In die Zukunft investieren

Wer sich nicht weiter entwickelt, verliert auf Dauer seine Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb investieren Sieger und Finalisten der Kategorie „Externer Werkzeugbau unter 100 Mitarbeiter“ ständig in leistungsfähige Technik – und in ihre Mitarbeiter: Der Kategoriesieger Opus Formenbau in Heiligkreuzsteinach und die Finalisten – der Werkzeugbau Ruhla in Seebach und der Pockauer Werkzeugbau Oertel in Lengefeld im Erzgebirge – sorgen so dafür, dass sie schlank und flexibel aufgestellt sind. Gemeinsamer Faktor für ihren Erfolg und auch für ein gutes Stück Krisenfestigkeit ist die Tatsache, dass sie ihren Kunden jeweils etwas bieten können, das sie deutlich von ihren Wettbewerbern abhebt.

Fokussiert in der Nische positioniert
Markus Menchen, Geschäftsführer beim Opus Formenbau in Heiligkreuzsteinach, hat sein Unternehmen sehr fokussiert in einer Nische positioniert – gefertigt werden Spritzgieß- und Vulkanisationsformen für die Automobilzulieferindustrie. „Wir bauen nicht die große Bandbreite an Werkzeugen“, betont er. „Aber das, worauf wir uns spezialisiert haben, das beherrschen wir sehr gut.“ So gut, dass inzwischen nahezu alle einschlägigen europäischen Hersteller der Branche als Kunden gewonnen werden konnten.

Was im Betrieb auffällt ist das niedrige Durchschnittsalter – sowohl der Maschinen als auch der Mitarbeiter. Bei den Maschinen setzt Opus konsequent auf Hermle: „Hier passt der Service“, erklärt Menchen. „Wir setzen auf Standards – jeder Bediener kann, ohne sich umstellen zu müssen, an jede Maschine. Das bringt uns die notwendige Flexibilität.“ Wo es Sinn macht, wurden die Mascinen automatisiert.

Sinnvoll gesetzte Standards bestimmen die Abläufe. Das beginnt bei der Konstruktion – hier wird auch die exakte Aufspannung festgelegt – und hört bei der immer gleichen Belegung der Werkzeugplätze im gesamten Maschinenpark noch lange nicht auf: „Das hält unseren Leuten den Kopf frei fürs Wesentliche“, betont Menchen. „Unsere Werkzeuge sind absolut Losgröße Eins – selbst einzelne Komponenten sind grundverschieden. Trotzdem sind wir mit standardisierten Prozessen und Abläufen unserem Ziel eines industrialisierten Werkzeugbaus schon sehr nahe.“

Kundenorientierung wird groß geschrieben – ein Projektleiter steht dem Kunden von den ersten Anfängen bis hin zum Serienanlauf als Ansprechpartner zur Verfügung.

Komplexe Stanz- und Umformwerkzeuge

Komplexe Stanz- und Umformwerkzeuge in erster Linie für den Automotivesektor entstehen beim Pockauer Werkzeugbau Oertel im erzgebirgischen Lengefeld.

Mannschaft aus der näheren Region
Die sehr motivierte Mannschaft kommt aus der engsten Region – die Hälfte der 30 Mitarbeiter, sechs Azubis und vier BA-Studenten der DHBW kommen direkt aus Heiligkreuzsteinach, die übrigen aus den Nachbarorten des Steinachtals oder der näheren Umgebung. „Von dieser Nähe profitieren unsere Mitarbeiter und ihre Familien“, erklärt Menchen. „Wir haben hochqualifiziertes Personal – Facharbeiter und Ingenieure –, und wir bilden selbst aus. Deshalb setzen wir auf unsere Wurzeln hier in der Region.“ Die Zeichen stehen auf Wachstum – demnächst soll eine neue Halle gebaut werden.

