Bild: everythingpossible - Fotolia.com

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Deshalb ist jetzt auch Gelegenheit, sich für Zeiten aufzustellen, in denen uns der Wind wirklich wieder ins Gesicht bläst Denn wenn die Krise erst einmal da ist, dann ist es zu spät

Nein, die Weltlage ist alles andere als ruhig. Und deshalb blicken auch viele Unternehmenslenker und -verantwortliche derzeit mit gemischten Gefühlen ins neue Jahr. Die Welt ist ein Stück weit unkalkulierbarer geworden, keiner scheint so recht zu wissen, wo es 2016 hingeht und was für neue Unwetter am Horizont auftauchen werden. Diese Unsicherheit spiegelt auch die aktuell von Turbulenzen geprägte Lage an den Kapital- und Aktienmärkten wider.

Weltkonjunktur präsentiert sich stabil

Die Konjunkturdynamik der Weltwirtschaft hat in den vergangenen Monaten insgesamt zwar etwas an Tempo verloren, allerdings hatten die meisten Auguren noch deutlich pessimistischere Erwartungen an die Entwicklung. Alles in allem also ein gutes Zeichen, die Weltkonjunktur scheint insgesamt doch stabiler zu sein als von vielen befürchtet. Es gibt allerdings markante Unterschiede. Aus China und der gesamten asiatischen Region, die ja in den vergangenen Jahren für ungebremstes Wachstum mit zweistelligen Wachstumsraten stand, kommen jetzt deutlich

Franz Tschacha,  Deckerform

“Man muss investieren, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Wenn man finanziell mit dem Rücken zur Wand steht, wenn die Aufträge wegbrechen, wenn die Krise da ist – dann ist es zu spät.”
Franz Tschacha, Geschäftsführer Deckerform

verhaltenere Signale – nicht zuletzt mitverursacht vom Umbau der chinesischen Volkswirtschaft, den die aktuelle Regierung ihrem Land verordnet hat und der auf die gesamte Region abstrahlt. Allerdings: Auch wenn es ein deutlich gebremstes Wachstum ist – es ist nach wie vor ein Wachstum. Ein gigantischer Markt mit nach wie vor zahllosen Chancen auch für deutsche Unternehmen.

Die öl- und rohstoffexportierenden Länder sind es, die dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aktuell am meisten Sorgen bereiten. Der fallende Ölpreis und das Ende der Niedrigzinspolitik in den USA sind Faktoren, deren Auswirkungen auf die globale Wirtschaft sich in letzter Konsequenz noch nicht abschätzen lassen. Trotz dieser und weiterer Herausforderungen rechnet der Fonds für die weltweite Wirtschaft immer noch mit einer moderaten Wachstumsbeschleunigung von 3,1 Prozent im laufenden über 3,4 Prozent im nächsten bis auf 3,6 Prozent im übernächsten Jahr. Auch das sind an sich keine schlechten Zahlen, wenn auch etwas verhaltener, als die Experten noch vor ein paar Monaten geschätzt haben.

Für Europa, speziell für die Euro-Länder, gibt der IWF hingegen Entwarnung: Hier sehen die Analysten die Probleme der vergangenen Jahre offenbar als weitgehend bewältigt an oder zumindest wird deren Schadenspotenzial nicht mehr als so erheblich eingeschätzt wie noch vor einigen Jahren. Für die Eurozone wird mit Zuwächsen von jeweils 1,7 Prozent in den Jahren 2016 und 2017 gerechnet.

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Im vergangenen Jahr stieg das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um ebenfalls 1,7 Prozent zum Vorjahr. 2014 hatte das BIP um 1,6 Prozent zugelegt, 2013 gab es für Europas größte Volkswirtschaft nur ein mageres Plus von 0,3 Prozent. Für Deutschland hat der IWF übrigens sogar seine Prognosen für dieses Jahr um 0,1 Punkte und für nächstes Jahr um 0,2 Punkte aufgestockt, das Wachstum wird weiter in gleicher Größenordnung erwartet. Deutschlands Verbraucher konnten im vergangenen Jahr die höchste Kaufkraftsteigerung seit 1992 verbuchen: In den ersten drei Quartalen dieses Jahres lagen die Reallöhne um durchschnittlich 2,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraumes, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Und die Experten gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzt. Die Kauflust der Verbraucher und kräftiger staatlicher Konsum haben die deutsche Wirtschaft 2015 angeschoben.

