Vorrreiterrolle für den Werkzeugbau

Der Werkzeugbau bei Aesculap in Tuttlingen spielt die führende Rolle, wenn es im Unternehmen um die Entwicklung neuer Technologie geht: „Wir verstehen uns als Technologie-entwickler für den gesamten Kon-zern“, erklärt Hans Keller, Leiter des Betriebsmittel- und Prototypenbaus des Medizintechnik-Herstellers. „Das bedeutet unter anderem auch, dass wir neue Maschinentypen erst einmal bei uns auf Herz und Nieren testen.“ Erst, wenn die Prozesse stehen, wenn die Daten für die Bearbeitung opti-miert sind, werden die Maschinen auch für die Werkzeugproduktion an den deutschen und internationalen Standorten beschafft.

Die Domäne von Aesculap sind chirurgische Instrumente, Container- und Lagerungssysteme für den Ope-rationssaal, aber auch hochwertige Implantate und andere medizinische Artikel. Die Ideen für neue Produkte kommen oft aus der Praxis. Die enge Zusammenarbeit mit Medizinern an wichtigen Kliniken und Universitäten prägt die Arbeit – die aufwändigen Freigabeprozesse der Medizintechnik erfordern sehr genaues und effizien-tes Arbeiten, die Prozesse sind opti-mal aufeinander abgestimmt. „Wir setzen klar auf Simultaneous Engi-neering – Prototypenbau und Werk-zeug- und Formenbau arbeiten hier eng zusammen, um Fristen möglichst kurz zu halten.

Technologisch ist der Werkzeug-bau sehr breit aufgestellt: „Bei uns entstehen Prototypen, Modelle, Spritzgießformen, Werkzeuge zum kalten und warmen Massivumfor-men, komplexe Folgeverbundwerk-zeuge, aber auch Prüfmittel und Vor-richtungen für die Serienproduktion“, erklärt Keller. „Dafür stehen uns alle Bearbeitungstechnologien von der klassischen Zerspanung über Erodie-ren bis zu generativen Verfahren zur Verfügung.“ Insbesondere die Hart-bearbeitung auch exotischer Materi-alien ist eine der Spezialitäten der Aesculap-Werkzeugbauer

Nicht zuletzt die sehr kurzen Pro-duktentwicklungszyklen bringen es mit sich, dass Werkzeuge mit hoher Komplexität ausschließlich in Tutt-lingen hergestellt werden – auch für die Auslandsstandorte in aller Welt. Beispielsweise für Spritzgießwerk-zeuge für die Griffe von Einweg-Scheren, wie sie in der minimalinva-siven Chirurgie zum Einsatz kom-men. Und parallel dazu die Folgver-bundwerkzeuge für die Klingen.

„Die besonderen Anforderungen der Medizin prägen dabei entschei-dend auch den Werkzeugbau: die An-forderungen an Oberflächen bei-spielsweise zur Sterilisierbarkeit verlangen nach höchster Präzision“, betont Keller. „Die Toleranzen der fertigen Kunststoffprodukte müssen schließlich teilweise im Hundertstel-bereich genau sein.“

Ein Highlight ist die umfassende Kompetenz der Tuttlinger zur Ferti-gung von Mikrowerkzeugen für Spritzgieß- und Stanzbiege-Applikationen. Eine weitere Beson-derheit: „Aesculap produziert unter anderem Fräser für den Chirurgiebe-reich“, erläutert Keller. „Da liegt es insbesondere im Zeichen kürzerer Time-to-Market-Zeiten nahe, auch die Sonderwerkzeuge im Haus zu erstellen.“

Bei Aesculap nutzt man die Po-tenziale, die ein gut aufgestellter in-terner Werkzeugbau bietet, optimal. Das gleiche gilt auch für die Gedia Gebrüder Dingerkus GmbH, deren Werkzeugbau beim Wettbewerb als Sieger seiner Kategorie abgeschnit-ten hatte.

„Der Werkzeugbau ist in unserer Unternehmensstrategie klar eine der Kernkompetenzen“, erklärt Guido Schmal, Leiter Werkzeugtechnologie und Produktion. „Deshalb stand ein Outsourcing bei uns nie zur Debat-te.“ Ganz im Gegenteil: „Dem stän-dig steigenden Bedarf an unter-schiedlichen Bauteilen steht eine weltweit rückläufige Kapazität an guten Werkzeug- und Formenbauka-pazitäten gegenüber. Deshalb haben sich unsere Eigentümer – das Unter-nehmen ist nach wie vor im Famili-enbesitz – dazu entschlossen, strate-gisch zu investieren und die Kapazi-täten deutlich aufzuwerten.“

Ein sehr junger Maschinenpark, eine wachsende Zahl von Mitarbei-tern, sehr gute Aus- und Weiterbil-dungsangebote – das ist freilich nicht Selbstzweck: „Wir haben gleichzeitig unsere Prozesse optimiert, die inner-betrieblichen Abläufe und das Hal-lenlayout neu organisiert und so ge-waltige Produktivitätssprünge errei-chen können.“ Beispiel Liegezeiten: Sie sind bei Gedia kein Thema mehr. In den Hallen sind kaum Werkzeuge zu sehen, die auf eine Weiterbear-beitung warten – die Wartezeiten wurden mit einer intelligenten Ab-laufplanung auf ein Minimum redu-ziert.

