Wolfgang Faßnacht

Wolfgang Faßnacht

Herr Faßnacht, wie hat sich der Gesamtsieg im vergangenen Jahr beim Wettbewerb „Excellence in Production 2007″ auf Ihr Unternehmen ausgewirkt? Wir haben spürbar an Image gewonnen, sind bei unseren Kunden deutlich im Ansehen gestiegen Bei einem unserer Kunden, einem großer OEM in der Kunststoffbranche, hat der Verantwortliche sogar den Artikel über unseren Sieg ausgeschnitten, eingescannt und an alle irgendwie mit Werkzeugeinkauf und -beschaffung betrauten Mitarbeiter gemailt – mit dem handschriftlichen Vermerk „Dies ist unser Werkzeugmacher – darauf können wir stolz sein” Das, ich gebe es gern zu, geht runter wie Öl, denn der Wettbewerb selbst steht auch weit über die Branche der Werkzeug- und Formenbauer hinaus in hohem Ansehen und wird draußen sehr wohl wahrgenommen
Herr Faßnacht, wie hat sich der Gesamtsieg im vergangenen Jahr beim Wettbewerb „Excellence in Production 2007″ auf Ihr Unternehmen ausgewirkt?
Wir haben spürbar an Image gewonnen, sind bei unseren Kunden deutlich im Ansehen gestiegen. Bei einem unserer Kunden, einem großer OEM in der Kunststoffbranche, hat der Verantwortliche sogar den Artikel über unseren Sieg ausgeschnitten, eingescannt und an alle irgendwie mit Werkzeugeinkauf und -beschaffung betrauten Mitarbeiter gemailt – mit dem handschriftlichen Vermerk „Dies ist unser Werkzeugmacher – darauf können wir stolz sein”. Das, ich gebe es gern zu, geht runter wie Öl, denn der Wettbewerb selbst steht auch weit über die Branche der Werkzeug- und Formenbauer hinaus in hohem Ansehen und wird draußen sehr wohl wahrgenommen.

Aber schlägt sich das auch in neuen Aufträgen nieder?
Durchaus! Das hat sich allerdings nicht sofort ausgewirkt, sondern mit einer Verzögerung von etwa neun Monaten. Wir haben fünf namhafte Neukunden gewinnen können, die allein aufgrund des Wettbewerbs auf uns aufmerksam geworden sind – und zwar durchaus respektable Schwergewichte in ihrem Sektor. Bei bestehenden Kunden hat sich allerdings wenig verändert. Qualität wird heute schließlich als selbstverständlich vorausgesetzt; das Geschäft wird immer noch meist über den Preis gemacht.

Haben Sie denn mit Ihrem Sieg auch geworben?
Nicht offensiv. Das liegt aber an unserer Unternehmensphilosophie – wir wollen nicht weiter wachsen. Deshalb haben wir das Logo des Wettbewerbs zwar auf unser Briefpapier und in unsere Geschäftsunterlagen übernommen, aber waren sonst eher zurückhaltend, man hätte da durchaus mehr machen können. Die fünf großen Neukunden sind beispielsweise über die Presseberichterstattung auf uns aufmerksam geworden. Einer unserer Maschinenlieferanten hat jedoch auf der AMB über einer Maschine, die er an uns verkauft hat, mit einem metergroßen Plakat darauf aufmerksam gemacht, dass eben diese Anlage künftig beim Gesamtsieger des Wettbewerbs „Excellence in Production 2007″ stehen wird. Das ist schon ein deutliches Signal der Wertschätzung, den sich der Wettbewerb inzwischen erarbeitet hat

… und dass ein Rang auf dem Treppchen ein durchaus wirksames Marketinginstrument ist?
Aber ja! Ich denke, dass der diesjährige Gesamtsieger – Wiro Präzisionswerkzeugbau aus Olpe – das auch viel stärker pushen wird als wir. Wiro-Geschäftsführer Reiner Rohlje, den ich auch persönlich sehr schätze, setzt auf Expansion – und da kommt ihm der Titel, den er jetzt bereits zum zweiten Mal verdient gewonnen hat, gerade Recht. Aber nicht nur mit einem Gesamtsieg oder einem Gruppensieg lässt sich Werbung treiben – auf der Fakuma gab es beispielsweise Aussteller, die mit Platzierungen unter den Top 20 des Wettbewerbs geworben haben. Und sie machen das richtig, denn es ist schon eine Leistung, unter mehr als 300 teilnehmenden Unternehmen auf die vordersten Plätze zu kommen. Darauf kann man zu Recht stolz sein.

