In der Hermle C22U bei Wiegelmann werden Werkzeugkomponenten bearbeitet, aber auch Elektroden aus Graphit gefräst.
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In der Hermle C22U bei Wiegelmann werden Werkzeugkomponenten bearbeitet, aber auch Elektroden aus Graphit gefräst. Bild: werkzeug&formenbau

Sorgfalt und Erfahrung, dazu die Fähigkeit, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren – die Formenbauer der Dieter Wiegelmann GmbH in Olsberg-Bruchhausen setzen auf einen hochwertigen Maschinenpark. Der Spezialist für Spritzgießformen und Kunststofftechnik sieht seinen Schwerpunkt bei Prototypen und Serien. Gefertigt wird überwiegend für die Automotiveindustrie, aber auch in anderen Branchen wie Medizintechnik, Weiße Ware oder Unterhaltungselektronik sind die Formspezialisten zuhause.

Bereits vor der Jahrtausendwende sind die Zerspaner bei Wiegelmann ins 5-Achs-Fräsen eingestiegen – Freiformflächen mit sehr hohen Ansprüchen an die

Oberflächenqualität prägen die tägliche Arbeit im Unternehmen. „Wir wollten eine der Maschinen, auf denen wir damals die ersten Schritte in diesem Bereich gegangen sind, jetzt austauschen“, erläutert Patrick Späth, der Leiter der Frästechnik. „Eine C600U, die wir seit dem Jahr 2000 im Einsatz hatten und die mit einer Heidenhain-430er-Steuerung ausgestattet war, konnte mit den heutigen Anforderungen ans 5-Achs-Simultanfräsen in Sachen Geschwindigkeit nicht mehr mithalten. Die Maschine, die uns lange Jahre gute Dienste geleistet hatte, war inzwischen einfach in die Jahre gekommen.“

Hermle Arbeitsraum

Das Hermle-Konzept mit dem Schwenktisch bringt in vielen Fällen klare Vorteile in der Bearbeitung vieler Werkstücke.
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Das sagt die Redaktion
Laufzeiten verlängern
Wer sich eine hochwertige Maschine beschafft und sie zu wirtschaftlichen Stundensätzen betreiben will, muss sich Gedanken über eine Optimierung seiner Laufzeiten machen. Eine geschickte Arbeitsplanung ermöglicht es beispielsweise, am Ende der „bemannten“ Schicht Langläufer mit relativ unkritischen Bearbeitungsoperationen zu rüsten, die dann beispielsweise die Maschine in die mannlose Zeit der Nacht oder ins Wochenende hinen ein Stück weit beschäftigen. Wer jedoch seine Maschine möglichst gut ausnutzen möchte, kommt um eine Automatisierung nicht herum. Zwar ist eine Auslastung von 24/7 in Einzelteilfertigung und Werkzeugbau sicher ein utopischer Wert, aber je nach Ausbaustufe der Automation lässt sich doch deutlich mehr an Laufzeit erreichen. Voraussetzung: Die Prozesse müssen stabil sein und so weit standardisiert, dass sie den Aufwand rechtfertigen.
Richard Pergler

So begann die Suche nach einer Ersatzlösung zur Bearbeitung von Werkstücken in der Größenklasse 400 x 600 mm, die die notwendige Präzision mit hoher Dynamik vereint. „Wir wollten eine solide, ordentliche Lösung. Im Zuge unserer Recherchen waren wir sehr offen und haben uns die Konzepte unterschiedlichster Maschinenhersteller angesehen“, erinnert sich Späth. „Am Schluss blieben zwei Hersteller übrig. Und hier gefiel uns das Hermle-Konzept mit dem in beide Richtungen gleichermaßen schwenkbaren Arbeitstisch eindeutig besser – das hat für uns bei der Bearbeitung unserer Werkstücke durchaus Vorteile.“

