Werkzeuge von Phoenix Contact

Bei Phoenix Contact entstehen Systeme und Lösungen für die Energieversorgung, den Geräte-, Maschinen- und Schaltschrankbau, Stanz-Biege- und Spritzgießwerkzeuge, Prototypen, Kleinserien, Rapid Tools. - Bild: Phoenix Contact

Im Benchmark-Wettbewerb "Excellence in Production" wurde Phoenix Contact 2017 und 2018 ausgezeichnet als "Werkzeugbau des Jahres" und als Sieger in der Kategorie "externer Werkzeugbau über 50 Mitarbeiter".

Für die internen Werkzeugbauer bei Phoenix Contact aus dem nordrhein-westfälischen Blomberg kam die Auszeichnung zum "Werkzeugbau des Jahres 2018" zum zweiten Mal in Folge sehr überraschend. Die jährlich vom Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen und dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT in Aachen ausgetragene Preisverleihung im Wettbewerb "Excellence in Production" (kurz: EiP) hat sich fest in der Branche etabliert und versammelt die Crème de la Crème der Werkzeug- und Formenbauer.

Businessplan umsetzen

Sven Holsten, Leiter Werkzeugbau bei Phoenix Contact, erklärt: "Da wir uns bereits 2016 über den Gesamtsieg freuen durften, mussten wir zwangsweise ein Jahr bei EiP aussetzen. Umso mehr freut es uns, nach dieser Pause erneut die Vorreiterrolle einzunehmen."
Die Werkzeug- und Formenbauer aus Blomberg heben sich als Trendsetter von der Masse ab und arbeiten seit Jahren kontinuierlich daran, ihre Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu sichern. Ihr 2013 aufgestellter Businessplan wird akribisch verfolgt und jährlich mit neuen relevanten Branchenthemen ergänzt. Holsten: "Von unserem Ursprungsplan haben wir etwa 85 Prozent umgesetzt. Der Businessplan ist sehr dezidiert, weil es eine strategische Flughöhe gibt, die sehr konsequent zu einer besseren Kundenwahrnehmung führt."

Bild: Phoenix Contact

"Unser Businessplan ist sehr dezidiert, weil es eine strategische Flughöhe gibt, die sehr konsequent zu einer besseren Kundenwahrnehmung führt."
Sven Holsten, Leiter Werkzeugbau Phoenix Contact

Künstliche Intelligenz

Phoenix Contact Mitarbeiterfoto
169 Mitarbeiter und 7 Auszubildende werden derzeit bei Phoenix Contact beschäftigt. - Bild: Phoenix Contact

Ein noch relativ neuer Punkt auf ihrer Agenda ist die Künstliche Intelligenz rund um die Kunststofftechnik, der sich die Spezialisten nun in vier Leitthemen annähern möchten. "Wir sind mit der automatisierten CAM-Ableitung gestartet und möchten darüber hinaus unter Zuhilfenahme von Deep-Learning- oder Machine-Learning-Methoden KI für die Angebotserstellung sowie die Spritzgussprozess-Erfassung und -steuerung nutzen", erklärt Holsten. "Zum einen geht es uns darum, den Maschinenzustand zu erkennen und zum anderen darum, ihn gezielt zu steuern. Dafür arbeiten wir auch mit Hochschulen zusammen. Für uns ein wesentlicher Punkt, denn wir lassen das Expertenwissen etwa der Doktoranden direkt in unsere IT-Fachabteilung einfließen."

Virtuell unterstützte Montagen

Darüber hinaus haben den Blombergern ihre Bemühungen im Bereich der digitalen Vernetzung die Top-Position in der Branche eingebracht. So haben sie eine Augmented-Reality-Videolösung geschaffen, mit der auf übliche Montagepläne verzichtet werden kann. "Für den Umbau von Werkzeugen gibt es klassischerweise 2D-Zeichnungen. Um diese abzulösen, haben wir eine AR-Lösung entwickelt, mit der etwa auch Maschinenbediener virtuell unterstützt Montagen durchführen können", erläutert Holsten. "Wir haben die DIN-A0-großen 2D-Pläne immer als sehr unübersichtlich empfunden. Ein Video hingegen ist meistens selbsterklärend und deutlich intuitiver in der Bedienung."

