Gewappnet für die Zukunft?

Die Auftragslage ist in den meisten Unternehmen der Branche nach wie vor sehr passabel. Die Erwartungen der Branchenexperten sind zwar nicht euphorisch, aber man geht doch von einer soliden positiven Entwicklung aus. - Bild: rosenoom-Fotolia.com

Dieter Kempf, Präsident BDI Bundesverband der Industrie
"Im neuen Jahr wird die deutsche Wirtschaft um rund eineinhalb Prozent wachsen." Dieter Kempf, Präsident BDI Bundesverband der Industrie - Bild: werkzeug&formenbau

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist zu Jahresbeginn in den Unternehmen gut. Und dafür gibt es auch gute Gründe. So ist die Auftragslage in den meisten Unternehmen der Branche nach wie vor sehr passabel. Die Erwartungen der Branchenexperten sind zwar nicht euphorisch, aber man geht doch von einer soliden positiven Entwicklung aus. Der Präsident des Bundesverbands der Industrie (BDI), Dieter Kempf, erwartet für dieses Jahr ein stabiles Wachstum in Höhe von rund 1,5 Prozent. Das Münchner Ifo-Institut, sonst in der Schätzung eher konservativ, rechnet ebenfalls mit 1,5 Prozent. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht ein Plus von immerhin noch 1,2 Prozent. Die Bundesregierung erwartet für das Wahljahr 2017 ein Plus der Wirtschaftsleistung von 1,4 Prozent, die Wirtschaftsweisen rechnen mit immerhin 1,3 Prozent. Eine solide Basis also, zumal sich die Prognosewerte erfreulicherweise auch für unsere europäischen Nachbarn positiv entwickeln: Speziell die Länder der Eurozone wachsen vergleichsweise robust, sie sind mit rund 37 Prozent einer der Hauptabnehmer deutscher Exporte.

Gute Entwicklung schon Ende 2016

Olaf Wortmann, VDMA-Konjunkturexperte
"Der Anstieg kommt keineswegs überraschend, denn seit August 2016 zieht der Einkaufsmanager-Index der Eurozone wieder an." Olaf Wortmann, VDMA-Konjunkturexperte – Bild: VDMA

Die gute Entwicklung zeichnete sich bereits im auslaufenden Jahr 2016 ab. Im November hatte der Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau sein Vorjahresniveau um real 5 Prozent übertroffen. Sowohl die Inlandsnachfrage (plus 3 Prozent) als auch die Bestellungen aus dem Ausland (plus 5 Prozent) trugen zu diesem Wachstum bei. Und auch die Flaute in den Euro-Partnerländern scheint vorbei: Hier belief sich der Zuwachs der Auftragseingänge auf 7 Prozent. "Dieser Anstieg kommt keineswegs überraschend, denn seit August 2016 zieht der Einkaufsmanager-Index der Eurozone wieder an", erläutert Olaf Wortmann, Konjunkturexperte des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Das Plus im Bestell­eingang ist seiner Ansicht nach "ein erster Reflex auf die kräftige Erholung dieses Geschäftsklima-Indikators."

Optimistischer Finanzsektor

David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt Deutsche Bank
"Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist ein Hort der Stabilität in einer zunehmend unsicheren Welt." David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt Deutsche Bank – Bild: Deutsche Bank

Auch der Finanzsektor gibt sich optimistisch: Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau sieht im Wirtschaftsstandort Deutschland "eine Hochburg der Stabilität in einer zunehmend unsicheren Welt". Bundesbankpräsident Jens Weidmann und zahlreiche weitere Experten sehen die lebhafte Binnennachfrage, die von der günstigen Arbeitsmarktlage und von steigenden Einkommen der privaten Haushalte profitiert, als eine wesentliche Stütze der guten konjunkturellen Entwicklung hierzulande.
Freilich, es gibt auch im Jahr 2017 zahlreiche Unwägbarkeiten. Gefühlt vielleicht sogar mehr als in den vergangenen Jahren. Die doch eher absehbaren Ergebnisse der Bundestagswahlen in Deutschland (September) und die Optionen der Präsidentschaftswahl in Frankreich (im April) werden die Weltwirtschaft zwar wohl eher nicht übermäßig erschüttern. Andere Faktoren, etwa die staatliche Beeinflussung wichtiger Märkte wie beispielsweise in China, wirken da weit direkter. Oder die Folgen von Krisen, Kriegen und Terrorismus, die neben dem menschlichen Leid auch für die Wirtschaft schwere Belastungen bringen können. Die Risiken – oft schwer bis gar nicht einzuschätzen, da viele der entscheidenden Faktoren noch völlig im Dunklen liegen.