung am Fraunhofer-IPT

Aber wo liegen die technologischen Trends dieser Vorzeigebranche? Eine Antwort fĂŒr die spanenden Verfahren Bohren, Drehen und FrĂ€sen suchten das Fraunhofer-Institut fĂŒr Produktionstechnologie IPT und das Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen. FĂŒr die gerade vorgelegte Studie haben die beiden Aachener Forschungsinstitute rund 150 Unternehmen befragt, darunter mehrheitlich Anwender von Zerspanungstechnologien, Werkzeughersteller und beschichter sowie Hersteller von Werkzeugmaschinen, Werkstoffen und Sondersystemen fĂŒr Aktorik, Sensorik und Spannsysteme. „Der wachsende Wettbewerbsdruck auf nationalen und vor allem internationalen MĂ€rkten fĂŒhrt dazu, dass Anwender von Zerspanungstechnologien sich mit der Forderung nach immer kĂŒrzeren Bearbeitungszeiten konfrontiert sehen – bei gleichzeitig geringeren Produktionskosten und gleichbleibender oder sogar höherer QualitĂ€t“, fasst Marc Busch, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Gruppenleiter Hochleistungszerspannung am IPT, kurz die zentralen Herausforderungen zusammen. Er leitete die ‚Werkzeugstudie 2012 – Trends in der Werkzeugtechnik‘.

Besonders hohe Forderungen stellen danach neue, schwer zerspanbare Werkstoffe, die zunehmend hĂ€ufiger fĂŒr Produktinnovationen eingesetzt werden. Die Zerspanungswerkzeuge seien bei der Bearbeitung hochwarmfester und hochharter Materialien, wie Nickelbasis- und Titanlegierungen, Titanaluminiden oder pulvermetallurgisch erzeugten StĂ€hlen, hohen thermischen und mechanischen Belastungen ausgesetzt. Busch: „Sie sind die Ursache fĂŒr geringe Standzeiten der Werkzeuge, lange Prozesszeiten und mindere QualitĂ€t der BauteiloberflĂ€chen.“

Von zentraler Bedeutung sei bereits die Auswahl des richtigen Werkzeugs. Obwohl die Entwicklung in Richtung angepasster Werkzeuggeometrie und beschichtung sowie innovativer Schneidstoffe gehe, gab die Mehrheit der befragten Unternehmen zu, eher „unsystematisch vorzugehen; dies kann die Prozessauslegung verzögern und zu hohen Kosten fĂŒhren“. Rund 80 Prozent der Befragten sĂ€hen, so Busch, daher in Zukunft Bedarf fĂŒr standardisierte Verfahren der Prozess- und Werkzeugauslegung sowie Informationen ĂŒber optimierte Werkzeuggeometrien und Beschichtungen.

Als eine ihrer wichtigsten Aufgaben nannten fast alle befragten Unternehmen die Entwicklung neuer KĂŒhlschmierstrategien. Marc Busch: „Erst wenn Strategien wie die Minimalmengenschmierung, Hochdruck- und CryogenkĂŒhlung perfekt auf die eingesetzten Zerspanwerkzeuge abgestimmt sind, können diese ihre volle Wirkung entfalten und Prozesse noch leistungsfĂ€higer machen.“ Bei Systemen zu ProzessĂŒberwachung kĂ€me es rund zwei Drittel der Befragten zufolge vor allem auf Robustheit, Bedienerfreundlichkeit und FlexibilitĂ€t an. Überrascht waren die Aachener Forscher jedoch, dass sich immerhin die HĂ€lfte der befragten Unternehmen nicht vorstellen konnte, wie moderne ProzessĂŒberwachungssysteme ihnen helfen könnten, die Reinheit des KĂŒhlschmiermittels zu prĂŒfen oder unterschiedliche Tribosysteme hinsichtlich der KĂŒhlschmierstoffstrategie oder Beschichtungstechnologie zu bewerten. „NĂŒtzlich werden solche Funktionen immer dann, wenn neue und schwer zu bearbeitende Werkstoffe wie hochharte StĂ€hle oder hochwarmfeste Legierungen auf Eisen-, Nickel- oder Titanbasis ins Spiel kommen“, so Marc Busch.