Auftragslage in den Unternehmen

Die Auftragslage ist in den Unternehmen noch überwiegend gut bis sehr gut. Die deutsche Wirtschaft legt ordentliche Zahlen vor. Und sogar IFO-Präsident Hans-Werner Sinn, sonst eher im Lager der eher pessimistischen Auguren beheimatet, erwartet dieses Jahr ein kräftiges Wachstum der deutschen Wirtschaft im Schnitt bei 1,9 Prozent.

VDMA Präzisionswerkzeuge

Lothar Horn, VDMA

Lothar Horn,
Fachverband Präzisionswerkzeuge
im VDMA
Bild: VDMA

“Während die Aussichten im Werkzeugbau für dieses Jahr gut sind, gehen die Hersteller von Zerspanwerkzeugen und Spannzeugen nur von einer geringen Produktionssteigerung für 2016 aus“, erklärt Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Von der 2015 erzielten Rekordproduktion profitierten die Teilbranchen unterschiedlich. Bei den Zerspanwerkzeugen stieg der Umsatz um etwa 1 Prozent, während die Spannzeuge und der Werkzeugbau jeweils um rund 5 Prozent zulegten. Stärkstes Zugpferd für den Werkzeugbau war China. Dort wurden zeitgleich mehrere Karosseriestraßen für verschiedene Fahrzeugmodelle aufgebaut. Doch auch andere wichtige Exportmärkte liefen 2015 gut – beispielsweise die USA, Großbritannien und verschiedene europäische Nachbarländer. Das Russlandgeschäft brach im Gegensatz dazu um rund ein Drittel ein.

 

Zugegeben: Der Abgasskandal bei VW war durchaus ein Dämpfer – ausgerechnet von einem Aushängeschild der deutschen Industrie hätte man dies so nicht erwartet. Nicht nur Fahrlässigkeit, sondern bewusster Betrug. Noch dazu über einen so langen Zeitraum – die Empörung darüber ist verständlich. Und der finanzielle Schaden enorm, abgesehen von dem Image-Verlust, der nicht nur VW trifft. Es zeigt symptomatisch, wohin kurzfristig orientiertes unternehmerisches Handeln, das sich nur noch an den Quartalszahlen und am kurzfristigen Interesse einer bestimmten Sorte von Aktionären ausrichtet, führen kann. Wenn zu stark auf Kosten der Nachhaltigkeit gespart wird. Auf Kosten der Qualität und der Zulieferer.

Echte Partnerschaft gibt auch dem kleineren Partner Luft zum Atmen. Das lohnt sich langfristig. Es erfordert aber eben auch ein Denken in den Manageretagen der OEM, das einen längeren Horizont hat als die nächste Bonuszahlung. Und das ist in vielen Unternehmen in der Ära nach Lopez leider oft abhandengekommen – der Blick für langfristige Ziele und der Blick aufs ganze Unternehmen. Denn zu diesem gehören eben neben der Gruppe der “Shareholder” eben auch weitere “Stakeholder”. Darunter eben die Mitarbeiter und die Zulieferpartner, aber auch die Kunden, die zu Recht Qualität und die Einhaltung von ethischen Werten erwarten. Verantwortliches Handeln, das an einem langfristigen Unternehmenserfolg orientiert ist, schließt das Wohl dieser Gruppen mit ein. Wer das als Unternehmenslenker nicht berücksichtigt, sägt sich selbst den Ast ab, auf dem er sitzt.

Partnerschaft muss in beide Richtungen gehen

Gerade in einer derart vernetzten Wirtschaft wie der unseren ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit der Akteure ein immens wichtiger Erfolgsfaktor. Wenn OEM das Produktionswissen immer weiter an die Zulieferer auslagern, wenn die Verantwortung die Zuliefererkette immer weiter nach unten wandert, darf es nicht sein, dass man diejenigen, die jetzt immer mehr Lasten schultern müssen, auch noch um ihre Erträge bringt. Beispiel Automobilindustrie, in der der Druck auf die von den Zulieferern erzielbaren Preise mit am größten ist: Hier zeichnet sich ein Trend ab, dass einige der kreativsten Zulieferer aus der Autoindustrie versuchen, in andere Felder abzuwandern. Gefährlich für die Innovationskraft der deutschen Automotive-Industrie, denn längst kommen neue Ideen und Verbesserungen zum Großteil von den Zulieferern.

