Ulrich Ackermann, VDMA

Ulrich Ackermann, Leiter VDMA Außenwirtschaft. - Biild: VDMA

Herr Ackermann, wie sehen die Verantwortlichen im VDMA mittel- und langfristig die Entwicklung des Marktes für deutsche Industrieunternehmen in China?

China ist und bleibt ein wichtiger Partner des Maschinenbaus und damit auch des Werkzeug- und Formenbaus für Export und Investitionen. Das Land ist schließlich der zweitgrößte Exportmarkt für unsere Industrie und der zweitwichtigste ausländische Investitionsstandort für deutsche Unternehmen. Gerade im Bereich der Automatisierung und Digitalisierung lassen sich für die Investitionsgüterindustrie noch erhebliche Potenziale auf dem chinesischen Markt erschließen. Hier sehen wir gute Chancen für die Unternehmen der Branche.

Es gibt aber durchaus auch Hindernisse und Barrieren für die Aktivitäten von nichtchinesischen Unternehmen auf dem chinesischen Markt. Was ist zu tun?

Deutschland und die EU müssen hier die Herausforderungen klar benennen: Wir befinden uns derzeit in einem Systemwettbewerb zwischen einer offenen Marktwirtschaft und einem staatskapitalistischen Modell. Die Reaktion darauf darf aber auf unserer Seite nicht eine defensive Industriestrategie sein oder eine Abschottung des deutschen und EU-Marktes. Wir brauchen in Deutschland und in Europa jetzt vor allem Maßnahmen zur Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit. Das lässt sich zum Beispiel über die Förderung von Forschung, Entwicklung, Bildung und Digitalisierung erreichen.

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Das können aber doch nur erste Schritte sein. Wie kann man dafür sorgen, dass unsere Unternehmen einen fairen Zugang zum Markt Chinas bekommen?

Um in Zukunft einen fairen Wettbewerb mit China sicherzustellen, müssen die Instrumente zum Schutz der marktwirtschaftlichen Ordnung geschärft werden. Es geht dabei unter anderem um Verbesserungen der EU-Subventionsregeln und EU-Regeln zum Umgang mit Marktverzerrungen aus Drittstaaten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der rasche Abschluss des seit 2013 verhandelten Investitionsabkommens der EU mit China. Erforderlich sind vor allem freie Marktzugangsrechte für europäische Unternehmen und eine deutliche Reduzierung der „Negativliste“ von Sektoren, in denen bisher in China der Zugang für Auslandsinvestitionen beschränkt ist.

Brauchen die Deutschen – respektive die Europäer – bei den entsprechenden Verhandlungen nicht mehr Gewicht?

Ja. Deutschland und die EU werden deshalb bei all diesen Bemühungen nur dann erfolgreich sein, wenn die Mitgliedstaaten in Zukunft gemeinsam agieren, anstatt Alleingänge zu machen. Italien und die osteuropäischen Staaten sind hier Negativbeispiele. Ohne ein gemeinsames Vorgehen läuft die EU Gefahr, in einigen Jahren nur noch ein unbedeutender Fleck auf der politischen Landkarte zu sein. nh