Die Werkzeuge aus Velbert werden in den Spritzwerken der Huf-Gruppe weltweit eingesetzt.
Bilder: werkzeug&formenbau

Die Werkzeuge aus Velbert werden in den Spritzwerken der Huf-Gruppe weltweit eingesetzt. Bilder: werkzeug&formenbau

Die Schussgewichte liegen in der Regel zwischen 0,1 und 180 g, die Präzision und die Qualität, die von den Kunststoffteilen abverlangt wird, ist entsprechend sehr hoch. Schließlich sollen sie zuverlässig sicherstellen, dass nur der eine Autotür öffnen kann, der den entsprechenden Schlüssel hat. Wobei der Schlüssel heute auch immer mehr ein berührungsloses System sein kann.

Die Unternehmen der Huf-Gruppe sind weltweit bekannt für hochwertige Schließsysteme in automotiven Anwendungen. Der Werkzeugbau in Velbert – Huf Tools – stellt dabei die Machbarkeit der einzelnen Komponenten und Baugruppen sicher. Neben hochwertigen Spritzgieß- und einigen wenigen Stanzwerkzeugen entstehen hier im eigenen Sondermaschinenbau komplexe Fertigungs- und Montageanlagen, die weltweit in den Werken der Gruppe zum Einsatz kommen. Denn die Fertigung für den Automobilsektor ist inzwischen ein globales Geschäft – und die Zulieferer sind gehalten, dort zu produzieren, wo ihre OEMs die Montagewerke bauen. Ob in Europa, Brasilien oder China – wer mithalten will, muss vor Ort sein.

Weltweit aufgestellter Werkzeugbau

Herzstück aber ist der Bau von zum Teil hochkomplexen Spritzgießwerkzeugen, die teilweise in Mehrkomponententechnik Kunststoffteile für die Schließsysteme produzieren. „Das können

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Links: Der Maschinenpool der Werkzeugbauer bei Huf Tools ist mit einem Durchschnittsalter von gerade einmal rund vier Jahren relativ jung.
Rechts: Bei Huf Tools werden meist Düsen des Typs 06E verbaut – ihr Fließquerschnitt liegt bei 6 mm, Sie werden bis Schussgewicht 120 g eingesetzt.

Spritzgieß­elemente mit Metalleinlegeteilen ebenso sein wie etwa ein Türgriff, bei dem es auf die tadellose Optik ankommt, oder aber ein Werkstück, das mit einer zusätzlichen Weichkomponente für Dichtungszwecke gespritzt wird“, erklärt Andreas Hill, Tooling Director bei Huf Tools. „Auch wir als Werkzeugbau haben uns global aufgestellt und können in der Produktion in den einzelnen Ländern unterstützen. Inzwischen haben wir eine eigen Tochter in China – einerseits, um unsere chinesischen Produktionsstandorte zu versorgen. Andererseits ermöglicht uns das einen interessanten Kostenmix. Dabei gilt: Sehr stark know-how-gebundene Projekte etwa für Gasinnendruck- und Mehrkomponentenformen oder bei Einlegeteilen wickeln wir hier vor Ort ab. Weniger aufwändige, aber immer noch anspruchsvolle Werkzeuge können wir auch in unserem chinesischen Werkzeugbau in Yantai fertigen.“

Das sagt die Redaktion

Kompetent vor Ort sein

Es ist heute offenbar keine Kunst, global präsent zu sein. Man ernennt einen lokalen Handelsvertreter zu seinem Statthalter, und – schwupp! – schon kann man seinen Kunden ein neues Land vorweisen, in dem man „vertreten“ ist. Wenn man aber Produkte hat, die echten und kompetenten Service verlangen, dann ist der Aufwand seriöserweise deutlich höher zu veranschlagen. Dann kommt man nämlich an einer eigenen Niederlassung mit gut geschultem (!) Personal in der Regel nicht herum. Zugegeben, das ist mit Aufwand verbunden. Und das bedeutet vielleicht im Einzelfall auch, dass man von seinen Kunden höhere Preise nehmen muss als der Wetbewerber, der sich eben mit einem Handelsvertreter begnügt. Gerade Werkzeug- und Formenbauer, die von hoher Verfügbarkeit ihrer Produkte leben, sind gut beraten, sich genau anzusehen, wen sie als Partner für ihre Aktivitäten im Ausland wählen.
Richard Pergler

Bei den Werkzeugen setzt Huf Tools in der Regel auf die Anbindung via Heißkanal. „Das hat sowohl wirtschaftliche als auch technologische Gründe“, erläutert Hill. „Zum einen wollen wir keine kalten Unterverteiler und die daraus resultierenden Angussspinnen, die aufwändig recycelt werden müssen. Zum anderen ist auch die Prozessführung deutlich einfacher, wenn die Nester direkt angespritzt werden. Und der Nadelverschluss ermöglicht eine hohe Stabilität und Prozesssicherheit auf der Spritzgießmaschine.“

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Höchste Präzision und Qualität: Die Teile für Schließsysteme im Automobilbereich müssen höchsten Anforderungen genügen.

Verarbeitet werden unterschiedlichste thermoplastisch verformbare Werkstoffe – von diversen glasfasergefüllten Polyamiden über TPE/TPU bis zu Weichkomponenten wie SEBS reicht die Palette der Materialien. In den Mehrkomponentenwerkzeugen werden für die einzelnen Komponenten jeweils separate Heißkanalsysteme ausgelegt und verbaut.