VDWF

“Unseren Unternehmen geht es überwiegend gut bis sehr gut – die Auftragsbestände reichen inzwischen bei vielen wieder über ein halbes Jahr und mehr”, erklärt Heiko Semrau, Technischer Geschäftsführer des Verbands

Heiko Semrau, VDWF

Heiko Semrau, VDWF
Bild: VDWF

Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF). “Dabei boomt es gerade besonders stark im Bereich der Silikonwerkzeuge und bei anderen Exoten. Aber auch Kunststoff läuft gut, die Druckgießer haben auf der Messe Euroguss ebenfalls optimistisch geäußert, und auch die Stanzer und Umformer signalisieren Wachstum.” Speziell die Kunststoffbranche profitiert im Moment hierzulande stark davon, dass Auftraggeber, die einst in Billiglohnländer abgewandert sind, vermehrt wieder auf Qualität setzen und im deutschsprachigen Raum produzieren lassen. “Unser wichtigstes Kapital sind die sehr gut ausgebildeten Mitarbeiter”, betont Semrau. “Die Gewinnung von Fachkräften und die Aus- und Weiterbildung bleiben auch in diesem Jahr große Herausforderungen für die Unternehmen. Mit speziell auf die Bedürfnisse der Werkzeugbauer zugeschnittenen Aus- und Weiterbildungsangeboten unterstützt der VDWF hier die Unternehmen der Branche.”

 

Die Zulieferer brauchen ihren Anteil am Kuchen, um sich diese Innovationskraft zu erhalten. Sie müssen sich auch ständig selbst technisch erneuern – einerseits, um steigende technische Anforderungen zu erfüllen, andererseits, um selbst im weltweiten Wettbewerb auf Dauer bestehen zu können. Das verlangt ständige Investitionen – in die Mitarbeiter und in den Maschinenpark.

Mitarbeiter ausbilden und weiterqualifizieren

Aus- und Weiterbildung wird auch in Zukunft ein wichtiges Thema bleiben, denn der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern wird eher noch weiter zunehmen. Die Menschen sind es, die den Unterschied machen. Gute Mitarbeiter zu finden, ans eigene Unternehmen zu binden und sie ständig weiterzuqualifizieren für künftige Aufgabenstellungen ist auch in diesem Jahr eine der großen Herausforderungen. Denn die Mitarbeiter sind die wertvollste Ressource, über die ein Unternehmen verfügt.

Verband der Deutschen Drehteile-Industrie

Werner Liebmann, Verband  Drehteile-Industrie

Werner Liebmann, Verband der Deutschen Drehteile-Industrie

Die Ergebnisse einer internen Umfrage des Verbands zeigen, dass Zulieferer in Deutschland ihre künftige Geschäftsentwicklung eher zurückhaltend bewerten. “Trotz einer Umsatzsteigerung von 2,3 Prozent in den ersten neun Monaten 2015 rechnen mehr als ein Drittel der 135 Mitgliedsunternehmen in den kommenden sechs Monaten mit eher schlechteren oder gleichbleibenden Umsätzen”, erläutert Geschäftsführer Werner Liebmann. “Wie die in der Lohn- und Auftragsfertigung tätigen Betriebe berichten, sehen sie vor allem in sinkenden Kosten für Rohstoffe einen Indikator für eine eher verhaltene Konjunktur.” Allerdings ergeben sich deutliche Unterschiede. So verzeichnen die für Baumaschinen- und Nutzfahrzeughersteller tätigen Lohnfertiger bis zu 40 Prozent Rückgang in Auftragseingang und Umsatz. Dagegen können Zulieferer der Pkw- und Komponentenhersteller nach wie vor deutliche Zuwachsraten verbuchen.

Eine Ressource, die wohlüberlegt eingesetzt werden muss. Dafür ist es auch notwendig, die eigenen Produktionsmittel ständig auf dem aktuellen technischen Stand zu halten. Die Zeit der Mitarbeiter ist begrenzt. Da macht es schon einen Unterschied, ob eine Maschine für ihre Fertigungsaufgabe einen Bediener bindet oder ob sie das auch mannlos erledigen kann. Gerade jetzt, bei guter Auftragslage, ist es nahezu eine Pflicht, sich die Zeit zu nehmen und fällige Investitionen anzugehen. Auch wenn solch eine Maßnahme Kapazitäten bindet, die in der laufenden Produktion “unbedingt” gebraucht werden und der Kauf einer neuen Maschine oder ein neues Automatisierungsprojekt partout nicht in den Terminkalender passt. Aber wer auch in naher Zukunft wettbewerbsfähig bleiben will, muss jetzt die Weichen entsprechend stellen: “Wer auf Dauer wettbewerbsfähig bleiben will, sollte kontinuierlich etwa 15 Prozent von seinem Umsatz investieren”, betont etwa Franz Tschacha, Geschäftsführer bei Deckerform in Aichach. “Man muss investieren, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Wenn man finanziell mit dem Rücken zur Wand steht, wenn die Aufträge wegbrechen, wenn die Krise da ist – dann ist es zu spät.”

Richard Pergler