Modelle und Prototypen

Modelle und Prototypen sind eine Spezialität bei Berger. - Bild: Berger

Der typische Arbeitsalltag in der Einzelteilfertigung fordert Unternehmen wie die Berger Modellbau GmbH aus Korntal-Münchingen in punkto Flexibilität und Liefertreue immer aufs Neue heraus. Im Spannungsfeld von Durchlaufzeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit setzen die Schwaben auf ein dicht gestaffeltes Netz der Sicherheit. Integraler Bestandteil ist seit 2016 Vericut: Wenn angestellt oder simultan verfahren wird, durchläuft das Programm die NC-Simulationssoftware.

Trends µ-genau

Sinnvolle Simulation
Wer das zeitintensive und vor allem teure manuelle Einfahren auf der Maschine auf die Simulation Vericut verlagert, erspart sich unter Umständen teure Erfahrungen mit Crashs oder anderen unliebsamen Ereignissen. Bereits seit 1988 gilt Vericut von CGTech in der Industrie als ein etablierter Standard, wenn es um die Simulation, Verifikation und Optimierung von CNC-Maschinen geht. Nur die Fertigungssimulation der NC-Daten, also des Maschinencodes, bietet den Unternehmen hinreichende Sicherheit für die Bearbeitungsprozesse. Für den Anwender ist das ein sicherer Weg, die reale Bearbeitungssituation mit einer virtuellen Bearbeitungsmaschine auf dem Schreibtisch zu simulieren. Vericut ist komplett unabhängig von Steuerung, CAM-System oder CNC-Maschine. Somit lassen sich laut Hersteller alle CNC-Maschinen simulieren.

Im Zug der wachsenden Nachfrage nach maßgeschneiderten Produkten in kleinen Losen kehrt die Fertigung zu ihren Wurzeln zurück, als in Manufakturen individuell nach Kundenwunsch produziert wurde. Entscheidender Pluspunkt im 21. Jahrhundert: Die moderne Einzelproduktion kann dank digitalisierter Workflows und mechatronischer Infrastruktur auch bei engen Zeitfenstern effizienter und rentabler ablaufen. Schon in den 80er-Jahren stellte sich Berger Modellbau mit der Einführung neuer CAD/CAM-Systeme zukunftsweisend auf. Weiterer Meilenstein 2016: die Integration der NC-Simulationssoftware Vericut.

5-Achs-Simultan-Fräsmaschine
Den Ausschlag für die NC-Simulationssoftware gab die Investition in eine 5-Achs-Simultan-Fräsmaschine: die DMU60 EVO. - Bild: CG-Tech

Den Ausschlag für die NC-Simulationssoftware gab die Investition in eine 5-Achs-Simultan-Fräsmaschine: die DMU60 EVO linear ist eine von sechs CNC-Maschinen im Haus, denen sechs Programmierer gegenüberstehen, von denen jeder auch fräst: Größtenteils sind es Produkte und Spritzgusswerkzeuge aus Aluminium, bei denen keine großen Stückzahlen gefordert sind. Die potenzielle Gefahr einer Kollision will Berger mit Vericut kategorisch ausschließen. Nicht eingehaltene Liefertermine ist die traditionell anspruchsvolle Berger-Kundschaft – überwiegend Automotive- und Medizintechnikunternehmen – nicht gewohnt. Dabei soll es bleiben: "Kunden wollen ihre Teile schnell bekommen – die Durchlaufzeit ist entscheidend", erklärt Geschäftsführer Matthias Berger. "Wir können schnell liefern und im Originalmaterial unter Originalbedingungen produzieren. Und das seriennah.

Simulation verhindert teure Fehler auf der Maschine

Simulationssoftware
Die Simulationssoftware ist ins CAD/CAM-System Visi sehr gut integriert. - Bild: CGTech

"Das ist schon klasse: Vericut sieht wirklich alles", so Berger. "Da steht keine Maschine mehr still. Das Programm findet die Fehler.“ Vericut als Kollisionsvorsorge – das erklärte Einsatzziel ist erreicht. "Mit Vericut haben wir jetzt die Sicherheit, dass das, was wir programmiert haben, zu 100 Prozent stimmt", ergänzt Berger. Besonders wichtig ist für ihn, im 5-Achs-Bereich die Schwenksituationen zu simulieren, gerade bei der Bearbeitung auf der DMC 105 V linear. Auf Akzeptanzprobleme stieß Vericut beim eingespielten Berger-Team – darunter sechs Konstrukteure/Programmierer – im Übrigen nicht. Positiv aufgenommen wird vor allem die Version 8.0. Bei Fragen stehen die Experten des Vericut-Distributors CGTech-Experten via Hotline zur Verfügung.

Die starke Integrationsleistung geht auf die Men at Work GmbH zurück. Sie betreut die bei Berger eingesetzte CAD/CAM-Software Visi. Die Experten von Men at Work waren es, die Vericut als Lösung für Simulation, Optimierung und Verifikation noch vor dem realen Maschinenlauf bei Berger in die Diskussion brachten und auch einbanden. Berger: "Die von Men at Work entwickelte Schnittstelle ist eine Riesenerleichterung. Ohnehin muss man konstatieren: Mit dem technischen Support von Men at Work und CGTech sind wir absolut zufrieden." nh

Profil

Berger Modellbau GmbH
1922 als Berger & Mössner Modellbau von Julius Berger und Wilhelm Mössner gegründet, von Richard Berger und Karl Mössner weitergeführt, kann die Berger Modell- und Formenbau GmbH bereits auf eine langjährige Unternehmensgeschichte zurückblicken. Nachdem zu Beginn Modelle für Auftraggeber wie Index Steinhäuser, Schaudt und Fortuna gefertigt wurden, kam im Jahr 1932 mit Ferdinand Porsche auch die Automobilindustrie dazu. In den 50er-Jahren entwickelte Berger & Mössner Modellbau für Unternehmen der Zuliefererindustrie wie Bosch und die damalige SWF. Nach dem Ausscheiden von Karl Mössner im Jahr 1991 entstand das Unternehmen in seiner heutigen Form unter der Leitung von Richard Berger. Im Jahr 2000 wurde das Stammhaus in Stuttgart-Feuerbach zugunsten neuerer, größerer Räume in Korntal-Münchingen aufgegeben. Im Frühjahr 2016 hat sich Richard Berger aus der Unternehmensführung zurückgezogen und den Betrieb an seinen Sohn Matthias Berger übergeben, der diesen neben Erhard König als zweiten Geschäftsführer leitet.