Die besten Mitarbeiter für den Erfolg

Faßnacht, Bobingen

Technik auf dem neuesten Stand
Aufgrund der Musikinstrumente-Industrie in der Gegend hat hier Werkzeug- und Formenbau Tradition: „Nicht wenige meiner Auszubildenden haben sich hier beworben, weil schon der Vater oder Großvater mit Respekt vom Beruf des Werkzeugmachers gesprochen hat – der hat hier in unserer Gegend nach wie vor ein hohes Ansehen”, erklärt Geschäftsführer Thomas Wenzel. „Wir können noch die Besten aus den Bewerbungen auswählen. Und das ist wichtig: Denn wer in unserer Branche vorn mitspielen will, braucht sehr gute Leute.”
Damit diese Leute aber ihr Wissen auch aufs Werkstück bringen, ist eine entsprechende technische Ausstattung nötig: „Wir achten sehr darauf, dass unseren Mitarbeitern leistungsfähige Maschinen auf dem neuesten Stand der Technik zur Verfügung stehen, damit sie die anspruchsvollen Aufgaben auch effizient bewältigen können”, betont Wenzel. „Das bedeutet aber auch, dass die Leute entsprechend auf Schulung geschickt werden – denn nur, wenn die Technik auch in den Details beherrscht wird und die Möglichkeiten ausgereizt werden können, macht es Sinn, in teure, leistungsfähige Maschinen zu investieren.”
Die Abläufe im Haus sind weitestgehend standardisiert, für kritische Abläufe gibt es Checklisten, die abzuarbeiten sind. Wenzel setzt indes auf eigenverantwortlich denkende Mitarbeiter, die auch neue Wege ausprobieren – und dabei durchaus auch einmal Misserfolg haben dürfen: „Das gehört schließlich auch
dazu – aus Fehlern lernt ein Unternehmen noch immer am nachhaltigsten”, erklärt Wenzel „Sie dürfen nur ein gesundes Maß nicht überschreiten.”
Kurze Wege zwischen den Beteiligten in der Prozesskette sind ihm wichtig: „Wie genau muss eine Toleranz sein, wie schnell kann die Maschine sein – hier ist wichtig, dass jeder weiß, welche Werte wirklich bestimmend sind und die Parameter entsprechend gegeneinander abwägt. Denn was hilft es, wenn man das letzte µ aus einer Fläche herausholt, auf die es letztlich gar nicht ankommt?” Dazu müssen die Mitarbeiter aber auch den Überblick über die Fakten haben, die ihre Arbeit bestimmen. Deshalb wird bei wgb jedes Werkzeug nachkalkuliert und auch mit den Beteiligten auf etwaiges Optimierungspotenzial hin abgeklopft. Die „Hauptprozesse” – für Wenzel sind das Fräsen, Drehen, Erodieren, Schleifen und Montieren – sind komplett im Haus: „Alle Komponenten eines Werkzeugs, die formgebend sind, werden komplett bei uns im Betrieb gefertigt”, betont Wenzel. „Das ist unsere Kernkompetenz.”
Stolz ist man bei wgb auf die Elektrodenfertigung: „Wir versuchen, mit möglichst wenigen Elektroden auszukommen – das erfordert viel Know-how beim Fräsen”, erklärt Wenzel. „Dafür läuft dann in der Regel der Erodierprozess schneller, weil eine hochkomplexe große Elektrode viele Einzelelektroden ersetzt.” In Klingenthal versteht man es offenbar, in der Elek­trodenfertigung die Vorteile des schwarzen Elektrodenwerkstoffs auszureizen. Zum Abmustern stehen drei Spritzgießmaschinen bereit: Laut Wenzel wird es immer wichtiger, die Werkzeuge komplett mit den optimierten Parametern zum Kunden zu liefern: „Wenn die Bosch-Niederlassung in Brasilien bei mir ein Werkzeug ordert, dann muss das als Plug-and-Play-Lösung dort auf die Maschine gehen und anstandslos produzieren”, erklärt der Unternehmer. „Das erfordert, dass wir die Optimierungsarbeit hier im Haus erledigen – und nicht erst mit großem Aufwand in Südamerika nachjustieren müssen.” Die Dienstleistung rund ums Werkzeug wird für die Werkzeug- und Formenbauer gerade in einem globalisierten Wettbewerb immer wichtiger. Die Frage ist allerdings: Ist der Kunde auch bereit, dafür entsprechend zu bezahlen?
Weiterbildung wird bei wgb ganz groß geschrieben: „Die heutigen Top-Leute in unserer Konstruktion habe ich als Azubis für die Zerspanung eingestellt – die haben ihre Ausbildung mit Auszeichnung abgeschlossen und sich dann weiter entwickelt”, erklärt der Geschäftsführer. „Die Konstruktion beeinflusst maßgeblich alle späteren Schritte. Da ist es von großem Vorteil, wenn die Konstrukteure die Prozesse und Abläufe in der Werkstatt aus eigener Erfahrung kennen.”

