Auf dem Weg zur Innovationskultur

Modernes Ideenmanagement, kurz IDM, wird nach Angaben des Deutschen Instituts für Ideen- und Innovationsmanagement in immer mehr Unternehmen als strategisches Werkzeug mit wirtschaftlichem Potenzial und als mitarbeiterorientiertes Führungsinstrument genutzt. Es fördert den wirtschaftlichen Aufschwung sowohl in Konzernen als auch in mittelständischen Betrieben und unterstützt ein innovatives Unternehmensklima.

Doch noch immer leistet sich die deutsche Wirtschaft einen Ausfall von vielen Milliarden Euro, weil sie das Ideenpotenzial ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht oder nicht genug ausschöpft. In vielen Unternehmen gibt es kein systematisches Ideenmanagement. Dadurch bleibt nicht nur das Einsparungspotenzial unberücksichtigt, sondern auch das Motivationspotenzial des Instruments Ideenmanagement in den Unternehmen ungenutzt. Insgesamt werden dadurch die Innovationsfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt.

Erfolgreiche Unternehmen haben erkannt, dass es sinnvoll ist, Mitarbeiterideen gezielt in die Neuausrichtung ihrer Unternehmen einzubinden, indem sie beispielsweise den Fokus darauf legen, die Produktpalette und das Dienstleistungsangebot zu aktualisieren, innerbetriebliche Prozesse zu optimieren, Produktions- und Verwaltungskosten zu senken. Geschäftsführer und Vorstände investieren somit in ein leistungsorientiertes und motivierendes Instrument mit hoher Nutzenrate.

Leistungsfähiges Ideenmanagement

Eine aktuelle Ideenmanagement-Studie des Deutschen Instituts für Ideen- und Innovationsmanagements hat dazu Ergebnisse aus verschiedensten Unternehmen erfasst. 81 Unternehmen haben an der Umfrage mit 655 147 Beschäftigten teilgenommen. Davon haben sich 76 983 Einreicher am IDM mindestens einmal beteiligt und 284 167 Verbesserungsvorschläge eingereicht. Davon sind 198 392 Vorschläge umgesetzt worden, die 304 216 536 Euro Nettonutzen erbracht haben. Die Einreicher haben 27 170 574 Euro Prämie für ihre Vorschläge erhalten.

Das sagt die Redaktion

Vorhandene Potenziale nutzen

Mitarbeiter sind Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet, und ihre Ideen ermöglichen Betriebsgewinne in Millionenhöhe. Vielfältige Anerkennung und Wertschätzung von Mitarbeiterideen durch die Führungskräfte sind wichtige Impulse für Motivation und Mitarbeiterzufriedenheit. Vernetzt mit betrieblichen Programmen für Innovationen, kontinuierliche Verbesserungsprozesse oder Qualitätssicherung ist modernes Ideenmanagement ein Katalysator für unternehmensweite Nutzung effizienter Lösungen.
Jürgen Gutmayr

Die Leistungsfähigkeit des Ideenmanagements lässt sich durch folgende Kennzahlen, generiert aus den Ergebnissen der Umfrage, darstellen: Ideenquote (Mitarbeiterideen pro 100 Mitarbeiter) 43 Ideen, Beteiligungsquote (Einreicher pro Mitarbeiter) 12 Prozent, Realisierungsquote (Umgesetzte Ideen pro bewertete Ideen) 71 Prozent, Nutzenquote (Gesamtnutzen pro Mitarbeiter) 464 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Ergebnisse des IDM in den teilnehmenden Unternehmen auf hohem Niveau stabil geblieben. Stellt man Kosten und Nutzen gegenüber, so ergibt sich ein Verhältnis von 1:10 – eine hervorragende Rendite. Das brachliegende Potenzial in den Unternehmen lässt sich leicht darstellen, indem der Nutzen pro Mitarbeiter auf alle Erwerbstätigen in Deutschland – etwa 42 Mio. – hochgerechnet wird: Es liegt bei etwa 20 Mrd. Euro.

