Das FCS-System soll künftig auch Reparaturen und Änderungen deutlich einfacher gestalten.
Bilder: werkzeug&formenbau

Das FCS-System soll künftig auch Reparaturen und Änderungen deutlich einfacher gestalten. Bilder: werkzeug&formenbau

Schon beim Blick auf den laufenden Veränderungsprozess zeigen sich erste Erfolge

Ein neues Spannsystem kaufen, Schalter umlegen, ab sofort deutlich effizienter produzieren – das hat mit der Realität meist nur sehr wenig zu tun. Nicht selten scheitern gut gemeinte Projekte an falschen Vorstellungen, das Nullpunktspannsystem bringt schlicht nicht die erhofften Verbesserungen. Oft deshalb, weil die Mitarbeiter nicht in die Entschiedung eingebunden oder nicht entsprechend geschult werden.

Der Entscheidungsprozess beim Druckgusswerkzeugspezialisten Heck + Becker lief komplett anders. „Wir stehen in unserer Branche im harten Wettbewerb mit Anbietern weltweit“, erklärt Ralf Fett, Produktionsleiter des Unternehmens. „Deshalb konfrontiert uns unser Vertrieb immer wieder mit der Forderung, dass wir effizienter – sprich kostengünstiger bei mindestens gleicher Qualität – fertigen müssen.“ Die Werkzeugbauer bei Heck +  Becker sind nah an ihren Kunden. Deshalb kam der entscheidende Anstoß zur Veränderung auch aus der Fertigung: „Wir sind uns der Notwendigkeit bewusst, dass wir ständig daran arbeiten müssen, unseren Kunden leistungsfähige Produkte zu wettbewerbsfähigen Konditionen zu liefern“, ergänzt Fett. „Also müssen wir uns in der Produktion so aufstellen, dass die Prozesse möglichst optimal ablaufen können.“

Das sagt die Redaktion

Ehrliche Momentaufnahme

Nein, noch läuft nicht alles rund. Aber alles andere wäre eben auch nicht normal. Denn ein Veränderungsprozess, der deutlich spürbare Ergebnisse erzielen soll, ist nicht an einem Tag über die Bühne. Auch wenn so mancher Hochglanzprospekt etwas anderes verspricht, die Realität hat ihre Rückschläge, ihre Irrwege, ihre Schattenseiten. Die Verantwortlichen bei Heck + Becker haben ihr Ziel klar vor Augen. Wir von werkzeug&formenbau werden sie ein Stück weit begleiten und Ihnen, lieber Leser, weiter über die Fortschritte berichten.
Richard Pergler

Das bedeutete, dass die komplette Prozesskette auf den Prüfstand kam. „Wichtig ist dabei aus meiner Sicht, dass jeder involvierte Mitarbeiter versteht, wo es hingeht und was die Veränderung letztlich bedeutet – für ihn selbst, aber auch für die anderen Beteiligten“, erklärt Fett. „Deshalb haben wir alle Beteiligten von der Konstruktion bis zum Vertrieb ins Boot geholt.“ Auf einer Messe hatte man das Spannkonzept von FCS

Baukasten des FCS-Breyl-Spannsystem

Provisorisch haben sich die Maschinenbediener einen Rüstwagen mit dem Baukas­ten des FCS-Breyl-Spannsystems erstellt.

entdeckt, das in Deutschland von Pfleghar implementiert wird. „Hier fanden wir deuitlich mehr als nur das Spannsystem“, betont Fett. „Das Konzept, das dahintersteht, ist für uns ein Ziel, mit dem wir uns identifizieren können. Das System wurde vom italienischen Werkzeugbau FCS Stampi entwickelt – und was dieses Unternehmen damit erreicht, hat uns nachhaltig überzeugt. Da wollen wir auch hin.“

Alle Mitarbeiter mit ins Boot holen

Allerdings war von vornherein klar, dass sich dieses Ziel nicht von heute auf morgen erreichen lässt. „Wir sind ein gewachsenes Unternehmen, die Strukturen, unsere Mannschaft, aber auch unser Maschinenpark lassen sich eben nicht per Knopfdruck umstellen“, erläutert der Produktionsleiter. „Deshalb ist es wichtig, dass wir bei der Umstellung vom handwerklichen Betrieb zum industriellen Werkzeugbau alle Mitarbeiter, die die Umstellung betrifft, von Anfang an mit ins Boot holen.“

Saeulen des FCS-Breyl-System

Die Säulen des FCS-Breyl-Systems wirken nicht besonders wuchtig. Aber sie können vergleichsweise hohe Kräfte prozesssicher aufnehmen.

Schon sehr früh war klar, dass dieser Weg ohne ein gutes Maß an Standardisierung nicht sinnvoll ist. Deshalb wurden, beginnend in der Konstruktion, Standards festgelegt. Was auf den ersten Blick nach Einschränkung klingt, ist in der Umsetzung eine Best-Practice-Optimierung, die ein deutliches Plus an Sicherheit gibt und verhindert, dass bei jedem Projekt das Rad quasi neu erfunden wird. „Die Lösungen erarbeiten unsere Leute selbst“, erklärt Fett. „Das läuft reibungsloser als gedacht – etwa wo und von wem die Spannpunkte festgelegt werden: Hier haben sich Konstruktion und Fertigungssteuerung schnell und ohne Kompetenzgerangel auf den effizientesten Weg geeinigt.“

