Die Nachrüstung des 10-fach-Palettensystems von Indunorm ebnet Croner den Weg zur mehr Flexibilität. 
Bild: werkzeug&formenbau

Die Nachrüstung des 10-fach-Palettensystems von Indunorm ebnet Croner den Weg zur mehr Flexibilität. Bild: werkzeug&formenbau

Ein Thema, mit dem sich auch die Präzisionsformenbauer bei Croner aus Alberndorf in Mittelfranken seit Jahren auseinandersetzten, ist die Automation. Welcher Grad der Automatisierung ist für unseren Betrieb sinnvoll? An welchen Stellen lohnt es sich zu investieren, und vor allem, was soll damit erreicht werden? Fragen, die vermutlich viele Unternehmer beschäftigen, wenn es um die Zukunft ihrer Betriebe geht.

Auch die beiden Geschäftsführer des Formenbaus, Matthias und Wolfgang Croner, standen 2012 vor der Herausforderung, ein für sie passendes 5-Achs-Bearbeitungszentrum zu finden. Das Ziel war, ihre Konturteile im Automatikbetrieb von fünf Seiten bearbeiten zu können. “Wir wollten keine Rüstzeiten mehr, sondern Fräsen, und Bohren in einem Aufwasch erledigen”, erklärt Matthias Croner.

Gemeinsame Entscheidungen

Da die Verantwortlichen des 32-Mann-Betriebs viel Wert auf die Meinungen ihrer Mitarbeiter legen, wurden die Betroffenen auch damals bei der

Hermle Bearbeitungszentrum

Mit dem 5-Achsen-CNC-Hochleistungs-Fräs-Dreh-Bearbeitungszentrum C42U von Hermle werden bei Croner auch Formen für die Automobilindustrie bearbeitet.
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Entscheidungsfindung mit zu Rate gezogen. Die Wahl fiel auf ein 5-Achs-CNC-Hochleistungs-Bearbeitungszentrum C42U von Hermle. Die Maschine ist ab Werk auf Automation ausgelegt. So stellte sich bei Croner die Frage, ob sich hier eine zusätzliche Investition lohnen würde. Die Resonanz der Mitarbeiter war eindeutig: Sie entschieden sich gegen einen automatischen Palettenwechsler, aber für die C42U mit Nullpunktspannsystem von Partool und leistungsfähiger Heidenhain-TNC-640-Steuerung.

Das sagt die Redaktion
Ein Schritt in Richtung Industrie 4.0
Mit der Entscheidung, die Hermle C42U mit einem Palettenwechselsystem von Indunorm nachzurüsten, hat der Präzisionsformenbau aus Alberndorf einen weiteren Schritt in Richtung Industrie 4.0 gewagt. Für die Spezialisten bei Croner ist es wichtig, das Unternehmen langfristig auszurichten, und dazu gehört nun mal auch, peu à peu die Automation voranzutreiben. Dies jedoch stets in dem Maße, wie es für das Unternehmen sinnvoll und passend ist. Neben den Einsatz von ausgereiften Technologien setzten die Geschäftsführer bei Croner vor allem auf zufriedene und motivierte Mitarbeiter, die mit einer hohen Eigenverantwortlichkeit an die Arbeit gehen. Deshalb wird bei Croner gemeinsam mit den Mitarbeitern über Neuanschaffungen und künftige Investitionen entschieden. Noch schneller und besser für seine Kunden zu werden – das ist das Ziel des 32-Mann-Betriebs – und darauf arbeitet das Team Tag für Tag hin.
Melanie Fritsch

Croner Bohrungen

Dank der inneren Kühlmittelzufuhr der Hermle C42U können die Fachleute vom Präzisionsformenbau Croner noch schneller tiefere Bohrungen machen.
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Attraktive Bauweise mit IKZ

