Gruppenfoto voll-wild-Tour November 2018

Bei der "voll wild"-Veranstaltung des VDWF trafen sich 40 junge Geschäftsführer zu Vorträgen und Betriebsbesichtigungen. - Bild: VDWF

Diesmal konnten die "voll wild"-Teilnehmer während der beiden Veranstaltungstage den Aluminiumwalzproduktehersteller Aleris aus Koblenz und dem Formenbau Reuth aus Großmaischeid besichtigen.

Wenn es um den Werkzeugbau geht, kommt man um den Einsatz von Stahl nicht herum – da sind sich viele Werkzeug- und Formenbauer einig. Dabei gibt es durchaus Bereiche, in denen Aluminium eine attraktive Werkstoffalternative bietet – etwa in der Kleinserien- und Prototypenfertigung oder auch bei mittlerer Serienproduktion. Der Aleris-Standort Koblenz ist ein weltweit führendes Werk für hochwertige, gewalzte Aluminiumplatten, -bleche und -bänder in mehr als 100 unterschiedlichen Legierungen. Für die „voll wild“-Veranstaltung des Verbands Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF), mit der jungen Geschäftsführern aus der Werkzeug- und Formenbaubranche eine Plattform zum Austausch geboten werden soll, öffneten die rheinland-pfälzischen Aluminiumproduzenten am 20. November 2018 ihre Tore und gewährten den rund 40 Teilnehmern für wenige Stunden hoch spannende Einblicke in ihren Produktionsalltag.

VDWF voll wild: Austausch auf Augenhöhe für Jungunternehmer
Aufmerksame Zuhörer bei einem der interessanten Vorträge. - Bild: VDWF

„In den vergangenen Jahren hat sich einiges in der Aluminiumentwicklung getan. So haben wir zum Beispiel mit ‚Weldural‘ und ‚Hokotol‘ zwei Aluminiumlegierungen auf den Markt gebracht, mit denen die Bearbeitungszeiten im Werkzeug- und Formenbau deutlich verkürzt werden können“, erklärte Dennis Aust, Technical Development Engineer bei Aleris, in seinem Vortrag. Er zeigte den Teilnehmern nicht nur den Produktionsprozess von Aluminium auf, sondern richtete auch eine gezielte Botschaft an die Jungunternehmer: „Wir möchten die Leute dazu bewegen, über den historischen Schatten zu springen und vielleicht auch einmal Aluminium auszuprobieren oder dauerhaft einzusetzen.“ Die Experten bei Aleris entwickeln im engen Austausch mit ihren Anwendern ihre Produkte und Anwendungen kontinuierlich weiter und bieten eine kundenspezifische Anfertigung von Aluminium-Legierungen. Sandra Umbscheiden, Marketing Managerin bei Aleris, betont: „Mit der Mitgliedschaft im VDWF wollen wir erreichen, dass wir die Anforderungen unserer Anwender besser kennenlernen. Wir beliefern den Formenbau zu 98 Prozent über Händler. Um unsere Materialien spezifischer auf den Werkzeug- und Formenbau ausrichten und neue Legierungen entwickeln zu können, brauchen wir aber den engen Kontakt zur Branche. Wir sind froh, dass wir gemeinsam mit dem Verband diese Lücke schließen und künftig noch besser auf die Bedürfnisse der Formenbauer eingehen können.“

Trends µ-genau

Nach der „voll wild“-XXL-Premiere im März 2017 steht am Dienstag, den 19. März 2019, die zweite „XXL“-Ausgabe an, in der weit mehr als 100 Jungunternehmern der Werkzeug- und Formenbaubranche eine Plattform zum Netzwerken geboten wird. Neben einer Werksbesichtigung und Besuch beim DMG Mori Technology Excellence Center for Mould & Die ist auch ein Besuch bei der Otto Bihler Maschinenfabrik in Halblech geplant. Die Keynote übernimmt Professor Cornel Stan zum Thema „Auto Mobilität der Zukunft – funktionelle und technische Entwicklung“. Veranstaltungsort ist das aktuell im Bau befindliche Ameron-Hotel Hohenschwangau – mit spektakulärem Blick auf die Königsschlösser.

