Zeichnung der Öffnung in der Kappe

Auf der Zeichnung ist deutlich die seitliche Anspritzung zu sehen. Auch, wie die Öffnung in der Kappe realisiert wird, ist gut erkennbar. - Bild: werkzeug&formenbau

Die acht Formkerne für die Schutzkappen sind ringförmig angeordnet. Hier die Auswerferseite des Werkzeugs. Bild: werkzeug&formenbau
Die acht Formkerne für die Schutzkappen sind ringförmig angeordnet. Hier die Auswerferseite des Werkzeugs. Bild: werkzeug&formenbau

Als Jens Heinze aus der Position eines Werkzeugbauleiters in einem rennomierten Hamburger Unternehmen heraus den Schritt in die Selbständigkeit wagte und den Hansa Werkzeugbau im Hamburger Statteil Altona übernahm, traf er auf ein Unternehmen, in dem die Verwendung von Heißkanalsystemen eher die Ausnahme war. "Viele langjährige Kunden haben nur sehr wenig bis gar keine Erfahrung mit Heißkanalwerkzeugen – da wird der Anguss oft als notwendig erscheinendes Übel eben hingenommen", erklärt der Unternehmer. "Dabei wird jedoch in vielen Fällen Potenzial verschenkt – sowohl in Sachen Wirtschaftlichkeit als auch bei der Qualität."

HPS-III-MHR100
In der Mitte sitzt die Heißkanaldüse HPS-III-MHR100 von Ewikon in der Achtfach-Radialversion. Die Anspritzung der Kappen erfolgt seitlich auf die Sichtfläche. - Bild: werkzeug&formenbau

Bei seinem vorherigen Arbeitgeber, einem Hamburger Unternehmen mit Werkzeugbau und Kunststoffspritzerei, konnte Heinze aus langjähriger Praxis ein profundes Know-how in Bezug auf Heißkanalwerkzeuge, aber auch umfassendes Prozesswissen in der Kunststoffverarbeitung aufbauen. Das setzt der Unternehmer jetzt ein, um für seine Kunden optimale Werkzeuge zu konstruieren und zu fertigen. Die Vorteile von Heißkanalsystemen liegen für Heinze auf der Hand: Die Kunststoffschmelze wird auf einer idealen Verarbeitungstemperatur gehalten, bis sie in die Kavität eingespritzt wird – das verringert den Stress für den Kunststoff und sorgt für optimale Materialqualität. Zudem wird das Erstarren des Kunststoffs außerhalb der Kavität verhindert, es entsteht kein Anguss, der entfernt werden muss und unschöne Spuren auf dem eigentlichen Werkstück hinterlassen kann.

Zitat

"Unser Ziel ist, die Zykluszeiten für den Kunden zu reduzieren und gleichzeitig die Produktivität zu erhöhen – bei einem Werkzeug, das die Kosten im Rahmen hält." Jens Heinze

Jens Heinze
Jens Heinze, Geschäftsführer Kunststoffspritzerei & Werkzeugbau Hansa GmbH. - Bild: werkzeug&formenbau

Hansa hat sich einen guten Ruf für besonders saubere Formtrennungen erworben – der Übergang ist nirgendwo spürbar. Deshalb finden sich Kunden des Betriebs, in dem neben vier Werkzeugmachern noch drei angelernte Kräfte beschäftigt werden, unter anderem im Automotive-Bereich, wo beispielsweise Werkzeuge aus hochwertigen gehärteten oder auch vergüteten Werkzeugstählen unter anderem für Verbindungsstücke aus hochtemperaturbeständigen und teilweise hochfesten Kunststoffen auch mit Glasfaseranteil entstehen.

Lösung für "Problemfälle"

Aber auch Auftraggeber aus anderen Bereichen schätzen inzwischen die hohe Kunststoffkompetenz der Hanseaten – so gehört beispielsweise die Spritzgießform für einen verstellbaren Trompetendämpfer ebenso zum Repertoire wie Werkzeuge für filigrane Medizintechnikkomponenten mit ihren oft sehr speziellen Anforderungen.

Immer wieder sind es auch "Problemfälle", die bei Heinze landen. So beispielsweise die Form für Schutzkappen für Interdentalbüsten. Es gab bereits ein Werkzeug eines anderen Herstellers für diese Kappen – allerdings sollten die Kappen, um ein Trocknen der Interdentalbürsten nach Gebrauch zu ermöglichen, nun zusätzlich eine Öffnung für den Luftaustausch bekommen. Genau da, wo im existierenden Werkzeug die Anspritzpunkte lagen, nämlich an ihrer Stirnfläche. Da es nicht sehr sinnvoll erschien, das bestehende Werkzeug auf einen anderen Anspritzpunkt und den zusätzlichen Geometrieaspekt umzubauen, sollte eine optimierte Lösung komplett neu entstehen. Ein Werkzeug, das acht Kappen pro Schuss fertigen sollte – inklusive der vorgesehenen Öffnung, die selbstverständlich sauber und gratfrei auszuführen ist.

Das sagt die Redaktion

Werkzeugbauer im Netzwerk

Werkzeugbauer sind heute mehr denn je gefordert, wenn es um die "Machbarkeit" von Produkten geht, um die technische Umsetzung. Jens Heinze und sein Hansa Werkzeugbau sind ein exzellentes Beispiel dafür, dass auch sehr kleine Werkzeugbauunternehmen hier eine herausragende Rolle spielen können. Vorausgesetzt, sie packen es richtig an. Denn auch, wenn Heinze einen riesigen Erfahrungsschatz mitbringt – alles wissen kann ein einzelner Werkzeugmacher nicht. Deshalb ist es umso wichtiger, dass man sich entsprechende Partnern sucht. Dazu gehören auch kompetente Zulieferer, die sich und ihr Wissen einbringen, um dem Werkzeugbaukunden letztlich eine optimale Lösung für seine Produktionsaufgabe zu ermöglichen. Ein Netzwerk, das stetig gepflegt werden muss, in dem man fair miteinander umgeht und nachhaltig zusammenarbeitet. Richard Pergler