Innovativ sein für den Kunden

 Faßnacht Formenbau in Bobingen

Nur immer das umzusetzen, was der Kunde verlangt – das können heute sehr viele. Innovative Werkzeug- und Formenbauer gehen daher einen anderen Weg und betreiben selbst Forschung und Entwicklung. Dass man dazu kein Großunternehmen sein muss, beweisen Sieger und Finalist der Kategorie „Externer Werkzeugbau unter 100 Mitarbeiter“, der W. Faßnacht Formenbau in Bobingen bei Augsburg und der Wiro Präzisions-Werkzeugbau in Olpe: Sie denken in den Prozessen ihrer Kunden und entwickeln auch auf eigenes Risiko Lösungen, die die gesamte Prozesskette optimieren.

Die Krise hatte sich auch bei Kategoriesieger Faßnacht bemerkbar gemacht: „Insbesondere Kunden aus der Automobilindustrie fielen aus“, erklärt Wolfgang Faßnacht. „Die frei gewordenen Kapazitäten wurden indes sofort von anderen Interessenten in Anspruch genommen – unser Automotive-Anteil ist von 60 auf 15 Prozent gesunken.“

In der Krise kamen neue Kunden
In der Krise haben auch namhafte Neukunden bei dem Werkzeugbau angeklopft – Unternehmen, die vorausschauend auf der Suche nach leistungsfähigen Werkzeugbauern waren. Nicht ohne Grund kamen sie nach Bobingen: Faßnacht hat gerade auch in Krisenzeiten kräftig investiert, ist in neue Technologien wie das LaserCusing eingestiegen, die er zusammen mit Hersteller Concept Laser weiterentwickelt. „So konnten wir uns Aufträge sichern, die ohne diese Technologie schlicht nicht realisierbar gewesen wären“, betont Faßnacht.

Bei den Versuchen mit der neuen Technologie arbeitet Faßnacht eng mit seinen Kunden zusammen: Die LaserCusing-Einsätze, die er an die Kunden zum Praxistest in der Serienfertigung herausgibt, sind deutlich leistungsfähiger als die konventionellen Einsätze – das macht sich insbesondere in einem deutlich geringeren Verzug der Werkstücke bemerkbar.

Mit den Versuchen schafft der Formenbauer eine Win-Win-Situation für alle Seiten: Die Kunden bekommen einen Vorteil, den sie nicht bezahlen müssen, und Faßnacht kann die Werkzeuge unter den Bedingungen der Großserie eingehend testen. Dabei lässt der Werkzeugbauer seine Kunden nicht ins Risiko laufen: „Für alle Fälle liefern wir zusätzlich zum gecusten Einsatz einen konventionellen mit, die Prozesssicherheit beim Kunden hat absoluten Vorrang“, erklärt Faßnacht. „Bisher musste aber noch kein Kunde auf den konventionellen Ersatz zurückgreifen.“

Erfolg mit einem gut ausgebauten Netzwerk aus Partnerunternehmen
Neueste Technologie ist indes nur ein Erfolgsfaktor. Ein weiterer ist das enge Netzwerk, das Faßnacht zu anderen Unternehmen pflegt. Er scheut sich nicht, auch mit direkten Wettbewerbern zusammenzuarbeiten. „Wir können nicht alles abdecken“, erklärt er bestimmt. „Und wenn wir mit der Verlagerung von Arbeiten nach außen mehr Kapazität für unsere eigentliche Kernkompetenz bekommen, kann das für alle Seiten nur von Vorteil sein.“ So lastet er inzwischen in einem externen Fräsbetrieb kontinuierlich drei Maschinen aus: „Die Qualität, die wir von dort zuverlässig bekommen, passt zu unserer Arbeit“, erläutert der Unternehmer. „Mit unserem Netzwerk, das langsam, aber beständig wächst, können wir weit komplexere Projekte stemmen als allein.“

Den wichtigsten Faktor für seinen Erfolg sieht Faßnacht indes in seinen Mitarbeitern: „Mir ist wichtig, dass ich zu jedem Einzelnen einen persönlichen Bezug habe“, betont der Unternehmer. Das ist auch der Grund, warum er seinen 18-Mann-Betrieb nur sehr behutsam vergrößert.

Trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – der sehr persönlichen Atmosphäre hat Faßnacht es geschafft, dass seine Mitarbeiter auch wichtige Entscheidungen im Unternehmen selbständig treffen. Sie agieren quasi als Mit-Unternehmer im Unternehmen. Damit hat Faßnacht einen Schritt bewältigt, der vielen anderen, nach wie vor auf einen „Chef“ als alleinigen Entscheidungs- und Verantwortungsträger ausgerichteten Unternehmen noch bevorsteht.

Die Mitarbeiter sind sehr frei in der Gestaltung ihrer Arbeitszeit, haben die Möglichkeit, nahezu alles im Unternehmen selbst zu machen – inklusive Angebote, Kalkulation und Beschaffung. Ein vielfältiges, interessantes Aufgabengebiet – kein Wunder, dass die Fluktuation im Unternehmen gleich Null ist.

W.Faßnacht Formenbau

W.Faßnacht Formenbau hat sich als Problem-löser für komplexe Formen einen Namen gemacht. Er setzt auf engagierte Mitarbeiter und ein leistungs­fähiges Unternehmensnetzwerk.

Der Facharbeitermangel ist für Faßnacht kein Thema – er setzt konsequent auf „Eigengewächse“: Nicht nur für dieses Jahr konnte ab September ein neuer Auszubildender gewonnen werden – auch für 2012 ist der Ausbildungsplatz bereits fest vergeben. „Der Werkzeug- und Formenbau bietet gerade auch jungen Menschen sehr attraktive, abwechslungsreiche Arbeitsplätze in einem Hightech-Umfeld, in dem sie sich selbst verwirklichen können“, betont Faßnacht. „Es liegt an uns, das den Jugendlichen rechtzeitig – also nicht erst, wenn sie von der Schule abgehen – zu vermitteln.“

Aus- und Weiterbildung ist wichtig
Auch bei Wiro wird großer Wert auf Aus- und Weiterbildung gelegt – und auch hier ist bereits für 2012 die Ausbildungsstelle vergeben. Wiro gilt als sehr guter Arbeitgeber – wer fertig ausgelernt hat, kann sicher sein, dass er noch mindestens ein Jahr seinen Platz im Unternhemen hat. „Und zwar völlig unabhängig von der konjunkturellen Lage“, erklärt Geschäftsführer Reiner Rohlje. „Als Unternehmen haben wir eine soziale Verantwortung – für unsere Leute, aber auch über das Unternehmen hinaus.“

Die Mitarbeiter sind das wertvollste Kapital des Unternehmens. „Auch in guten Zeiten, wenn die Auftragsbücher übervoll sind, ist Aus- und Weiterbildung deshalb ein Muss“, betont Rohlje, der das Familienunternehmen in der zweiten Generation führt. „Es hat sich zudem bewährt, dass wir unsere Mitarbeiter sehr breit ausbilden, so dass sie in verschiedenen Aufgabenfeldern sehr fit sind. Das garantiert uns die notwendige Flexibilität, und wir sind auch für eventuelle Ausfälle gewappnet.“

Der Auftragsbestand reicht bei Wiro über acht Monate. „Das ist für viele Kunden die zumutbare Grenze, bis zu der Lieferfristen noch akzeptabel sind“, weiß Rohlje. „Wir haben unsere Kapazitäten voll ausgelastet, und ein Größenwachstum ist für uns keine Option – wir bleiben lieber klein und schlagkräftig.“

Klar, die gute konjunkturelle Lage gibt Werkzeugbauern eine deutlich bessere Position bei Verhandlungen mit ihren Kunden: „Jetzt ist die Zeit dafür gekommen, die Verträge wieder auf eine faire Basis zu stellen – das war in den vergangenen Jahren leider nicht immer möglich“, erklärt Rohlje. „Deshalb ist es jetzt wichtig, mit gesundem Selbstbewusstsein die Weichen zu stellen und insbesondere langfristige Projekte mit vernünftigen Konditionen anzugehen.“

