Hohe Kavitätenzahlen lassen sich auch bei modularen Werkzeugen realisieren. Die Stückzahlen reichen typischerweise von 2000 bis 50 Mio. pro Jahr.
Bild: werkzeug&formenbau

Hohe Kavitätenzahlen lassen sich auch bei modularen Werkzeugen realisieren. Die Stückzahlen reichen typischerweise von 2000 bis 50 Mio. pro Jahr. Bild: werkzeug&formenbau

Kunststoffisoliergehäuse von Steckern erfordern hohe Präzision. Trotz ähnlicher Geometrie – die Zahl der Kontakte variiert innerhalb einer Steckerlinie. Und mit ihr die Auslegung des Werkzeugs. Theoretisch wäre für jede Variante ein eigenes Werkzeug notwendig. Oder – in einem Wechselwerkzeugsystem – ein eigener Formkern. Bei Stocko Contact kommt weder das eine noch das andere zum Zug – hier setzen die Verantwortlichen auf ein intelligentes, hochpräzises Baukastensystem, mit dem in den Mehrfachwerkzeugen jeweils die eingebauten Kerne das gerade benötigte Steckermodell abbilden.

Ursprünglich fertigte das Unternehmen in erster Linie für die Branche Weiße Ware, inzwischen werden Stecker, wie sie in Haushaltsgeräten üblich sind, aber auch zunehmend in der Automobilindustrie

verbaut – in Automobilen gibt es immer mehr Platinen, die mit Energie und Steuersignalen versorgt werden müssen.

Die Stecker werden in der Regel nach kundenspezifischen Vorgaben ausgelegt. Die Werkstoffpalette ist vielfältig – es sind in der Mehrzahl technische Kunststoffe, meist Polyamide, die teilweise mit bis zu 70 Prozent Glasfasern oder einem Flammschutz versehen sind. Das Spektrum der Stückzahlen der zu spritzenden Stecker reicht in der Regel von 2000 bis mehr als 50 Mio. pro Jahr.

Synventive Wechsel

Mit wenigen Handgriffen lassen sich die Formen für die Produktion unterschiedlicher Steckermodelle umbauen.
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Das sagt die Redaktion

Clever kombiniert

Das modulare Werkzeugkonzept bei Stocko Contact ist ein gelungenes Beispiel, dass es sich lohnt, seine Prozesse genau im Blick zu haben und die kreativen Potenziale seiner Mitarbeiter entsprechend einzusetzen. Hier haben sich die Werkzeugbauer ein durchgängiges System geschaffen, mit dem sie mit wenig Aufwand höchst unterschiedliche Produkte intelligent fertigen können. Solche Lösungen sind es, die den Industriestandort Deutschland stark machen. Denn Maschinen sind heute weltweit verfügbar. Den Unterschied machen Mitarbeiter, die clevere Ideen mit Liebe zum Detail und einem gesunden Blick für das technisch Machbare und wirtschaftlich Sinnvolle umsetzen.
Richard Pergler

Komplettanbieter und Partner für die OEMs

Stocko Werkzeug

Die Präzision über den gesamten Kern muss passen. Bei Stocko Contact
können mit einem Werkzeug unterschiedliche Stecker produziert werden.
Bild: werkzeug&formenbau

Stocko Contact sieht sich hier als Komplettanbieter und als kompetenter Partner seiner Kunden. Dabei reicht das Leistungsspektrum des Unternehmens weit über Werkzeugbau und Fertigung der Stecker hinaus und kann bis zu kompletten schlüsselfertigen Montageanlagen reichen.

„Für uns ist bei derartigen Projekten ideal, wenn uns ein Kunde bereits in einer möglichst frühen Phase der Produktentwicklung kontaktiert und entsprechend mit einbezieht“, betont Gottfried Spoden,

Leiter Werkzeugbau bei dem Unternehmen in Hellenthal. „Wir können dann, ausgehend vom vorhandenen Bauraum und der Anforderung, in enger Zusamenarbeit mit unseren Kunden an die Entwicklung einer optimalen Lösung gehen.“

In der Regel sind die Stecker zeitkritisch. Das bedeutet, dass im Werkzeugbau kurze Durchlaufzeiten und intern eine hohe Verfügbarkeit gefordert sind. „Wenn unsere Werkzeuge auf die Spritzgießmaschine kommen, dann muss alles passen“, betont Spoden. „Zeit für ein ausgiebiges Einfahren auf der Maschine haben wir nicht.“

Deshalb ist in der mechanischen Fertigung höchste Präzision gefordert, die Komponenten müssen exakt passen. „Dabei verlassen wir uns auf Zeichnungen und CAD-Daten“, erläutert der

Synventive Heisskanal

Die Plug-‘n-play-Systeme von Synventive sind rheologisch optimal aus­balanciert – ein Muss für den Spritzgießprozess bei Stocko Contact.
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Werkzeugbauleiter. „Hier sind alle Angaben vermerkt, auch die jeweils benötigte Qualität.“ Aufgrund der Variantenvielfalt sind die Ansprüche ans Werkzeugbaukonzept sehr hoch – von einer Steckerserie werden unter Umständen bis zu 20 Varianten mit unterschiedlicher Anzahl an Kontakten produziert. Die Hellenthaler haben sich ein pfiffiges Modularkonzept für ihre Werkzeuge erarbeitet, mit dem sich unterschiedliche Stecker einer Familie mit verschieden konfigurierbaren Einsätzen in einem einzigen Werkzeug abbilden lassen.