Ursprünglich war eine große Vielfalt an Produkten unterschiedlicher Heißkanalhersteller im Einsatz. „Jedes Werk in der Gruppe hat einen anderen Hersteller bevorzugt. Die Herausforderung

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Links: Plug ‘n Play: Die Heißkanäle werden bei Synventive nach Stichmaß exakt auf die Anforderungen des jeweiligen Werkzeugs maßgeschneidert.
Rechts: Die Elektroden werden im eigenen Haus gefertigt. Alle zur Werkzeugfertigung relevanten Technologien sind auf aktuellem Stand.

ist der kompetente Service im Zielland, in dem die Werkzeuge eingesetzt werden“, betont Hill. „Gerade in der Automobilindustrie kann ein Ausfall von Werkzeugen und damit im schlimmsten Fall ein Produktionsstillstand beim OEM richtig teuer werden. Deshalb müssen wir schnell und umfassend reagieren können – weltweit. Und das geht nur dann, wenn auch der Heißkanalhersteller gut geschultes Personal und die relevanten Ersatzteile im jeweiligen Land vor Ort verfügbar hat.“

Trends µ-genau

Weltweit Standard

Wer seine Werkzeuge in aller Welt betreibt, kommt an Standards nicht vorbei. Was in der Werkzeugfertigung über festgelegte Prozesse und Abfolgen für Rationalisierungseffekte sorgt, ist spätestens dann ein großer Vorteil, wenn einmal eine Komponente defekt ist. Wenn der Werkzeugbauer hier seine Hausaufgaben gemacht hat, lässt sich das defekte Teil schnell und einfach nachfertigen. Und wenn die defekte Komponente in mehreren Werkzeugen verbaut ist, lohnt es sich vielleicht, sich ein Exemplar oder mehrere auf Lager zu legen – für alle Fälle und eine noch schnellere Verfügbarkeit. Gerade wer weite Wege zum Einsatzort seiner Werkzeuge hat, muss den Überblick haben – Standards vereinfachen diese Herausforderung gewaltig.

Vielfalt schafft Probleme

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Zitat
„Für uns ist wichtig, dass sich die Verantwortung für Heißkanal und Form klar trennen lässt – so lassen sich die jeweiligen Zuständigkeiten sauber abgrenzen“
Andreas Hill,
Tooling Director
bei Huf Tools

Andereseits schuf die große Vielfalt an Heißkanasystemen auch Probleme – jedes System kam mit einem anderen Maß und den jeweils eigenen Spezifikationen, die die Werkzeugbauer bei der Auslegung der Werkzeuge zu berücksichtigen hatten. Für die Verantwortlichen bei Huf Tools, die die Idee der Standardisierung in ihrem Unternehmen sehr weit vorangetrieben haben, ein Anachronismus. „Für uns ideal ist, wenn wir weltweit einen Partner haben, der kompetent und verlässlich agiert und mit dem wir alle Herausforderungen abdecken können“, erklärt Hill. Gesucht war ein Hersteller, der neben der weltweiten Verfügbarkeit auch hochwertige und prozesssicher einsetzbare Produkte mitbrachte.

Qualität und kompetenter Service

Mit Synventive kam Hill erstmals über die Niederlassungen in China in Kontakt. „Dort waren unsere Mitarbeiter überzeugt von der Qualität der Heißkanäle, und der Synventive-eigene Service vor Ort war kompetent“, berichtet er. „Zudem stimmt bei Synventive das Preis-Leistungs-Verhältnis. Als wir daher feststellten, dass Synventive an allen Standorten, an denen wir produzieren, mit eigenen Niederlassungen vor Ort ist, war das für uns der Anlass, die große Vielfalt deutlich zu reduzieren und künftig weitgehend auf Synventive zu setzen.“

Zunächst bezog Huf Tools komplette heiße Seiten von Synventive. „Für uns ist wichtig, dass sich die Verantwortung für Heißkanal und Form klar trennen lässt – so lassen sich die jeweiligen

mehrkomponentenwerkzeug

Der Heißkanal in Mehrkomponentenwerkzeugen wird für jede Komponente seperat erstellt – hier die zwei Systeme für ein 2K-Werkzeug.

Zuständigkeiten sauber abgrenzen“, erläutert er. „Die Projekte mit den heißen Seiten funktionierten einwandfrei, deshalb gingen wir dazu über, die Formaufbauten wieder selbst zu konfigurieren und den Heißkanal als von Synventive komplett mit allen Anschlüssen nach unseren Vorgaben konfigurierte Plug-´n-Play-Lösung zu integrieren. Auch dabei sind die Verantwortlichkeiten klar abgegrenzt – auch dieses Systeme laufen sehr prozessicher.“ Dank Standardisierung sind auch für diese individuell auf die Form zugeschnittenen Lösungen Ersatzteile und kompetenter Service weltweit gewährleistet.

Synventive, ursprünglich eher in großen Dimensionen zu Hause, hat sich in den vergangenen zehn Jahren auch bei kleineren Baugrößen etabliert. Bei Huf Tools werden derzeit in erster Linie Düsen des Typs 06E verbaut – sie verfügen über einen Fließquerschnitt von 6 mm und kommen bei Schussgewichten bis 120 g zum Einsatz. Inzwischen haben die Werkzeugbauer fast die komplette Heißkanalpalette auf Synventive umgestellt – bis auf ein paar Ausnahmen: „Etwa in kleinsten Dimensionen“, wie Hill erläutert. „Da Synventive aber inzwischen auch hier Lösungen anbietet, unter anderem Düsen mit 3-mm-Querschnitt, werden wir diese Anwendungen möglicherweise ebenfalls auf den Prüfstand stellen.“

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