„Da, wo es aufs µ ankommt, ist es wichtig, über Maschinen und Werkzeuge auf dem aktuellen Stand zu verfügen“, betont auch Sarah Uhlmann, verantwortlich für das Controlling beim Finalisten Pockauer Werkzeugbau Oertel. „Die Konsequenz ist unser sehr junger Maschinenpark – wir investieren ständig in neue Maschinen.“

Nicht nur in wirtschaftlich guten Zeiten, sondern gerade auch dann, wenn die Aufträge dünner gesät sind: „Während der vergangenen Krise haben wir extrem viel investiert“, erklärt Uhlmann. „Wir sind damals unter anderem neu in die Technik des Wasserstrahlschneidens eingestiegen und haben einige Maschinen mit neuer Technologie ersetzt.“

Wichtig ist dem sozial eingestellten Familienunternehmen die Weiterentwicklung der Mitarbeiter. „Gerade zu Krisenzeiten haben wir viel für Schulungen ausgegeben“, erläutert Uhlmann. „Zudem legen wir sehr großen Wert darauf, dass die Mitarbeiter untereinander ihr Wissen weitergeben.“ Die Hierarchien im Unternehmen sind flach, die Mitarbeiter haben sehr viel Eigenverantwortung und sind auch am Erfolg ihrer Projekte beteiligt. Entsprechend hoch ist das Engagement, wenn es darum geht, Prozesse und Abläufe zu optimieren. „Da steckt durchaus Potenzial drin“, betont Uhlmann. „In der Vorfertigung beispielsweise konnte die Produktivität auf 150 Prozent gesteigert werden.“

Gearbeitet wird bis zu dreischichtig, an den Maschinen stehen ausgebildete Werkzeugmacher, die auch in die Werkzeugentstehung mit eingebunden werden. Die Projektverantwortung für ein Werkzeug liegt beim Konstrukteur, der das Werkzeug durch die gesamte Produktion bis ins Try-out begleitet und für den Kunden dauerhaft als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Angesichts der langjährigen Kundenbeziehungen ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Werkzeugbau Ruhla

Ein großer Teil der beim Werkzeugbau Ruhla hergestellten Werkzeuge findet seine Abnehmer in Osteuropa.

Gute Kommunikationsbasis
So lässt sich eine gute Kommunikationsbasis etablieren und die Ansprüche und Standards der Partner verstehen und effizient umsetzen. „Unsere Kunden können sicher sein, dass der Kreis in sich geschlossen ist und sie bei uns alles aus einer Hand bekommen.“

Auch beim Werkzeugbau Ruhla setzen die Verantwortlichen auf leistungsfähige Technik. Sehr weit ist man in der Automatisierung – und auch sehr einfallsreich. Etwa bei Elektrodenfertigung und Senkerosion, wo eine vollautomatische Zelle arbeitet: Um Schmutzeintrag ins Schienensystem des Roboters zu umgehen, hängte man das System an die Decke – herabtropfendes Dielektrikum und Graphitstaub treffen so auf den leicht zu reinigenden Hallenboden.

„Wir haben im vergangenen Jahr nochmals kräftig investiert“, betont Geschäftsführer Marco Schülken. „Seit 2002 sind wir dabei, unsere Prozesse zu überprüfen und wo es sinnvoll ist, auch zu automatisieren.“ Anfangs traf Schülken auf Skepsis: „Automatisierung im Werkzeugbau kann nicht funktionieren – diesen Satz habe ich von unserer gesamten technischen Riege immer wieder gehört“, erklärt er. „Trotzdem haben wir es angepackt. Die anfänglichen Bedenken waren sehr schnell weg, die Mitarbeiter hatten die Automatisierung bald schätzen gelernt, da sie jetzt mehr Zeit für die wesentlichen Aufgaben hatten.“

Durchgängige Daten und Prozesse
Daten und Prozesse sind durchgängig – so ist die Konstruktion beispielsweise auch ins Try-out mit eingebunden. Qualifizierte Mitarbeiter sind für Schülken neben Standardisierung und Automatisierung ein essenzieller Erfolgsfaktor. Deshalb legt er großen Wert auf fundierte Aus- und Weiterbildung. „Für unsere Projekte benötigen wir sehr spezifisches Know-how – das wollen wir natürlich im Unternehmen behalten“, erklärt er. „An den Maschinen stehen ausgebildete Werkzeugmacher, die sehr genau wissen, was sie tun – sie wissen, wie das Werkzeug später aussehen wird und denken mit. Unser Anspruch ist, alles aus einer Hand anzubieten.“

Offenbar mit Erfolg: Die Kundenstruktur des Unternehmens ist sehr international – ein hoher Anteil der Aufträge kommt aus Osteuropa, speziell aus Russland. Hier hat es der Werkzeugbau Ruhla offenbar geschafft, sich mit exzellenten Produkten und einem sehr engagierten Service einen guten Namen zu machen.

