| von Richard Pergler

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Wer komplexe Werkzeuge baut, kommt an intensiven Qualitätssicherungsschleifen inklusive Tuschieren nicht vorbei. Tuschierpressen sind inzwischen ein Muss, ein "Tuschieren" per Kran wird – abgesehen von den Risiken für Mensch und Material – von den Kunden heute kaum mehr akzeptiert, da die Daten kaum Aussagekraft besitzen. Längst geht es um mehr als ein simples Auf-Zu, die maßliche Abstimmung von Unter- und Oberwerkzeug unter dem Einsatz von Tuschiertinte ist nur ein Aspekt von vielen.

Trends µ-genau: Tuschierpressen von Millutensil

Die Tuschierpressen von Millutensil gibt es in zwei Baureihen: Die Reihe BV umfasst Pressen zur Montage, Justierung, Kontrolle und Reperatur kleiner und mittlerer Formen, die Modelle der Reihe MIL sind für mittelgroße und große Formen konzipiert. Allen Pressen gemeinsam ist die konsequente Ausrichtung auf ein ergonomisches, bedienerfreundliches und dabei sehr präzises Handling. Dabei wächst ihr Funktionsumfang immer weiter – so lassen sich längst Kernzüge, Schieber und Auswerfer auf der Presse bewegen, mit einer Harz-Einspritzeinheit konnten bislang auch schon Prototypen abgeformt werden, Drehteller ermöglichen es, die Bewegungsabläufe kompletter Mehrkavitätenspritzgießvorgänge zu simulieren und vieles mehr. Über die Arbeit mit der Tuschiertinte hinaus ist die Tuschierpresse über die Jahre immer mehr in die Rolle eines Quality-Gate hineingewachsen – damit Formen möglichst serienproduktionsreif auf die Produktionsmaschine kommen.

Die Werkzeuge sollen möglichst so auf die Spritzgießmachine oder die Druckgusseinheit kommen, dass sie reif sind für die Serienproduktion – Abstimmungsarbeiten und zeitintensive Korrekturen müssen zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen sein. Schließlich ist die Zeit auf den Produktionslinien der Kunden knapp und teuer.

Ist tuschieren noch üblich?

Das Argument, dass seine Komponenten doch eigentlich bereits eine sehr hohe Genauigkeit mitbringen und damit der Tuschiervorgang doch eigentlich obsolet ist, lässt Claudio Gaddi, Technischer Leiter bei Flavio Gilardoni in Abbaddia Lariana, nicht gelten: "Mit dem Tuschieren überprüfen wir weit mehr als nur die Genauigkeit unserer Fräsprozesse", erklärt der erfahrene Werkzeugbauer für hochkomplexe Druckgusswerkzeuge, die in erster Linie in der Automobilindustrie verwendet werden. "Auf der Presse können wir erstmals im Entstehungsprozess eines Werkzeugs den gesamten Gießprozess durchspielen – und zwar ohne die Produktionskapazitäten von unseren Kunden zu blockieren."
Erst im zusammengebauten Werkzeug lassen sich etwa Schieber und Auswerfer fahren, können präzise gerechnete und gefräste Komponenten an die "wirklichen" Gegebenheiten angepasst werden.

Bild: werkzeug&formenbau

"Auf der Presse können wir erstmals im Entstehungsprozess eines Werkzeugs den gesamten Gießprozess durchspielen – und zwar ohne die Produktionskapa­zitäten von unseren Kunden zu blockieren."
Claudio Gaddi, Technischer Leiter bei Flavio Gilardoni S.r.l.

Der Bediener steht im Fokus

Von Anfang an steht bei Millutensil der Bediener im Mittelpunkt – die Funktionen der Tuschierpresse, das Handling der Werkzeuge, aber auch die Peripherie soll sich an den Menschen anpassen, nicht umgekehrt. Das bedeutet, dass sich zum Beispiel – je nach Modell – der Untertisch mit der einen Werkzeughälfte aus der Presse herausfahren lässt und optional in eine bearbeitergerechte Position gekippt werden kann. Der Obertisch lässt sich weit ausklappen und absenken – auch hier mit der Intention, dass der Werkzeugmacher die diffizilen Korrekturen in einer möglichst angenehmen, natürlichen Körperhaltung ausführen kann.

Zahlreiche Optionen und eine Vielzahl von Varianten ab Katalog sorgen dafür, dass Anwender ihre Presse auf die eigenen Bedürfnisse quasi maßschneidern können. Und was es (noch) nicht gibt, wird nicht selten im Rahmen des technisch Machbaren und wirtschaftlich Sinnvollen in enger Absprache mit dem Anwender neu entwickelt und umgesetzt. So fand beispielsweise vor einigen Jahren der Drehtisch für Mehrkomponentenwerkzeuge den Weg auf die Presse­ – heute ist er eine gängige Option.

