Neben den klassischen Werkzeugbaufeldern sind komplexe Werkzeuge für die CFK-Bearbeitung ein wichtiges Standbein bei Schneider Form.
Bild: Schneider

Neben den klassischen Werkzeugbaufeldern sind komplexe Werkzeuge für die CFK-Bearbeitung ein wichtiges Standbein bei Schneider Form. Bild: Schneider

Die Großen unter den externen deutschen Werkzeugbauten sind in der Regel international ausgerichtet und global aufgestellt – teilweise mit Niederlassungen in den Märkten ihrer Kunden. Oft sind solche Unternehmen nicht allein auf eine einzige Werkzeugsparte konzentriert, sondern bieten ein breites Portfolio an Werkzeugen an. Das macht indes nur dann Sinn, wenn man auch in jedem dieser besetzten Teilbereiche ganz vorn im weltweiten Wettbewerb mitspielen kann – wie der Sieger und einer der Finalisten der Kate­gorie „Externer Werkzeugbau über 50 Mitarbeiter“, die Schneider Form GmbH in Dettingen unter Teck sowie die Meissner AG in Biedenkopf-Wallau.

Hochkomplexe große Spritzgießwerkzeuge beispielsweise für Stoßfänger in der Automotive-Branche – allein davon wurden im vergangenen Jahr mehr als 40 gebaut – sind zwar nach wie vor das größte Geschäftsfeld beim Kategoriesieger Schneider Form in Dettingen unter Teck. „Werkzeuge für die Herstellung von CFK-Werkstücken sind aber schon heute unser zweitstärkster Umsatzträger – noch vor den Druckgussformen“, betont Uwe Petz, der technische Leiter bei Schneider Form. „Wir stecken bereits seit Jahren einen hohen Entwicklungsaufwand in diese neuen Technologien, um in diesen Gebieten mit an der Spitze zu stehen und Erfahrungen und wertvolles Know-how in diesen Zukunftstechnologien zu gewinnen.“

Nicht zuletzt deshalb ist Schneider Form ein begehrter Entwicklungspartner der OEMs – so kommen etwa zahlreiche Werkzeuge in unterschiedlichsten Technologien für die aktuellen BMW-Modelle i3 und i8 aus Dettingen, vom Preform- übers RTM-Werkzeug bis zu Thermoformwerkzeugen für Organobleche.

„Wer bei solchen Projekten von Anfang an eingebunden wird, muss bereit sein, technologisch auch neue Wege zu gehen“, betont Petz. „Das bringt Risiken mit sich, eröffnet aber auch

Uwe Petz, Schneider Form

Bei Schneider Form entstehen Spritzgießformen, Druckgussformen und Thermoformen. Speziell bei Formen für CFK hat man sich hier tiefes Know-how erarbeitet.

interessante Chancen. Wir halten inzwischen zahlreiche Patente in Schlüsseltechnologien, die wir für neue Produkte erschlossen haben.“

Enge Zusammenarbeit mit Kunden

Die enge Zusammenarbei mit den Kunden gerade in der Automobilbranche erfordert eine internationale Aufstellung.Schneider Form verfügt inzwischen über Niederlassungen in China, Portugal und Großbritannien – rund 120 Mitarbeiter arbeiten inzwischen im Ausland.

Wo immer es möglich ist, sind Prozesse, aber auch Produkte standardisiert. So lassen sich die Abläufe industriell organisieren. Simulationstechniken, gepaart mit reicher Erfahrung, sichern die Prozesse ab. „Wir führen nicht für jedes Werkzeug eine FEM-Analyse durch“, erläutert Petz. „Wir haben für unsere Werkzeuge eine Typologie erarbeitet und für jeden Typ eine exakte FEM-Berechnung erstellt. Damit liegen wir sehr nah an der Realität.“

In der Produktion bei Schneider Form steht ein leistungsfähiger, ständig auf technisch aktuellem Stand gehaltener Maschinenpark. Papier ist selten geworden, Tablet Computer dienen als Viewer. Übrigens auch bei externen Einsätzen, etwa bei der Montage vor Ort beim Kunden. Entscheidungswege sind kurz, denn trotz der Größe, die das Unternehmen inzwischen erreicht hat, trägt es klar die Handschrift des Inhabers. Das sorgt für eine hohe Flexibilität und eine klare Linie.

