Kontinuierlich weiterentwickelt

Wer nur mit der Masse schwimmt, hat es schwer, nach vorn zu kommen. Deshalb sind Forschung und Entwicklung gerade in der Werkzeugbaubranche, die sich zu Recht als technologische Speerspitze der industriellen Entwicklung sieht, ein wichtiger Faktor zur Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit. Der Sieger und der Finalist der Kategorie „Externer Werkzeugbau über 50 Mitarbeiter“, die Hofmann Innovation Group in Lichtenfels und die Haidlmair Werkzeugbau GmbH im oberösterreichischen Nußbach, sind innovativ in der Entwicklung der Werkzeugtechnologien für ihre Kunden, gehen aber mit eigenen Projekten, die teilweise gemeinsam mit Partnern gestemmt werden, weit über diese kundenprojektbezogenen Ansätze hinaus.

Die Hofmann Group bietet von der kunststoffgerechten Entwicklung von Kunststoffteilen und Baugruppen über die Herstellung von Erst­mus­tern und Prototypen, Konstruktion und den Bau von Serienwerkzeugen, Serienanläufe und kleinere Serien bis zum umfangreichen After-Sales Service eine breite Palette, die um die Weiterentwicklung der LaserCusing-Technologie und -Anlagen ergänzt wird. „Im Werkzeugbau bieten wir unseren Kunden Werkzeuge für das 2-3K-Mehrkomponentenspritzgießen ebenso wie für Hohlkörperspritzguss, Etagenspritzguss, Variotherm-Technologie, Gas- und Wasserinjektionstechnik, Inserttechnik, Stoff- und Folienhinterspritzen, SkinForm-Technologie, LaserCusing-Werkzeugeinsätze und den ergänzenden Maschinenbau“, erklärt Stefan Hofmann, Geschäftsführer Werkzeugbau Siegfried Hofmann GmbH. „Auch in den Kundenbranchen decken wir ein breites Spektrum ab von der Elektro- und Medizintechnik über Haushaltsgeräte und Verpackung bis hin zur Automotive- und Luft- und Raumfahrtindustrie.“

Benchmark Zitat 1

Großen Wert legt Hofmann auf Forschung und Entwicklung – eigenständig wie auch zusammen mit Partnern aus Industrie und Hochschule.

Was im ersten Moment nach „Bauchladen“ klingt, hat durchaus Sinn, zumal man in Lichtenfels trotz der Breite die Klaviatur der angebotenen Technologien souverän beherrscht. „Ab einer gewissen Größe braucht ein Werkzeugbau eine Menge Aufträge – und mit unserer Ausrichtung sind wir ein Stück weit unabhängiger von den Konjunkturzyklen der Teilindustrien.“

Fokus Forschung und Entwicklung
Großen Wert legen die Verantwortlichen bei Hofmann auf Forschung und Entwicklung – eigenständig wie auch in Kooperation mit Partnern aus Industrie und Hochschule. Hier geht es nicht nur um neue Technologien, sondern auch um organisatorische Themen wie die Erfassung der Lebenszeitkosten von Werkzeugen.

Ein hohes Maß an Standardisierung bei Werkstoffen, Konstruktion, Maschinen und Prozessen ermöglicht eine rationelle Werkzeugfertigung. „So arbeiten wir etwa in der Elektrodenfertigung nur noch mit sechs Standardrohlingen – damit decken wir 90 Prozent aller Elektroden ab“, erklärt Hofmann. „Die Standardisierung rechnet sich in der Gesamtbetrachtung, auch wenn in Einzelfällen ein konventionelles Vorgehen vielleicht wirtschaftlicher ist.“

Die Werkzeugexperten bei Hofmann sind sehr früh in die Prozesskette ihrer Kunden eingebunden. „Das beginnt in der Produktentwicklung, wo wir mit unserem Know-how die wirtschaftliche Machbarkeit sicherstellen“, erklärt er. „Unsere Mitarbeiter verfügen über sehr tiefes Wissen bezüglich der Prozesse beim Kunden.“

Damit die Werkzeugbauer über das notwendige Rüstzeug für ihre Aufgaben verfügen, legen die Verantwortlichen bei Hofmann viel Wert auf eine fundierte Aus- und Weiterbildung. „Nicht wenige der bei uns ausgebildeten Werkzeugbauer machen nach ein paar Jahren ihren Techniker oder Meister oder hängen ein Studium dran“, erklärt Hofmann. „Wir unterstützen unsere Leute dabei, wo wir können. Und selbstverständlich versuchen wir, im Anschluss eine adäquate Aufgabe für sie zu finden und sie entsprechend ihren Fähigkeiten und Wünschen einzusetzen. Das hat bislang auch immer sehr gut funktioniert.“

