Innovative Trends und Strategien

Von Industrialisierung über Aus- und Weiterbildung bis zum deutschen Werkzeug- und Formenbau als Marke spannte sich das Themenspektrum. Den Beginn machte am ersten Messetag Olaf Schmidt, Geschäftsführer wi-swf Werkzeugbau-Institut Südwestfalen. Er berichtete über das Thema „Werkzeugbau im Netzwerk“. Erst die Vernetzung unter­einander und der Austausch mit

anderen Unternehmen machen es möglich, zum Beispiel Werkzeugpakete zu bearbeiten, die ein einzelner Betrieb niemals stemmen könnte.

Zukunftzsforum Olaf Schmidt

Olaf Schmidt, wi-swf Werkzeugbau-Institut Südwestfalen referierte zu „Werkzeugbau im Netzwerk“.

Interessanter Aus- und Weiterbildungsansatz

Markus Kamann, Geschäftsführer des Innovationszentrum Fennel, Bad Oeynhausen, stellte im Rahmen seines Vortrags ein ausgefeiltes Angebot vor, Fachkräfte in Seminaren, Lehrgängen sowie Aus- und Fortbildungen aus- und weiterzubilden. Gerade in der Werkzeug- und Formenbaubranche werden Fachkräfte benötigt, die das nötige Know-how besitzen, um qualifizierte Ergebnisse µ-genau zu erzielen. Hier

Zukunftzsforum Markus Kamann

Markus Kamann, Innovationszentrum Fennel, sprach zum Thema „Aus- und Weiterbildung im Werkzeug- und Formenbau”.

bietet das Innovationszentrum durch eine breite Palette von Seminaren für Mitarbeiter, Auszubildende oder Studierende eine Möglichkeit, Zusammenhänge im Werkzeugbau durch praktische Anwendungen wirklich zu verstehen. Aber auch neue Fertigkeiten wie beispielsweise das Erodieren können hier erlernt und ausgebaut werden. Ziel ist es, mit produktionserfahrenen Trainern in altersgemischten Lernteams von maximal sieben Leuten durch praktisches Ausprobieren und Testen Kompetenzen zu schaffen.

Der Werkzeugbau in Deutschland ist eine Marke, die sich über verschiedene positive

Eigenschaften definiert, etwa eine hohe Produktivität, Prozesssicherheit oder Verlässlichkeit. Als Marke wahrgenommen wird er jedoch insbesondere im Ausland. Professor Thomas Seul, Präsident des Verbands Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF) erklärte in seinem Vortrag, was den deutschen Werkzeug- und Formenbau ausmacht und hinterfragte die Wettbewerbsvorteile im Vergleich zu vielen anderen Ländern.

Neue Herausforderungen für den Werkzeugbau

Die Vorteile sind auf Dauer indes nicht in Stein gemeißelt – die Zukunft im globalen Wettbewerb bringt neue Herausforderungen. Eine mögliche Antwort darauf sind intelligente Werkzeuge. Professor Seul zeigte sowohl Stärken als auch

Zukunftzsforum Thomas Seul

Prof. Thomas Seul (VDWF) brachte interessante Thesen zum Thema „Werkzeugbau als Marke”.
Bilder: werkzeug&formenbau

Schwächen des deutschen Werkzeug- und Formenbaus auf. Dieser zeichnet sich durch intellektuelle Flexibilität in der technischen Problemlösung von Kundenanforderungen sowie einer hohen Präzision und Produktqualität aus. Er bietet einen gelungenen Mix aus Qualität und Preis, was wichtige Faktoren für eine Kaufentscheidung sind. Vernetzung und Flexibilität ermöglichen es, automatisierte Prozessstrategien umzusetzen. Defizite sieht Seul aktuell in der Aus- und Weiterbildung. Deshalb ist ein wichtiger Ansatz, die Ausbilder – die Berufsschullehrer – kontinuierlich weiterzubilden und sie über die sich wandelnden Anforderungen im Werkzeugbau auf dem aktuellen Stand zu halten.

Ludwig Gansauge, Leiter des Tool Centers der Grammer AG, zeigte Automatisierungs- und Standardisierungsbeispiele des Grammer-Konzern-Betriebsmittelbaus. Er erläuterte, wie mit dem

Zukunftzsforum Martin Geiger

Martin Geiger, Geiger Coachulting, diskutierte mit vier Partnern Aussagen im Zusammenhang mit additiven Technologien.

Schaffen von Standards im Werkzeugbau erhebliche Kosten eingespart werden können. Um hier die Potenziale auszuschöpfen, gehört unter anderem dazu, die Prozesse zu optimieren und zu standardisieren oder auch die Senkung der variablen Kosten über Lean-Ansätze sowie eine durchgängige Beherrschung der Messdaten bei unterschiedlichen Systemen.

Zukunftstrend automatisierbare Werkzeugkonzepte

Martin Geiger von Geiger Coachulting thematisierte die Beschaffung von Bauteilen vom Design über Produktentwicklung bis zur Produktion. Mit vier kompetenten Diskussionspartnern diskutierte er einige Aussagen, die immer wieder im Zusammenhang mit additiven Technologien zu hören sind. Klar ist, dass die additive Fertigung ganz neue Möglichkeiten bietet. Mit ihr kann die konventionelle Fertigung aber sicher nicht ersetzt, sondern lediglich ergänzt werden. Die zentrale Frage wird demnach sein, wo und wie sich diese innovativen Fertigungsverfahren einsetzen lassen.

Rudolf Hein vom Konstruktionsbüro Hein erläuterte zukunftsfähige Werkzeugkonzepte im Kunststoffspritzgießen. Aufgrund des

Zukunftzsforum Rudolf Hein

Rudolf Hein vom Konstruktionsbüro Hein erläuterte zukunftsfähige Werkzeugkonzepte im Kunststoffspritzgießen.

demographischen Wandels schwindet die Manpower, was vor allem für mittelständische Unternehmen bedrohlich ist. Eine immer größere Produktion lässt sich in Zukunft so zum Beispiel mit den heute verbreiteten Methoden nicht mehr realisieren. Das heißt laut Hein konkret: „Wir brauchen Werkzeugkonzepte, die automatisierbar sind.“
Melanie Fritsch