Begründungen der Jury

Opus Formenbau GmbH
Anspruchsvolle Spritzgieß- und Vulkanisationswerkzeuge für Fahrzeugabdichtungen bilden den Schwerpunkt der Opus Formenbau GmbH. Mit 30 hoch qualifizierten Fachkräften und 10 Auszubildenden/Studenten entstehen im baden-württembergischen Heiligkreuzsteinach in erster Linie maßgeschneiderte Lösungen für Karosseriedichtsysteme und Glasumspritzungen. Das Unternehmen betreut seine Kunden dabei von der Produktentstehung bis zum Serienanlauf im hauseigenen Technikum. Das Ergebnis dieses Vorgehens sind optimal auf ihren Einsatzzweck angepasste Formen, die in ihrer Komplexität vom elementar einfach aufgebauten Prototypen aus Aluminium bis zur voll kinematisierten und prozessintegrierten Serienform reichen.

Pockauer Werkzeugbau Oertel GmbH
Stanz- und Umformwerkzeuge für die Automobil- und Automobilzuliefererindustrie bilden das Produktportfolio der Pockauer Werkzeugbau Oertel GmbH aus Lengefeld in Sachsen. Das aus dem Werkzeugbau der einstigen Messelektronik Pockau hervorgegangene Unternehmen mit 84 Mitarbeitern und 5 Auszubildenden hat sich auf Folgeverbundwerkzeuge für dicke, schwer verformbare Werkstoffe mit hohen Genauigkeitsanforderungen spezialisiert, fertigt daneben aber auch Transferwerkzeuge und Platinenschneidwerkzeuge für großflächige Karosserieteile. Die Pockauer Werkzeugbau Oertel GmbH übernimmt die vollständige Fertigungskette der Werkzeuge von der Entwicklung und Teileoptimierung bis zur Werk­zeug­erprobung auf den hauseigenen Probierpressen.

Werkzeugbau Ruhla GmbH
Die aus dem Werkzeugbau der Uhrenwerke Ruhla hervorgegangene Werkzeugbau Ruhla GmbH beschäftigt im thüringischen Seebach 45 Mitarbeiter und 6 Auszubildende. Das Produktportfolio umfasst neben Mehrkomponentenwerkzeugen vor allem komplexe Multikavitätenwerkzeuge mit kurzen Zykluszeiten und auch IML-Werkzeuge. Das Unternehmen betreibt eine vollautomatisierte Senkerosion und Elektrodenfertigung mit standardisierten Graphitrohlingen. Neben der Fertigung werden Reparatur- und Wartungs-Services angeboten, bei denen die Werkzeuge in allen Einzelteilen überprüft und instand gesetzt werden. Werkzeugbau Ruhla exportiert verstärkt nach Osteuropa und verfügt in Russland über eine eigene Niederlassung.

Stärkeprofile

Opus Formenbau GmbH

  • hohes Prozess-Know-how der Mitarbeiter
  • leistungsfähiger Maschinenpark
  • hohe Zahl an Auszubildenden, die frühzeitig in den Werkzeugbau integriert werden
  • erfolgreiche Nischenstrategie
  • alle europäischen Hersteller der Branche von Dichtsystemen für alle namhaften Automobilhersteller als Kunden

Pockauer Werkzeugbau Oertel GmbH

  • strategische Ausrichtung auf ein besonderes Produktspektrum
  • langfristige Investitionsplanung
  • einheitlicher Maschinenpark
  • guter Mix in der Kundenstruktur aus einer hohen Anzahl an neu akquirierten Kunden und loyalen Kunden mit langjährigen Kundenbeziehungen
  • strategische Versorgung mit neuen Mitarbeitern mittels BA-Studenten
  • frühe Integration von Auszubildenden in den Werkzeugbau.