Auf dem BAZ des Gosheimer Herstellers sollten bei Croner Konturteile aus Stahl bearbeitet werden, die noch unvergütet beziehungsweise zum Teil vorvergütet sind, aber noch nicht gehärtet. Deshalb wurde von den Formenbauern die Ausstattung der Maschine mit innerer Kühlmittelzufuhr (IKZ) mit 80 bar besonders begrüßt. Croner erklärt: “Dank der IKZ können wir noch schneller bohren und vor allem tiefere Bohrungen machen, was vorher nicht möglich war. Zudem profitieren wir von wesentlich besseren Oberflächenqualitäten – auch bei Querbohrungen.” Einzig die weiteren Kosten für die Anschaffung der passenden IKZ-Bohrer fielen negativ ins Gewicht. Die Hermle C42U verfügt über einen 136-fachen Werkzeugwechsler. Da es immer wieder zu Beschädigung beim Ein- und Ausbauen der Werkzeuge kommen kann, sind die Formenbauer bei Croner darauf erpicht, dass jedes Werkzeug seine eigene Aufnahme und einen festen Platz hat – entweder im Werkzeugwechsler oder im Werkzeugschrank. Insgesamt fertigt Croner im Toleranzbereich von Hundertstelmillimetern. Von der Konstruktion bis zur Fertigung ist Catia V5 als durchgängiges CAD/CAM-System im Einsatz.

Der Präzisionsformenbau aus Alberndorf setzt bereits seit 1998 auf Maschinen von Hermle und hat heute mehrere in Betrieb. “Wir haben einfach die Erfahrung gemacht, dass es mit Hermle sehr gut funktioniert”, erklärt Croner. Gerade im Servicebereich sieht er eine große Stärke des Maschinenherstellers: “Bei Problemen mit den Maschinen hat es genau einen Tag gedauert, bis die

Matthias Croner

“Wir sind dankbar für die Flexibilität, die uns das Palettensystem ermöglicht. Nun müssen wir das Werkstück nicht jedes Mal neu aufspannen und sind in unserem täglichen Ablauf flexibel.”
Matthias Croner, Geschäftsführer
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Mitarbeiter samt Ersatzteilen im Haus waren. Hier gab es noch nie Schwierigkeiten.“ Er ergänzt: “Außerdem sind wir von der Qualität und der Zuverlässigkeit der Maschine beeindruckt. Und natürlich kommt hinzu, dass die Bedienung bei den Mitarbeitern bekannt ist und dass sie damit zufrieden sind.”

Im vergangenen Jahr die Fertigungshalle ausgebaut, alle Räume wurden klimatisiert und auch unter dem Gesichtspunkt der Energierückgewinnung auf den neuesten Stand gebracht. Aufgrund

der gewonnenen Raumkapazitäten bestand für Croner nun die Möglichkeit, ihre bis dahin drei Jahre alte Hermle C42U nachträglich mit einem 10-fach-Palettenwechsler aufzurüsten. Croner: “Die Mitbestimmung der Mitarbeiter ist für uns sehr wichtig, um auch eine Gewisse Akzeptanz zu schaffen.” Da die Hermle wegen dem Ausbau sowieso versetzt werden musste, war es nach Meinung von Croner ein idealer Zeitpunkt für eine Automatisierung. Also wurden die Mitarbeiter erneut befragt.

Trends µ-genau
Hermle C42U

  • 5-Achsen-CNC-Hochleistungs-Fräs-Dreh-Bearbeitungszentrum
  • mit 10-fach-Palettenwechsler von Indunorm
  • Maximalgewicht von 300 kg pro Palette
  • Nullpunktspannsystem von Partool
  • innere Kühlmittelzufuhr mit 80 bar
  • Verfahrwege X/Y/Z: 800 x 800 x 550 mm
  • ergonomisches Bedienpult
  • das platzsparend in den Grundkörper integrierte ringförmige Werkzeugmagazin arbeitet nach dem Pick-up-Prinzip
  • bietet in der Standardausführung Platz für 42 Werkzeuge und ist auf 192 Plätze erweiterbar

Diesmal sahen die Fachkräfte die Sachlage anders als bei der Beschaffung der Maschine. Da in der Fertigung bei Croner im Zweischichtbetrieb gearbeitet wird, mussten die Werkzeuge ständig umgerüstet werden. Das war kompliziert und vor allem mit großem Arbeitsaufwand verbunden. Der Einsatz eines 10-fach-Palettenwechslers von Indunorm sollte Abhilfe für dieses Problem schaffen, da waren sich alle Beteiligten einig.