Hauptschüler entwickelten sich zu Stützen des Unternehmens
Auf „Eigengewächse” setzt auch der diesjährige Gesamtsieger des Wettbewerbs: „Die meisten meiner heutigen Mitarbeiter haben ihre Ausbildung im eigenen Betrieb absolviert”, erklärt Wolfgang Faßnacht, Geschäftsführer bei W. Faßnacht Formenbau in Bobingen bei Augsburg. „Dabei sind es in erster Linie ehemalige Hauptschüler, die heute die Stützen des Unternehmens sind – wenn man diese Leute entsprechend fordert und fördert, dann wachsen sie über sich selbst hinaus.”
Die Fluktuation im Unternehmen ist sehr gering: Seit Unternehmensgründung im Jahr 1990 sind nur drei Mitarbeiter gegangen – auf eigenen Wunsch. Bis auf einen sind auch noch alle bei Faßnacht ausgebildeten Fachkräfte im Unternehmen.
Die Atmosphäre in dem 15-Mann-Betrieb ist familiär und geprägt von Vertrauen – auch die Auszubildenden bekommen schon sehr viel Verantwortung übertragen: „Ich habe Lehrlinge im zweiten Lehrjahr, die ganz allein 2K-Formen fertigen. Die werden von älteren Gesellen betreut und machen die Werkzeuge ganz allein”, erklärt Faßnacht. „Und es gibt absolut keinen Unterschied zu den Formen, die unsere Ausgelernten ge-fertigt haben.” Das motiviert – die Jugendlichen lernen in dem Bewusstsein, bereits während ihrer Ausbildung ernst genommen zu werden und zur Wertschöpfung im Unternehmen beizutragen. „Und sie sind stolz, wenn sie die Musterteile bekommen und ihren Freunden zeigen können, wo im Alltag überall ,ihre‘ Teile auftauchen.”
Bei der Konstruktion setzt das Unternehmen sehr stark auf Standards und benchmark_4_21Parametrik. Und auch bei W. Faßnacht sind die Wege zwischen Konstruktion und Fertigung sehr kurz: „Das sind nur ein paar Meter – da ist ein schneller und umfassender Informationsfluss gewährleistet”, erklärt Faßnacht. „Die Leute sprechen den ganzen Tag miteinander – und es ist wichtig, dass sie sich intensiv austauschen: Muss dieser Radius wirklich so klein sein? Muss diese Rippe wirklich so schmal sein? Wie kannst Du das auf der Maschine umsetzen, was ich konstruiere? – Das ist unser tägliches Brot, hier lässt sich in der Bearbeitung einiges an Potenzial erschließen.”

