Wieland Kniffka (Erfurt, l.) und Ulrich Kromer von Baerle (Stuttgart)

„Ziel ist, dass die Besucher die Generative Fertigung in einem kompletten Überblick präsentiert bekommen.“ Wieland Kniffka (Erfurt, l.) und Ulrich Kromer von Baerle (Stuttgart)

Anfang Juli wurde die Kooperation zwischen der Messe Erfurt und der Messe Stuttgart vertraglich besiegelt. Wie kam das zustande?
Kromer: Wir hatten uns bereits zur ersten Rapid.Area auf der Metav in Düsseldorf getroffen. Die Moulding Expo ist ein ­Mosaik der Zusammenarbeit – außer Verbänden und Verlagshäusern sollen auch weitere Messen an der inhaltlichen Ausformulierung beteiligt sein. Und da die Rapid-Technologien als absolutes Trendthema auch ein maßgeblicher Bestandteil der Moulding Expo werden, ist für uns der sinnvollste Schritt, wenn wir uns diese Expertise mit der Rapid.Area ins Haus holen.

Wie wird sich die Rapid.Area entwickeln?
Kniffka: Weil die Moulding Expo mit ihren Ausstellungsschwerpunkten sehr nahe an den Inhalten der Rapid.Area ist, rechnen wir mit etwa 20 Ausstellern auf gut 700 m² Fläche. Da sind dann auch ein Lounge-Bereich und das Catering mit dabei.

Was sind die konkreten Inhalte der Kooperationsvereinbarung?
Kniffka: Wir sind in der Kooperation für den gesamten Bereich Generative Fertigung in der Moulding Expo zuständig. Das heißt, wir gestalten, vermarkten und organisieren auch den Gemeinschaftsstand, von Standbau über Catering bis zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Zudem gestalten wir ein Vortragsprogramm, in dem wir speziell Themen aus der additiven Fertigung für den Modell- sowie den Werkzeug- und Formenbau präsentieren. Wir als Messe können hier nicht nur unser Know-how aus zehn Jahren Rapid.Tech hauptsächlich über den Fachkongressbereich einbringen, sondern über unsere Datenbank auch aktiv die Besucherwerbung bei der Rapid-Zielgruppe vornehmen.

Wie funktioniert die Schnittstelle zu Ausstellern aus dem Rapid-Bereich, die auf der Moulding Expo einen eigenen Stand haben?
Kromer: Die Grenzen werden fließend sein. Um die Rapid.Area herum werden sich Anbieter und Dienstleister anordnen, die dann auch Teile des Rapid.Area-Service in Anspruch nehmen können. Ziel ist, dass die Besucher die Generative Fertigung in einem kompletten Überblick präsentiert bekommen und sich nicht von Halle zu Halle ihre ‚Körnchen‘ herauspicken müssen.

Ist die Kooperation eine Zweckehe oder eine Liebesheirat?
Kromer: Die Verantwortlichen in Erfurt und in Stuttgart kennen und schätzen sich. Da war es selbstverständlich, dass beide Seiten konstruktiv die ab 2015 veränderte Messelandschaft im Werkzeug-, Modell- und Formenbaubereich mitgestalten. Die Rapid.Tech hätte termingleich zur Moulding Expo im Mai 2015 stattgefunden. Man hat hier eine ideale Lösung für die Branche gefunden, mit einer sinnvollen geographischen und zeitlichen Verteilung der Inhalte beider Messen. Von der Zusammenarbeit profitieren beide Seiten. Es wird keine Konkurrenz um die Aussteller bei der Vermarktung zwischen der Messe Erfurt und der Messe Stuttgart entstehen. Daher partizipiert die Messe Erfurt von allen Ausstellern im Bereich Rapid-Technologien.

Kniffka: Die Moulding Expo wird ein Erfolg werden. Für uns ist das die Chance, das Thema zu besetzen und auch unsere Hei­mat­messe zu stärken. Die Rapid.Area wurde ja nicht als Sonderausstellung eingekauft. Für uns ist es wichtig, auch in Stuttgart Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Anwendung zu sein.

Wo liegen die Schnittstellen zu den „normalen“ Ausstellern?
Kniffka: Auf der Moulding Expo werden wir uns, weil auch die Control zeitgleich in Stuttgart stattfindet, sehr wohl fühlen. Das ist eine hochinteressante Kombination, weil man dann alles, auch das Davor und das Weiterführende, an einem Ort finden kann. Wenn man das Thema Generative Fertigung präsentieren will, darf man eben nicht nur die Maschinen hinstellen. Und die Peripherie, das Pre- und Past-Processing wird immer wichtiger. Das merken wir auch an der Nomenklatur der Aussteller. Vom CAD über die Messtechnik bis zur Oberflächen-Nachbearbeitung wird der Betrachtungswinkel geöffnet.

