Mitarbeiterin der Werkzeugbau Siegfried Hofmann GmbH

Nicht nur ein Männerberuf: Bei Werkzeugbau Siegfried Hofmann stehen auch junge Frauen an der Maschine. - Bild: Werkzeugbau Siegfried Hofmann

Qualitativ hochwertige Werkzeuge – das allein reicht heute bei weitem nicht mehr aus, um international wettbewerbsfähig zu sein. Wer in der obersten Liga mitspielen will, muss seinen Kunden ein umfangreiches Gesamtpaket bieten können, das deren Bedürfnisse optimal abbildet. Diese Zeichen der Zeit haben auch unsere heutigen Kandidaten des Benchmark-Wettbewerbs "Excellence in Production" (kurz: EiP) erkannt.

In der Kategorie "externer Werkzeugbau über 50 Mitarbeiter" hat es Summerer Technologies aus Schechen bei Rosenheim genauso ins Finale geschafft wie der weba Werkzeugbau aus Dietach in Oberösterreich und der Werkzeugbau Siegfried Hofmann aus dem oberfränkischen Lichtenfels.

Haidlmair GmbH, Nußbach (Österreich)

Über den Kategoriesieg dürfen sich die Werkzeugbauer bei Haidlmair aus Nußbach in Oberösterreich freuen, sie sind Weltmarktführer im Bereich Spritzgussformen zur Produktion von Getränkekästen und Klappkisten und haben nun zum dritten Mal beim EiP-Wettbewerb teilgenommen.

Strukturelle Veränderungen

In den vergangenen sechs Jahren ist dem Unternehmen ein wesentlicher Entwicklungsschub gelungen. Zu den diversen Optimierungs-Maßnahmen zählt zum Beispiel die bewusste Stärkung der Serviceabteilung. So eröffneten die Verantwortlichen vor zwei Jahren ein internationales Service-Center in Kirchdorf an der Krems, mit dessen Servicetruppe sie ihren Kunden europaweit binnen 24 h Stunden persönlich zur Verfügung stehen können. Wenn es noch schneller gehen muss haben die Experten auch Datenbrillen im Einsatz. Der Servicetechniker kann sich bei Bedarf direkt mit dem Kunden verbinden und ihn entsprechend anleiten. Verschiedene Service- und Workshop-Packages sowie Schulungen etwa für die Werkzeugwartung und -handhabung runden das Portfolio ab.

Zitat

"Mit der Computertomographie haben wir unser durchgängiges Projektmanagement sinnvoll ergänzen können." Mario Haidlmair

Mario Haidlmair
Mario Haidlmair, Geschäftsführer Haidlmair GmbH. - Bild Haidlmair

"Unser Serviceverständnis geht inzwischen aber weit über ein breites Dienstleistungsangebot und qualifizierte und erfahrene Servicemitarbeiter hinaus", erklärt Geschäftsführer Mario Haidlmair. Er leitet das Unternehmen seit 2012 in zweiter Generation. "Wir haben unser durchgängiges Projektmanagement im Sinne unserer Kunden weiter ergänzen können. Heute sind wir Ansprechpartner für alle Bereiche entlang der Prozesskette – auch in den vor- und nachgelagerten Schritten."

Vollständiger Datenkreislauf

Um diesem Ziel gerecht zu werden, war die Komplettierung ihres Datenkreislaufs erforderlich. Heute verfügen die Werkzeugbauer über eine durchgängige Systemlandschaft, in der alle Komponenten eng verzahnt sind. Damit wird gewährleistet, dass jeder Berechtigte standortübergreifend Zugriff auf die vollständigen und stets aktuellen Projektdaten hat.