Mit Wiro hat in diesem Jahr schon wieder ein „kleiner” Werkzeug- und Formenbauer gewonnen. Woran liegt das?
Nun, zum einen sicher auch daran, dass die Werkzeug- und Formenbaubranche mit Masse aus kleinen und kleinsten Unternehmen besteht. Dann aber auch deshalb, weil gerade in den kleinen, unternehmergeführten Betrieben eine nachhaltige Fokussierung auf ein Gebiet möglich ist, weil die Entscheidungswege kurz und die Strukturen schlank gehalten werden können. Wer unternehmerisch denkt, hat es da relativ leicht …

aber Hand aufs Herz, Herr Faßnacht, hat denn ein großes Werkzeugbau-benchmark_5_2Unternehmen oder der interne Werkzeugbau eines OEMs nicht ganz andere Ressourcen als Sie oder beispielsweise Wiro, um sich für den Wettbewerb fit zu machen?
Schon. Aber da haben dann in der Regel auch die Probleme eine ganz andere Größenordung. Und sehen Sie, Herr Pergler, es ist ja auch nicht Sinn der Sache, sich für den Wettbewerb fit zu machen. Das geht ja auch gar nicht – Basis der Bewertung sind schließlich die unbestechlich und sehr objektiv ermittelten Unternehmensdaten, die Prozesse, die tatsächliche Situation im Unternehmen. Da ist ein „Aufhübschen” ein Ding der Unmöglichkeit. Der Wettbewerb ist vielmehr ein sensibler Gradmesser dafür, wo das eigene Unternehmen steht, wie es um die eigenen Prozesse und Strukturen bestellt ist. Kurz: wo die eigene Stärken und Schwächen sind.

Wie gut können die Juroren aus der Hochschule denn die Situation eines Unternehmens beurteilen?
Ich muss zugeben, als wir das erste Mal teilgenommen hatten, war ich ziemlich skeptisch – ich habe nicht so recht daran geglaubt, dass sich Leute, die noch nie ein Unternehmen geleitet haben, so sehr in die Materie hineinversetzen können. Aber dann haben mir die Aachener nach ihrem Besuch unter anderem punktgenau exakt jene Schwachstellen genannt, die mir – mehr oder weniger unterschwellig – auch schon bewusst waren. Auch wenn ich es mir vorher nicht hatte vorstellen können, dass die aus dem Elfenbeinturm einem Praktiker wie mir sagen können, was Sache ist: Die haben mit ihrem Bewertungssystem und dem Benchmark ein erstaunlich wirkungsvolles Instrument, festzustellen, wo ein Unternehmen steht.

Haben Sie daraus intern Konsequenzen gezogen?
Zum Teil schon. Auch hier gilt: Maßstab ist die Praxis, der Wettbewerb ist kein Selbstzweck. So haben wir einige Vorschläge umgesetzt, andere wiederum verworfen – wir werden auch in Zukunft nur einschichtig produzieren, auch wenn uns das Nachteile bei der Maschinenauslastung bringt. Auch intern war keinem so richtig bewusst, wo wir stehen. Der Wettbewerb hat auch unserem Selbstbewusstsein und der Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen einen Schub verpasst.