„Das ToolScope-System von Komet-Brinkhaus bietet neben den ĂŒblichen Verfahren der Prozesskontrolle erstmalig die Möglichkeit zur QualitĂ€tskontrolle im Prozess an.“ Marten Veenendaal, Marketingleiter Komet Group

Gerade in puncto Prozesssicherheit will der AMB-Aussteller Komet GmbH, Besigheim, punkten. Im MĂ€rz erwarb sie deshalb die Brinkhaus GmbH, spezialisiert auf Überwachungs- und Regelungssysteme fĂŒr Werkzeugmaschinen. „Kernprodukt der Komet-Brinkhaus ist das ToolScope-System, das auf einer neuartigen Technologie im Bereich der Prozess- und MaschinenĂŒberwachung basiert“, erklĂ€rt Marten Veenendaal, Marketingleiter der Komet Group. Mit einem speziellen, patentierten Verfahren zur statistischen Prozesskontrolle sei nicht nur die Überwachung auf Werkzeugbruch, sondern auch auf deutlich geringere Fertigungsabweichungen möglich. Veenendaal: „Damit bietet das System neben den ĂŒblichen Verfahren der Prozesskontrolle erstmalig die Möglichkeit zur QualitĂ€tskontrolle im Prozess an.“

Bei aller Vielfalt der Themen, am Ende hĂ€tten „alle nur das Ziel, die ProduktivitĂ€t zu steigern und parallel die Produktionskosten zu senken“, erklĂ€rt Kurt Brenner, Technischer Leiter der Iscar Germany GmbH, Ettlingen. Im Wesentlichen sind es dann auch die Themen, die sich in der IPT-Studie herauskristallisierten, die Iscar auf der AMB thematisieren wird: KĂŒhlschmierstoff-Strategien, neue Werkstoffe, kundenspezifische Individualisierung von Werkzeugen, Energieeffizienz und Ressourcenschonung sowie Dienstleistungen. WĂ€hrend noch vor wenigen Jahren der Trend zur Trockenbearbeitung ging, habe sich laut Brenner mittlerweile ErnĂŒchterung eingestellt: „Heute muss man feststellen, dass die Umsetzung weit hinter den Erwartungen liegt.“ Außer in der Massenfertigung dominiere weiterhin die ÜberflutungskĂŒhlung. Allerdings: Auch sie lasse sich durch den Einsatz von Werkzeugen, die eigentlich fĂŒr die Hochdruckbearbeitung entwickelte wurden, optimieren.

Bei schwer zerspanbaren Materialien wie Titan, Titanliegerungen oder Nickelbasislegierungen sei jedoch die HochdruckkĂŒhlung zwischen 80 und 150 bar, in EinzelfĂ€llen bis 400 bar, nicht mehr wegzudenken. Die Besonderheit: Die KĂŒhlschmierstoffe werden ĂŒber das Werkzeug direkt in die Schnittzone gefĂŒhrt und können so nicht nur die WĂ€rme abtransportieren, sondern auch den Span brechen. Brenner: „Werkzeuge, Schneidgeometrie und Schneidstoff mĂŒssen dem Verfahren angepasst sein, weshalb wir ein komplettes Werkzeugprogramm fĂŒr solche Anwendungen im Drehen, Stechdrehen und FrĂ€sen entwickelt haben.“ Aber auch an der neuesten Entwicklung in Sachen KSS, der Cryo-Zerspanung, arbeite man intensiv in vielen Forschungsprojekten.

„Die Trends bei PrĂ€zisionswerkzeugen sind zum einen alte Bekannte, wie ProduktivitĂ€tssteigerung, PrĂ€zision und MultifunktionalitĂ€t. Zum anderen fokussieren sich die Innovationen aber auch auf neue Trends, die mit Leichtbau, Ökologie bzw. schonender Umgang mit Rohstoffen (Blue Competence) und Kommunikation ĂŒberschrieben werden können.“ Prof. Dr.-Ing. Diethard Thomas, Leiter der LMT Group Academy

Eine Mischung aus Alt und Neu konstatiert Prof. Dr.-Ing. Diethard Thomas, Leiter der LMT Group Academy in der LMT Tool Systems GmbH, Oberkochen: „Die Trends bei PrĂ€zisionswerkzeugen sind zum einen alte Bekannte, wie ProduktivitĂ€tssteigerung, PrĂ€zision und MultifunktionalitĂ€t. Zum anderen fokussieren sich die Innovationen aber auch auf neue Trends, die mit Leichtbau, Ökologie bzw. schonender Umgang mit Rohstoffen (Blue Competence) und Kommunikation ĂŒberschrieben werden können.“ LMT zeige auf der AMB zahlreiche Neuheiten, von denen insbesondere die Anwenderbranchen Automotive, Luft- und Raumfahrt, Energietechnik, Gesenk- und Formenbau sowie Allgemeiner Maschinenbau profitierten. Prof. Thomas: „Dabei steht die Performancesteigerung bei der Bearbeitung von Guss- und hochfesten Stahlwerkstoffen ebenso im Fokus wie neue Leichtbauwerkstoffe, zum Beispiel Composites und Plastics.“

Bei der Kelch GmbH hat man sich vor allem den „Blue Competence“-Gedanken auf die Fahnen geschrieben. „Die Blue-Competence-Initiative des VDMA verdient unsere vollste UnterstĂŒtzung“, sagt Uwe Rein, Prokurist und Vertriebsleiter des WeinstĂ€dter Unternehmens. „Wir haben unsere neue GerĂ€tetechnik deshalb auf ‚Blue Competence‘ abgestimmt.“ Man habe neue Komponenten verbaut, die das Arbeiten nicht nur leichter, sondern auch effizienter machen. „Das sorgt fĂŒr mehr Leistung, bessere AblĂ€ufe und somit fĂŒr weniger Ausschuss oder Nachbearbeitung an der spanenden Maschine.“ Neben dem neuen ergonomischen Design der GerĂ€te, wurde auch die Software stark aufgerĂŒstet, die jetzt auf Windows 7 aufsetzt und auf der AMB zu sehen sein wird.

