Schunk Rota FSW ermöglicht einen rasanten Futterwechsel mit exzellenter Wiederholgenauigkeit. - Bild: Schunk

Schunk Rota FSW ermöglicht einen rasanten Futterwechsel mit exzellenter Wiederholgenauigkeit. - Bild: Schunk

Seit langem schon gelten Backenschnellwechselfutter und -systeme von Schunk als probate Mittel zur Produktivitätssteigerung beim Drehen. Mit dem Futterschnellwechselsystem Schunk Rota FSW hat der Kompetenzführer für Greifsysteme und Spanntechnik nachgelegt und sein Know-how der hocheffizienten Rüstzeitminimierung auf den Wechsel kompletter Drehfutter übertragen. Wenige Handgriffe genügen, um ganze Drehfutter so zu wechseln, dass auf Anhieb ohne aufwändiges Vermessen oder Ausrichten präzise Ergebnisse erzielt werden.

Für die Hirschvogel Umformtechnik GmbH aus Denklingen kam Schunk Rota FSW gerade recht. Wie bei vielen prosperierenden Betrieben herrscht auch beim Umformspezialisten in Denklingen Raumnot in der Fertigung. Daher hatte sich das Team um Werkzeugbauleiter Georg Gebler im Rahmen einer Neuinvestition von einer manuell gesteuerten Drehmaschine getrennt und die Bearbeitung von Werkzeugen für die Kalt- und

Schunk Futterwechsel

Futterwechsel im Handumdrehen: Um das System zu öffnen oder zu ver­riegeln, betätigt der Bediener eine einzige Spannschraube. – Bild: Schunk

Massivumformung auf eine ebenfalls vorhandene zyklengesteuerte Boehringer DUS 630 ti verlagert. Damit sollte es nun auch möglich werden, bei gehärteten Teilen, die in der Regel mit hoher Priorität bearbeitet werden müssen, präzise Konturen abzubilden. Der Knackpunkt: Um die vorgegebene Rundheit und Winkligkeit zu erzielen, war der Einsatz eines vorhandenen 400er- Magnetfutters unabdingbar. Nur mit ihm ist die präzise Komplettbearbeitung in einer einzigen Aufspannung möglich. „Es geht in diesem Fall um schnelle Aufträge mit einer sehr kurzen Reaktionszeit von wenigen Stunden. Wir brauchen diese Technologie unmittelbar im Haus und sind daher auf eine Maschine mit Magnetspannung angewiesen“, unterstreicht Gebler.

Auslastung sollte deutlich erhöht werden

Hatte man aus Gründen der Flexibilität in Kauf genommen, dass die längst abgeschriebene Drehbank mit Magnetfutter in maximal einer Schicht ausgelastet war, galt es nun, mit der Zusammenlegung unterschiedlicher Bearbeitungen auf ein und dieselbe Maschine eine wesentlich effizientere Lösung zu finden. Mindestens 15 bis 20 min wären sonst für jeden konventionellen Drehfutterwechsel nötig gewesen, und das je nach Auftragslage auch mehrmals am Tag. „Also haben wir nach einer Lösung gesucht, wie man das Magnetfutter möglichst schnell gegen ein normales Backenfutter tauschen kann“, berichtet Gebler. „Im schlechtesten Fall hätten wir sonst in eine zweite Maschine investieren oder Aufträge außer Haus geben müssen.“

Trends-genau
Schunk Rota FSW
Das patentierte Schunk-Futterschnellwechselsystem Rota FSW verspricht einen rasanten Drehfutterwechsel bis Futtergröße 630 mm unter 3 min mit exzellenter Wiederholgenauigkeit. Mit einer einzigen Spannschraube lässt es sich prozesssicher lösen und verriegeln. Der Hersteller garantiert einfachstes Fügeverhalten bei einer Rundlaufwiederholgenauigkeit < 0.01 mm. Der Antrieb soll eine extrem steife Spannung ohne Vibrationen erreichen. Das Spannsystem will mit einer geringen Bauhöhe überzeugen und dank Flexadapter mit großem Durchlass auch die Bearbeitung von großen Rohmaterialdurchmessern ermöglichen. Schunk Rota FSW ist für Innen- und Außenspannung geeignet.

Das Futterschnellwechselsystem Schunk Rota FSW ermöglicht einen präzisen Drehfutterwechsel in weniger als 5 min. Statt über mehrere Befestigungsschrauben lässt sich Rota FSW mit einer einzigen Spannschraube prozesssicher lösen und verriegeln.

Schunk Drehfutterwechsel

Maschinenbediener Korbinian Amboss erledigt einen kompletten Dreh­futterwechsel in weniger als 5 Min. – Bild: Schunk

Via Flexadapter wird das Zugrohr der Drehmaschine automatisch mit dem Drehfutter verbunden und per Flexkegel hochgenau zentriert. Ein Eil- und Krafthub gewährleistet hohe Einzugskräfte, optimale Plananlage und maximale Steifigkeit der Verbindung. Die Verriegelung erfolgt formschlüssig und ist selbsthemmend.

