21. Technologietag des Konstruktions­büros Hein

Beim 21. Technologietag des Konstruktions­büros Hein im Norden Deutschlands erwartete die Teilnehmer ein gut abgestimmtes Vortragsprogramm hochkarätiger Referenten, das die Bereiche Produktentwicklung, Formenbau und Produktion gleichermaßen abbildete. - Bild: werkzeug&formenbau

In den vergangenen Jahren hat sich der Technologietag Hein für viele Formenbauer und Kunststoffverarbeiter zu einem absoluten Pflichttermin entwickelt. Bereits zum 21. Mal organisierte das Konstruktionsbüro Hein das kommunikative Fachforum, das sich inzwischen zu dem Familientreffen der Kunststoffbranche im Norden etabliert hat.

Mehr als 500 Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet und den Nachbarländern waren Mitte Februar der Einladung nach Neustadt am Rübenberge bei Hannover gefolgt, um sich über die aktuellen Trends und Entwicklungen in der Branche zu informieren.

Netzwerken stand im Fokus

Im Fokus der Veranstaltung stand auch diesmal wieder der Erfahrungsaustausch und Netzwerkgedanke. Neben den insgesamt 72 Ausstellerunternehmen erwartete die Teilnehmer ein gut abgestimmtes Vortragsprogramm, das die Bereiche Produktentwicklung, Formenbau und Produktion gleichermaßen abbildete. Hochkarätige Referenten sorgten dabei in zum Teil überfüllten Lehrräumen des Volkshochschulgebäudes in Neustadt für den effizienten Wissenstransfer.

So auch Rudolf Hein, Geschäftsführer der Konstruktionsbüro Hein GmbH. Er nutze bei seiner Eröffnungsrede zunächst die Möglichkeit, um an Helmut Eckhardt zu gedenken. Der renommierte Spezialist für Spritzgusstechnik verstarb am 31. August 2016 in seiner Wahlheimat Leer in Ostfriesland unerwartet im Alter von 73 Jahren. Hein nutze diesen Anlass, um die Teilnehmer auf ein für ihn sehr relevantes Thema aufmerksam zu machen. "Im Fall von Helmut Eckhardt wird erneut deutlich, dass Wissensträger ihr Know-how unbedingt rechtzeitig archivieren sollten", erklärt er besorgt. Viel zu oft verpassen Experten nämlich, vorsorglich ihr Wissen und ihre gesammelten Erfahrungen an die Nachfolger weiterzugeben. Dabei zählen das umfangreiche Sammeln, Archivieren und Aktualisieren von Fachwissen, wie Hein schon auf mehreren vorangegangen Tagungen immer wieder betonte, zu den großen Aufgaben, denen sich kein Unternehmer entziehen sollte.

Neue Ausrichtung vonnöten

Rudolf Hein
Rudolf Hein, Geschäftsführer des Kon­struktionsbüro Hein, referierte über den Wandel in der Produktentwicklung. - Bild: werkzeug&formenbau

Des Weiteren erachtet der Geschäftsführer den Umbruch in der Produktentwicklung aufgrund der bereits gestarteten und erweiterten Automation in den Betrieben als brandaktuelle Thematik. "Wir müssen heute viel früher darüber nachdenken, wie das Werkzeug später aussehen soll", erklärt Hein. Die Spritzgießsimulation bietet dabei ein gelungenes Hilfsmittel, um zu erkennen, ob etwa die Bauteilgeometrie, das Material oder das Werkzeug nochmals überdacht werden muss, bevor es schließlich an die Erstellung des Prototypen geht. Alexander Hein, seit 2009 ebenfalls Geschäftsführer des Familienunternehmens, zeigte den Teilnehmern, wie Schäden dank neuen Simulationstechniken vermieden und damit deutlich Kosten gesenkt werden können. Das einzige Manko – die beste Technologie hilft nichts, wenn die Simulationsergebnisse falsch interpretiert werden oder das Know-how bei den Fachkräften fehlt, um die entsprechenden Parameter zielführend anzupassen. Denn nur so kann auch die Bauteilqualität tatsächlich erhöht und die Prozesssicherheit gewährleistet werden.

Hein riet dazu, sich von der konventionellen Vorgehensweise zu lösen, die mit viel Folgekosten verbunden ist, und die Spritzgießsimulation gezielt bereits im Anfangsstadium einzusetzen. Eine bessere Planung, ein schnellerer Projektdurchlauf sowie eine genauere Kalkulation sind nur einige der Vorteile, die der gelernte Werkzeugmacher herausstellte.

