Automatisierter Werkzeugbau

Nach Auskunft von Klaus Dörr, Betriebsleiter Formenbau und Spritzgießen, ermöglicht das neue Center mit den Exeron-Maschinen einen automatisierten Werkzeugbau auf dem neuesten Stand der Technik, mit dem der Teilefluss zentral gesteuert werden kann. „Im Werkzeugbau bedeutet dies einen kleinen Quantensprung hin zu einem industrialisierten Prozess“, erklärt Dörr. „Es beginnt mit einer hochwertigen Produktionskette von Einzelanlagen in einem klimatisierten Umfeld. Diese sind über ein zentral steuerbares Automatisierungssystem von Certa vernetzt. Auf den CNC-Anlagen kommen alle erforderlichen Daten direkt an.“

Hoher Durchsatz
Das System ermöglicht einen schnellen Teilefluss in den Bearbeitungsschritten, im Ergebnis geringere Durchlaufzeiten und weniger Handarbeit beim Zuführen und Rüsten. „Die Konstruktion ist jetzt mit der Fertigung vernetzt“, erklärt Dörr. „Der Konstrukteur kann direkt bis in den Messraum seine Maße am Bauteil überprüfen. So können wir Techniken und Methoden gezielt einsetzen, um unseren Qualitätsanspruch für unsere Kunden zu verwirklichen.“

Die hochautomatisierten Exeron-Fräs- und Erodiermaschinen ermöglichen im Zusammenspiel, bei Bedarf rund um die Uhr zu produzieren. Die Investition ins neue Konzept lag laut Klaus Dörr bei rund 1,5 Mio. Euro. Durch die neue Anlage kann nicht nur ein zeitnaher Teilestrom erreicht werden, auch die Werkzeugkonstruktion wird in die Fertigung einbezogen: So können die Werkzeugkonstrukteure Messpunkte und Toleranzen direkt an die Messeinrichtungen von Zeiss senden. Per Vernetzung von Konstruktion und Fertigung ergibt sich eine kontinuierliche Überwachung der Qualität.

Trends µ-genau

Neues Bearbeitungs-Center
Der Werkzeugbau bei Toolcraft nahm Anfang 2013 ein neues Bearbeitungs-Center in Betrieb. Das vollklimatisierte Bearbeitungs-Center besteht aus einer 5-Achs-Fräsmaschine Exeron HSC 600 mit Awex-50/5-Wechsler, einer 3-Achs-Fräsmaschine Exeron HSC 300 mit Awex-50/5-Wechsler sowie der Erodiermaschine Exeron EDM 313 mit Awex-50/5-Wechsler, zwei Erodiermaschinen Exeron EDM 312 mit Erowa-ERM-Roboter und einer Erodiermaschine Exeron EDM 310. Außerdem sind zwei 3D-Koordinaten-Messmaschinen Zeiss Contura im Einsatz. Die Paletten werden per Robospa-Anlage von Erowa gereinigt. Die automatische Steuerung basiert auf der Automatisierungs-Software Certa.

Hoher Anspruch an Qualität
Der Anspruch der Kunden ist sehr hoch, betont Dörr: „Die winzigen Bauteile stellen sehr hohe Ansprüche an den Werkzeugbau, aber auch an Fertigung und Montage. Die geforderten Spaltmaße und die Passgenauigkeit der Einzelteile bewegen sich auf einem Niveau, welches in anderen Branchen deutlich einfacher erreichbar ist.“

Toolcraft Werkzeugbau 5-2013

Für nahezu jede Aufgabe gerüstet: der Bestückter Awex 50/5.

Die Ansprüche bei Hörgeräten sind vielfältig: Neben der hohen Präzision hat die Passgenauigkeit einen hohen Stellenwert. So fordern die Kunden Spaltmaße von 10 bis 20 μ, ein Wert, der in vielen anderen Branchen längst nicht so gering ausgelegt wird. Ein besonderes Thema ist auch Verzug im Teil. Um diesen so gering wie möglich zu halten, setzt Toolcraft auf konturnahe Kühlung im Werkzeug: An relevanten Stellen im Werkzeug sorgt die konturnahe Kühlung für „Beruhigung“ an dieser Front. „Ein sehr effektives Mittel“, erklärt Klaus Dörr, „bei dem die Fertigungsstärken des klassischen Werkzeugbaus mit der generativen Fertigung des Laserschmelzens mit Metallen für kombinierte Lösungen sorgen, die fertigungstechnisch überzeugen. “

Toolcraft Werkzeugbau 5-2013

Industrialisierter, automatisierter Werkzeugbau: Das neue Bearbeitungs-Center von Toolcraft im Geschäftsbereich Formenbau und Spritzgießen.

Die kleinen Teile für Hörgeräte bewegen sich von 0,01 bis 5 g Schussgewicht. Um Komplettlösungen anbieten zu können, verfügt Toolcraft neben dem Formenbau mit insgesamt 18 Maschinen und 70 Mitarbeitern über eine Kleinteilespritzerei mit 20 Spritzgießmaschinen und 30 Mitarbeitern. Zudem stehen separat Maschinen für Einfahr- und Serienanlauf zur Verfügung.

„Toolcraft setzt in allen Bereichen auf modernste Maschinen- und Prozesstechnik“, erklärt Dörr. „Das bedeutet primär eine hohe Investitionsquote. Wenn wir einen hohen Anteil des verdienten Geldes in unser Equipment investieren, sind wir für zukünftige Aufgaben gut aufgestellt.“ Die Exeron-Maschinen und die Automatisierung sind für ihn ein Stück Zukunftssicherung.

Gerade im Werkzeug- und Formenbau ist indes die Technik nicht alles. „Klar ist auch: Für uns zählt der Mensch“, betont Dörr. „Sein Wissen verstärken wir konsequent mit Aus- und Weiterbildung. Auch werden wir unsere Ausbildungsquote weiter erhöhen, um die Qualifikation der Mitarbeiter gezielt auszubauen. Erfreulich ist, dass wir strukturell eine sehr gewachsene Mischung von jungen und älteren Mitarbeitern haben. So ergibt sich eine Balance von Erfahrungen der Älteren mit der Energie der ,jungen Wilden‘.“