Antizyklisch investiert
Auch Rohlje hat antizyklisch investiert, hat sein Unternehmen in der Krise ausgebaut und modernisiert. „Dass wir gerade in mauen Zeiten geordert haben, hat unsere Maschinenlieferanten entlastet – sie sind uns dafür bei den Preisen entgegengekommen. Und uns haben die Investitionen die Möglichkeit gegeben, mit voller Kraft in die wieder anspringende Konjunktur hineinzustarten“, erklärt der Unternehmer. „Umgekehrt ist es aber auch wichtig, in Boomzeiten nicht alle Kapazitäten nur auf den nächsten Auftrag zu verwenden, sondern vorzubauen für Zeiten, in denen die Arbeit wieder weniger wird. Und die kommen ganz bestimmt wieder – irgendwann.“

Wiro ist international im Geschäft, hat einen Exportanteil von rund 90 Prozent, das Unternehmen ist gut aufgestellt und verfügt über einen großen Kundenstamm. Trotzdem verlassen sich die Verantwortlichen nicht allein auf Bestandskunden: Allein in diesem Jahr war Wiro auf vier Messen präsent, davon drei im Ausland. „Und auch im kommenden Jahr werden wir wieder auf ausgewählten Messen ausstellen“, erklärt Rohlje. „Wer jetzt die Hände in den Schoß legt, weil sein Unternehmen ausgelastet ist, und das Marketing vernachlässigt, sägt an seiner Zukunft. Neue Kunden muss man in guten Zeiten suchen – in der Krise welche zu finden ist deutlich schwerer, wenn nicht unmöglich.“

Eigenentwicklungen vorantreiben
Ein wichtiger Baustein sind für Rohlje daher die Eigenentwicklungen: „Wir stellen selbst innovative Werkzeuge quasi ,auf Verdacht‘ her – ohne Auftrag“, erklärt er. „Das ist gerade jetzt wichtig. So können wir unseren Kunden schon heute einen echten Mehrwert bieten.“ Die Kunden wissen, dass sie bei Wiro in guten Händen sind. „Und an den Kostenvorteil, den sie mit unseren Werkzeugen erzielen, werden sie sich gerade auch in schlechteren Zeiten erinnern“, weiß Rohlje aus Erfahrung. „Klar könnten wir jetzt alle Kapazitäten auf die gegenwärtigen Aufträge verwenden und damit kurzfristig noch das eine oder andere Projekt ins Unternehmen holen und ein paar Euro mehr Umsatz machen. Aber es ist für uns immens wichtig, jetzt die Innovationen zu entwickeln, mit denen wir in schlechteren Zeiten unseren Kunden helfen können und einen guten Teil unserer Ressourcen dafür einzuplanen. Damit wir auch die nächste Krise unbeschadet überstehen können.“

Begründung der Jury

W. Faßnacht Formenbau
Der 1990 gegründete W. Faßnacht Werkzeug- und Formenbau stellt Mehrkomponenten- und Mehrkavitätenformen für Spritzgießteile in der Automobil- und Konsumgüterindustrie her. Es wird die komplette Bandbreite, von Folienhinterspritzungen bis zu Gasinnendruckwerkzeugen abgedeckt. Die besondere Stärke des Formenbauers liegt im ausgeprägten Formen-Know-how, das den Bobinger Experten den Ruf der Problemlöser eingebracht hat. Die überregionalen Kunden des Unternehmens werden bereits in der Produktentwicklung technisch unterstützt. Aufgrund der straffen Unternehmensstruktur kann mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis am Markt operiert werden. Es wurde ein regionales Netz aus Zulieferern aufgebaut, womit ein hohes Maß an Flexibilität erreicht wird. Neue innovative Technologien wie etwa LaserCusing werden proaktiv in das Unternehmen eingebracht und weiterentwickelt.

Wiro Präzisions-Werkzeugbau
Das 1971 gegründete Familienunternehmen Wiro in Olpe wird derzeit in der zweiten Generation geleitet. Das Produktspektrum des Werkzeug- und Formenbauers ist stark spezialisiert. Es werden in erster Linie technologisch anspruchsvolle Werkzeuge für Schraubkappen, Tubenkomponenten, Verschlüsse, Verschlusskomponenten und Verpackungsteile hergestellt und weltweit vertrieben. Der Exportanteil beträgt bei Wiro mehr als 90 Prozent. Der Kundenwunsch steht im Mittelpunkt der täglichen Arbeit bei Wiro. Die konsequente weltweite Vor-Ort-Präsenz auf Messen und in globalen Produktionsstätten, eine hohe Werkzeugqualität sowie ein schnelles Ersatzteilmanagement ermöglichen den Erfolg des Unternehmens auf Exportmärkten auch in Niedriglohnländern.