Der nachhaltige Erfolg des Unternehmens wäre nicht möglich ohne motivierte und hervorragend ausgebildete Mitarbeiter. Die Fachkräftesicherung beginnt in der eigenen Ausbildung: „Wir haben ständig 15 Auszubildende im Unternehmen“, erklärt Petz. „Aber wir setzen auch aufs Duale Studium – das Ziel ist ein gesunder Mix.“ Bereits sehr früh bekommen die Nachwuchskräfte eine Perspektive. „Wir unternehmen viel, um gute Kräfte nachhaltig an uns zu binden“, erklärt Petz. „Das bedeutet auch, dass wir guten Mitarbeitern systematisch Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen. Denn gerade in unserem Unternehmen sind gut ausgebildete Fachkräfte das wertvollste Kapital.“

Meissner Werkzeug

Die Fertigung hochwertiger Werkzeuge und Formen ist das Eine – immer mehr sieht sich Meissner Form jedoch in der Rolle eines Ingenieursdienstleisters.
Bild: Meissner

Beim Finalist Meissner sind die Mitarbeiter nicht nur das wertvollste Kapital des Unternehmens, sondern in vielen Fällen auch die Kapitalgeber: Meissner ist eine Aktiengesellschaft, die zum Großteil den Mitarbeitern gehört – die Mitarbeiter haben das Unternehmen aus der Insolvenz gerettet und damit höchste Verantwortung für ihre eigenen Arbeitsplätze übernommen. „Das prägt das Unternehmensklima nachhaltig“, erklärt Vorstandsvorsitzender Tilman Löffelholz. „Wir haben hoch motivierte Mitarbeiter, die genau wissen, wofür sie arbeiten. Das hilft uns auch angesichts unseres starken Wachstums: Wir konnten seit der Neugründung die Mitarbeiterzahl von damals 160 auf heute 320 verdoppeln.“

Ein großer Teil der neuen Mitarbeiter stammt aus der eigenen Ausbildung: Mehr als 50 Auszubildende sind im Durchschnitt im Unternehmen, davon zwei Drittel auf einem klassischen Ausbildungsweg und ein Drittel im Dualen Studium. Dem Nachwuchs stehen bei Meissner erfahrene Kollegen zur Seite, die ihnen als Mentoren ihr ganzes Wissen weitergeben. Weiterbildungsprogramme in allen Bereichen und Abteilungen vervollständigen das Konzept des lebenslangen Lernens im Unternehmen.

Ständig kluge Köpfe gesucht

Speziell in der Konstruktion werden ständig kluge Köpfe gebraucht, denn auch Meissner ist stark in die Produktentstehung seiner Kunden mit eingebunden: „Wir sehen uns zunehmend als Inge­nieursdienstleister“, erklärt Löffelholz. „Wir sind international aufgestellt. Und gerade bei unseren Kunden in den Schwellenländern ist unsere Expertise, unsere Beratung auch in Bezug auf die Auslegung der Prozesse sehr stark gefragt.“ Dieser große Bedarf an Ingenieurswissen erklärt, warum es bei Meissner inzwischen allein in der Konstruktion 60 Arbeitsplätze gibt.

Das Unternehmen steht traditionell auf drei Standbeinen – dem Gießereiwerkzeugbau, der unter anderem Werkzeuge für Motorblöcke und Zylinderköpfe fertigt, dem Blasformenbau vornehmlich zur Herstellung von Werkzeugen für

Tillmann Loeffelholz, Meissner

Die Meissner AG ist auf die Konzeption und Fertigung von Gießereiwerkzeugen, Blasformen und Werkzeuge für Fahrzeug­auskleidungen spezialisiert.

