Erlernen einer hohen Kunst

Es gibt für Interessenten am Beruf des Polierers keinen standardisierten Ausbildungsweg. Und dies, obwohl diese Tätigkeit für viele metallverarbeitende Berufe wichtig, für Formen- und Werkzeugbauer sogar elementar ist und ein hohes Maß an Wissen und Erfahrung verlangt. Speziell für Auszubildende aus Branchen wie Automotive, Kunststoff oder Medizintechnik bieten die Bergisch-Gladbacher Oberflächenspezialisten einen zweiwöchigen Intensivkurs an. Eine solche Qualifizierung kann weitreichende Vorteile haben.

Zu wenige Fachkräfte, demographischer Wandel, Lehrlingsmangel – die personelle Situation im Handwerk kennt viele negative Schlagworte. Dazu kommt die Herausforderung durch die „Akademisierung“, Abitur und Studium locken immer mehr Jugendliche. Hier fehlt eine eindeutige Positionierung beim Handwerk. Einige Berufe entwickeln Bachelor-Studiengänge, um dem Trend entgegen zu kommen. Aber auch die „klassische“ Qualifizierung und Weiterbildung können attraktive Bausteine für ein interessantes Arbeitsumfeld sein, in dem sich die Menschen weiterentwickeln können.

Die wirtschaftliche Stabilität und der Erfolg in Deutschland basieren im Wesentlichen auf der ausgeprägten mittelständisch geprägten Struktur. Dazu gehören auch die rund 5700 Unternehmen im Werkzeug- und Formenbau mit einem Umsatz von mehr als 5,4 Mrd. Euro (2011). Deutsche Technologie und das Ingenieurswesen sichern dabei den Wissens- und Wettbewerbsvorsprung.

Die Qualität eines Produktes oder Werkstücks ist abhängig von der Oberflächengüte und Genauigkeit des Formwerkzeugs. Dessen Bearbeitung kann nicht vollständig automatisiert werden. Denn gewisse Arbeitsschritte wie Polieren, Schleifen und Läppen sind in vielen Fällen nicht zu ersetzende, manuelle Tätigkeiten.

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Expertenwissen kompakt
joke will Berufseinsteigern die Chance geben, am im Unternehmen vorhandenen Wissen teilzuhaben und von diesem in der beruflichen Laufbahn profitieren zu können. In der neuen Kompaktausbildung sollen die Teilnehmer in zwei Wochen fit werden in den Bereichen Polieren, Schweißen und Läppen. Dabei steht keine graue Theorie auf dem Lehrplan, sondern vor allem praktische Übungen. Das Schulungszentrum jokeneum bietet attraktive Lern- und Arbeitsplätze – komplett ausgestattet mit allen Geräten. Das Trainer-Team besteht aus Experten mit jeweils mindestens einem Jahrzehnt Berufserfahrung und daraus resultierendem Know-how – ideale „Wissens-Tankstellen“ für den Nachwuchs. Die nächsten Intensivkurse werden vom 17. bis 28. Juni und vom 7. bis 18. Oktober angeboten. Nähere Informationen unter Telefon 02204/839-0 und www.joke.de/katalog/Intensivkurs_Oberflaechentechnik/

Es geht nicht ohne Handarbeit
Polieren von Hand ist bis heute die Methode zum Erzielen hochwertiger Oberflächen. Zwar gibt es bei Werkzeugen mit umfangreicheren Flächen wie etwa Ziehwerkzeugen für Karosserieteile Versuche, den Finishing-Prozess zu automatisieren, aber komplexe geometrische Formen sind für Roboter eine unlösbare Aufgabe. Das Wissen und die Erfahrung der menschlichen Polierer, eine bestimmte Rautiefe zu erreichen, bleiben unerreicht. Da es häufig den letzten Prozessschritt zur Herstellung von Werkzeugen und Formen darstellt, haben Fehler in der Oberfläche weitreichende Konsequenzen.

Erfahrung ist gefragt – und muss weitergegeben werden. Da ist es schon verwunderlich, dass diese alte und elementare Tätigkeit kein Ausbildungsberuf ist. In den einschlägigen Fachbüchern der Metallverarbeitung wird Polieren häufig nur am Rande oder gar nicht behandelt. Literatur zu Geräten, Hilfsmitteln und Techniken gibt es wenig.

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Von den langjährigen Erfahrungen der Polierexperten profitieren: Sehr praxisorientiert werden die Teilnehmer in der Kompaktausbildung an die Techniken des Polierens, Läppens und Schweißens herangeführt.

Zweiwöchiger Intensivkurs
Ein Grund dafür ist sicherlich die fehlende Definition, was Polieren denn ist. Nach DIN 8589 ist es kein eigenständiges Fertigungsverfahren. Das Fraunhofer IPT hat immerhin eine Defekttabelle erstellt, mit der ein erster Schritt für ein einheitliches Fundament im Polierbereich gemacht ist.

Polieren ist abhängig von dem Geschick und der Erfahrung des Mitarbeiters. Hier setzt die Initiative von joke an. Der zweiwöchige Intensivkurs wird in Kleingruppen von erfahrenen Experten durchgeführt. Im Mittelpunkt steht weniger die graue Theorie, sondern stärker die Aufgaben aus der Arbeitspraxis der Teilnehmer. So kann gezielt auf die individuellen Anforderungen von Branchen wie Kunststoffspritzguss, Automotive oder Medizintechnik eingegangen werden. Vermittelt werden das Entgraten von Kunststoffteilen, das Hochglanzpolieren von Edelstählen und Werkzeugformen ebenso wie die Reparatur von Werkzeugen mit verschiedenen Schweißmethoden und das maschinelle Läppen. Informationen zu Härteverfahren, Diamantwerkzeugen, Stahlherstellung, Gleitschleifen/Trowalisieren oder optische Oberflächenmesstechnik ergänzen das Programm.

Angesichts der Tatsache, dass die Endbearbeitung eines Werkzeugs sogar die Hälfte der gesamten Fertigungsdauer in Anspruch nehmen kann, ist eine Schulung der Mitarbeiter aus Qualitätsgründen und Kostenaspekten mehr als sinnvoll. Von Stillstandszeiten ganz zu schweigen, wenn Produktionen wegen Reparaturarbeiten ruhen müssen.

„Die Branche steht vor einer mehrfachen Herausforderung: Das Wissen der erfahrenen Polierer im Unternehmen zu bewahren, Nachwuchs für diese Tätigkeit zu begeistern und die Qualität weiter auf einem hohen Niveau zu etablieren“, beschreibt joke-Geschäftsführer Udo Fielenbach die Idee für die Azubi-Weiterbildung. „Dafür ist die Standardisierung von Aus- und Weiterbildung die richtige Antwort. Wir müssen selbst aktiv werden, um qualifizierten Nachwuchs für unsere Unternehmen zu sichern.“