A propos Mitarbeiter: Die Konjunktur zeigt inzwischen deutliche Bremsspuren, erste Unternehmen entlassen ihre Leute …
… aber doch ganz sicher nicht im Werkzeuzg- und Formenbau! Unsere Branche tickt etwas anders – wir haben den Aufschwung kaum gespürt, und wir werden auch von der Delle, die sich jetzt insbesondere im Automotive-Sektor abzeichnet, kaum bemerken. Bei uns geht es schließlich nicht um Stückzahlen, und Werkzeuge werden immer gebraucht. Nach meiner Beobachtung ist es sogar so, dass sich die OEMs insbesondere in schlechten Zeiten mehr anstrengen und eher mehr Werkzeuge brauchen als sonst. Deshalb wäre es jetzt grundverkehrt, sich angesichts der düsteren Wolken am Horizont von guten Mitarbeitern zu trennen. Im Gegenteil – in der Branche fehlen nach wie vor jede Menge Fachkräfte. Und die Lage wird nicht besser, wenn jetzt die geburtenschwachen Jahrgänge von den Schulen abgehen.

Was ist zu tun?
Die Lücke können wir mit unserer normalen Ausbildung gar nicht schließen. Wer wettbewerbsfähig ist, das wird sich immer mehr an der Frage festmachen: Wer hat die richtigen Leute? Hier sollten wir in der Ausbildung auch verstärkt wieder auf Hauptschüler zurückgreifen. Damit habe ich in meinem Unternehmen nur gute Erfahrungen gemacht. Und sich von guten Leuten zu trennen – das wäre eine Verschwendung wertvoller Ressourcen. Denn eine neue Maschine zu beschaffen – das kostet mich im Zweifelsfall eine Unterschrift. Aber einen neuen qualifizierten Mitarbeiter zu finden, ihn für das eigene Unternehmen zu begeistern und ihn letztlich auch zu halten – das ist richtig Arbeit!

Sie haben keine Angst vor einer Konjunktur-Delle oder Rezession?
Nein. Wie schon gesagt, der Werkzeug- und Formenbau ist nicht so sehr von den Konjunkturzyklen abhängig wie etwa eine Lohndreherei. Und dann kommt eines hinzu: Die Kunden honorieren zunehmend wieder langjährige Partnerschaften. Wer also seinen OEM in guten Zeiten anständig behandelt hat und ihn nicht angesichts dicker Auftragspolster hochnäsig nach hinten geschoben hat, wird auch in schlechteren Zeiten eher einen Auftrag bekommen als der Kollege, der in der Boomzeit langjährigen Kunden vor den Kopf gestoßen hat. Freilich – Kriterium wird stets auch der Preis sein. Trotzdem: Die menschlichen Beziehungen, Verlässlichkeit, Anständigkeit im Geschäftsgebaren – das hat in den vergangenen Jahren wieder deutlich an Stellenwert gewonnen.

benchmark_5_3Sie denken also keineswegs an Verkleinerung?
Ganz im Gegenteil! Wir werden uns sogar demnächst noch eine neue Technologie ins Haus holen, um unser Angebotsspektrum abzurunden. Ich denke, wer jetzt seinen Betrieb „wetterfest” macht, wer seine Hausaufgaben richtig erledigt, wird auch eine Rezession relativ gut überstehen. Und dazu ist eine Teilnahme am Wettbewerb sehr hilfreich – denn hier wird sehr deutlich, wo man ansetzen muss, um Strukturen und Abläufe zu optimieren, wo es Potenzial für Verbesserungen gibt. Ich kann jedem empfehlen, die Chance zu nutzen …

… aber haben denn Newcomer Chancen überhaupt beim Wettbewerb?
Durchaus – auch diesmal haben es ja wieder Erstteilnehmer wie Summerer oder Siebenwurst ins Finale geschafft. Und ich bin überzeugt, dass es draußen noch viele sehr gute Unternehmen gibt. Aber auch wenn ein Sieg natürlich ein tolles Ziel ist – Gewinner ist letztlich jeder Teilnehmer: Nirgendwo sonst bekommt man so deutlich gezeigt, wo der eigene Betrieb steht. Auch im Vergleich zu den Wettbewerbern.