Enge Abstimmung mit Kunden
Was zwischen Konstruktion und Maschine mehr Effizienz bringt, ist auch im Kontakt zu den Kunden ein großes Plus: „Wir stimmen uns eng mit allen unseren Partnern ab, bringen nach Möglichkeit schon früh in der Produktentwicklungsphase unser Formenbau-Know-how mit ein”, erklärt Faßnacht. „So können wir sicherstellen, dass sich die Produkte später auch optimal realisieren lassen.”
Faßnacht hat in der Region mit Kunden, aber auch Wettbewerbern und Zulieferern ein tragfähiges Netzwerk aufgebaut, das ihm auch als kleinem Werkzeugbauer eine stabile Wettbewerbsposition gewährleistet. Der Maschinenpark deckt alle gängigen Verfahren ab. Auch Graphitelektroden werden im eigenen Haus gefertigt. Faßnacht denkt aber auch über exotische Technologien nach, etwa das Lasercusing, um das Leistungsspektrum zu erweitern und sein Unternehmen noch universeller aufzustellen. Darüber hinaus möchte er aber auch in naher Zukunft ins 5-Achs-Simultanfräsen investieren und die 5-Seiten-Bearbeitung forcieren.
Anders als die meisten Unternehmen hat sich Faßnacht nicht auf eine Nische spezialisiert: „Sowohl von den Produkten als auch von unseren Kundenbranchen her sind wir sehr breit aufgestellt”, erklärt der Unternehmer. „Damit sind wir flexibel und unabhängig und können sehr schnell auf Veränderungen am Markt reagieren.” Mit hohem Engagement lösen Faßnacht und seine Mitarbeiter die Herausforderungen in den Projekten ihrer Kunden, optimieren die Produktivität der Werkzeuge, sorgen für hohe Standzeiten und integrieren nachgelagerte Montagetätigkeiten. Der nachhaltige Erfolg gibt ihm Recht. Dabei macht Faßnacht nach eigener Aussage gar nicht soviel anders als andere Unternehmen: „Aber wir versuchen, das was wir angehen, auf höchstem Niveau zu tun.” Das beginnt bei der Sauberkeit im Unternehmen, setzt sich bei der hohen Qualität der Produkte fort und hört bei der Verlässlichkeit der Zusagen, die er seinen Kunden und Partnern gibt, noch lange nicht auf.
Faßnacht lebt diese Qualitätskriterien täglich glaubhaft vor, so dass es für die Mitarbeiter selbstverständlich ist, sich ebenfalls danach auszurichten. Das trägt sicher auch dazu bei, die notwendige Flexibilität über die gesamte Prozesskette im Unternehmen zu gewährleisten.
Die hohe Qualität und Flexibilität brachte dem Formenbauer den Ruf eines extrem schnellen Werkzeuglieferanten gerade für anspruchsvolle Lösungen. „Das ist der Vorteil, wenn ein Unternehmen klein und beweglich ist”, erklärt Wolfgang Faßnacht. „Und genau darauf setze ich. Deshalb strebe ich auch kein weiteres Wachstum an.”

Begründungen der Jury

W. Faßnacht Formenbau, Bobingen
Das Unternehmen wurde 1990 von Wolfgang Faßnacht gegründet und aus dem Nichts aufgebaut. Faßnacht stellt komplexe Mehrkomponenten- und Mehrkavitätenformen (z.T. als Stufenwerkzeuge) für Spritzgussteile in der Automobil- und Konsumgüterindustrie sowie für die Medizintechnik her.
Die besondere Stärke liegt im ausgeprägten Formen-Know-how, das den überwiegend regionalen Kunden bereits in der Produktentwicklung zur Verfügung gestellt wird. Das Unternehmen wird vom Inhaber familiär und mitarbeiterorientiert geführt. Um das enge Verhältnis zu den Mitarbeitern sowie deren hohes Maß an Eigenverantwortung aufrechterhalten zu können, wird eine weitere Expansion nicht angestrebt. Beispielhaft ist seine regionale Integration bei Kunden, Wettbewerbern und Zulieferern, die auch als kleiner Werkzeugbauer eine stabile Wettbewerbsposition gewährleistet.
Werkzeug- und Gerätebau, Klingenthal
Der Werkzeug- und Gerätebau wgb in Klingenthal ging 1992 aus dem VEB im Kombinat Foron hervor, das bis zur Wende Schnitte, Formen und manuelle Hausgeräte hergestellt hatte. In den Jahren bis 1997 wurde dann zunächst die Konsolidierung vorangetrieben. Dazu gehörte in erster Linie die Verbesserung der Kundenstruktur. Ab 1998 wurde dann gezielt auf die Einführung neuer Technologien und Strukturen sowie die Entwicklung der eigenen Mitarbeiter Wert gelegt. Heute fertigt wgb zum einen komplexe Mehrkomponenten-Spritzgießformen für Artikel der Automobilindustrie sowie Elektrogeräte, wo durch stetige Innovation im Werkzeug die namhaften Hersteller als Kunden gewonnen werden konnten. Zum anderen werden komplexe Druckgussformen mit kurzen Zykluszeiten und hohen Qualitätsansprüchen gefertigt. Das Unternehmen zeichnet sich durch innovative Werkzeugkonstruktion, einen hohen Maschinennutzungsgrad und eine moderne Maschinenausstattung aus.

