Prof. Fritz Klocke, Preisverleihung 2019, Moulding Expo

Prof. Klocke mit der Ehrenmedaille 2019, in leuchtendem Orange eingerahmt von Florian Niethammer (li.) und Florian Schmitz (re.), den beiden Projektleitern der Moulding Expo sowie von Richard Pergler, Chefredakteur werkzeug&formenbau. - Bild: Messe Stuttgart

Die Medaille wird von einer unabhängigen Jury vergeben, zu der unter anderem Vertreter aus den Verbänden VDWF, VDMA, VDW und von der Werkzeugbauakademie Aachen (WBA) gehören. Der Preis soll nicht ein abgeschlossenes Lebenswerk des Geehrten auszeichnen – er soll vielmehr Ansporn sein, weiterhin Gutes für die Branche zu bewegen und insbesondere der Jugend Vorbild und Leuchtturm zu sein.

Prof. Fritz Klocke
Professor Fritz Klocke wurde beim Ausstellerabend auf der Moulding Expo 2019 mit der Werkzeug&Formenbau–Ehrenmedaille ausgezeichnet. - Bild: Fraunhofer IPT

Der diesjährige Preisträger, Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Dr. h. c. Dr. h. c. Fritz Klocke, ist ebenfalls jemand, der der Branche neue Türen aufgestoßen hat. Nach seinem Studium der Fertigungstechnik an der Fachhochschule Lippe in Lemgo und an der Technischen Universität Berlin in den Jahren 1970 bis 1976 arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik der TU Berlin. Er wurde 1981 Oberingenieur am Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik der TU Berlin und erhielt 1982 seine Promotion zum Dr.-Ing. an der Technischen Universität Berlin. Von 1984 bis 1994 arbeitete er in leitenden Positionen bei Ernst Winter & Sohn (gehört heute zu Saint Gobain) in Norderstedt bei Hamburg. Im Jahr 1995 wurde Klocke als Universitätsprofessor und Leiter des Lehrstuhls für „Technologie der Fertigungsverfahren“ ans WZL der RWTH Aachen berufen.

Von 1995 bis 2017 übernahm er die Leitung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT in Aachen, war neben vielen weiteren Aufgaben auch für einige Jahre Dekan der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen und Präsident der Internationalen Akademie für Produktionstechnik (CIRP). Seit Juli 2018 ist er nun einer der Leiter des Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart.

Die Ehrenmedaille 2019

Die Vorderseite der Ehrenmedaille 2019 - Bild: TFM

Um die Werkzeug&Formenbau–Ehrenmedaille 2019 fertigen zu lassen, sind wir in diesem Jahr nach Österreich gegangen - zur TFM – Technologie für Metallbearbeitung GmbH in Traun in der Nähe von Linz. Der Werkzeugbau-Betrieb fertigt nicht nur komplette Formen und Werkzeuge für den Kunststoff-Spritzguss, das Blasformen oder den Metall-Druckguss, sondern unter anderem auch Prototypen und Nullserien-Werkzeuge. Die Medaille, rund 12 cm im Durchmesser groß, ist standesgemäß aus Werkzeugstahl 1.2316 gefertigt. Die Rückseite zeigt neben dem Namen des Geehrten auch die Logos der Organisationen, aus denen sich die Jury zusammensetzt.

Der „akademische“ Teil seiner Laufbahn ist den meisten geläufig – schließlich hat Fritz Klocke unter anderem an führender Stelle daran mitgearbeitet, auf wissenschaftlicher Basis die Grundlagen dafür zu legen und die Methoden zu erarbeiten, dass Werkzeug-, Modell- und Formenbauunternehmen heute den notwendigen Wandel vom handwerklich-manufakturellen hin zum industriellen, zum digitalen Unternehmen bewältigen können. Der von ihm mitbegründete Benchmark-Wettbewerb „Excellence in Production“ sorgte dafür, dass Werkzeugbauer erstmals ihre Tore nicht nur für die Auditoren öffneten, sondern auch für Werkzeugbauer aus anderen Unternehmen. Eine Offenheit, die es ermöglichte, dass die Branche sich unter anderem nach Best-Practice-Gesichtspunkten („Lernen von den Besten“ ist das Motto des Wettbewerbs) auch aus sich selbst heraus weiterentwickeln kann.

Die vorherigen Preisträger

Im Jahr 2015 war es Karl-Heinz Möller, Chefredakteur und Verleger der Zeitschrift „Der Stahlformenbauer“ (Fachverlag Möller) – er war der erste, der der Branche mit seinen Medien quasi eine Stimme gegeben hat.

2017 wurde der Preis an Willi Schmid und seine Geschäftspartnerin Margot Schenk vergeben. Willi Schmid baute neben seiner Tätigkeit als Werkzeugbauunternehmer mit dem VDWF eine der wichtigsten Branchenverbände auf – etwas, das nicht möglich gewesen wäre, hätte ihn nicht Margot Schenk in seinem Tun stetig unterstützt, bestärkt und auch vorangebracht. Sie erhielt den Preis auch stellvertretend für all jene Frauen, die ganz selbstverständlich ihre Rolle im Unternehmen übernehmen. Meist, ohne dass sie gefragt werden, ob sie das überhaupt wollen.

Weniger bekannt hingegen ist, dass Fritz Klocke im Jahr 1965 nach dem Besuch der Hauptschule zunächst eine Lehre als Werkzeugmacher beim Unternehmen Albert Stübbe KG absolviert und danach auch in diesem Beruf gearbeitet hat. Mit dem Besuch der Berufsaufbauschule in Detmold und dem Besuch der Fachoberschule in Detmold, Fachrichtung Technik, legte er erst später die Basis für die akademische Ausbildung. Ein Werdegang, der deutlich zeigt, dass eine solide Berufsausbildung ein guter Ausgangspunkt für die weitere berufliche Entwicklung ist. Und dass lebenslanges Lernen nicht nur eine Notwendigkeit ist, sondern aktiv voranbringt. Ein Ansporn gerade für junge Berufseinsteiger.

Die Berufsausbildung und die Mentalität des Werkzeugmachers sorgten wohl auch dafür, dass Professor Klocke angenehm „geerdet“ ist, dass er Forschung und Lehre, aber auch den Wissenstransfer an die Unternehmen nicht nur in seinem Bereich praxisnah und relevant gestaltet hat. Er ist ein Professor, der mit seiner unaufgeregt-bescheidenen Art und seinem fundierten Wissen überzeugt. Und der sich auch in seiner leitenden Funktion – ein großes Kompliment seitens seiner aktuellen Mitarbeiter – „deutlich mehr für Sachthemen interessiert als für politische Dinge“.

Die Entscheidung für Prof. Fritz Klocke fiel in der Jury in absoluter Einstimmigkeit – Fritz Klocke hat sich mit seinem beispielhaften Werdegang und seinem nachhaltigen Engagement für die Branche der Werkzeug-, Modell- und Formenbauer den Preis mehr als redlich verdient. Wir gratulieren! nh