Erst nach diesen und zahlreichen weiteren internen Schritten, die die Basis legten für eine erfolgreiche Umstellung, kontaktierte Fett die Experten bei Pfleghar. Schrittweise wurde die Spanntechnik auf den Maschinen implementiert, derzeit verfügen drei Bearbeitungszentren über das FCS-System Breyl. „Unsere tägliche Erfahrung zeigt uns, wie wichtig es ist, ein derartiges Projekt von Anfang an sauber aufzusetzen“, erklärt Fett. „Neben ersten Erfolgen gibt es auch Rückschläge. Etwa, wenn ein Mitarbeiter feststellt, dass er trotz neuem Spannsystem nicht schneller geworden ist. Hier gilt es, das nicht als Niederlage zu werten, sondern genau hinzusehen.“

Trends µ-genau

Ausgetretene Pfade verlassen

In vielen Jahren eingespielte Abläufen aufzugeben – das ist nicht leicht. Schließlich hat man seine Prozesse oft mit viel Herzblut entwickelt. Trotzdem: Wer in ein neues Spannsystem investiert, sollte die gesamte Prozesskette auf den Prüfstand stellen und nicht nur den Rüstvorgang an sich. Denn oft zeigt sich erst im Zusammenspiel der einzelnen Prozessschritte, welcher Weg und welche Einzelschritte optimal für das Gesamtergebnis sind. Das kostet Zeit, das kostet Nerven. Und es ist harte Arbeit. Aber in der Regel lohnt es sich, hier seine Hausaufgaben im Vorfeld ein bisschen gründlicher zu erledigen.

Im konkreten Fall etwa lag es daran, dass der Mitarbeiter mit dem FCS-System die Werkstücke genauso aufgespannt und auch bearbeitet hat wie zuvor mit seinen konventionellen Spannmitteln. Damit wurden die Vorteile des Nullpunktspannsystems neutralisiert. Als das korrigiert wurde und man dann noch die Möglichkeiten ausschöpfte, das Werkstück, das aufgrund des filigran wirkenden Spannsystems nun deutlich weniger Störkonturen aufweist, mit

altes Spannsystem

Das alte Spannsystem hat ausgedient. Die neue Fertigungsphilosophie ermöglicht effizienteres Rüsten und einen optimalen Arbeitsablauf.

optimalen Strategien richtig zu zerspanen, war der positive Effekt sehr deutlich spürbar.

Dass die zierlich wirkenden FCS-Spannelemente tatsächlich große Kräfte aufnehmen können, war den Mitarbeitern auch nicht von Anfang an plausibel. „Da musste zunächst in der täglichen Arbeit Vertrauen entstehen“, betont Fett. „Die Werker haben erst einmal alles auf die großen Säulen gespannt, die eigentlich nur zum Schruppen gedacht waren. Die kleinen Säulen, die zum Schlichten vollkommen ausreichen und die da auch genügend Reserven haben, erschienen zunächst schlicht zu filigran.“

Weitere Potenziale erschlossen sich die Werkzeugbauer mit der Festlegung, was tagsüber abzuarbeiten ist und was nachts. Darüber hinaus wurde so auch die Arbeit für den einzelnen Mitarbeiter optimiert. Pro Maschine sind derzeit jeweils zwei FCS-Paletten vorgesehen, um hauptzeitparalleles Rüsten zu ermöglichen. „Von den Paletten aus kann man weiter denken – etwa

Werkzeugversorgung

Die Umstellung zeigt auch in anderen Bereichen Auswirkung – so wurde die Werkzeugversorgung komplett umgestellt. Im Regal links bereits FCS-Elemente für die nächste umzurüstende Maschine.

an Mehrfachaufspannungen verschiedener kleinerer Teile auf Spanntürmen und ähnliches.“ Bei entsprechender Programmierung lassen sich die Teile so programmieren und spannen, dass sie auch spontan auf unterschiedlichen Maschinen bearbeitet werden können – ein deutliches Plus an Terminsicherheit für die Werkzeugbauer und ihre Kunden, falls eine Maschine ausfällt.

Konsequent ein Schritt nach dem anderen

Ralf Fett, Heck + Becker

„Wir haben letztlich nicht nur ein paar schön designte schicke Spannelemente gekauft, sondern eine ganze Fertigungsphilosophie. Und die müssen wir jetzt für uns neu entdecken und mit Leben füllen.“
Ralf Fett, Produktionsleiter
bei Heck + Becker

„Wichtig ist, dass man einen Schritt nach dem anderen geht“, erklärt Fett. „Wir haben uns für die Umsetzung ein Jahr gegeben und sind derzeit mitten im Veränderungsprozess. Schon jetzt ist absehbar: Wir brauchen mit den neuen Strukturen mehr Aufträge, um optimal arbeiten zu können.“ Die Spindellaufzeiten der bereits umgerüsteten Maschinen haben sich deutlich erhöht. „Der FCS-Baukasten ist für uns so etwas wie Lego für Erwachsene“, meint Fett. „Wir sind gerade dabei, zu eruieren, was sich wie am sinnvollsten einsetzen lässt. Das benötigt Zeit und engagierte, offene Mitarbeiter. Aber es lohnt sich, denn letztlich haben wir nicht nur ein paar schön designte schicke Spannelemente gekauft, sondern eine ganze Fertigungsphilosophie. Und die müssen wir jetzt für uns neu entdecken und mit Leben füllen.“

Kontakt: Heck + Becker GmbH & Co. KG, www.heck-becker.com
Pfleghar Entwicklungs- und Vertriebs- GmbH & Co. KG, www.pfleghar.de

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