Langjährige gute Erfahrungen

Wiegelmann Werkstueck

Bei Wiegelmann werden überwiegend Werkzeuge für die Automobilindustrie gebaut. Darüber hinaus werden Prototypen und Kleinserien produziert.
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Bearbeitet werden Werkstoffe von Aluminium bis Stahl, auch gehärtete Materia­lien werden zerspant. Dazu sollten auf der Maschine Graphitelektroden bearbeitet werden. „Wir setzen in der Regel auf Fräsbearbeitungen, erodiert wird aber auch. Eine Maschine nur für Graphitelektroden rechnet sich für uns nicht – wir könnten sie nicht auslasten“, erläutert Späth. „Deshalb wollten wir die C22U – wie auch ihre Vorgängerin – für diese Aufgabe mitbenutzen.“ Mit dem Mischbetrieb haben die Werkzeugbauer keine schlechten Erfahrungen gemacht: Wenn die Maschine konsequent insbesondere nach dem Graphiteinsatz gereinigt wird, ist der Wechsel problemlos. „Das war schon bei unserer alten Maschine schnell erledigt – in maximal einer halben Stunde“, erklärt der Leiter Frästechnik. „Der klare und transparente Aufbau der Hermle-Maschinen kommt auch diesen Arbeiten sehr entgegen.“ Freilich verzichten die Werkzeugbauer auf eine Schwallkühlung – der Graphitstaub bringt immer ein erhöhtes Risiko, dass die Emulsion umkippt.

Trends µ-genau
Flexible Automatisierung
Automatisierung, um die Laufzeiten zu verlängern, haben oft einen gravierenden Nachteil: Sie schränken, wenn ihre Optionen nicht ausgeschöpft werden, die Flexibilität der hochwertigen Maschinen oft unnötig ein. Mit einer flexiblen Lösung, die am Tag einfach zur Seite geschoben werden kann und die in der Nacht und am Wochenende trotzdem dafür sorgt, dass die Maschine genügend Werkstücknachschub bekommt, lässt sich ein Kompromiss finden, mit dem sowohl einer hohen Auslastung als auch der Flexibilität Rechnung getragen werden. Hier gibt es inzwischen einige Anbieter, die genau diesen Bedarf erkannt haben und dafür maßgeschneiderte Lösungen anbieten.

Bei Wiegelmann stehen bereits eine Hermle C40U und eine C50U, dazu eine ältere 3-Achs-Maschine. „Wir schätzen ihre Dynamik und ihre Verlässlichkeit – wir sind mit den Maschinen sehr zufrieden“, betont Späth. „Und auch den Hermle-Service haben wir als sehr schnell, kompetent und kulant kennengelernt.“ So entschieden sich die Verantwortlichen bei Wiegelmann letztlich aus

Lang Spanntechnik

Die Lang-Prägespanntechnik hält dank Formschluss die zu bearbeitenden Werkstücke trotz kleiner Spannfläche sehr sicher.
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Überzeugung für den Kauf eines Hermle-C22U-Uni-versalbearbeitungszentrums mit leistungsfähiger Heidenhain-Steuerung der neuesten Generation sowie mit Ausstattung für Kühlluft, Minimalmengenschmierung (MMS) und Graphitabsaugung. Die Spindel mit HSK-63-Aufnahme dreht bis 18 000 min-1. „Wir brauchen eine Maschine, die neben hoher Dynamik auch eine ordentliche Bohrleistung garantieren kann“, begründet Späth die

Patrick Späth, Wiegelmann

„Das Gute an Hermle ist: Was die einem versprechen, das halten die auch. Und das ist auch unser eigener Anspruch.“
Patrick Späth, Leiter
Frästechnik bei der Dieter Wiegelmann GmbH
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Entscheidung für dieses Aggregat. „Das ist für uns ein solider, alltagstauglicher Kompromiss. Sonst hätten wir eine Spindel mit höheren Drehzahlen gewählt.“

Die Toleranz liegt bei Wiegelmann in der Regel bei einem Hundertstelmillimeter, in Einzelfällen aber auch deutlich darunter. „Das erreichen wir auch problemlos und zuverlässig. Die Maschine entspricht in allem dem, was wir uns vorgestellt haben“, berichtet Späth. „Nur der Werkzeugwechsler, den wir mit 60 Plätzen geordert haben, hat sich im Arbeitsalltag als knapp bemessen erwiesen. Hier überlegen wir uns, ob wir nicht eine größere Lösung brauchen.“

