Bild: big-label - Fotolia.com

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Deutschlands Unternehmen sind laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft klare Gewinner der Globalisierung. Die deutsche Industrie ist integraler Bestandteil vieler internationaler Wertschöpfungsketten. Deutsche Produkte, deutsche Qualität – das hat international nach wie vor einen guten Namen, gerade auch in den nach wie vor am schnellsten wachsenden Märkten etwa in Asien.

Zugegeben, es gibt Werkzeugbaunternehmen, die leiden – beispielsweise unter der Politik gegenüber Russland, wo Sanktionen, die auf die dortigen Banken zielen, das Geschäft mit den dortigen Unternehmen in vielen Fällen praktisch komplett zum Erliegen gebracht haben. Mit bitteren Konsequenzen bis hin zum Konkurs für so manchen deutschen Betrieb, der komplett auf das Geschäft mit dem russischen Markt gesetzt hat. Und ja, es gibt nach wie vor zahlreiche Unsicherheitsfaktoren. Die Lage in Nahost. Die noch immer nicht gestoppte Ebola-Epedemie. Die Situation in zahlreichen Volkswirtschaften auch des europäischen Raums, die nach wie vor in der Krise stecken. Es ist beileibe nicht alles eitel Sonnenschein.

Der breiten Masse der Unternehmen indes geht es gut. Die Inlandsnachfrage hat sich zu einem zuverlässigen Konjunkturmotor entwickelt, das spüren die OEMs wie auch die Zulieferer. Und auch im Ausland gibt es positive Entwicklungen, etwa der amerikanische Markt, der sich in jüngster Vergangenheit recht erfreulich entwickelt hat. Die Auftragslage ist also in den meisten Betrieben auf einem passablen Level, wenn auch die Fristen im Schnitt kürzer geworden sind. Aber trotz des Zeitdrucks, in dem die Betriebe zunehmend ihre Aufträge abwickeln müssen, hat sich bei vielen Verantwortlichen die Erkenntnis durchgesetzt, dass es ohne Investitionen in Produktionsmittel nicht gelingen wird, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu halten oder gar auszubauen.

Indices steigen weiter an

Die aktuellen ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland im Januar stehen nach einem Zugewinn von 13,5 Punkten bei 48,4 Punkten – der langfristige Mittelwert liegt übrigens bei gerade einmal 24,5 Punkten. Der Index steigt damit zum dritten Mal in Folge – auf den höchsten Stand seit Februar 2014. Die Bewertung der konjunkturellen Lage in Deutschland verbessert sich ebenfalls deutlich. Der Index gewinnt 12,4 Punkte und steht nun bei 22,4 Punkten. Übrigens verbesserten sich auch die Erwartungen der Finanzmarktexperten an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone: Der Erwartungsindikator legt um 13,4 Punkte auf 45,2 Punkte zu. Und sogar der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum hat sich erstmalig seit Mai letzten Jahres verbessert.

Das sagt die Redaktion

Jetzt vorsorgen!

Ihrem Unternehmen geht es gut? Keine freien Kapazitäten? Nun, die nächste Krise kommt vielleicht noch nicht so schnell, aber irgendwann bestimmt. Deshalb ist jetzt ein günstiger Zeitpunkt dafür, Ihr Unternehmen fit zu machen für die Zukunft. Auch wenn man derzeit bei 120 Prozent fährt, die Kapazitäten dafür mühsam freischaufeln muss und möglicherweise dann den einen oder anderen zusätzlichen Auftrag nicht annehmen kann. Denn jetzt sind in den meisten Unternehmen die Mittel vorhanden, zu gestalten – wenn irgendwann einmal die Konjunktur an Fahrt verliert und es wieder abwärts geht, sind in der Regel weder Zeit noch Mittel verfügbar. Deshalb: Sorgen Sie jetzt vor für die Zukunft. Jetzt, wo Sie es sich leisten können Bevor Sie vom Gestalter zum Getriebenen werden – packen Sie‘s an!
Richard Pergler

Einer der wichtigsten Konjunkturfrühindikatoren, der Ifo-Geschäftsklimaindex, kletterte im Januar von 105,5 auf 106,7 Punkte. Die deutsche Wirtschaft dokumentiert damit einen guten Jahresauftakt. Der Anstieg war der dritte in Folge, für Wirtschaftsexperten ein klares Signal für eine Wende zum Besseren. Die Unternehmen waren laut Ifo-Institut „merklich zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Zudem blicken sie wieder mehrheitlich optimistisch auf die kommende Entwicklung.