Kraftstoffbehälter und Einfüllrohre und den Werkzeugen für Fahrzeugauskleidungen. „Im Grund sind es drei komplette, unterschiedlich ausgerichtete Werkzeugbauten unter einem gemeinsamen Dach“, erläutert Löffelholz. „Wir sehen uns in allen drei Feldern mit an der Spitze. Denn wenn wir etwas anpacken, dann richtig.“ In der Krise vor gut fünf Jahren hat sich das Engagement in drei grundverschiedenen Feldern übrigens als wertvoller Pluspunkt erwiesen – bei Meissner musste kaum Kurzarbeit angemeldet werden.

Konsequent durchgeplant

Als viertes Betätigungsfeld kam in jüngster Vergangenheit die anspruchsvolle Fräsbearbeitung von Werkstücken im Lohnauftrag hinzu. „Diese Bearbeitung stellt ganz eigene Ansprüche an die verantwortlichen Mitarbeiter und den Maschinenpark“, ergänzt Löffelholz.

Die Aufträge werden konsequent durchgeplant und abgearbeitet. Die Prozesse sind schlank und effizient ausgerichtet, der Maschinenpark ist jung und leistungsfähig – auch damit ist Meissner ein attraktiver Partner seiner Auftraggeber. „Wir sind zwar heute immer noch weit von einer vollautomatisierten Fertigung entfernt“, betont Löffelholz. „Aber wir sind auf sicherem Kurs und entwickeln uns konsequent und zielstrebig hin zu einem industriellen Werkzeugbau.“

Jury-Urteil*

Meissner AG, Biedenkopf-Wallau

Das 1922 von Theodor Meissner in Wolzhausen gegründete Unternehmen hat seit 1925 seinen Sitz in Biedenkopf-Wallau an der Lahn. Seit 1997 ist Meissner eine Aktiengesellschaft, deren Aktien sich mehrheitlich im Besitz der Mitarbeiter befinden. Die Meissner AG beliefert Automobilhersteller aus aller Welt und ihre Zulieferer mit Gießerei- und Kunststoffformwerkzeugen. Dabei ist Meissner mit Joint-Venture-Unternehmen und Kooperationen international aufgestellt. Das Produktspektrum umfasst Werkzeuge zum Gießen von Motorblöcken, Zylinderköpfen und anderen Gussteilen, Blasformen vornehmlich zur Herstellung von Kraftstoffbehältern und Einfüllrohren sowie Werkzeuge zur Produktion von Fahrzeugauskleidungsteilen aus verschiedensten Materialien. Das Leistungsspektrum umfasst die Entwicklung, die Konstruktion und die Herstellung von Prototyp- und Serienwerkzeugen. Zudem ist Meissner in vielfacher Weise Entwicklungspartner seiner Kunden.

Schneider Form GmbH, Dettingen unter Teck

Schneider Form wurde 1961 von Peter Schneider gegründet und hat seitdem mit vielen wegweisenden Entwicklungen im Formenbau Geschichte und sich selbst einen Namen gemacht. So kamen beispielsweise der erste Stuhl aus Kunststoff (1966) und der weltweit erste CFK-Rohbau eines Serienfahrzeugs (2013) aus Werkzeugen von Schneider Form.
Das Portfolio des Unternehmens umfasst Produktentwicklung, Spritzgieß- und Druckgusswerkzeuge von 1200 bis 5000 t Schließkraft sowie große Thermoformen für CFK-Bauteile. Anwendungsbeispiele mit Schwerpunkt Automobil sind der gesamte Außen- und Innenbereich, Strukturbauteile und der Antriebsstrang. Schneider Form besitzt Tochterunternehmen in Portugal, England und China und betreibt Kooperationen mit Unternehmen in Japan, Indien und Nordamerika.