Um die Maschine besser auszulasten und mehr Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, entschlossen sich die Verantwortlichen bei Wiegelmann, die C22U mit einer Automatisierungslösung auszurüsten. „Wir hatten früher einen Werkstückwechsler, der pneumatisch arbeitete“, erinnert sich Späth. „Damit hatten wir jedoch sehr gemischte Erfahrungen machen müssen – der richtige Druck war immer eine Herausforderung. Auch hier suchten wir nach einer prozesssicheren, nachhaltigen Lösung.“

Maschinenlaufzeit klar verlängert

Letztlich konnte eine Lösung von Indumatik überzeugen: Die Indunorm-Automatisierung handelt schnell und prozesssicher Werkstücke bis 100 kg. „Dabei

Wiegelmann Paletten

Die Zerspaner haben sich spezielle Paletten gefertigt, um die Rüstzeiten auf ein Minimum zu verkürzen.
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bleibt die volle Flexibilität der Maschine erhalten“, betont Späth. „Die Automatisierungslösung, die die Maschine von vorn bedient, kann untertags komplett mit wenig Aufwand vom Bediener zur Seite geschoben werden. So hat er uneingeschränkten Zugriff auf den Bearbeitungsraum. Und abends ist die Automatisierung mit wenigen Handgriffen wieder installiert.“ Als Spannmittel kommen die Prägespannsysteme von Lang zum Einsatz: Hier werden auch relativ komplexe Werkstücke dank Formschluss sicher gehalten. Das Nullpunktspannsystem von Hirschmann eröffnet zusammen mit den Lang-Spannmitteln und den teilweise auch selbst gefertigten und angepassten Vorrichtungen und intelligenten Adapterlösungen eine breite Palette an Möglichkeiten. „Es gibt in unserem Bereich nichts, das wir nicht spannen könnten“, erklärt Späth selbstbewusst.

Profil
Dieter Wiegelmann GmbH
Wiegelmann hat seit 1980 umfangreiche Erfahrung und  Expertise auf den Feldern Aluminium-/Stahl-Formenbau und Kunststoffspritzguss angesammelt. Die Werkzeugbauer sehen sich als Spezialisten in einer klar definierten Nische. Das tief in Kundenprozesse reichende Know-how des Unternehmens erlaubt optimierte Lösungen mit einem ganzheitlichen Ansatz. Im Kern wird das gesamte Spektrum von Konzeption und Konstruktion über Formen- und Prototypenbau bis hin zur (Klein-)Serienfertigung abgedeckt. Der Formenbau- und Kunststoffspezialist beschäftigt 85 Mitarbeiter.

Wiegelmann Oberflaechen

Die C22U geht dynamisch und präzise zu Werke – das kommt den Oberflächen zugute.
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Das Ziel, die Laufzeit der Maschine deutlich zu verlängern, haben die Werkzeugbauer erreicht: „Zugegeben, im Formenbau ist eine Auslastung von 24/7 utopisch. Aber nach einem Vierteljahr kamen wir von 10 bis 11 h pro Tag auf inzwischen 16 bis 17 h – und da ist noch deutlich Potenzial drin“, versichert Späth. „Auch unser zweites Ziel – die Terminsituation etwas zu entspannen, um auf Kundenwünsche schnell und flexibel reagieren zu können – haben wir erreicht: Wir haben die Bearbeitung der vielen kleinen Schieber, die in unseren Werkzeugen eingesetzt werden, auf die mannlose Nacht verlegt. Das verkürzt die Bearbeitungszeit der Werkzeuge und verschafft uns oft den entscheidenden Vorsprung, den wir brauchen. So können wir entspannter arbeiten und uns auf unsere Kernkompetenz konzentrieren – zum Wohl unserer Kunden.“
Richard Pergler

Wiegelmann Rohlinge

Rohlinge: Bearbeitet werden Werkstoffe von Graphit über Aluminium bis Stahl, auch gehärtete Materialien werden zerspant.
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Kontakt:

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