Reinhard Pätz
Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost - Bild: werkzeug&formenbau

Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost, erklärte: "Technologisch waren und sind wir schon immer Spitze gewesen. Was uns fehlte, waren Softthemen, etwa Fragen zur Unternehmensnachfolge oder zur strategischen Positionierung zum Thema Industrie 4.0. Heute hatten wir eine phantastische Mischung zwischen kunststoffbezogener Technik, klassischem Werkzeugmaschinenbau und Zukunftsthemen.“

Mehr als 120 Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands kamen in der Hochschule Schmalkalden zusammen, um Teil des Branchentreffs zu sein, das vom Normalienhersteller Hasco aus Lüdenscheid gesponsert wurde. Die insgesamt acht Referenten deckten ein breites Feld branchenrelevanter Themen ab.

Stephan Berz
Stephan Berz, HRSflow Frankfurt am Main - Bild: werkzeug&formenbau

So referierte Stephan Berz, HRSflow Frankfurt am Main, beispielsweise über FLEXflow, ein innovatives, elektrisch per Servomotor angetriebenes Nadelverschlusssystem, das die Qualitätsverbesserung in der Heißkanaltechnik sicherstellt. Durch die voneinander unabhängige Einstellbarkeit jeder einzelnen Düsennadel im Öffnungs- und Schließprozess mit präziser Steuerung von Position, Hub, Geschwindigkeit und Beschleunigung der einzelnen Verschlussnadeln kann der Druck- und Volumenstrom während des gesamten Einspritzprozesses in jede Kavität individuell und exakt bestimmt werden. Die optimale Balance vermeidet etwa Glanzgradunterschiede auf dem Bauteil. Außerdem wird die Ausschussrate dank des Systems reduziert. Nur einige Vorteile, die Berz den Besuchern aufzeigte.

Thorsten Müller-Schmetz
Thorsten Müller-Schmetz, Contura MTC in Menden. Bild: werkzeug&formenbau

Thorsten Müller-Schmetz von Contura MTC in Menden sieht die Werkzeugtemperierung heute als ein Produkt für den Werkzeugbau vergleichbar mit einem Heißkanalsystem. In seinem Referat über konturfolgende Temperierung als Basis für effiziente, variotherme Prozessführung legte er den Teilnehmern ans Herz: „Nur die Zusammenarbeit mit einem Spezialisten auf dem Gebiet der Werkzeugtemperierung garantiert, immer den neuesten Stand der Technik zur Verfügung zu haben und direkt von Weiterentwicklungen profitieren zu können.“

Uwe Hilpert
Uwe Hilpert, Wenzel Group Wiesthal. Bild: werkzeug&formenbau

Lasersintern, Elektronenstrahlschmelzen, Stereolithographie: Es gibt eine Reihe an Verfahren, mit denen sich Bauteile additiv fertigen lassen. Vor allem in Bereichen wie Rapid Prototyping, Rapid Tooling, Rapid Repair und Direct Manufacturing werden die relativ jungen Fertigungstechnologien eingesetzt. Uwe Hilpert, Wenzel Group Wiesthal, demonstrierte, wie der Einsatz von Computertomographie bei additiver Fertigung dazu beitragen kann, neue und schnelle Prozessketten zu realisieren. Er erklärte: „Dank der Möglichkeit, Bauteile detailgetreu sowohl von innen als auch von außen darzustellen, eignet sich die CT-Messtechnik perfekt zur Qualitätskontrolle additiv gefertigter Teile.“

Marco Reichle
Marco Reichle, Gravier- und Laserschweißzentrum Reichle in Bissingen an der Teck. - Bild: werkzeug&formenbau

Elektromobilität wird die Zukunft verändern - das ist für Marco Reichle vom Gravier- und Laserschweißzentrum Reichle in Bissingen an der Teck Fakt. Die Frage ist nur: inwiefern? Er sprach über eine mögliche Werteverschiebung im Automobilsektor etwa hinsichtlich Innenausstattung und Design eines Kraftfahrzeugs. „Wenn sich der Status eines Autos nicht mehr allein an der Kraft des Motors messen lässt, wenn autonomes Fahren die menschliche Wahrnehmung in einem Fahrzeug drastisch verändert, weil das Kfz nicht mehr nur als Fortbewegungsmittel, sondern eher als Büro genutzt wird, spielen dann Oberflächenstrukturen und spezielle Lichtkonzepte im Innenraum nicht eine viel wichtiger Rolle als bisher?“, fragte Reichle in seinem Vortrag. Dass sich der Trend genau in diese Richtung wendet, davon ist er überzeugt. Darum unterrichtete Reichle die Besucher über die Oberflächenbehandlung mittels Lasertexturierung – eine Technologie, die nahezu keine Designwünsche offen lässt.

Alles in allem dürfen die Organisatoren auf eine gelungene Veranstaltung zurückblicken. Sie haben ihr Können in der Zusammenstellung des Vortragsprogramms auch in diesem Jahr wieder unter Beweis gestellt. Denn dass die Themen bei den Besuchern Anklang fanden, zeigten nicht zuletzt die fachkundigen Fragen aus dem Publikum im Anschluss an die Präsentationen. Die Pausen boten hier eine tolle Gelegenheit, um tiefgehender in den Austausch zu treten, zu diskutieren, aber auch - und das ist besonders wichtig - um sich zu vernetzen. Jetzt liegt es in den Händen der Teilnehmer, die gelernte Theorie auch in die Praxis umzusetzen. nh

Profil

Anwenderforum Werkzeug- und Formenbau

Bereits zum fünften Mal luden der VDWF und der VDMA Ost in Kooperation mit der Hochschule Schmalkalden ein zum Anwenderforum für den Werkzeug- und Formenbau. Innerhalb der letzten fünf Jahre wurde das Forum dreimal in der thüringischen Stadt Schmalkalden veranstaltet, die anderen beiden Male im sächsischen Chemnitz und in Leipzig. Gemeinsam beratschlagen die Organisatoren, wie sie mit qualifizierten Referenten für die Besucher ein buntes Programm branchenrelevanter Themen auf die Beine stellen können. Mit Erfolg, wie die Besucherzahlen belegen. Starteten die Veranstalter anfänglich noch mit rund 60 Besuchern, gingen für das diesjährige Anwenderforum schon mehr als 120 Anmeldungen ein. Die Teilnehmer kommen deutschlandweit aus allen Regionen. Im September 2018 bieten die Veranstalter der Branche erneut eine Plattform zum Austausch – kostenlos, aber sicher nicht umsonst.

VDMA Ost & VDWF: Anwenderforum begeistert die Besucher