Ein sehr offener Umgang seitens der Unternehmensleitung mit Be-triebsrat und Mitarbeitern ließ Ängste bei der Umstellung gar nicht erst aufkommen: „Unsere Belegschaft hat sehr schnell erkannt, dass die Um-stellung Vorteile für jeden Einzelnen bringt“, betont Schmal. „Die Mitar-beiter waren von Anfang an aktiv und auch maßgeblich an der Neu-gestaltung des Bereichs beteiligt.“

Ein stringenter Informationsfluss begleitet die einzelnen Aufträge: „Wir erfassen Benchmark_1_2penibel alle relevanten Kennzahlen“, erklärt Schmal. „Und der Aufwand lohnt sich: Wir haben jetzt harte Fakten über die Kosten ei-nes Werkzeugs – und nicht nur ein vages Bauchgefühl.“

Damit bekommen nun auch die Mitarbeiter alle Informationen in die Hand, die sie für die effiziente Bear-beitung ihrer Aufträge benötigen. Gefragt sind bei Gedia Querdenker, die bereit sind, auch über ihren eige-nen Horizont hinauszublicken. „Für uns ist wichtig, dass unsere Werk-zeugbauer unter anderem auch über betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen“, erklärt Schmal. „Schulun-gen sorgten für das nötige Wissen –mit großem Erfolg: „Unsere Mitarbei-ter arbeiten inzwischen mit einem ganz anderen Kostenbewusstsein“, erklärt Guido Schmal. Nebenbei sind die Mitarbeiter auch in der Lage, et-wa bei Neubeschaffungen eine In-vestitionsrechnung beispielsweise für ein neues Spannsystem aufzustellen: „Das ermöglicht eine ganz neue Qualität der Mitverantwortung am eigenen Unternehmen.“

Das Unternehmen setzt auf einen gesunden Mix in der Altersstruktur: „Es ist ein Unding, kompetente Mit-arbeiter Mitte Fünfzig frühzuverren-ten“, meint Guido Schmal. „Gerade die Leistungsträger jenseits der Fünf-zig sind sehr wertvoll – sie sind eine Quelle für Know-how, von der die Jüngeren sehr gut profitieren kön-nen.“

Neben den 72 festen Mitarbeitern im Werkzeugbau sind in der Abtei-lung auch 27 Auszubildende, ein „Duales Studium“ in Zusammenar-beit mit der Universität Siegen er-möglicht eine attraktive Weiterquali-fizierung. „Die Aus- und Weiterbil-dung ist für unser Unternehmen eine sehr rentable Investition“, ist sich Schmal sicher. „Und gerade der Werkzeugbau ist in unserem Unter-nehmen ein Fundus für hervorragen-de Nachwuchskräfte.“

Begründung der Jury:

Aesculap-Werkzeugbau, Tuttlingen
Aesculap in Tuttlingen ist eine Sparte der B. Braun Melsungen AG und fertigt chirurgische Instrumente, Implantate, Endoskope und diverse andere medizin-technische Artikel. Einen wesentlichen Teil nehmen heute auch Container- und Lagerungssysteme für den Operationssaal ein. Der Werkzeugbau des Unterneh-mens fertigt ein außerge-wöhnlich breites Spektrum an Werkzeugen für alle Produktgruppen des Hauses. Es werden Spritzgießfor-men, Stanzbiege-, Tief-zieh- und Massivumform-werkzeuge hergestellt. Da-bei handelt es sich in al-len Bereichen um hochkom-plexe Werkzeuge mit hohen Präzisionsanforderungen. Zudem besteht eine außer-gewöhnliche Kompetenz in der Fertigung von Mikro-werkzeugen für Spritzguss- und Stanzbiege-Applikationen. Aufgrund sehr kurzer Produktent-wicklungszyklen und des Know-how-Schutzes wird ein großer Teil der benötigten Werkzeuge im eigenen Haus gefertigt. Aus diesem Grund ist der Werkzeugbau auch organisatorisch der Entwicklung angegliedert.