Virtual-Reality-Lösung für die Konstruktion

Eine zentrale Rolle im Entwicklungsprozess spielt bei Phoenix Contact nach wie vor der Aufbau des internationalen Werkzeugbauverbunds. Neben dem deutschen Standort in Blomberg ist der interne Werkzeugbau in China, Indien und Polen vertreten. "Unser internes Netzwerk ist uns sehr wichtig. Damit die Kommunikation länderübergreifend noch besser wird, haben wir einen virtuellen Raum geschaffen, in dem wir weltweit Konstruktionsbesprechungen durchführen können." Die Virtual-Reality-Lösung befindet sich bei den Werkzeugbauern derzeit noch in der Pilotphase, ist aber in Blomberg schon erfolgreich installiert. "Im Moment befinden wir uns gemeinsam mit Polen in der Testphase. Hier gilt es abzuwarten, ob die Netzleistung eine optimale Kommunikation ohne große Verzögerungszeiten zulässt. Wenn wir das ausgelotet haben, werden wir die Hardware auch in China und Indien nachziehen", berichtet Holsten.

Phoenix Contact - Stärken im Überblick

  • Klar definiertes Geschäftsmodell, aus dem kompetenzen und Leistungen abgeleitet werden, um integraler Entwicklungspartner im Gesamtunternehmen zu sein.
  • Weltweite Transparenz über alle Projekte auf Tagesbasis durch den Einsatz eines GTIS-Systems sowie digitale Boards zur Auftragsverfolgung inklusive täglicher Gemba-Walks.
  • Schnelle Auftragsverteilung im globalen Netzwerk dank der Einführung einer Marketplace-Software
  • Konkreter Einsatz von künstlicher Intelligenz rund um die Kunsstofftechnik
  • Standortübergreifende konsequente Erhöhung des Automatisierungsgrads in der Fertigung mit dem Ausbau verfahrensgemischter Automationszellen
  • Mitarbeiter tragen eine hohe Selbstverantwortung; eine Berichtspflicht an ausgemachte Führungsinstanzen wurde eingeführt

Weltweite Projekttransparenz

Ähnlich wie bei Computerspielen mit virtuellen Räumen, wollten die Experten eine Lösung für das industrielle Umfeld kreieren. Für diesen Bereich konnten sie indes bislang am Markt noch keine geeignete Technologie finden. Holsten verdeutlicht: "Die Kommunikation in der virtuellen Welt fühlt sich total anders an und verbindet kulturell deutlich mehr als beispielsweise eine Telefonkonferenz. Aus diesem Grund setzen wir auf diese Lösung."

Da die Werkzeugbauer teilweise mit Sprachbarrieren mit ihren ausländischen Standorten zu kämpfen haben, wollen sie die VR-Technologie zunächst nur für den Konstruktions- und nicht im Produktionsbereich einsetzen. Neben dem "Global Tool Shop Information System" (kurz: GTIS), das die weltweite Projekttransparenz auf Tagesbasis sicherstellt, haben die Spezialisten bei Phoenix Contact eine Software im Einsatz, mit der sie auch eine schnelle Auftragsverteilung im globalen Netzwerk gewährleisten können.

Bei Phoenix Contact ist jeder Standort selbst für seine Kapazitätenplanung verantwortlich. Dennoch gilt die Devise, dass die lokalen Werkzeugbauten auch jeweils die lokalen Aufträge bearbeiten sollen. Wenn das aus Kapazitätsengpässen nicht machbar ist, müssen andere Standorte übernehmen. Holsten: "Diese Organisation haben wir früher mittels Excel-Listen oder auch per Telefon durchgeführt. Dank der standortübergreifenden Einführung der Marketplace-Software, in der quasi das gesamte Arbeitsvolumen abgebildet wird, sind wir nun in der Lage, Aufträge viel besser zu monitoren und uns per Klick für einen Auftrag anzubieten. Hier ist uns ein großer Fortschritt gelungen."