Fundierte Aus- und Weiterbildung steht auch bei Haidlmair im oberösterreichischen Nußbach hoch im Kurs. „Unsere Philosophie ist seit jeher, uns auf die Menschen zu konzentrieren – das gilt sowohl für unsere Kunden als auch für unsere Mitarbeiter“, betont Mario Haidlmair, Geschäftsführer der Werkzeugbau-Gruppe Haidlmair. „Unsere Leute sind sehr gut ausgebildet, sie können viel. Aber auf Dauer reicht das nicht. Wir ermutigen sie daher, sich stetig weiterzuentwickeln und sich fortzubilden – übrigens gerade auch die älteren Arbeitnehmer, die für uns mit ihrer Erfahrung besonders wertvoll sind.“

Benchmark 2

Werkzeuge für Verpackungen sind eine Domäne der Werkzuegbauer bei Haidlmair im oberösterreichischen Nußbach.
Bild: Haidlmair

Fundierte Aus- und Weiterbildung
Das Weiterbildungsangebot ist breit gefächert – es reicht neben dem in Kooperation mit Hochschulen und weiteren Unternehmen der Region geschaffenen Aus- und Weiterbildungssystem von Schweißkursen bis hin zu wirtschaftlichen Themen. „Das wirtschaftliche, unternehmerische Denken bei den Mitarbeitern hatten wir in der Vergangenheit zu wenig forciert“, erklärt Haidlmair. „Das ist umso wichtiger, als sich Märkte, Technologien, Arbeitsabläufe und damit das Arbeitsumfeld eines jeden Einzelnen stetig ändern.“

Ein Beispiel ist der steigende Automatisierungsgrad. „Der dient bei uns nicht dazu, Arbeitsplätze wegzurationalisieren“, erläutert Haidlmair. „Automatisierung hilft uns, die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen. Keiner erledigt gern kraft- und zeitraubende Routinetätigkeiten, kaum jemand will gern Schicht arbeiten. Deshalb ist unser langfristiges Ziel, mit einer Schicht auszukommen und trotzdem die Ausbringung der Maschinen deutlich zu erhöhen. Das ermöglicht uns die Automatisierung – bei uns sollen die Maschinen schwitzen, nicht die Mitarbeiter.“ Das Arbeitsumfeld bei Haidlmair hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Standardisierung, aber auch Maßnahmen wie 5S sorgen für effizientes Arbeiten.

Benchmark Zitat 2

Der Haidlmair-Werkzeugbau hat zusammen mit anderen Unternehmen aus dem Kremstal ein eigenes Ausbildungssystem geschaffen.

Der Wandel begleitet die Branche
„Auch wenn der Werkzeugbau eine sehr konservative Branche ist – der Wandel begleitet uns stetig, in ein paar Jahren werden unsere Unternehmen ganz anders aussehen müssen als heute“, betont Haidlmair. „Deshalb sind Forschung und Entwicklung auch in unserer Strategie ein zentrales Element.“ Neue Technologien spielen darin ebenso eine wichtige Rolle wie die Optimierung bestehender Werkzeugkonzepte. Aber auch der Bereich Service soll weiter ausgebaut werden.

Seit einiger Zeit haben die Werkzeugbauer in Nußbach ihre Kapazitäten im Bereich Großwerkzeuge deutlich ausgeweitet. Dabei helfen ihnen die Kompetenzen, die sie sich beim Bau von Formen für Getränkekästen erworben haben. „Gerade dort ist es sehr wichtig, die Bedürfnisse des Kunden sehr genau zu erkennen und umzusetzen“, meint Haidlmair. „Der Fokus liegt klar auf geringen Stückkosten beim Endprodukt. Höchste Qualität und hochkomplexe Werkzeuge sind da eine Selbstverständlichkeit. Dieses Know-how wollen wir verstärkt in andere Bereiche einbringen, speziell bei großen Verpackungen. Aber wir werden uns auch in andere Bereiche bewegen, haben beispielsweise ein Standbein im Bereich Automotive. Diese Diversifikation soll uns dabei helfen, bei Krisen in Teilbranchen unempfindlicher zu werden.“

Jury-Urteil*

Hofmann Innovation Group, Lichtenfels
1958 gründete Siegfried Hofmann den Werkzeugbau Hofmann, der heute in zweiter und dritter Generation geführt wird. In fünf Jahrzehnten hat sich daraus die Hofmann Innovation Group entwickelt, die heute das Dach für acht Einzelunternehmen mit etwa 500 Mitarbeitern bildet. Der Werkzeugbau stellt auf Basis seiner über 50-jährigen Erfahrung in der Kunststoffindustrie komplexe Spritzgießwerkzeuge im Größenbereich von 0,5 bis 40 t her. Kunden sind die Automobil-, Haushaltsgeräte-, Luftfahrt- und Elektronikindustrie. Tochterunternehmen sitzen in Spanien, Tschechien, China und der Türkei. Es besteht eine enge Anbindung an den Robert Hofmann Modellbau innerhalb der Hofmann Innovation Group.