Gedia-Werkzeugbau, Attendorn
Die Gedia Gebr. Dingerkus GmbH besteht seit 1910 am Standort Attendorn und produziert als Entwick-lungslieferant Karosserie-pressteile und Schweißzu-sammenbauten für die in-ternationale Automobilin-dustrie. Seit 1997 wurden weitere Standorte in Po-len, Spanien und Ungarn aufgebaut um die Kostenba-sis im Mix zu optimieren und die Kundenwerke opti-mal lokal zu beliefern. Die Gedia Automotive Grup-pe beschäftigt heute rund 1900 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 310 Mio. Euro. Der Werkzeugbau in Attendorn fertigt die für die Gedia Presswerke benö-tigten Betriebsmittel und ist auch für den Zukauf von Werkzeugkomponenten verantwortlich. Neben ei-ner produktivitätssteigen-den Fokussierung auf die eigenen Kernkompetenzen Simulation/Me-tho-den-pla-nung, 3D-Bearbeitung auf 5-Achs-Maschinen sowie dem Tryout wird die Leistung des Gedia Werkzeugbaus vor allem an den erreichten Nutzungsgraden in den Presswerken gemessen.

Stärkeprofil:

Aesculap-Werkzeugbau, Tuttlingen

  • Ausgeprägte Einbindung in die Produktentwick-lung durch personelle und organisatorische Maßnahmen.
  • Der Werkzeugbau ist als strategische Kernkompe-tenz des Unternehmens anerkannt.
  • Sehr systematischer Fremdvergabeprozess un-ter Berücksichtigung von Kompetenz, Kapazität und Know-how-Schutz.
  • Ausgesprochene technolo-gische Kompetenz in al-len Bereichen.
  • Sehr gute Maschinenaus-stattung und -nutzung.
  • Technologische Allein-stellungsmerkmale z.B. im Bereich der Mikrobe-arbeitung.
  • Der Werkzeugbau fungiert als Technologieentwick-ler für den gesamten Konzern.
  • Abdeckung eines äußerst breiten Produkt- und Werkzeugspektrums

Gedia-Werkzeugbau, Attendorn

  • Bewusstes Bekenntnis zum Standort Deutschland un-ter Ausnutzung von Syner-gieeffekten in anderen Länder
  • Sehr gute Fremdvergabe-strategie mit verantwor-tungsvollem Aufbau eines globalen Lieferantennetzwerkes
  • Durch konsequente Fokus-sierung auf Produktivität und Wertschöpfung bei den Investitionen und der Ab-lauforganisation konnte trotz Verkleinerung des Maschinenparks das Werk-zeugvolumen deutlich ge-steigert werden
  • Fokussiertes Werkzeug-spektrum mit klarer Kenntnis der eigenen Kernkompetenzen
  • Flexible Mitarbeiter und konsequente Einbindung der Arbeitnehmervertre-tung bei allen Organisa-tionsentscheidungen
  • Regelmäßiges Benchmarking mit externen Werkzeugbauten

Im Profil:

Benchmark_1_AesculapAesculap-Werkzeugbau, Tutt-lingen

  • Produkte: Spritzgießfor-men, Kalt-Massivumformwerkzeuge, Warm-Massivumformwerkzeuge, Prüfmit-tel/Vorrichtungen, Mo-delle/Rapid Prototyping
  • Kunden: Fertigungsstand-orte im Aesculap-Konzern
  • Maschinenpark: 16 5-Achs-Fräs-ma-schi-nen, 7 CNC-Drehmaschinen, 7 HSC-Fräsmaschinen, 21 Flach- und Profil-schleifmaschinen, 1 Rund-schleif- und 2 Koordinatenschleifmaschinen, 3 5- und 6-Achs-Werk-zeugschleifmaschinen, 1 3D-Plotter
  • Mitarbeiter: 64 (davon 3 Auszubildende)
  • Umsatz: ca. 3.8 Mio. Eu-ro (ohne Fremdvergabe) Euro
  • Auftragsbestand: jeweils rund 300 bis 500 Aufträ-ge im Umlauf
  • Besonderheiten: Sonder-fräser werden im eigene Haus gefertigt, hohe Kompetenz bei Mikrowerk-zeugen. Aesculap war ei-nes der ersten Unterneh-men, die prozesssicher HSC-Fräsen (bis 64 HRC) und Hartdrehen (bis 67 HRC) konnten.
  • Kontakt: Aesculap AG & Co. KG, D-78532 Tuttlin-gen, Tel.: 07461/95-0, www.aesculap.de

Benchmark_1_GediaGedia-Werkzeugbau, Attendorn

  • Karosseriepressteile und Schweißzusammenbauten für die internationale Automobilindustrie
  • die unternehmenseigenen Presswerke
  • Maschinenpark: 15 hoch-moderne Bearbeitungsma-schinen darunter eine 800to Try-Out Presse mit 6 m Tisch
  • Mitarbeiter: 98 (davon 26 Auszubildende)
  • Umsatz: 13,5 Mio. Euro in 2007
  • Auftragsbestand: 8,6 Mio. €, Auslastung bis 05/2008
  • Besonderheiten: die Leistung des Gedia-Werkzeugbaus vor allem an den erreichten Nut-zungsgraden in den Presswerken gemessen
  • Kontakt: Gedia Gebrüder Dingerkus GmbH, D-57439 Attendorn, Tel.: 02722/691-0, www.gedia.com