Stärkeprofile

W.Faßnacht Formenbau, Bobingen

  • strategische Positionierung als extrem schneller Werkzeuglieferant bei anspruchsvollen Lösungen
  • sehr schnelle Reaktion und Angebotserstellung auf Kundenanfragen
  • hohes Engagement für Kundenprobleme: extreme Reaktionsgeschwindigkeit und Flexibilität in der ganzen Prozesskette
  • optimiert Produktivität des Kunden: sehr hohe Standzeiten, Integration von nachgelagerten Montagetätigkeiten
  • sehr hohe Kompetenz bei der Auslegung und Konstruktion von Werkzeugen
    intensive Nutzung von Parametrik und Standards in der Konstruktion
  • früher Einsatz und Verantwortungsübergabe an Auszubildende in die Produktion

Werkzeug- und Gerätebau, Klingenthal

  • strategische Ausrichtung auf hohen Kundennutzen und effiziente interne Prozesse
  • sehr bewusste Umsetzung einer kontinuierlichen Investitionstätigkeit auch in schwachen Zeiten zur Aufrechterhaltung des technologischen Standards
  • sehr innovationsfreudiges Unternehmen, das seinen Kunden aktiv Verbesserungspotentiale in der Werkzeugtechnik anbietet und damit einen Mehrwert schafft
  • hohe Transparenz bei Projekten und Kennzahlen gegenüber eigenen Mitarbeitern
  • ausgeprägtes Know-how im Bereich der Mehrkomponenten-Technologie, die selbst erarbeitet und erweitert wird.
  • technologisches Know-how in den Kernverfahren Fräsen und Senkerosion, hier Technologieführerschaft durch Graphit-Komplettelektroden

Im Profil


benchmark_4_fassnachtW. Faßnacht Formenbau, Bobingen

  • Produkte: Spritzgießwerkzeuge bis 3,5 t
  • Kunden: Medizintechnik, Weiße Ware, Haushaltswaren, Automobilzulieferer
  • Maschinenpark: unter anderem 3 CNC-Fräszentren, 1 Graphitfräszentrum, 4 Erodiermaschinen, 3 Schleifmaschinen, 2 Drehmaschinen, 1 Messmaschine, 1 Laserauftragsschweißgerät
  • Mitarbeiter: 15 (davon 2 Auszubildende)
  • Besonderheiten: ausgeprägte Kooperation mit regionalen Wettbewerbern und Lieferanten: gegenseitiges Vermitteln von Aufträgen und Hilfestellungen bei Kompetenzdefiziten
  • Kontakt: W. Faßnacht Formenbau, D-86399 Bobingen, Tel.: 08234/9654-0, E-Mail: w.fassnacht@t-online.de

benchmark_4_wgbWerkzeug- und Gerätebau, Klingenthal

  • Produkte: Druckguss-Formen, Spritzgießformen, Mehrkomponententechnik
  • Kunden: Unternehmen der Branchen Automotive und Powertools
  • Maschinenpark: Fräsen Stahl: 7 Hermle Maschinen; Fräsen Graphit: 2 Röders; Erosion: 6 Exeron + Mitsubishi + Agie, Schleifen: Jung, Kellenberger, Elb
  • Mitarbeiter: 60 (davon 6 Auszubildende)
  • Umsatz: 5,5 Mio. Euro
  • Besonderheiten: hohes technologisches Know-how bei Graphit-Komplettelektroden – sehr hoher Integrationsgrad
  • Kontakt: Werkzeug- und Gerätebau Klingenthal GmbH,
    D-08248 Klingenthal, Tel.: 037467/549-0, www.wgb.de