Stärkeprofile

W. Faßnacht Formenbau

  • langfristige Denkweise und Nachhaltigkeit
  • hohe Eigenverantwortung der Mitarbeiter,
  • kontinuierliche Investitionen in den Maschinenpark
  • geringe Durchlaufzeiten
  • breites Werkzeugspektrum
  • gute Kundenbindung und -struktur
  • hohe Flexibilität der Mitarbeiter
  • geringe Fluktuation
  • eindeutige strategische Fokussierung, proaktive Entwicklung neuer Technologien
  • regionale Vernetzung und intelligente Fremdvergabe
  • stringente Nutzung von standardisierten Formaufbauten, durchgängige digitale Prozesskette
  • einheitlicher Einsatz von Steuerungssoftware

Wiro Präzisions-Werkzeugbau

  • junger Maschinenpark insbesondere im Bereich Fräsen mit guter Datendurchgängigkeit
  • sehr gutes Dienstleistungsangebot und Verständnis als Systemlieferant
  • hohes Qualifikationsniveau der Mitarbeiter und sehr hohe Mitarbeiterzufriedenheit
  • sehr gute Mitarbeitermotivation/-entwicklung
  • frühzeitige Einarbeitung zukünftiger Führungskräfte
  • hohe Exportquote in Niedriglohnländer
  • breite Marketingaktivitäten (Prospekte auch in jeweiliger Landessprache)

Im Profil

W. Faßnacht FormenbauW. Faßnacht Formenbau

  • Produkte: Spritzgießwerkzeuge bis 3,5 t
  • Kunden: Medizintechnik, Weiße Ware, Haushaltswaren, Automobilzulieferer
  • Maschinenpark: unter anderem CNC-Fräszentren, Graphitfräszentrum, Erodiermaschinen, Schleifmaschinen, Drehmaschinen, Messmaschine, Laserauftragsschweißgerät, LaserCusing-Anlage, 3D-ABS-Plotter
  • Mitarbeiter: 17 (dazu 1 Auszubildender)
  • Besonderheiten: ausgeprägte Kooperation mit regionalen Wettbewerbern und Lieferanten – gegenseitiges Vermitteln von Aufträgen und Hilfestellungen bei Kompetenzdefiziten, Eigenentwicklungen im Bereich LaserCusing, Versuche in enger Kooperation mit Kunden
  • Kontakt: W. Faßnacht Formenbau, D-86399 Bobingen, Tel.: 08234/9654-0, E-Mail: w.fassnacht@t-online.de

Wiro Präzisions-Werkzeugbau

  • Produkte: Hochleistungs-Spritzgießwerkzeuge für Verschlusskomponenten, hohe KavitätszahlenWiro Präzisions-Werkzeugbau
  • Kunden: Verpackungsindustrie, Exportanteil 90 Prozent
  • Maschinenpark: sehr neu – Durchschnittsalter rund drei Jahre. Diverse Maschinen zum HSC- und CNC-Fräsen, Senkerodieren, CNC-Koordinatenschleifen, CNC-Rundschleifen, CNC-Drehen etc. Spritzgießmaschinen zum Abmustern bis 440 t Schließkraft
  • Mitarbeiter. 34 (dazu 8 Auszubildende)
  • Umsatz 2010: 10 Mio. Euro
  • Auftragsbestand: ca. 15 Wochen
  • Besonderheiten: Familienunternehmen in der 2. Generation (drei Generationen im Unternehmen tätig). Hohe Kundenorientierung; schnelle und unbürokratische Hilfe, hohe Kulanz in der Abwicklung und hohe Flexibilität
  • Kontakt: Wiro Präzisions-Werkzeugbau GmbH & Co. KG, D-57462 Olpe-Saßmicke, Tel.: 02761/3003, www.wiro.com