Effizientes Palettenwechselsystem

Croner Teile

Die Mitarbeiter arbeiten in der Fertigung unter anderem auf dem BAZ C42U von Hermle im Toleranzbereich von Hundertstelmillimetern.
Bild: werkzeug&formenbau

Mit dem Palettensystem können pro Palette bis zu 300 kg schwere Werkstücke automatisch eingewechselt werden. Dabei ist die Gewichtsbeschränkung für die Art von Werkzeugen, die im Familienbetrieb gefertigt werden, genau richtig. Der Geschäftsführer erklärt: “Wir sind dankbar für die Flexibilität, die uns das Palettensystem ermöglicht. Nun müssen wir das Werkstück nicht jedes Mal neu aufspannen und sind in unserem täglichen Ablauf flexibel.”

Laut Croner ging es bei Einführung des Handling-Systems nicht nur um die Kapazitätssteigerung der Maschine. Vielmehr stand im Vordergrund, eine maximale Flexibilität zu erreichen, um so die Kunden schneller und besser beliefern zu können.

Profil
Croner Präzisionsformenbau GmbH
Das seit 1996 von den beiden Brüdern ­Matthias und Wolfgang Croner geführte ­Familienunternehmen wurde 1988 gegründet und besitzt jahrzehntelange Erfahrung im Bereich Formen- und Vorrichtungsbau. Auf einer Produktionsfläche von etwa 1000 m2 fertigen die Mitarbeiter Bauteile aus den Bereichen ­Automobil-, Spielzeug-, Elektro- und Kosmetik­industrie. Aktuell beschäftigt der Betrieb 26 Mitarbeiter und sechs Auszubildende. Croner Präzisionsformenbau wurde 2015 Finalist bei Excellence in Production in der Kategorie Externer Werkzeugbau unter 50 Mitarbeiter und erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von zirka 3,5 Mio. Euro.

Croner Griffe

Bei Croner werden neben Werkzeugen für Tür­innen- und -außengriffe auch solche für Lichtleiter oder Spielzeuge gefertigt.
Bild: werkzeug&formenbau

Auf dem Weg zur Automation

Mit dem Palettenwechsler von Indunorm gehen die Formenbauer einen Schritt in Richtung Industrie 4.0. Auch künftig ist es Unternehmensziel, dort zu automatisieren, wo es sinnvoll ist.  Dazu gehört, den Bedarf bei jeder Maschine individuell abzuwägen. Denn nicht für jedes Unternehmen ist die totale Vernetzung in der Fertigung zielführend. Für Croner birgt sie sogar Gefahren: “Gerade wenn eine zusätzliche Software eingesetzt werden muss, um eine vollständige Vernetzung gewährleisten zu können, ist es nicht immer einfach. Da treten oft Probleme auf”.
Auch wenn das Handling zwischen den Fertigungsmaschinen in manchen Bereichen manuell passiert, ist es nicht ausgeschlossen, sie in geraumer Zeit komplett zu verbinden. Croner betont: “Sicherlich wird irgendwann der Schritt gemacht, mehrere Maschinen zu verknüpfen, doch wann es soweit ist wird sich zeigen.”
Melanie Fritsch

Croner Fertigungshalle

Der Präzisionsformenbau aus Alberndorf gilt mit jahrzehntelanger Erfahrung als Spezialist im Bereich Formen- und Vorrichtungsbau.
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Kontakt:

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