“Das Engagement hat sich gelohnt”

Herr Johann, wie hat sich der Gesamtsieg beim Wettbewerb „Excellence in Production 2012“ auf Ihren Bereich ausgewirkt?
Der Gesamtsieg war für den ganzen Werkzeug- und Prüfmittelbau ein prägendes Ereignis. Vor allem unseren Mitarbeitern hat es die Bestätigung gegeben, dass sich die stetigen Veränderungen der letzten Jahre, die ein hohes Maß an Engagement und Eigeninitiative erforderten, gelohnt haben. Damit gibt dieser Gesamtsieg neue Motivation für weitere Veränderungen in die Zukunft.

Externe Werkzeugbauer nutzen das für Marketing – aber interne?
Das Marketing ist auch für einen internen Werkzeugbau eine wesentliche Komponente, da ein interner Werkzeugbau seinen Mehrwert für das Unternehmen auch immer wieder beweisen muss. Somit haben auch wir den Gesamtsieg als Marketingmittel erfolgreich eingesetzt. Wir agieren im Konzern bereits als Center of Competence und sind hier auch anerkannt. Dennoch hat sich Akzeptanz im Konzern aufgrund des Gesamtsieges noch einmal manifestiert, ja sogar noch mal erhöht. Wie wir dabei profitieren, lässt sich sehr einfach an der Anzahl der Aufträge aus dem Konzern festmachen, die noch einmal signifikant zugenommen haben.

Wie hat sich das Image Ihres Betriebsteils damit verändert?
Neben der monetären Auswirkung wird jetzt der ZF Werkzeug- und Prüfmittelbau von unseren weltweit agierenden Montage- und Produktionswerken bereits einbezogen, wenn diese nur über neue Linienkonfigurationen nachdenken. Das sind eindeutige Signale, dass sich unser Image noch einmal deutlich verändert hat: Wir sind jetzt der Konzernwerkzeugbau mit Gütesiegel.

Hat sich auch der Umgang anderer Unternehmensteile mit dem „Cost Center Werkzeugbau“ verändert?
Ein Bereich wie unserer, der in einem Unternehmen als Cost Center auftritt, steht immer unter einem besonderen Fokus und muss sich stets beweisen, da er mit markanten Kennzahlen wie Umsatz, Stückzahl und Gewinn nicht punkten kann. Aber auch hier hat der Gesamtsieg beim Wettbewerb erheblich das Vertrauen unserer internen Kunden gestärkt, da wir unsere Benchmarkfähigkeit mit Urkunde und Auszeichnung bestätigt bekommen haben.

Hat der Wettbewerb in Ihrem Bereich selbst etwas verändert?
Adel verpflichtet! Die Vorbereitung zum Wettbewerb löst jedes Jahr nahezu bei allen Mitarbeitern des Werkzeugbaus ein gewisses Wettkampffieber aus, indem die Mitarbeiter voller Stolz ihre Veränderungen und Weiterentwicklungsprojekte noch einmal vortragen, um diese gewinnbringend in die nächste Bewerbung einzubringen. Für uns ein gutes Indiz dafür, dass der Wettbewerb immer wieder weiteren Ansporn für unsere Weiterentwicklung liefert und vor allem nachhaltig wirkt.

Konnten Sie dabei neue Erkenntnisse gewinnen und umsetzen?
Ja natürlich, Herr Pergler. Die Auswertung, die jeder Teilnehmer erhält, zeigt deutlich, wo der eigene Werkzeugbau in jedem Themenfeld steht. Wer daraus keine Erkenntnisse zieht und mit entsprechenden Maßnahmen umsetzt, hat seine Zeit in den Wettbewerb fehlinvestiert.

Wie praxisbezogen ist denn die Ausrichtung des Wettbewerbs?
Wir betreiben für den Wettbewerb weder beim Ausfüllen des Fragebogens noch beim Vor-Ort-Audit durch das WZL Wettbewerbs-Tuning. Unsere Kennzahlen, Strukturen, Strategien sowie Prozesse und Abläufe sind Teil unseres alltäglichen Ablaufs und sind für alle permanent transparent. Jeder Mitarbeiter des Werkzeug- und Prüfmittelbaus lebt und handelt danach, so dass das, was letztendlich vor Ort vorgefunden wird, auch die tägliche Realität darstellt.