Gelebte Partnerschaft mit Millutensil

Die MIL-306 aus der Limited Edition der Blue Line von Millutensil ist nicht die erste Presse im Haus – direkt neben der 306 steht die kleinere Schwester – eine MIL-203, die seit Jahrzehnten ihren Dienst verrichtet und die immer noch genutzt wird. "Viele unserer Werkzeuge sind inzwischen zu groß für unsere kleinere Presse. Da wir mit ihr aber sehr zufrieden sind, Millutensil sehr gut uns Anwender hört und auch der Service schnell und kompetent ist, war klar, dass wir unsere neue größere Presse wieder bei Millutensil ordern", berichtet Gaddi. "Wir haben eine langjährige, sehr gute Beziehung zu Millutensil, die nicht nur aus der geographischen Nähe resultiert, sondern aus einer gelebten Partnerschaft."

Das sagt die Redaktion

Italienische Frauenpower
"A Business with a big Heart" – für Luiga Assi Just und ihre Töchter Beatrice und Veronica Just, das Führungstrio bei Millutensil, ist der Slogan des Unternehmens kein leeres Wort. Das spürt man beim Besuch der Millutensil-Fertigung in Izano, das wird deutlich, wenn man mit den Anwendern in der Lombardei spricht, aber genauso auch bei Reportagen bei Millutensil-Anwendern hierzulande: Man ist so etwas wie eine große Familie. Das macht auch der Spirit des frauengeführten Unternehmens: Millutensil hat gelernt, den Anwendern sehr genau zuzuhören, flexibel auf ihre Wünsche und Bedürfnisse einzugehen und technisch exzellente Lösungen in hoher Qualität zu schaffen. Das macht, gepaart mit einem guten Service, den Unterschied – das italienische Unternehmen hat in Deutschland die etablierten Hersteller von Tuschierpressen nahezu komplett aus dem Feld geschlagen. Und kontinuierliche F&E-Aktivitäten sorgen dafür, dass das Unternehmen auch für die Zukunft gut gerüstet ist. Richard Pergler

BMW und Sanvito & Somaschini nutzen die MIL-408 der Limited Edition

Noch um einiges größer ist die Tuschierpresse, die bei Sanvito & Somaschini S.p.A. am neuen Produktionsstandort Renate die Halle dominiert: eine MIL-408 der Limited Edition.

Sanvito & Somaschini Millutensil MIL-408
Die MIL-408 ist bislang die größte Tuschierpresse im Portfolio von Millutensil. Außer bei Sanvito & Somaschini gibt es nur noch ein weiteres Exemplar – bei BMW in Landshut. - Bild: werkzeug&formenbau

"Sie ist eine der beiden größten ihrer Art weltweit", erklärt Salvatore Morreale, Werksleiter bei Sanvito & Somaschini mit sichtlichem Stolz. "Die gleich große Schwesterpresse steht beim Werkzeugbau im BMW-Werk in Landshut." Bei Sanvito & Somaschini entstehen Spritzgießwerkzeuge für hochwertige Automotive Komponenten, etwa Außenteile wie Stoßfänger, Spoiler oder Gitter, aber auch Formen für Innenteile wie eine Instrumententafel. Daneben sind Duroplast-Werkzeuge für Automotive, aber etwa auch für die Landmaschinenfertigung im Portfolio.
Auch hier ist die MIL-408 nicht die erste Presse. "Unsere Werkzeuge sind immer weiter gewachsen – bis zu 60 t wiegen die Formen inzwischen. Dabei liegen die Toleranzen bei rund einem Hundertstelmillimeter", berichtet Morreale. "Pro Monat fertigen wir fünf bis sechs dieser Formen."

Bild: werkzeug&formenbau

"Wir können es uns nicht leisten, auf den Einsatz einer Tuschierpresse zu verzichten. Die ´kalte Probe´ der großen Formen ist für uns ein unerlässlicher Schritt, bevor das Werkzeug ins Technikum geht."
Salvatore Morreale, Werksleiter bei Sanvito & Somaschini S.p.A.

Tuschierpresse und Technikum gehören zusammen

Sanvito & Somaschini verfügt über ein sehr gut ausgestattetes Technikum unter anderem mit Spritzgießmaschinen bis 4500 t Schließkraft und der entsprechenden Peripherie. "Trotzdem können wir es uns nicht leisten, auf den Einsatz einer Tuschierpresse zu verzichten", betont Morreale. "Die ´kalte Probe´ der großen Formen ist für uns ein unerlässlicher Schritt, bevor das Werkzeug ins Technikum geht. Hier lässt sich das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten final überprüfen, und Korrekturen können direkt vorgenommen werden – und zwar ergonomisch günstig für den Bediener."