Mitarbeiter als Experten auf ihrem Gebiet

Aus ihrer täglichen Praxis wissen die Mitarbeiter in der Regel am besten über ihr Aufgabengebiet Bescheid. So sehen sie in der Regel auch am ehesten die Möglcihkeiten für Verbesserungen. Umso wichtger ist, dass Mitarbeiterideen von Seiten der Führungskräfte ensprechend anerkannt und wertgeschätzt werden – das sind wichtige Impulse für Motivation und Mitarbeiterzufriedenheit. Ein systematisches Ideenmanagement, das beispielsweise in den kontinuierlichen Verbesserungsprozess oder in Qualitätssischerungsmechanismen eingebunden ist, legt die Basis für die effiziente unternehmensweite Nutzung optimaler Lösungen.

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Erfolgreiches Ideenmanagement

Geschäftsführer und Vorstände verstehen das Ideenmanagement als strategisches Führungsinstrument zur Steigerung der Wettbewerbskraft und Förderung der Aufgeschlossenheit für Ideen und Innovationen im Unternehmen. Erfolgreiches Ideenmanagement ist ein deutlicher Indikator für Führungsqualität des Managements. Gut geführte Unternehmen, deren Beschäftigte die Zielsetzung und Ausrichtung des Unternehmens kennen und sich damit identifizieren, sind laut der Ideenmanagement-Studie des Deutschen Instituts für Ideen- und Innovationsmanagements überdurchschnittlich erfolgreich.

Dass sich ein gutes Ideenmanagement für ein Unternehmen lohnen kann, zeigt die Hirschvogel Holding GmbH in Denklingen. Vor kurzem erhielt der Hirschvogel-Mitarbeiter Harald Fritz die bundesweite Auszeichnung für die beste Idee zur Arbeitssicherheit vom Deutschen Institut für Ideen- und Innovationsmanagement (Diii). Die Idee der Hirschvogel Umformtechnik GmbH zum „intelligenten Lichtvorhang“ trägt maßgeblich dazu bei, dass Hirschvogel-Mitarbeiter an Umformpressen künftig noch besser vor Unfällen geschützt werden.

„Die Idee des intelligenten Lichtgitters ist bei uns im Ideenmanagement entstanden“, erklärt Christian Hinsel, Verantwortlicher für das Ideenmanagement der Hirschvogel Automotive Group. „Jeder Hirschvogel-Mitarbeiter hat die Möglichkeit, Verbesserungsideen beim direkten Vorgesetzten einzureichen. Die Aufgabe der Vorgesetzten ist es, Mitarbeiterideen korrekt und zügig zu bewerten und gegebenenfalls eine Umsetzung zu veranlassen. Wir gehen bei unserem Ideenmanagement nach der Kaizen-Philosophie vor, das heißt, jede Idee, sei sie noch so klein, ist willkommen.“

Ein wichtiger Aspekt ist hierbei die Motivation und Prämierung solcher Ideen. Bei Hirschvogel werden auch Ideen mit „kleinem“ Nutzen pauschal über ein Punktesystem prämiert. Bei Ideen mit „großem“ Nutzen wird der Erstjahresnutzen berechnet, ein Teil dieses Erstjahresnutzens wird dem Ideeneinreicher als Prämie ausbezahlt. „In der gesamten Unternehmensgruppe erreichten wir 2015 eine realisierte Ideenquote von 2,30 und eine Beteiligungsquote von 69 Prozent“, bringt es Hinsel abschließend auf den Punkt. Eine Erfolgsquote, die sich sehen lassen kann. Hier könnte sich so manches Unternehmen ein Beispiel daran nehmen und einen Kulturwandel anstoßen.

Kontakt: Deutsches Institut für Ideen- und Innovationsmanagement GmbH Zentrum Ideenmanagement, www.zentrum-ideenmanagement.de