„Effizienzsteigerung“ ist auch das Thema der Wohlhaupter GmbH, Frickenhausen. Der Spezialist fĂŒr modulare Werkzeugsysteme beschĂ€ftigt sich traditionell mit der Effizienzverbesserung in der Bohrungsbearbeitung und zeigt dies auch auf der AMB. „Dies geschieht entweder durch Einsparungen kompletter Aufspannungen anhand kundenspezifischer Werkzeugauslegungen oder Einsparungen im Bereich der RĂŒst- oder Nebenzeiten durch schnellere und vor allem prĂ€zisere Einstellung der Werkzeuge“, erklĂ€rt GeschĂ€ftsfĂŒhrer Frank-M. Wohlhaupter. Hieraus habe sich der neue Trend in Richtung digitaler Werkzeuge fĂŒr die Bohrungsbearbeitung entwickelt. Wohlhaupter: „Mithilfe modernster opto-elektronischer Verstellwegmessung, eingebaut in PrĂ€zisionswerkzeugen zur Fertigbearbeitung von Bohrungen reduzieren wir gezielt die RĂŒst- und Nebenzeiten.“ Als Vorteile nennt er die ”-genaue Durchmessereinstellung der Werkzeuge direkt in der Maschine, die einfache Ablesbarkeit sowie die hohe Genauigkeit. Die QualitĂ€t der Bohrungen verbessere sich, gleichzeitig reduziere sich die Ausschussquote drastisch.

Die Bearbeitung von Verbundstoffen spielt fĂŒr die Paul Horn GmbH, „nicht nur in Hinblick auf die AMB eine herausfordernde Rolle“, sagt Christian Thiele, Sprecher der Paul Horn GmbH. So seien die Möglichkeiten, diese Werkstoffe technologisch und wirtschaftlich sinnvoll zu bearbeiten, begrenzt. Thiele: „Es gibt zwar viele Berichte und Versuche darĂŒber, diese haben jedoch oft nur theoretischen Charakter.“ Es fehle allgemein an Praxiserfahrung und Serienreife. Bei Paul Horn setze man vor allem auf CVD-D-Werkzeuge bei Dreh- und FrĂ€soperationen. „Dabei wird der abrasive Werkstoff mit scharfen Schneiden geschnitten und nicht gebrochen. Wir können bereits auf positive Praxiserfahrungen zurĂŒckzugreifen und serienreife Lösungen, auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, anbieten.“ Deshalb werde sein Unternehmen das Projekt ‚Kompetenz Verbundstoffe‘ zum Thema auf der AMB machen.

Auch das Thema Dienstleistungen wird auf der AMB groß geschrieben. „Angesichts globalisierter MĂ€rkte und immer stĂ€rkeren Konkurrenzdrucks erwarten Industrieunternehmen zunehmend integrierte Lösungen, mit denen sie mittel- und langfristig wettbewerbsfĂ€hig bleiben“ erklĂ€rt Dr. Klaus Christoffel vom GeschĂ€ftsbereich Coromant der Sandvik Tooling Deutschland GmbH in DĂŒsseldorf. Der zunehmende FachkrĂ€ftemangel trage ebenfalls dazu bei, dass die Industrie nicht lĂ€nger nur Produktlieferanten suche, sondern vielmehr „UnterstĂŒtzung bei der Findung ganzheitlicher Lösungen zur Kostensenkung“. Sandvik Coromant biete deshalb umfassende Beratungsleistungen fĂŒr kundenindividuelle Fertigungsprozesse. Das Maximum an ProduktivitĂ€t und Effizienz sowie eine signifikante Kostenreduzierung sei nicht mehr allein durch den Einsatz hochprĂ€ziser Zerspanungswerkzeuge zu erreichen. „Wir entwickeln deshalb spezifische LösungsansĂ€tze, um das Optimierungspotenzial sĂ€mtlicher Produktionsteilprozesse beim Kunden ausschöpfen zu können.“ ‚Value Chain Offer‘ nennt sich diese Dienstleistung, in deren Rahmen Kunden Antworten auf alle Fragen entlang der Wertschöpfungskette – von Forschung und Entwicklung ĂŒber Beschaffung, Produktionsplanung, Produktion, Logistik bis hin zur Mitarbeiterqualifizierung – erhielten.


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