Franz Tschacha

Franz Tschacha, Geschäftsführer bei Deckerform in Aichach - Bild: Deckerform

Herr Tschacha, wer in die Zukunft blicken will, sollte Vergangenheit und Gegenwart kennen. Deshalb die Frage: Was zeichnet aus Ihrer Sicht einen Werkzeugmacher von altem Schrot und Korn aus?

Da ist zum einen die ausgeprägte Sachkompetenz, dazu hohe handwerkliche Fähigkeiten, großes Selbstbewusstsein. Er ist der König in der Werkstatt in seinem grauen Mantel, verbringt die Hauptzeit am Werkzeug. Der klassische Werkzeugbauer ist selbst sein bester Arbeiter. Kundenbesuche macht er kaum, denn der Kunde kommt zu ihm. Schließlich will der ja was von ihm.

Sind Sie ein solcher "klassischer" Werkzeugmacher?

Nein. Denn zum einen bin ich als Quereinsteiger aus dem Maschinenbau in die Branche gekommen, und zum anderen ist diese Art Werkzeugmacher inzwischen wohl auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Denn die Branche hat sich in den vergangenen Jahren extrem gewandelt. Da ist zum einen der Schritt vom handwerklich orientierten Werkzeugbau hin zum industriell ausgerichteten, arbeitsteiligen Unternehmen. Und auch auf Seiten der Kunden gab es gewaltige Veränderungen. Damit hat sich auch der Beruf des Werkzeugmachers stark gewandelt: Wir sind nicht mehr nur Spezialisten für exakte Metallbearbeitung, sondern universelle Problemlöser für unsere Kunden.

Was ist da am augenfälligsten? Und wie wirkt sich das aus?

Früher lief sehr viel auf der persönlichen Ebene. Dem Werkzeugbauer saß auf Kundenseite meist der Produktionsverantwortliche gegenüber, der sehr genaue Vorstellungen von "seinem" Werkzeug hatte. Vieles blieb zwischen den Zeilen eines "Gentlemen Agreements", aber für den Werkzeugmacher war es natürlich eine Ehrensache, ein funktionsfähiges, gutes Werkzeug abzuliefern. Heute geht der Trend zu anonymen Einkaufsportalen, um nur ja keine persönlichen Beziehungen zwischen Werkzeugbauer und Einkauf entstehen zu lassen – man will ja "sachlich" entscheiden.

Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Sachliche Entscheidungen an sich sind durchaus positiv. Aber wenn ich heute Unternehmen betrachte, die Werkzeuge kaufen – dann sind nicht die am erfolgreichsten, die dieses anonyme Einkaufen haben. Weil es bei jeder Ausschreibung wieder einen anderen gibt, der aus irgendeinem Grund das beste Angebot macht. Wer aber häufig seine Partner wechselt, kann Werkzeugthematiken auch nicht vertiefen und weiterentwickeln.

Früher waren Werkzeug- und Formenbauer meist Einzelkämpfer ...

... und das ist gerade in Deutschland auch heute leider vielfach noch so. In der Branche sehen sich die Unternehmen vielfach als Konkurrenten, obwohl das auf die Wenigsten zutrifft. Das ist eine Mentalität, die wir meiner Meinung nach überwinden müssen. Früher hat ein Werkzeugbauer über seine Wettbewerber geredet, meist nichts Gutes. Aber niemals mit ihnen. Das muss sich ändern. Da gibt es ja schon gute Ansätze. Aber die Veränderungen brauchen offenbar Zeit. Die Branche muss deutlich kommunikativer und auch kooperativer werden.

Was ist Kooperation für Sie – Teile von Aufträgen weitergeben?

Das passiert ja heute bereits in unterschiedlichem Maß, sei es als verlängerte Werkbank, sei es, dass man ganze Werkzeugpakete weitergibt. Aber das sind im Grunde Lieferantenbeziehungen zwischen Werkzeugbauunternehmen. Nein, für mich ist Kooperation deutlich mehr. Wenn ich mir heute einen oder mehrere Partner suche – und das können durchaus auch Unternehmen sein, mit denen ich mich bislang im Wettbewerb sehe – und wir schließen uns zusammen, können wir gemeinsam sicher mehr erreichen als ein einzelnes Unternehmen. Jedes beteiligte Unternehmen profitiert von einer Zusammenarbeit.

Zusammenarbeit zwischen Konkurrenten? Wie sieht das aus?

Ich denke, das Konkurrenzdenken zwischen den Betrieben hierzulande ist überholt. Der Wettbewerb sitzt in einem sich immer stärker internationalisierenden Markt inzwischen in ganz anderen Regionen. Wir konkurrieren in vielen Fällen nicht mehr wie früher gegen eine Handvoll Wettbewerber – je nach Projekt gibt es heute eine drei- oder vierstellige Zahl an Anbietern. Ein einzelner Werkzeugbauer geht da leicht unter. Ein Zusammenschluss aus drei, vier Betrieben hat da schon eine deutlich größere Chance, aus der Menge der Anbieter herauszuragen und vom Kunden wieder wahrgenommen zu werden. Und das ist das Entscheidende.