Schunk Rota FSW Querschnitt

Mit seinen hohen Einzugskräften gewährleistet das Futterschnellwechselsystem Schunk Rota FSW eine enorme Steifigkeit. – Bild: Schunk

Zuverlässig und bedienerfreundlich

Im betrieblichen Alltag erweist sich das System nach Angaben von Manfred Steininger, Fertigungstechnologe bei Hirschvogel, als sehr zuverlässig und bedienerfreundlich. „Der Futterschnellwechsel ist einfach und wurde von den Mitarbeitern sehr gut angenommen.“ Das bestätigt auch Maschinenbediener Korbinian Amboss: „Mit dem neuen System geht es viel schneller: Man drückt das Futter hin, macht die Schraube zu und fertig.“

Schunk Rota FSW kann an fast allen gängigen Drehmaschinen nachgerüstet werden. Es wird in drei Baugrößen für Drehfutterdurchmesser bis 260 mm, von 315 bis 400 mm oder von 400 bis 630 mm angeboten und eignet sich sowohl für Hand- als auch Kraftspannfutter. Deren Betätigungskraft und maximale Drehzahl bleiben in vollem Umfang erhalten. Aufgrund der geringen Bauhöhe sind Einschränkungen beim Bauraum minimal. Mit seiner großen Durchgangsbohrung ist Schunk Rota FSW auch für aktuelle Drehzentren geeignet. Vorhandene Spannmittel lassen sich mit geringem Aufwand anpassen und weiterverwenden.

Profil
Hirschvogel Umformtechnik GmbH
Der Betrieb in Denklingen ist das Stammwerk der Hirschvogel Automotive Group, einem der erfolgreichsten Hersteller von massiv umgeformten Bauteilen aus Stahl und Aluminium. Pro Jahr fertigt das Unternehmen mit rund 1800 Mitarbeitern etwa 234 900 t Schmiede- und Fließpressteile aus Stahl. Der weltweite Ausstoß der Unternehmensgruppe, die insgesamt 4500 Mitarbeiter beschäftigt, liegt bei rund 317 000 t. Weitere Werke in Deutschland sind die Hirschvogel Aluminium GmbH und die Hirschvogel Eisenach GmbH in Marksuhl sowie die Hirschvogel Komponenten GmbH in Schongau. Zudem produziert die Hirschvogel-Gruppe in den USA (Columbus/Ohio), in China (Pinghu), Indien (Sanaswadi), Polen (Gliwice) und seit kurzem auch in Mexico (San Juan del Rio).

Die hohe Flexibilität der Spannlösung hat sich bei Hirschvogel schnell ausgezahlt. So kommt heute neben dem Magnetfutter und einem 3-Backenfutter immer wieder auch ein 4-Backenfutter zum Einsatz, beispielsweise für Reparaturarbeiten der Schlösser. Die Losgrößen liegen in der Regel zwischen eins (beim Magnetfutter und 4-Backenfutter) und maximal fünf (beim 3-Backenfutter). Je nach Priorität der Aufträge finden mehrere Futterwechsel am Tag statt. „Ohne die Schnellwechsellösung von Schunk müsste man konventionell wechseln, das heißt vier Muttern öffnen, Futter runter und nächstes Futter rauf“, betont Manfred Steininger. „Nach dem Wechsel müsste man jedes Mal sauber den Plan- und Rundlauf prüfen und schauen, ob die Magnetplatte passt und eventuell sogar noch einmal plandrehen.“ Dies alles wurde mit Schunk Rota FSW wesentlich vereinfacht: „Man betätigt mit dem Drehmomentschlüssel eine zentrale Schraube, braucht wesentlich weniger Kraft, und die Genauigkeit wird automatisch über den Kurzkegel gewährleistet“, so Steininger. „Mittlerweile verzichten wir weitgehend auf die Plan- und Rundlaufkontrolle, weil die Erfahrungswerte zeigen, dass es einfach immer passt.“ Auch der Wartungsaufwand ist minimal.

Prozessstabil zu überzeugenden Ergebnissen

Schunk 400er-Magnetfutter

Das 400er-Magnetfutter muss immer wieder kurzfristig eingewechselt werden. Hier zahlt sich der Futterschnellwechsel besonders aus. – Bild: Schunk

Trotz der zusätzlichen Schnittstelle liefert das Futterschnellwechselsystem bei Hirschvogel prozessstabil überzeugende Ergebnisse. Lediglich bei zwei Bauteilen waren aufgrund der etwas weiteren Auskragung des Drehfutters geringfügige Einbußen bei der Oberflächenqualität festzustellen, was aber laut Steininger zu verschmerzen ist. Wichtig ist seiner Ansicht nach, beim Futterwechsel auf die Sauberkeit der Schnittstelle zu achten und bei der Beladung schonend mit dem System umzugehen.

Unterm Strich hat sich die Investition in das Futterschnellwechselsystem für Hirschvogel schnell bezahlt gemacht: Schunk Rota FSW schafft eine größtmögliche Flexibilität auf der zyklengesteuerten Drehmaschine; es spart die Anschaffung einer zweiten Maschine. Das Wechselsystem ermöglicht ungeplante Schnellschüsse ohne Qualitätseinbußen, minimiert Rüstzeiten und legt die Grundlage für eine dreischichtige Auslastung der Maschine. „Entscheidend ist“, betont Manfred Steininger, „die Mitarbeiter für die unterschiedlichen Haltekräfte der einzelnen Spannfutter zu sensibilisieren.“ Mit regelmäßigen Schulungen stellt Hirschvogel sicher, dass den Mitarbeitern die unterschiedlichen Funk­tionsweisen und Spannkräfte der Drehfutter bewusst sind und ein sorgsamer Umgang mit den Futtertypen gewährleistet ist.

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