Patrick Mußler, Prokurist und Technischer Leiter bei AHP Merkle. - Bild: AHP Merkle

Patrick Mußler, Prokurist und Technischer Leiter bei AHP Merkle: „Werkzeug- und Formenbauer, die den ganzen Prozess im Blick haben einschließlich der Druckgussproduktion, profitieren von dem patentierten Squeeze-Zylinder von AHP Merkle.“ - Bild: AHP Merkle

| von Sabine Königl

WERKZEUG&FORMENBAU: Herr Mußler, Sie haben für AHP Merkle im Januar dieses Jahres ein System zum Patent angemeldet. Was steckt dahinter?

Patrick Mußler: Wir haben eine Hochtemperatur-Positionsüberwachung zur Prozessüberwachung im Aluminium-Druckguss zum Patent angemeldet. Hierbei wird über ein Lichtleiter Licht in ein Bauteil am Zylinder eingebracht, die reflektierte Lichtmenge gemessen und somit Rückschluss auf die Position des Zylinders gezogen. Da Lichtleiter sehr temperaturfest ausgelegt werden können, kann die temperaturempfindliche Elektronik so einfach abgesetzt  und eine bisher nicht mögliche Temperaturfestigkeit erreicht werden.

Wie kam es dazu?

Mußler: Unsere Kunden sind immer wieder an uns herangetreten. Ihr Wunsch war es, nicht die Position, sondern vielmehr den Prozess im Hochtemperaturbereich zu überwachen. Lange haben wir mit diversen Herstellern von Sensoren gesprochen, bekamen aber nie eine Lösung vorgeschlagen.

Was genau war denn die Herausforderung?

Mußler: Die hohe Temperatur. Die Squeeze-Pins, die unsere Zylinder antreiben, sind sehr nahe an der Kavität, und flüssiges Aluminium liegt bei fast 700 °C. Natürlich kann bei dieser Temperatur kein Hydraulikzylinder betrieben werden. Bei 200 °C ist meistens Schluss. Wenn man aber weiß, dass normale Positionssensoren spätestens bei 100 °C aufhören, wird recht schnell klar, wo das Problem liegt: an der Elektronik oder am Funktionsprinzip, der auf dem Markt verfügbaren Sensoren. Mit unserer Lösung können wir die Elektronik nun möglichst weit weg vom Zylinder anbringen. Das ist das Entscheidende.

Der Entwicklungsprozess hat bestimmt viel Zeit beansprucht?

Mußler: Bisher knapp ein Jahr, und er ist noch nicht abgeschlossen. Der Zylinder ist derzeit aufgrund der verwendeten Dichtungen auf 200 °C begrenzt. Unser Prinzip ließe sich ohne diese Einschränkung sogar auf bis zu 350 °C verwenden. Wir sprechen dabei immer nur von einer Prozessüberwachung und nicht von einer genauen Positionsmessung. Darauf arbeiten wir aber hin.

Wie können Werkzeug- und Formenbauer davon profitieren?

Mußler: Für den Werkzeug- und Formenbau wie er momentan strukturiert ist, ist unsere Entwicklung eher von untergeordneter Bedeutung. Sie zielt auf den Endkunden also die Druckgießer ab. Nur sie können das volle Potential dieser Technologie nutzen. Oder, und das würde ich mir noch mehr wünschen, Werkzeug- und Formenbauer, die auch den Gesamtprozess ihrer Endkunden betrachten. Auch sie dürften hier durchaus Potential sehen.

Für AHP Merkle ist es bislang die erste Patentanmeldung.

Mußler: Ja, leider. In den vergangenen Jahren haben wir zwar sehr viel entwickelt, uns aber nie um Patente gekümmert. Mit dem Squeeze-Zylinder wollen wir das nun ändern. Er ist definitiv ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem wir unsere Technologieführerschaft für Hydraulikzylinder im Werkzeug- und Formenbau weiter ausbauen werden. Wenn ich mir unsere aktuellen Entwicklungsprojekte ansehe, bin ich fest davon überzeugt: Es wird mit Sicherheit­ nicht unsere letzte Patentanmeldung gewesen sein.

Quelle: AHP Merkle GmbH

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