Nach wie vor ist „Made in Germany“ weltweit gefragt – deutsche Investitionsgüter haben einen sehr guten Ruf. Andererseits: Andere Länder holen auf. Auch im Bereich des Maschinenbaus und im Werkzeug- und Formenbau. China unternimmt nach wie vor große Anstrengungen, um technologisch aufzuschließen. Es ist kein Zufall, dass einige Kronjuwelen deutscher Werkzeugmaschinenbaukunst inzwischen in chinesischer Hand sind. Aber auch andere Länder unternehmen große Anstrengungen. Trotzdem: Auf den weltweiten Märkten überwiegen die Chancen die Risiken bei weitem.

Unternehmen zeigen eine optimistische Grundhaltung

Bei den Unternehmen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus sieht die Studie „Maschinenbau-Barometer“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC eine optimistische Grundhaltung: Besonders im Hinblick auf die globale Wirtschaftslage verändert sich die Stimmung – erstmals sind die Maschinenbauer bei der vierteljährlichen Befragung von PwC bezüglich der weltweiten Weltwirtschaftslage optimistischer gestimmt als gegenüber der Entwicklung in

Lothar Horn Vdma PK

„Anfang 2014 hatten wir mit einem Wachstum um 4 Prozent gerechnet, letztlich sind es sogar 5 Prozent geworden. Für 2015 erwarten wir ein weiteres Wachstum um 3Prozent.“
Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer

Deutschland. 61 Prozent blicken der globalen Wirtschaftsentwicklung 2015 positiv entgegen.

Nach einem sehr positiven Jahr 2014 ist auch die Präzisionswerkzeugbranche optimistisch: „Anfang 2014 hatten wir mit einem Wachstum um 4 Prozent gerechnet, letztlich sind es sogar 5 Prozent geworden“, freut sich Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). „Für 2015 erwarten wir ein weiteres Wachstum um 3 Prozent.“ Diese Prognose stützt sich auf gute Aussichten für die Automobilindustrie und den Maschinenbau: „In beiden Branchen rechnen wir mit einem weltweiten Wachstum im mittleren einstelligen Bereich.“ Abermals werden die Wachstumsimpulse vorwiegend aus den USA und China kommen. Doch auch die europäischen Nachbarn sieht Horn „nach und nach“ wieder in einem besseren Fahrwasser.

Eine große Herausforderung ist der Facharbeitermangel – niedrige Arbeitslosenzahlen, der demographische Wandel und der immer noch nicht allzu hohe Bekanntheitsgrad der Werkzeug- und Formenbaubranche gerade bei Jugendlichen, die vor der Berufswahl stehen, sind Faktoren, die die Besetzung offener Stellen und eigentlich sehr attraktiver Ausbildungsplätze nicht gerade leichter machen. Hier leisten Verbände wie der Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer wertvolle Informations- und Lobbyarbeit.

Ein weiteres Thema, das uns auch 2015 beschäftigen wird, ist der Zwang zu stetiger Verbesserung der eigenen Prozesse, um in einem Markt, in dem Kosten eine große Rolle spielen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Speziell in der Automobilindustrie ist der Zwang zu einer immer effizienteren Fertigung in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Dazu kommen immer kürzere Konjunkturzyklen und der weltweite Wettbewerb. Und dieser Trend wird sich über alle Branchen in den kommenden Jahren noch verstärken. Deshalb ist es, auch wenn die Auftragslage gerade alle verfügbaren Ressourcen bindet, jetzt umso wichtiger, die Weichen für künftige Entwicklungen zu stellen.