Profil - Phoenix Contact

Produkte: Systeme und Lösungen für die Energieversorgung, den Geräte-, Maschinen- und Schaltschrankbau, Stanz-Biege- und Spritzgießwerkzeuge, Prototypen, Kleinserien, Rapid Tools
Kunden: Elektronik- und Automobilindustrie
Maschinenpark: 5-Achs-Simultanfräsen, Senk- und Drahterodieren, Startlocherodieren, Schleifen, Laserbeschriften, Koordinaten- und CT-Messtechnik, Spritzgussmaschinen im Technikum
Software: CAD/CAM: Creo Parametric, hyperMILL; CAD-Datenverwaltung: TeamCenter; Simulation: Moldflow; Messen: Zeiss Holos und Calypso
Mitarbeiter: 169 (plus 7 Auszubildende)
Besonderheiten: Industrieller Werkzeugbau mit global verteilt betriebenem Netzwerk
Webseite: www.phoenixcontact.com

Absolut papierlose Fertigung

Ein mindestens genauso großer Fortschritt war der schrittweise Weg hin zur absolut papierlosen Fertigung. "Intern hatten wir die technischen Möglichkeiten schon sehr lang", erklärt der Werkzeugbauleiter. "Bisher ist es uns jedoch nicht gelungen, diese auf die gesamte Prozesskette auszuweiten, zum Beispiel auf externe Lieferanten." Aktuell sind die Experten dabei, ihre gesamte Prozesslandschaft umzustellen. Sie haben eine Reihe an Softwarelösungen entwickelt, um das gesamte Fertigungsmodell prozesssicher und sauber im System abbilden und alle notwendigen Informationen lückenlos mit dem 3D-Modell mitliefern zu können. Holsten dazu: "Unser Ziel war es, Lieferanten direkt mit unseren Unterlagen zu beauftragen, ohne dass wir für sie extra Zeichnungen anfertigen müssen."

Wandel in der Mitarbeiterführung

Neben all der technischen Neuerungen haben die Experten auch ihre Mitarbeiterführung überdacht. So wird heute die Eigenverantwortung der Mitarbeiter sehr viel intensiver gelebt, als das noch vor 24 Monate der Fall war. Holsten erklärt: "Eine flache Führungshierarchie erfordert, dass unsere Mitarbeiter selbstverantwortlich entscheiden. Damit wir von der Spitze her Verantwortung abgeben können, haben wir klare Berichtswege eingeführt, um sicherzustellen, dass die Verantwortlichen auch ihren Rollen gerecht werden."
Da die ausländischen Standorte einem enormen Marktwachstum unterliegen, wird sich die Funktion der Blomberger Werkzeugbauer in den nächsten Jahren deutlich verändern.

Der interne Werkzeugbau bei Phoenix Contact ist ein industrialisierter Werkzeugbau mit zwei Neuwerkzeugsegmenten und einem Service- und Reparatursegment.

Weiterentwicklung der ausländischen Standorte

"Unsere Standorte in China, Indien und in Polen müssen in Zukunft nicht nur flächenmäßig wachsen, sondern sich auch technologisch stark weiterentwickeln. Hier haben wir einen klaren Bildungsauftrag", betont Holsten. "Ursprünglich waren wir der Meinung, dass die Hochtechnologie in Mitteleuropa bleibt, davon haben wir uns distanziert. Es wird auch Hochtechnologien an den ausländischen Standorten geben. Unsere zentrale Rolle wird die Steuerung des Werkzeugbaunetzwerks sein, und wir werden weiter das Technologie-Scouting übernehmen. Das bedeutet: Wir werden vermehrt an Standards arbeiten, die international eingeführt werden können, aber auch technisch hochanspruchsvolle Werkzeuge, sobald sie bei uns erprobt wurden, sehr schnell in unser Unternehmensnetzwerk hinaustragen." mf