Spritzgussform, W. Faßnacht

Hochkomplexe Spritzgussformen in Mehrkomponenten- und Dünnwandtechnik oder Folienhinterspritzungen gehören zum Spezialgebiet der Werkzeug- und Formenbauer bei W. Faßnacht in Bobingen. - Bild: Faßnacht

Die wahre Kunst eines erfolgreichen Unternehmers liegt darin, seinen Mitarbeitern so zu begegnen, dass sie motiviert und verantwortungsbewusst ihrer Arbeit nachgehen, und im Idealfall auch noch Spaß daran haben. Auf diesem Weg spielt Wertschätzung eine zentrale Rolle. Denn Mitarbeiter spüren, wenn sie von ihrem Chef wertgeschätzt werden und laufen dann meist schon ganz von selbst zu Höchstformen auf.

Diese Ansicht vertreten auch unsere heutigen Sieger und Finalisten des Benchmark-Wettbewerbs "Excellence in Production". In der Kategorie "externer Werkzeugbau unter 50 Mitarbeiter" standen neben dem Hanns Engl Werkzeugbau aus Bozen in Italien auch Lotec aus dem nordrhein-westfälischen Arnsberg und Wefa Inotec aus Singen im Süden Baden-Württembergs im Finale.

W. Faßnacht Werkzeug- und Formenbau, Bobingen

In allen Werkzeugbauten wird eine wertschätzende Unternehmenskultur angestrebt. Ebenso beim Kategoriesieger W. Faßnacht Werkzeug- und Formenbau aus dem schwäbischen Bobingen. Hier geht der Geschäftsführer sogar noch einen Schritt weiter: "Bei uns gibt es keine Hierarchien. Ich pflege mit meinen Kollegen ein sehr freundschaftliches Verhältnis und lege sehr großen Wert auf ein familiäres Betriebsklima mit gegenseitiger Wertschätzung. Meine Kollegen kommen gern in die Arbeit, weil ihnen nicht nur die Arbeit, sondern auch das Umfeld Spaß macht", betont Wolfgang Faßnacht. "Wir sind ein eingespieltes und funktionierendes Team – etwas Besseres hätte mir nicht passieren können."

Zitat

"Ich lege sehr großen Wert auf ein familiäres Betriebsklima, das von gegenseitiger Wertschätzung geprägt wird." Wolfgang Faßnacht

Wolfgang Faßnacht
Wolfgang Faßnacht, Geschäftsführer W. Faßnacht Werkzeug- und Formenbau, Bobingen - Bild: Faßnacht

Faßnacht nimmt die Belange seiner "Kollegen" ernst und gibt Hilfestellung, wann immer er kann. Im Gegenzug erwartet er Ehrlich- und Zuverlässigkeit. "Diese Eigenschaften schätzen auch unsere Kunden an uns", erklärt er. "Wir halten uns an Absprachen und Terminvorgaben. Und sollte es unerwartet zu Komplikationen kommen, halten wir rechtzeitig Rücksprache. Darauf kann sich jeder verlassen." Für Faßnacht war es bereits die siebte Teilnahme am Benchmark-Wettbewerb. Jedes Mal haben es die Werkzeug- und Formenbauer mindestens bis ins Finale geschafft. Der Inhaber berichtet: "Gerade in einer schnelllebigen Welt ist es wichtig, regelmäßig den Vergleich zu seinen Mitbewerbern zu ziehen. Mit den Aachenern haben wir einen Weg gefunden, unsere Defizite, gleichzeitig aber auch unsere Stärken zu erkennen. Das hat uns enorm weitergebracht."

Spezialgebiet der Bobinger sind hoch komplexe Spritzgussformen etwa für die Automobilindustrie. Dabei ist das Know-how in der Fertigung der konturgebenden Teile angesiedelt. Das Werkzeugspektrum ist groß und erstreckt sich bis zu 5,5 t.

Um der großen Nachfrage gerecht zu werden, investierten die Experten in eine verfahrensgemischte Fertigungslinie, an die eine 5-Achs-Fräsmaschine, zwei Senkerodieranlagen sowie ein Messzentrum angebunden sind. Sie dient zur Graphitelektroden- und Formeinsatzfertigung.

Bei der Installation der Automationszelle haben die Experten auf einen stufenweisen Aufbau Wert gelegt. Begonnen hat das Projekt mit den Erodieranlagen samt Handlingsystem. Später folgte eine Linienerweiterung von 3 auf 7,5 m. Und seit vergangenem Jahr sind auch die Mess- und Fräsmaschine Teil des Maschinenverbunds. Faßnacht erklärt: "Wir haben die Linie kontinuierlich um einen Prozessschritt ergänzt. Bis die Kommunikation der Maschinen untereinander optimal funktioniert, muss softwaretechnisch immer wieder nachgebessert werden, was viel Zeit in Anspruch nimmt. Wir wollten nicht mehrere offene Baustellen haben."

Heute hilft den Experten die Linie dabei, ihre Kapazitäten exakt aufeinander abzustimmen. "Um in allen Abteilungen ein Auftragsgleichgewicht zu schaffen, lehnen wir als 22-Mann-Betrieb Lohnaufträge kategorisch ab", so Faßnacht.

Hoher Grad an Eigenverantwortung

Generell wird der Führungsstil des Unternehmers davon geprägt, dass er seinen Mitarbeitern hohe Verantwortung überträgt und sie selbstständig ihre Arbeit einteilen lässt. „Sie kennen die engen Terminvorgaben und unseren Qualitätsanspruch“, betont Faßnacht. "Ihre Aufgabe ist, sich selbst zu organisieren. Am Ende des Tages zählt für mich das Ergebnis."

Folglich verfügen ausgewählte Mitarbeiter beispielsweise über Tablets, um die Maschinen im Bedarfsfall von zuhause aus überwachen zu können, oder prozessübergreifend über einen hohen Verantwortungsbereich. "Derjenige, der die Programme schreibt, bedient bei uns auch die Maschine", erklärt Faßnacht. "Dieses Prinzip haben wir durchgängig eingeführt, denn die Vorteile liegen auf der Hand: Wenn der Programmierer auch das Ergebnis sieht, erfolgt ein ständiger Optimierungsprozess, der so sonst nie stattgefunden hätte. Außerdem bleiben mühsame Rücksprachen aus, und ziellose Schuldzuweisungen haben ein Ende."

Der Führungsstil des Unternehmers wird davon geprägt, dass er seinen Mitarbeitern hohe Verantwortung überträgt und sie selbständig ihre Arbeit einteilen lässt.