Tuschierprozess

Große Flächen erfordern großen Abtrag: Die Tuschierfarbe zeigt, wo noch nachgearbeitet werden muss. - Bild: werkzeug&formenbau

Die Tuschierpresse eines deutschen Herstellers, die seit langen Jahren ihren Dienst getan hatte, war zwar "unkaputtbar", aber mit der Zeit schlicht zu klein geworden. "Es ist noch gar nicht so lange her, da lagen de Maximalgrößen unserer Druckgussformen irgendwo im Bereich von 1900 x 1800 mm", erinnert sich Siegfried Heinrich, Geschäftsführer bei Schaufler Tooling in Laichingen auf der Schwäbischen Alb. "Das hat sich inzwischen drastisch geändert – die Druckgussteile werden immer größer. Deshalb bauen wir für unsere Kunden heute Formen bis 60 t und mit Abmessungen bis 2000 x 2400 mm. Damit kann aktuell alles abgedeckt werden, was in Druckguss hergestellt wird."

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Viel Know-how erforderlich

Unterschiedliche Werkzeugkomponenten
Unterschiedlichste Werkzeugkomponenten warten in der Halle auf ihre Weiterbearbeitung und Montage. - Bild: werkzeug&formenbau

Der Bau effizienter Druckgussformen erfordert sehr viel Know-how – die Werkzeuge entscheiden letztlich darüber, ob der Druckgussprozess beim Kunden später effizient, präzise und wirtschaftlich abläuft. Speziell in der Temperierung der Werkzeuge liegt sehr großes Potenzial – hier sind die Werkzeugbauer in Laichingen sehr erfahren, thermostabile Werkzeuge zu bauen – die Auslegung wird schließlich mittels Simulationen verifiziert. "Wichtig ist die frühe Kommunikation mit dem Kunden – es muss klar sein, was genau er von dem Werkzeug erwartet", betont Heinrich. "Die enge Abstimmung zwischen Gießer und Formenbauer birgt ein enormes Potenzial für die Optimierung der Produktiosprozesse."

Bedienpanel
Das Bedienpanel lässt ein sehr intuitives Handling der Presse zu. Bei Schaufler sind 20 Mitarbeiter auf der Millutensil eingewiesen. - Bild: werkzeug&formenbau

Dass die Werkzeuge tuschiert werden, ist bei Schaufler schon immer eine Selbstverständlichkeit. Schließlich lassen sich so mit relativ kleinem Aufwand die Korrekturschleifen gering halten. Denn bei dem schwäbischen Werkzeugbauer werden zwar die einzelnen Komponenten sehr exakt hergestellt. Wie sie sich aber im Zusammenspiel verhalten und wie das Werkzeug unter Belastung in einer Druckgussanlage reagieren wird, kann am besten auf einer Tuschierpresse prognostiziert und überprüft werden. So wird die Produktion beim Kunden nicht mit unnötigen Bemusterungs- und Korrekturschleifen belastet.

Zitat

"Die enge Abstimmung zwischen Gießer und Formenbauer birgt ein enormes Potenzial für die Optimierung der Produktiosprozesse." Siegfried Heinrich

Präzises Fräsen allein reicht nicht

Siegfried Heinrich
Siegfried Heinrich, Geschäftsführer bei Schaufler. - Bild: werkzeug&formenbau

"Natürlich fräsen wir sehr präzise. Aber das alleine ist noch nicht ausschlaggebend – unsere Werkzeuge müssen absolut dicht sein, auch in den großen Dimensionen, die wir heute fertigen", betont Heinrich. "Das bedeutet auf der gesamten Dichtfläche Toleranzen im Bereich von wenigen Hunderstelmillimetern. Das ist vielleicht noch relativ einfach zu beherrschen, wenn alles auf einer Ebene liegt und das Werkzeug eine gewisse Größe nicht überschreitet. Aber spätestens dann, wenn es Dichtflächensprünge in 3D gibt, wird es schwierig. Und bei Werkzeugen in der Größe, die bei uns üblich ist, sowieso. Die Formen sind in Sachen Größe und Komplexität sehr anspruchsvoll geworden."

Speziell Magnesium, das als Leichtbauwerkstoff stark im Kommen ist, bildet beim Druckgießen eine sehr dünnflüssige Schmelze – wenn das Werkzeug nicht absolut dicht ist, ist hinterher zumindest umfangreiche Nacharbeit aufgrund der Spritzgrate notwendig.

Profil

Schaufler Tooling GmbH & Co. KG

Schaufler Tooling ist ein mittelständisches Unternehmen mit 150 Mitarbeitern und mehr als 50-jähriger Erfahrung im Formenbau für Leichtmetalle. Die hochqualifizierte Belegschaft stellt am Standort Laichingen auf der Schwäbischen Alb Druckgussformen und CFK-Formen her, bearbeitet Druckgussteile und berät die Kunden entlang der Prozesskette von der gießtechnischen Optimierung von Teil und Gießform bis hin zur Endbearbeitung der Teile. Insbesondere im Bereich technologisch anspruchsvoller Strukturbauteile ist Schaufler Tooling eines der weltweit führenden Unternehmen. Leichtbaukomponenten wie Fahrwerks- und Strukturteile fürs Automobil stehen im Vordergrund, aber auch Getriebegehäuse und Motorblöcke sind Alltag. Mit diesem Know-how ist das Unternehmen in der Lage, seine Kunden bei anspruchsvollen Projekten in der Motorenentwicklung und beim Leichtbau zu beraten und zu unterstützen. Inzwischen gehört auch das US-amerikanische Tochterunternehmen Fscher Tool & Die mit 130 Mitarbeitern und zwei Standorten in Tennessee und Michigan zur Schaufler-Gruppe.