Eine Schlüsseltechnologie ist die Temperierung von Werkzeugen durch kavitätsnahe Kühl- und Heizkanäle …
Kniffka: … das ist ein Paradebeispiel für die additiven Fertigungsverfahren. Die Kinderkrankheiten beim Metalllasergenerieren sind überwunden, eigentlich greift man in diesem Bereich auf altbekannte Technologien zurück, die aber in ihrer Kombination und in ihrer Verfeinerung nun plötzlich eine steigende Relevanz für die mikrometergenau arbeitende Werkzeug- und Formenbaubranche erlangt. Wir sehen daher Perspektiven, wenn etwa Werkzeugmacher neue Produkte testen wollen und nun günstig Werkzeuge für Klein- und Vorserien herstellen können, um Sicherheit, gerade bei komplexen Bauteilen, zu erhalten. Zudem zeigt die Leistungsfähigkeit dieser Bauteile auch steil nach oben, das Zusammenspiel zwischen Material und Maschine wird zunehmend optimiert. Außerdem sind natürlich auch neue Maschinen-Hybrid-Konzepte gefragt, die etwa Auftragschweißen und Fräsen kombinieren, um die Genauigkeit und die Qualität beider Verfahren zu kombinieren.

In der Modellbaubranche steht beim Rapid Manufacturing eher der Prototypenbau im Vordergrund. Wird hier eine inhaltliche Trennlinie zum Werkzeugbau gezogen?
Kniffka: Nein, das wollen wir bewusst vermeiden, zumal sich im High-End-Bereich beide Branchen annähern, weil in der Erweiterung des jeweiligen Unternehmensportfolios auch die Chance besteht, das Angebot gegenüber dem Kunden leicht zu erweitern. Vom 3D-Modell ist man schnell beim Formeinsatz für eine Kleinserie, wenn man das entsprechende Equipment im Betrieb hat.

Die Moulding Expo ist als Fachmesse konzipiert. Besteht Sorge, dass Anwendungen und Produkte, die auf den Privatgebrauch ausgerichtet sind, das Messekonzept hier verwässern könnten?
Kniffka: Es ist klar, dass die industriellen Fertigungslösungen bei der Moulding Expo im Fokus stehen! Deshalb bringen wir die Rapid.Area und nicht auch die FabCon, die ja in Erfurt eher die semiprofessionellen Lösungen präsentiert, nach Stuttgart. Unsere Rapid.Tech-Aussteller haben sich zu Beginn auch etwas gewehrt, dann aber festgestellt, dass viele Entscheider mit Halbwissen sich über den 3D-Druck informieren wollten und dann merkten, dass es das auch eine Nummer größer in High-End für den industriellen Bereich gibt. Kurzum, wenn das Maß stimmt, können die kleinen Geräte als Türöffner für die professionellen Produkte und Anwendungen fungieren. Und man darf auch nicht vergessen, gerade aus dem Open-Source-Bereich der semiprofessionellen Anwendungen kommen viele Innovationen, von denen dann auch der industrielle Bereich profitiert.

Kromer: Die Moulding Expo soll und wird einen ganz klaren Fachmesse-Charakter haben. Denn das Publikum wird mit konkreten Investitionsabsichten vor einem gewerblichen Hintergrund auf die Messe kommen. Allerdings können wir als Organisatoren die inhaltliche Ausrichtung mit der Bewerbung der Messe zwar steuern, Ausstellern verbieten, zu buchen und ihre Produkte zu präsentieren, können wir jedoch nicht. Letztendlich muss es aber auch hier dem Besucher leicht gemacht werden, zu differenzieren. Unterschiedliche Qualitäten dürfen sich in der Ausstellungsstruktur auf keinen Fall vermischen.

Was hat die Rapid.Area noch vor? Sind weitere Standorte geplant?
Kniffka: Wir stehen zwar einigen Anfragen aus dem In- und Ausland gegenüber, werden uns aber 2015 ganz auf die Moulding Expo fokussieren. Denn eines wollen wir gar nicht, nämlich uns verzetteln! Zumal auch andere Messeplätze das Rapid-Thema aufgreifen.