Wie beurteilen die Juroren die Situation eines Unternehmens?
Aufgrund des schon sehr langen Zeitraums, in dem sich die Hochschule mit den Werkzeugbauten auseinandersetzt und sie betreut, haben die Juroren ein Gespür für die Unternehmen entwickelt. Sicherlich ist die Befragung und Entscheidung immer auf einem Informationsgehalt aus einer hohen Abstraktionsebene geschuldet. Die wahren Unterscheidungsmerkmale der heutigen Finalisten liegen in den spezifischen Details eines jeden Werkzeugbaus, die von den Juroren der Hochschule so nicht erkannt und auch beurteilt werden können. Aber es obliegt jedem Unternehmen selbst, dabei auch etwas steuernd einzuwirken.

Wie gut sind die Handlungsempfehlungen im Alltag umsetzbar?
Ja, Handlungsempfehlungen gibt es, aber auch diese sind in der Regel sehr allgemein gehalten und auf einer hohen Abstraktionsebene. Ich gehe aber davon aus, dass die Unternehmen, die den Wettbewerb ernst nehmen, daraus Schlüsse ziehen und entsprechende Maßnahmen und Konsequenzen ableiten können. Wir tun dies auf jeden Fall sehr systematisch.

Wie beurteilen Sie den aktuellen Gesamtsieger?
Ich kenne das Unternehmen Webo schon seit langer Zeit, da Webo auch ein verlässlicher Werkzeugbaupartner für die ZF ist und in dieser Partnerschaft stets kompetent und innovativ auftritt. Diese Eigenschaften haben meines Wissens auch den Ausschlag für die Jury für den diesjährigen Gesamtsieg gegeben, und das meiner Meinung nach zu Recht. Auffällig ist der Umstand, dass ein Newcomer in den Wettbewerb ad hoc als Gesamtsieger hervorgeht. Da kann man nur sagen: „Chapeau! Webo“.

Wenn wir die Bedeutung des „Werkzeugbaus des Jahres“ in das Bewusstsein der Mitarbeiter importieren, schaffen wir gute Voraussetzungen zum Erfolg.“
Herbert Johann, ZF Friedrichshafen in Schweinfurt

Was würden Sie jemand empfehlen, der teilnehmen will?
Mut fassen, Führungskreis und Mitarbeiter mitnehmen und den umfangreichen Fragebogen ausfüllen, auch wenn man vielleicht glaubt, keine Chance zu haben. Allein dieser Prozess löst eine in sich gerichtete Reflektion aus, die Dinge transparent und offensichtlich machen, so dass sich zwangsläufig eine Veränderung bei allen Beteiligten einstellt. Und wenn man das oft genug und konsequent durchgestanden hat, dann ist man auch irgendwann vorne dabei.

Gibt es irgendwelche „Geheimtipps“?
Ein Tipp, der sicherlich kein Geheimtipp ist, sondern mittlerweile überall praktiziert wird, ist, den Führungskreis und die Mitarbeiter auf diese Reise mitnehmen, mitnehmen und nochmals mitnehmen. Denn wenn wir es schaffen, die Bedeutung des Wettbewerbs „Werkzeugbau des Jahres“ in das Bewusstsein der Mitarbeiter zu importieren, schaffen wir auch automatisch gute Voraussetzungen zum Erfolg. Wenn wir alle von etwas überzeugt sind, liefern wir gute Arbeit, und damit überzeugen wir dann auch andere.

Nach dem Gesamtsieg – treten Sie in zwei Jahren wieder an?
Eine spannende Frage. Das Wettkampffieber ist auf jeden Fall da, und auch viele Veränderungen und Weiterentwicklungen könnten in die Bewerbung einfließen, so dass wir wieder gute Chancen auf vordere Platzierungen hätten. Aber unsere eigene Messlatte liegt jetzt sehr hoch, und daher werden wir wahrscheinlich noch ein Jahr pausieren und noch einige Dinge umsetzen, um uns dann wieder im nächsten Wettbewerb die Krone abzuholen.