Rückgrat bildet einerseits eine Product-Lifecycle-Management-Software (Teamcenter) von Siemens, die als eine Art Wissensmanagement für die Verwaltung aller technischen Daten sorgt. Andererseits ein ERP-System, das wichtige Schnittstellen zu Software-Tools sicherstellt, die unter anderem speziell von Haidlmairs Tochterunternehmen Dataformers entwickelt wurden. Dank Dataformers nutzen die Österreicher seit Kurzem "Mold Lifecycle Management", ein Tool, das ebenso als internes Wissensmanagement dient und in dem "Softfacts" wie Kundendokumente, Besprechungsprotokolle, Vorgaben und Anforderungsprofile, aber auch Simulationsergebnisse und Informationen über die CT-Messprotokolle gespeichert werden.

Bigbox-Form
Haidlmair ist Weltmarktführer im Bereich Spritzgussformen zur Produktion von Getränke­kästen und Klappkisten. Ein weiteres Geschäftsfeld ist der Großwerkzeugbau bis zu derzeit 80 t, worunter auch diese Bigbox-Form mit Abmaßen von 120 x 80 mm und einem Gewicht­ von 40 t zählt. - Bild: Haidlmair

"Deshalb haben wir 2017 unter anderem in einen 3D-Drucker für Metall- und Kunststoffanwendungen und 2018 in Österreichs größten Industrie-Computertomographen Yxlon CT Modular investiert. Für uns schließt sich damit ein Kreis", berichtet der Geschäftsführer. "Über die CT-Messtechnik erhalten wir Echtdaten der Artikel, die wir in unserem hauseigenen Technikum bemustern. Diese können wir in unsere Werkzeugkonstruktion zurückführen und wiederum in die Simulation einfließen lassen. Wir können das CT-Messen als Dienstleistung anbieten und haben genauso auch die Möglichkeit, das Bauteil direkt in den 3D-Druck zu überführen und beispielsweise Prototypen zu fertigen. Am Ende des Tages steht ein höchst leistungsstarkes und voll optimiertes Werkzeug, das allen Anforderungen unseres Kunden gerecht wird und auf dessen Daten wir digital flexibel zugreifen können."

Die Werkzeugbauer haben jahrelang investiert, um ihren Kunden als Ansprechpartner für alle Bereiche entlang der Prozesskette zur Verfügung zu stehen.

Hilfreiche Software-Lösungen

Auch Tools wie "Testify", eine Qualitätsmanagement-Software zur Fehlerrückmeldung, und "Mould Monitoring 4.0" haben die Werkzeugbauer ihrem Tochterunternehmen zu verdanken. Mit Mould Monitoring 4.0 sind die Experten in der Lage, die Zustandsdaten ihrer Werkzeuge live abzurufen. Das System wurde speziell für das Unternehmen entwickelt und an den Haidlmair-Werkzeugen getestet und optimiert.

Haidlmair: "In der Branche wurde viel über 'intelligente Werkzeuge' gesprochen – wirkliche Lösungen gab es aber keine. Wir haben nun eine gefunden, die den Markt der sensorgestützten Werkzeuge deutlich voranbringen kann. Deshalb suchen wir weitere Partner, um die Sensorik branchenweit zu etablieren." Neben dem Softwarebereich wurde auch in der Fertigung investiert. Beispielhaft dafür steht 2017 die Realisierung einer rund 35 m langen Automationslinie in der Kerntechnologie Fräsen. Haidlmair erklärt: "Das Besondere an dieser Anlage ist, dass unsere Werkzeugkomponenten vollautomatisch gefräst sowie gleichzeitig vermessen, korrigiert und noch einmal nachbearbeitet werden. Zum Schluss steht ein fertiges Bauteil, das die Maßtoleranzen erfüllt – abgesehen von dem Auf- und Abrüsten – ohne jegliches Zutun eines Menschen."

Hochqualifizierte Mitarbeiter

Eine derartige Datendurchgängigkeit und Integration mit den anderen Systemen wäre auch bei diesem Projekt ohne die hauseigenen Spezialisten für Haidlmair nicht möglich gewesen. Der Geschäftsführer schätzt seine Mitarbeiter genauso sehr, wie er stolz auf die Strukturen seiner heutigen Systemlandschaft ist: "Das hat sehr lange gedauert", zieht er Bilanz. "Aber jetzt sind wir endlich soweit."