Werkzeugbau Ruhla GmbH

  • hoher Automatisierungsgrad in der Senkerosion
  • besonders geringe Anzahl an Try-out-Schleifen
  • sehr hohe Liefertermintreue
  • breites Dienstleistungsangebot im After-Sales-Bereich
  • strategische Ausrichtung auf Osteuropa

Profil

Opus Formenbau GmbHOpus Formenbau GmbH

  • Produkte: Spritzgieß- und Vulkanisationswerkzeuge für Fahrzeugabdichtungen
  • Kunden: europäische Hersteller der Branche von Dichtsystemen für alle namhaften Automobilhersteller
  • Standort: Heiligkreuzsteinach
  • Maschinenpark: 8 leistungsfähige 5-Achs- und 3-Achs-Bearbeitungszentren (meist Hermle), zum Großteil automatisiert; Messzentrum von Zeiss, Senkerodiermaschine Exeron, Feinabstimmungspresse Millutensil, 2 Injektionspressen (50/100t)
  • Software: Catia V5, WorkNC
  • Mitarbeiter: 30 (plus 6 Auszubildende und 4 Studenten der DHBW)
  • Kontakt: Opus Formenbau GmbH, D-69253 Heiligkreuzsteinach, Tel.: 06220/92277-0, www.opus-formenbau.de

Pockauer Werkzeugbau Oertel GmbHPockauer Werkzeugbau Oertel GmbH

  • Produkte: Stanz- und Umformwerkzeuge
  • Kunden: Automobilhersteller und deren Zulieferer
  • Standort: Lengefeld im Erzgebirge
  • Maschinenpark: 10 CNC-Bearbeitungszentren, 6 Universalfräsmaschinen, 5 Drahterodiermaschinen, 1 Wasserstrahlschneidanlage, 7 Flächenschleifmaschinen, 2 Rundschleifmaschinen, 1 CNC-Drehmaschine, 1 konventionelle Drehmaschine, 1 Laserbeschriftungsanlage, 2 Probierpressen, 2 Koordinatenmessmaschinen, diverse Messtechnik
  • Software: TopSolid Design, TopSolid CAM, Catia V5, Siemens NX, Dcamcut
  • Mitarbeiter: 84 (plus 5 Auszubildende)
  • Kontakt: Pockauer Werkzeugbau Oertel GmbH, D-09514 Lengefeld/Erzgebirge, Tel.: 037367/326-0, www.werkzeugbau-oertel.de

Werkzeugbau Ruhla GmbHWerkzeugbau Ruhla GmbH

  • Produkte: unter anderem Mehrkomponentenwerkzeuge, Multikavitätenwerkzeuge mit kurzen Zykluszeiten, IML-Werkzeuge
  • Kunden: aus den unterschiedlichsten Branchen, viele aus Osteuropa
  • Standort: Seebach
  • Maschinenpark: Schleifen/Drehen (Geibel & Hotz, Weiler), Frästechnik (diverse Deckel Maho, Mikron HSM 300 Graphite Master mit Automation), Erodiertechnik (Agie, zum Teil mit Automation), Fertigungszelle Graphitfräsen/Senk­erodieren, Schweißen/Laserschweißen (OR Laserschweißstation LRS 200, EVO ll, Fronius Transtig 2.200 GF, WIG-Schweißgerät), Reinigen (Elma Ultraschallreinigungsanlage), Messtechnik (Zeiss, Tesa), Musterung/Erprobung (Arburg Spritzgießmaschine, Reis Tuschierpresse)
  • Software: Pro Engineer, Moldflow, Peps, Mecanic, Hyper Form, Thinkline + HyperMill
  • Mitarbeiter: 45 (plus 6 Auszubildende)
  • Kontakt: Werkzeugbau Ruhla GmbH, D-99846 Seebach, Tel.: 036929/7780, www.ruhla-gmbh.de