Christoph Dörr

Christoph Dörr, Branchenmanager Werkzeug- und Formenbau bei Trumpf. - Bild: Trumpf

Herr Dörr, wie stehen die deutschen Werkzeug- und Formenbauer zum Einsatz additiver Verfahren in ihren Betrieben?

Aus meiner Sicht gibt es insbesondere bei deutschen Formenbauer wie auch bei Gießern viel zu viele Vorbehalte. Ich war erst vor kurzem auf einer Tour durch US-amerikanische Werkzeug- und Formenbaubetriebe – die haben additive Verfahren schon viel stärker im Einsatz, gehen unbefangen damit um und setzen diese Technologien genau da ein, wo sie ihre Stärken ausspielen können. Und sie profitieren damit bereits von den Vorteilen. Da sind die Betriebe bereits viel weiter als wir in Deutschland. Und wenn unsere Werkzeug- und Formenbauunternehmen nicht aufpassen, verlieren wir den Anschluss.

Wo sind die Vorbehalte bei deutschen Werkzeugbauern?

Nun, einerseits liegt es daran, dass im einzelnen Unternehmen noch zu wenig Erfahrung vorliegt. Da gibt es noch Fragen wie: Ist das Material-Gefüge dicht genug? Wie verhält es sich als verbaute Komponente im Werkzeug – ist ein sicherer Langzeit-Dauerbetrieb möglich? Um es klar zu sagen: Die Bedenken sind unbegründet. Heute stehen die Materialien den herkömmlichen Werkstoffen in nichts mehr nach. Wir können inzwischen auf einige tausend funktionierende Werkzeuge zurückblicken, die mit additiv erstellter konturnaher Kühlung seit Jahren problemlos laufen. Andererseits sind viele mit dem Metallpulver-Handling noch nicht vertraut.

"Wenn unsere Werkzeug- und Formenbauunternehmen nicht aufpassen, verlieren wir den Anschluss!" Christoph Dörr

Muss das denn so sein?

Nein, inzwischen sind hier interessante technische Möglichkeiten verfügbar, Anlagen der neuesten Generation, beispielsweise die TruPrint 3000 von Trumpf, verfügen über einen geschlossenen Pulverkreislauf, bei dem der Anwender mit dem Material weitestgehend nicht mehr in Berührung kommen muss. Im Prinzip ist das bereits heute Stand der Technik.

Wo also finden sich die größten Hindernisse für den Einsatz additiver Technologien im Werkzeug- und Formenbau?

In den Köpfen! Und zwar nicht nur in denen der Werkzeug- und Formenbauer: Denn oft möchten zwar deren Kunden – die Gießer und Spritzgießer – durchaus eine konturnahe Kühlung in den Werkzeugen haben. Aber nur sehr wenige OEM sind bereit, hier Kosten und Verantwortung zu tragen. Hier wäre ein Umdenken wünschenswert. Schließlich hängt der Fortschritt einer ganzen Branche davon ab.

Was kann der Werkzeugbauer hier tun?

Er kann zeigen, dass der OEM mit den additiv hergestellten Produkten einen Hebel bekommt, der den Aufwand ohne Risiko in mehrfacher Höhe wieder einspielt. Das ist bei so manchem Einkäufer eine harte Aufgabe. Aber es lohnt sich: Wenn man überzeugen kann und dann eine nachhaltige und über den Gesamtprozess des Kunden betrachtet deutlich kostengünstigeren Lösung bieten kann, ragt man aus dem übrigen Anbieterfeld markant heraus und kann einen klaren Wettbewerbsvorteil erzielen. nh