Tuschierpressen sind vielfältig einsetzbar

Millutensil Pressen Limited Edition signalisieren Betriebszustand
So futuritisch wie funktional: Die Millutensil-Pressen der Limited Edition signalisieren unübersehbar den Betriebszustand. - Bild: werkzeug&formenbau

Seit mehr als 25 Jahre befassen sich die Formenbauer bei CDV Stampi in Brebbia mit Konstruktion und Produktion von Spritzgießwerkzeugen für mittelgroße und große Kunststoffbauteile in der Automobilindustrie. In erster Linie für Sichtbauteile mit entsprechend hohen Ansprüchen an die Oberflächenqualität. Auch hier stehen zwei Generationen an Millutensil-Pressen im Haus – "Für Spitzenphasen in unserer Auslastung verwenden wir auch noch unsere ältere Millutensil-Presse", wie Gianbattista Contini , Inhaber bei CDV Stampi erläutert. "Wir haben uns angesichts wachsender Werkzeugdimensionen größere Zerspanungsmaschinen beschaffen müssen – der Kauf der neuen MIL-307 ist da nur konsequent. Sie stellt die Präzision und Funktionsfähigkeit des Gesamtwerkzeugs in der entscheidenden Entstehungsphase sicher."
Nicht nur bei Neuwerkzeugen ist die Tuschierpresse das Qualitäts-Gate, auch nach Reinigen, Reparieren oder Überarbeiten von Kundenwerkzeugen kommt sie zum Einsatz.

Bild: werkzeug&formenbau

"Mit Millutensil stehen wir in engem Austausch– seit mehr als zwei Jahrzehnten. Eine Partnerschaft, die allen Beteiligten Vorteile bietet. Wir jedenfalls fühlen uns bei Millutensil sehr gut aufgehoben."
Gianbattista Contini, Inhaber und Geschäftsführer bei CDV Stampi S.r.l.

"So können wir dokumentieren, dass nach unseren Arbeiten alles funktioniert", resümiert Contini. "Ein Service, den immer mehr Kunden schätzen."
CDV Stampi setzt auf langfristige, nachhaltig gute Beziehungen zu Kunden und Lieferanten. "Mit Millutensil stehen wir in engem Austausch", erklärt Contini. "Zwei Jahre nach Gründung unseres Betriebs kam die erste Presse von Millutensil ins Haus, und wir konnten mit ihr und unseren Ansprechpartnern bei Millutensil positive Erfahrungen sammeln. Wir jedenfalls fühlen uns hier sehr gut aufgehoben." vg

Profil

Gilardoni Flavio S.r.l.
Das Unternehmen wurde 1961 von Flavio Gilardoni gegründet. Am heutigen Unternehmenssitz in Abbadia Lariana (LC) verfügt das Unternehmen über eine Produktionsfläche von 4000 m2 und 600 m2 Bürofläche. Die Werkzeugbauer haben eine langjährige Erfahrung in der Konstruktion und Herstellung von Werkzeugen für Druckguss und Kokille (Schwerkraftverfahren) mit Schwerpunkt Automotive- und Elektroindustrie, typische Produkte sind etwa Getriebegehäuse. Das Unternehmen ist nach DIN ISO 9001:2015 zertifiziert.

Sanvito & Somaschini S.p.A.
Im Jahr 1968 gründeten die beiden erfahrenen Werkzeugmacher Alfredo Sanvito und Giuseppe Somaschini ihr eigenes Unternehmen – die Sanvito & Somaschini S.p.A. Von Anfang an waren Qualität und Zuverlässigkeit der Produktion sehr wichtig. Angefangen hatte man mit der Herstellung von kleinen bis mittelgroßen Werkzeugen für Thermo- und Duroplast, hauptsächlich für die Automobilindustrie. Am neuen Produktionsstandort in Renate konzentriert man sich heute auf Großwerkzeuge. Das Unternehmen wird heute in zweiter Generation der Familien Sanvito und Somaschini geführt.

CDV Stampi S.r.l.
1978 wurde die Gesellschaft CDV Stampi gegründet. Seit dem Jahr 1990 liegt der Fokus des Unternehmens auf der Konstruktion und Produktion von Spritzgießwerkzeugen für mittelgroße und große Bauteile in der Automobilindustrie. Die Kunden sind die Automobilhersteller selbst respektive die großen Zulieferer, speziell in Europa. CDV Stampi sieht sich als Entwicklungspartner, der bestrebt ist, einen optimalen Weg für die Anforderungen seiner Auftraggeber zu finden und damit ein gut funktionierendes Spritzgießwerkzeug zu bauen. Der Betrieb wurde nach Norm ISO 9001 zertifiziert.