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Marinha Grande und Oliveira de Azeméis in Portugal zählen zu den führenden Regionen im Werkzeugbau, insbesondere im Bereich der Spritzgießormen für die Kunststoffverarbeitung. So gilt man als eine der größten Formenbauregionen Europas. Mehr als 90 Prozent der Gesamtproduktion werden exportiert. Die beiden Schwerpunktregionen der Branche beschäftigen insgesamt 8250 Menschen. Allein in Marinha Grande rechnet man mit 350 bis 400 Werkzeug- und Formenbaubetrieben.

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Schruppen, Schlichten und Tieflochbohren auf nur einer Maschine: Das wurde bei diesem Bauteil auf einem Bearbeitungszentrum CP 8000 demonstriert.

In Marinha Grande sitzt zudem DNC tecnica, ein Vertriebspartner von Heller. Bei einen Expertentreffen im April 2013 wurden im Rahmen einer Betrachtung der wirtschaftlichen Situation des Formenbaus mit dem Titel „Die Zukunft formen“ unter anderem mögliche Effizienzsteigerungen diskutiert. Eine Veranstaltung, bei der es also um Mehrwert, Präzision, Qualität sowie Produktivität und Effizienz ging. Das Unternehmen Heller als ein Teilnehmer scheint überzeugt zu haben, denn anlässlich eines Besuchs der EuroMold im Dezember 2013 war eine Delegation der portugiesischen Formenbauer zu Gast in Nürtingen. In der Hauptsache ging es dabei neben der Leistungsfähigkeit der Maschinen auch darum, mittels Einsatz mehrachsiger Maschinen Einsparpotenziale aufzuzeigen. Rainer Dangel, Leiter Technologiecentrum bei Heller, machte das anhand einer Formplatte aus dem Material 1.2343 deutlich, die bisher vertikal auf einer 3-Achs-Maschine gefräst wurde. Bei diesem Formeinsatz war eine Formkontur mit 200 mm Höhe herauszuarbeiten.

Bislang wurden hier Rundplattenfräser von D80-D52 mit einer Zustellung von max. 2 mm eingesetzt, die gesamte Bearbeitungszeit lag bei 22 h. Zum Vergleich wurde diese Formplatte mit einem 4-Achs-Bearbeitungszentrum gefräst. Dank der Möglichkeit, vier Seiten horizontal zu bearbeiten, war dabei zunächst eine wesentlich geringere Auskraglänge des Werkzeuges möglich. Das hat zur Folge, dass man mit einem Eckfräser D100 mit der Zustellung von 14 mm und einem RP-Fräser D52 arbeiten konnte. Dieser Vorteil der mehrachsigen Maschine machte sich dann auch bei der Bearbeitungszeit von 6 h 30 min deutlich – eine Reduzierung auf 30 Prozent.

Trends µ-genau

Werkzeugbauland Portugal
Als eines der führenden Länder im Werkzeug- und Formenbau mit dem Schwerpunkt Spritzgießformen für die Kunststoffverarbeitung exportiert Portugal rund 90 Prozent der Gesamtproduktion. 2010 wurden die Werkzeugbau-Exporte mit 318 Mio. Euro, die Gesamtproduktion mit 350 Mio. Euro beziffert.

Steigerung im 5-Achs-Bereich
Dass eine derartige Produktivitätssteigerung auch im 5-AchsBereich möglich ist, erklärt Rainer Dangel: „Mittlerweile gibt es einige CAD/CAM-Hersteller, die sich auch mit dem 5-Achs-Schruppen beschäftigen. Der Hintergrund ist, dass man so die Maschinen besser auslasten und man sich mit der Schruppbearbeitung näher an die Endkontur heranarbeiten kann. Das heißt, man benötigt weniger Aufmaß für das Schlichten. Als Grundsatz gilt deshalb: Je stabiler die Maschine, desto näher kann man an die Kontur, weil das Werkzeug stabil läuft.“

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Die Leistungsfähigkeit der Maschinen konnte überzeugen, und Einsparpotenziale beim Einsatz mehrachsiger Maschinen konnten klar aufgezeigt werden.
Bilder: Heller

Erfahrungen zeigen, dass man häufig aus Gewohnheit, aber auch Angst vor solch neuen Strategien zurückschreckt. „Angst, weil man nicht weiß, wie sich die Maschine in bestimmten Situationen verhält“, erklärt Dangel. „Dabei tut sie aber nur, was man programmiert. Deshalb ist Schulung besonders wichtig.“

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Das Heller TechnologieCenter war für einen Tag der Treffpunkt für die portugiesische Formenbauer-Delegation.

Keine Krise in Portugal
Nun hat der Formenbau in Portugal keine Krise, liefert nach ­Asien, Russland, in die ganze Welt. Bei derart ausgeprägten internationalen Aktivitäten müssen und wollen die Portugiesen wettbewerbsfähig bleiben. Maschinenseitig ist in diesem Zusammenhang ein klarer Trend erkennbar: Es geht von Vertikalmaschinen zu größeren 5-Achs-Maschinen, weil sich damit effizienter fertigen lässt. Wie deutlich die Zeitvorteile sein können, macht ein Einsatz von Bauteilen aus 1.2085, 46 HRC deutlich. Während für eine 3-Achs-Programmierung mit Kollisionskontrolle für das Schruppen und Schlichten plus das Fräsen eines Schlitzes insgesamt 2 h 49 min benötigt wurden, konnte mit dem 5-Achs-Bearbeitungszentrum FT 4000 die Bearbeitungszeit auf 31,5 min reduziert werden.

Die möglichen Zeitvorteile von 30 bis 40 Prozent und mehr kommen den Portugiesen da sehr entgegen, denn in Sachen Qualität und Preise will man weiter eine der ersten Adressen im Formenbau bleiben.

Dass das Schruppen, Schlichten und Tieflochbohren künftig auf nur einer Maschine möglich sein soll, wirkte sich so als besonderer Magnet für die portugiesischen Formenbauer aus. Heller demonstrierte deshalb auf der FT 4000 und den Drehfräszentren CT 4000 und CP 8000, was man unter Leistungszerspanung versteht.

Das Unternehmen Heller kann in Portugal bereits auf zahlreiche Referenzkunden zurückgreifen. Aufmerksam wurde man auf Heller unter anderem aufgrund der engen Verbindung des portugiesischen Verbandes für den Formenbau (Cefamol) zu den Branchen Automotive und Kunststoffindustrie. Außerdem ist der Verband ebenfalls in Marinha Grande ansässig.