Alle Komponenten passen zueinander

„Wie in einem Baukasten können die einzelnen Elemente miteinander kombiniert werden – es ist sichergestellt, dass alle relevanten Teile zueinanderpassen“, betont Spoden. „Mit wenigen Umbauschritten lassen sich so unterschiedliche Steckervarianten einer Produktfamilie in verschiedenen Größen auf einer einzigen Form realisieren.“

Trends µ-genau

Plug ‘n play

Natürlich kann man sein Heißkanalsystem auch selbst zusammenbauen. In der Regel erzielt der Formenbauer seine optimale Wertschöpfung indes in ganz anderen Bereichen. Deshalb setzen immer mehr Werkzeugbauer auf vorkonfigurierte, komplett aufgebaute Heiß­kanalsysteme – sie werden auf die Anforderungen des Werkzeugs und des Spritzgießteils hin maßgeschneidert und müssen nur noch im Werkzeug positioniert und mit den entsprechenden Anschlüssen verbunden werden. Solche Systeme sind in der Regel aus einem Guss – Dichtigkeitgsprobleme sind hier weit seltener als bei Systemen mit aufgesetzten Düsen. Und die Verantwortlichkeit ist, anders als bei Systemen, die der Werkzeugbauer zusammenfügt, klar geregelt.

Eine Herausforderung im Spritzgießprozess ist die große Bandbreite an Schussgewichten, die mit einer Stammform abzudecken sind. „Egal welches Modell wir spritzen – es muss gewährleistet sein, dass die Teile in allen Formnestern perfekt gefüllt und ausgeformt werden“, erklärt Spoden. „Der Schmelzefluss muss exakt ausbalanciert sein. Schließlich sind unsere Werkstücke sehr filigran – da muss die Teilfüllung in jedem Nest passen.“ Denn die Toleranzen sind eng – die

Synventive Kabel

Die Kabel sind bei Synventive in einem massiven Kabelkanal untergebracht – so sind sie bei Wartungsarbeiten geschützt gegen Knicke und Quetschungen.
Bild: werkzeug&formenbau

Spritzgießteile müssen exakt in die Zuführeinrichtungen der Montageanlagen passen.

Das Team um Spoden setzte zunächst Heißkanalsysteme unterschiedlicher Hersteller ein – allerdings traten immer wieder Füllunterschiede auf. „Die Rheologie unserer Werkzeuge ist offenbar für viele Heißkanalhersteller eine große Herausforderung“, erläutert der Werkzeugbauleiter. „Wir setzen inzwischen komplett auf die Plug-‘n-Play-Systeme von Synventive. Die haben sich bei uns als optimale Lösung erwiesen.“

Kompetenter Heißkanalpartner

Die Werkzeugbauer spritzen die Formnester per Heißkanal mit offenem Torpedo an – allerdings nicht direkt: Die letzten Zentimeter sind über Kaltkanäle angebunden. „Die

Stocko Komponente

Sehr präzise: Die einzelnen Komponenten lassen sich modular zu Formkernen kombinieren, die höchst unterschiedliche Modelle einer Steckerfamilie abbilden können.
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Anspritzpunktgröße ändert sich nicht – hier muss das Heißkanalsystem trotzdem die gesamte Bandbreite an Schussgewichten abdecken können“, betont Spoden. „Das Füllbild ist bei den Synventive-Systemen immer wieder das Gleiche. Und diese Prozessstabilität ist für uns sehr wichtig.“

Profil

Stocko Kontakt GmbH & Co. KG

Stocko zählt zu den führenden europäischen Anbietern elektromechanischer Bauelemente. Das Unternehmen sieht sich als Komplett­anbieter für Steckverbinder, dessen Leistungsspektrum von Forschung und Entwicklung über Produktionsmittel und Produktion bis zu Logistik und Vertrieb reicht. Am Standort Hellenthal sind rund 330 Mitarbeiter beschäftigt. In Formenbau und Werkzeugservice in Hellenthal arbeiten rund 30 Mitarbeiter in der Neuwerkzeugfertigung und sind auch verantwortlich für die Konfiguration, den Umbau, die Wartung und Bereitstellung der Werkzeuge für die Produktion.

Dazu kommt, dass die fertig konfigurierten Heißkanalsysteme von Synventive leicht zu handhaben und zudem auch sehr wartungsfreundlich sind. Werkzeugbauleiter Spoden macht das

Gottfried Spoden, Stocko Contact

„Der Informationsaustausch verläuft sehr transparent und konstruktiv. Eine Partnerschaft, wie sie leider nicht selbstverständlich ist.“
Gottfried Spoden, Leiter Werkzeugbau bei Stocko Contact
Bild: werkzeug&formenbau

unter anderem an einigen Details fest: „So ist beispielsweise die Verkabelung mit einem Metallrohr geschützt. Mit dieser intelligenten Lösung ist sichergestellt, dass etwa in der Wartung kein Kabel geklemmt oder auf eine andere Weise bschädigt werden kann“, erläutert er. „Zudem sind die Ersatzteilhaltung und auch der Arbeitsaufwand bei Reinigung und Reparaturen überschaubar – die Torpedospitzen, die aufgrund der teilweise hochabrasiven Materialien verschleißen, sind gut zugänglich und mit wenigen Handgriffen ausgetauscht. Auch die Zusammenarbeit mit den Synventive-Technikern sehen wir sehr positiv – der Informations­austausch verläuft sehr transparent und konstruktiv. Eine Partnerschaft, wie sie leider nicht selbstverständlich ist.“

Kontakt:

Weitere interessante Videos finden Sie auf dem Youtube-Kanal der werkzeug&formenbau.