Haidlmair Werkzeugbau GmbH, A-Nußbach
Das 1979 von Josef Haidlmair gegründete Unternehmen stellt in zweiter Generation mit seinen Tochterunternehmen in Deutschland, Ungarn und Tschechien unter anderem Spritzgießwerkzeuge für Getränke- und Transportkisten her. Der Haidlmair Werkzeugbau bildet dabei die Zentrale und größte Produktionsstätte in einem Netzwerk aus aktuell acht Betrieben mit insgesamt rund 500 Mitarbeitern. Haidlmair arbeitet mit führenden Unternehmen in der Region in einem eigenständigen Ausbildungssystem zusammen, um qualifizierten Nachwuchs frühzeitig an das Unternehmen zu binden: Bereits sechs Jahre nach der Gründung des Formenbaus wurde eine Lehrwerkstätte zur Ausbildung der eigenen Fachkräfte eingerichtet, die zu großen Teilen im Unternehmen verbleiben.

* Im Rahmen der Veranstaltung „Werkzeugbau mit Zukunft“, 16. Oktober 2013 in Aachen

Stärke-Profil

Hofmann Innovation Group, Lichtenfels

  • Auftritt als Entwicklungspartner und Generalunternehmer
  • umfangreiche Kooperationsaktivitäten zur Entwicklung innovativer Produkte und Prozesse
  • hoher Standardisierungsgrad bezüglich Material, Prozess und Maschine

Haidlmair Werkzeugbau GmbH, A-Nußbach

  • Fokussierung auf Großwerkzeugbau für Verpackung, Logistik und Automobil
  • leistungsfähiger Maschinenpark
  • hohe Datendurchgängigkeit im Unternehmen
  • schlanke Verwaltungsstrukturen
  • innovatives Schichtsystem in der Fertigung

Unternehmens-Profil

 Benchmark HofmannHofmann Innovation Group, Lichtenfels

  • Produkte: Spritzgießformen, Modelle/Rapid Prototyping, Teilefertigung, Prüfmittel/Vorrichtungen, LaserCusing-Technologie
  • Kunden: Unternehmen der Branchen Automotive und Haushalt
  • Maschinenpark: 5-Achs-HSC bis max. 2000 x 1800 x 1100 mm, 5- Achs-Fräsen bis 3000 x 2000 mm, Senkerosion bis max. 2750 x  1550 x 1600 mm, Linie für Elektrodenfertigung (inkl. Vermessen), Linie für Senkerosion (inkl. Vermessen), 2 LaserCusing-M3-Linear-Anlagen, Stereolithographie, Lasersintern bis 1500 x 500 x 500 mm, Vakuumgus
  • Mitarbeiter: 480 (davon 50 Auszubildende)
  • Umsatz: 90 Mio. Euro
  • Besonderheiten: „Zeichnungsfreie” Fertigung, hoher Automatisierungsgrad (Fertigungslinien), Änderungsabteilung, spezielle Werkzeugtechniken (Variotherm-, Wendeplattentechnik und anderes), modernes Ausbildungszentrum
  • Kontakt: Robert Hofmann GmbH, D-96215 Lichtenfels, Tel.: 09571/949-0, www.hig-ag.de

Haidlmair Werkzeugbau GmbH, A-Nußbach

  • Produkte: anspruchsvolle Spritzgießwerkzeuge sowie DruckgussformenBenchmark Haidlmaier
  • Kunden: Unternehmen aus Verpackung, Logistik und Automotive
  • Maschinenpark: 5-Achs-HSC bis max. 8000 x 1800 x 2500 mm, Senkerodieren, Drahterodieren, Linie für Elektrodenfertigung, Schleifen, Drehen, Spritzgießmaschinen
  • Mitarbeiter: 220 (davon 30 Auszubildende)
  • Umsatz: 40 Mio. Euro
  • Besonderheiten: Kurze Durchlaufzeiten, sehr flexible Mitarbeiter, vorbildliches Aus- und Weiterbildungskonzept, hoher Pro-Kopf-Umsatz
  • Kontakt: Haidlmair Werkzeugbau GmbH, A-4542 Nußbach, Tel.: 043-7587/6001-0, www.haidlmair.at