Nähere Infos dazu finden Sie auf der Webseite des VDWF. Eines kann man jetzt schon sagen: Dabeisein lohnt sich auf jeden Fall!

Während am ersten Veranstaltungstag die Gewinnung und Verarbeitung von Aluminium im Fokus stand, drehte sich am Tag 2 alles um das Thema Lean Management im Werkzeugbau.

Aleris Werksführung "voll-wild" November 2018
Die "voll wild"-Teilnehmer bei der Werksführung beim Aluminiumwalzproduktehersteller Aleris. - Bild: VDWF

Dazu lud Stefan Böhm, Inhaber und Geschäftsführer der Reuth GmbH, die Teilnehmer in das wenige Kilometer entfernte Großmaischeid ein. Nach einer kurzen Vorstellung seines 47 Mitarbeiter großen Formenbaus mit Produktionsfokus auf Spritzgussformen und -werkzeuge unter anderem für die Elektro-, Sport- und Freizeitindustrie, den Anlagenbau und die Medizintechnik wandte er sich mit sehr klaren Worten an seine Kollegen aus der Branche. Er referierte nicht nur zum Thema „Lean im Werkzeugbau“, sondern zeigte vielmehr seinen Weg auf hin zu einer schlanken Fabrik. Böhm: „Zu Beginn ist es wichtig, die Verschwendung im eigenen Betrieb zu erkennen und diese dann systematisch und nachhaltig zu eliminieren.“ Um bei der Umstrukturierung des eigenen Unternehmens erfolgreich zu sein, ist für ihn die Schulung und Einbindung aller Mitarbeiter ebenso maßgebend wie das konsequente Controlling und Nachhalten der Ergebnisse. Bis heute steht er zu hundert Prozent hinter den Strukturwandel seines Formenbaus, was es ihm einfach macht, diese Philosophie seinen Mitarbeitern und Kollegen vorzuleben. Auch das ist für ihn ein wesentlicher Faktor im Änderungsprozess. Böhm verdeutlichte den Teilnehmern bei „voll wild“: „Nur wer sich schlank aufstellt, ist in der Lage, seine Abläufe und damit verbunden die Produktivität des eigenen Betriebs so zu optimieren, dass die eigene Wettbewerbsfähigkeit gewahrt bleibt.“

Diese Meinung vertritt auch Prof. Wolfgang Boos, gelernter Werkzeugmacher und Geschäftsführender Gesellschafter der WBA Aachener Werkzeugbau Akademie. Er ist überzeugt, dass Industrie 4.0 und Lean-Management Potenziale schließen können, damit die Werkzeug- und Formenbauer morgen konkurrenzfähig aufgestellt sein können. Von digitalen Werkzeugdatenbanken über echtzeitnahe Bauteilerfassung bis hin zur intelligenten Qualitätsprüfung – in seinem Vortrag zeigte er den jungen Geschäftsführern der Branche auf, wohin die Reise aus Sicht der Aachener gehen wird. Das Schlusslicht der Vortragsreihe bildete Udo Hinzpeter vom Kunststoffinstitut Lüdenscheid mit seinem Referat über die unterschiedlichen Fördermöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen. Er gab den Teilnehmern Ideen mit auf den Weg, wie sich Innovationen auf den Markt bringen lassen, und nannte ihnen nützliche Kontaktmöglichkeiten und Links für die spätere Umsetzung in ihrem Alltag.

Natürlich ging auch dieses Event nicht ohne einer ausgiebigen Betriebsbesichtigung zu Ende. Nach all dem theoretischen Input über schlanke Fabrikabläufe waren die rund 40 Jungunternehmer nun auf die Durchführung in der Praxis gespannt.
Dazu führte Geschäftsführer Böhm die „voll wilden“ durch seine Fertigungshallen, in denen sich die Teilnehmer dann selbst ein Bild über das Lean Management des Spritzgussformenbaus machen und nochmal gezielt Abläufe hinterfragen konnten. Übrigens ein sehr wichtiger Bestandteil des Veranstaltungsformats – ist es doch genau der Austausch auf Augenhöhe, das Netzwerken untereinander und der offene Einblick in andere Unternehmen, was die „voll wild“-Reihe für die Teilnehmer so interessant und wertvoll macht. nh