Facharbeitermangel bleibt eine große Herausforderung

Nicht nur angesichts des Facharbeitermangels ist also das Thema Automatisierung auch und gerade im Zeichen immer kleinerer Losgrößen ein wichtiger Faktor. Sogar in der Einzelfertigung wird inzwischen ein hoher Auslastungsgrad der Maschinen angestrebt. Und das geht, da in vielen Fällen qualifizierte Leute für Schichtbetrieb nur schwer zu bekommen sind, nur über einen hohen Automatisierungsgrad.

Interview mit Reiner Fries, Geschäftsführer Vertrieb bei Schwäbische Werkzeugmaschinen

Reiner Fries Schwaebische WerkzReiner Fries, Schwäbische Werkzeugmaschinen: „Wir denken, dass es sich die Anwender leisten können und auch müssen, zu investieren, wenn sie weiterhin ihre Position halten oder verbessern wollen.“  Bild: Schwäbische Werkzeugmaschineneugmaschinen

Reiner Fries, Schwäbische Werkzeugmaschinen: „Wir denken, dass es sich die Anwender leisten können und auch müssen, zu investieren, wenn sie weiterhin ihre Position halten oder verbessern wollen.“
Bild: Schwäbische Werkzeugmaschinen

„In Summe optimistisch“

Reiner Fries erwartet für die gesamte Branche auch für 2015 ein weiteres Wachstumsjahr.

Welche wirtschaftliche Entwicklung erwarten Sie für das Jahr 2015?
Wir sehen 2015 insgesamt und somit auch für SW nochmal als ein Wachstumsjahr an. Auf SW bezogen in erster Linie, weil der Auftragsbestand relativ hoch ist. Was den Auftragseingang für neue Maschinen und Projekte angeht, so sehen wir auch darin nochmals Potenzial nach oben. Wie lange aber der Trend bei den wichtigen Währungen US-$ und RMB so anhält und uns damit mehr Exportchancen bietet, ist noch nicht abzuschätzen. Zudem kommt das ja auch den anderen deutschen Wettbewerbern zugute. In Summe sind wir optimistisch.

Worin sehen Sie die größten Risiken?
Probleme können sich vor allem in Europa ergeben. Es ist denkbar, dass sich nach dem jetzt erfolgten Regierungswechsel in Griechenland und den Forderungen der neuen Regierung nach einem Schuldenschnitt dann auch wieder Szenarien ergeben, in denen weitere EU-Staaten mit hohem Schuldenstand danach rufen. Solche Forderungen erzeugen sehr schnell Unsicherheit in den Finanzmärkten und drücken in Folge auf die realwirtschaftlichen Gegebenheiten. Ob die gerade anlaufende Maßnahme der EZB mit dem Ankauf von Anleihen dann noch genug Gegengewicht dazu bietet, ist offen. In Südamerika wird sich die Lage wohl eher noch mehr verschlechtern, bevor sie mal wieder besser wird.

Können sich die Anwender derzeit leisten zu investieren?
Wir denken, dass es sich die Anwender leisten können und auch müssen, wenn sie weiterhin ihre Position halten oder verbessern wollen. Finanzierungen sind derzeit immer noch günstig zu haben, was der Nachfrage hilft.

Was bewegt aus Ihrer Sicht die Unternehmen derzeit am meisten?
Für alle exportorientierten Firmen sind die Wechselkursentwicklungen wichtig. Dabei müssen die Entwicklungen von Yen oder Dollar zum Euro beobachtet werden, aber auch der Rubel darf nicht außer Acht gelassen werden. Wie geht es in Russland weiter? Wer in den letzten zehn oder 20 Jahren dort viele Geschäfte gemacht hat, kann nicht wollen, dass die aktuell schlechte Lage dort so bleibt. Auf lange Sicht kann und darf Deutschland nicht an einem Konflikt mit Russland gelegen sein. Allerdings müssen sich die Verhältnisse durch Berechenbarkeit und Reformen auch wieder so klären, dass die Bevölkerung dort wiederum besser versorgt wird und hiesige Unternehmen erneut investieren können. Der niedrige Ölpreis erzeugt in allen wichtigen Förderländern einen erheblichen Druck. Dessen Auswirkungen und Dauer hat Russland eventuell unterschätzt. Im Automobil-Sektor ist neben China auch Nordamerika besonders spannend, weil die sich dort eine positive Entwicklung stabilisiert.