* Im Rahmen der Veranstaltung „Werkzeugbau mit Zukunft“, 4. November 2014 in Aachen

Stärke-Profil

Meissner AG, Biedenkopf-Wallau

  • Selbstverständnis als Ingenieur­dienstleister und daraus resultierende
  • Einbindung in die Kundenprozesse
  • umfangreiches Engagement im Bereich der Aus- und Weiterbildung (Kooperationen mit Schulen, Duales Studium, Di­plom-Pädagoge für Erwachsenen­bildung, permanente Englischkurse)
  • Internationalisierung wird durch verschiedene Kooperationsaktivitäten in USA und Mexiko sowie Joint-Ventures in China und Russland vorangetrieben

Schneider Form GmbH, Dettingen unter Teck

  • dank eigener Bauteilentwicklung sehr großes Know-how im Gesamtprozess (Bauteil-, Werkzeug- und Verfahrens­entwicklung)
  • sehr hohe Transparenz in der gesamten Auftragsverfolgung durch den Einsatz von Software-Tools und Apps
  • hohe Maschinenleistungsfähigkeit,
  • insbesondere hinsichtlich des Fräsens

Unternehmens-Profil

Meissner TeamMeissner AG, Biedenkopf-Wallau

  • Produkte: Gießereiwerkzeuge, Blasformen, Werkzeuge für Fahrzeugauskleidungen
  • Kunden: Gießereien, Automotive-Industrie (OEM wie Zulieferer)
  • Maschinenpark: HSC-/CNC-Fräsen bis zu 40 000 min-1, Verfahrwege bis 4000 x 2000 x 1250 mm; CNC-Drehen bis 1000 mm Länge und 200 mm Durchmesser; CNC-Bohrwerke bis 3500 x 1600 x 1250 mm; CNC-Senk­erodieren bis 3000 x 1400 x 1000 mm; Tuschierpresse bis 28 t Formgewicht; 3D-Messen/Flächen-Messprogramm bis 4000 x 2500 x 2000 mm; Optisches Messsystem: Digitalisieren bis 4000 x 1600 x 1000 mm.
  • Software: Unigraphics NX 9, Tebis, ProE, Catia V4+V5, ME10, WorkNC, DepoCAM, Solid Works
  • Jahresumsatz: 45 Mio. Euro
  • Mitarbeiter: 320 (mehr als 50 Auszubildende)
  • Kontakt: Meissner AG Modell- und Werkzeugfabrik, D-35216 Biedenkopf-Wallau, Tel.: 06461/802-0, www.meissner.eu

Schneider Form GmbH, Dettingen unter Teck

  • Produkte: Spritzgießformen, Druckgussformen, ThermoformenSchneider Form Team
  • Kunden: Automotive-Industrie (OEM wie Zulieferer)
  • Maschinenpark: Fräsen bis 8000 x 1250 x 2500 mm mit bis zu 7 Achsen; Tieflochbohren bis 3200 x 1650 x 2000 mm bis zu 40 t Tischbelastung; Senkerodieren bis 2750 x 1550 x 1000  mm; Messmaschinen bis 3300 x  2500 x 1500 mm, Faro-Messarm, optisches Messen mit GOM; Tuschierpresse mit 3500 x 2500 mm Aufspannfläche und 400 t Zuhaltung; Spritzgießmaschinen mit 23 000 bis 40 000 kN; 3D-Drucker 300 x 300 x 300 mm
  • Software: Tebis, Catia, Proleis
  • Jahresumsatz: > 50 Mio. Euro
  • Mitarbeiter: 300 (15 Auszubildende)
  • Kontakt: Schneider Form GmbH, D-73265 Dettingen unter Teck, ­ Tel.: 07021/8080-0, www.schneider-form.de