Effizientes Temperierkonzept

Rechts: Professor Thomas Seul, Präsident des VDWF
Professor Thomas Seul, Präsident des VDWF, begeisterte als Referent wieder die Besucher. In einem restlos gefüllten Raum sprach er über die intelligente Vernetzung von Spritzgießwerkzeug und -maschine und entfachte damit im Anschluss seines Vortrags eine rege Diskussion unter den Teilnehmern. - Bild: werkzeug&formenbau

Im Themenkomplex Produktion bildete vor allem die Temperierung einen besonderen Schwerpunkt. So referierte Holger Scholz von Stir³ Scholz Technik in Radeberg über die Anforderungen an die Temperierung im Spritzgussprozess. Um ein größtenteils konstantes Temperaturniveau und damit einen stabilen Prozess zu gewährleisten, ist sowohl die richtige Wahl des Temperierkonzepts und die entsprechende Dimensionierung des Temperiergeräts hinsichtlich Heiz- oder Kühlleistung und Pumpengröße von großer Bedeutung als auch eine ausreichende Anzahl der Temperierkanäle. Ebenso sind optimale Positionierung und Anschlussquerschnitte der Temperierkanäle entscheidend, um eine höchstmögliche Effizienz zu erreichen. Scholz erklärte unter anderem, worauf es zum Beispiel bei der Werkzeugverschlauchung ankommt, veranschaulichte Vor- und Nachteile der Hochtemperatur-Wasserheizung und ging darüber hinaus auf die wesentlichen Sicherheitsunterschiede zwischen Öl und Wasser ein.

Auch Professor Thomas Seul, Präsident des Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF) und Prorektor für Forschung und Transfer der Hochschule Schmalkalden, begeisterte als Referent wieder die Besucher.

In einem restlos gefüllten Raum verdeutlichte er die Vorteile von mit der Maschine vernetzen Spritzgießwerkzeugen (Powermoulds), die mit eigener Intelligenz den Prozess unterstützen und sicherstellen können. Damit entfachte er im Anschluss seiner Präsentation eine rege Diskussion, und einige der Teilnehmer machten deutlich, welche Herausforderungen der Werkzeugbau 4.0 mit sich bringt.

Lasertexturierung im Detail

Alex­ander Hein
Ergänzend dazu zeigte Sohn Alex­ander Hein, ebenfalls Geschäftsführer des Familienunternehmens, wie Schäden dank neuer Simulationstechniken vermieden werden können. - Bild: werkzeug&formenbau

Wie herkömmliche Verfahren wie das Erodieren oder Ätznarben durch Lasertechnik ersetzt werden können, thematisierte Marco Reichle vom Gravier- und Laserschweißzentrum Reichle in Bissingen an der Teck. In seinem Vortrag über die Oberflächenbehandlung durch Lasertexturierung erläuterte er nicht nur das Prinzip des volldigitalen Prozesses, sondern erklärte auch, wie mit vergleichsweise geringeren Bearbeitungszeiten ein doch präziseres und qualitativ hochwertigeres Ergebnis erzielt werden kann als etwa beim Ätznarben. Außerdem zählen die hundertprozentige Reproduzierbarkeit sowie ein hohes Maß an Prozessstandardisierung zu den Stärken der Technologie. Bei sehr großen Flächen hingegen ist die Laserbehandlung sehr kostspielig.

Gleichwohl sind auch tiefe Rippen aufgrund des zu spitzen Auftreffwinkels nicht laserbar. In diesen Fällen bietet, wie Reichle gesteht, der Erodierprozess nach wie vor die sinnvollste Lösung. Zusammenfassend bot der Kunststofftreffpunkt im Norden Deutschlands zum Jahresauftakt eine gelungene Plattform zum fachlichen Austausch, wie anhand vieler anregender Gespräche zu beobachten war. In insgesamt 15 Fachvorträgen konnten die Besucher etliche neue Eindrücke über intelligente Lösungen und zukunftsträchtigen Anwendungen gewinnen.

Zusammenfassend bot der Kunststofftreffpunkt im Norden Deutschlands zum Jahresauftakt eine gelungene Plattform zum fachlichen Austausch, wie anhand vieler anregender Gespräche zu beobachten war. In insgesamt 15 Fachvorträgen konnten die Besucher etliche neue Eindrücke über intelligente Lösungen und zukunftsträchtigen Anwendungen gewinnen.

Der nächste Technologietag ist für den 16. Februar 2018 am gewohnten Veranstaltungsplatz geplant. Dort werden die Referenten diesmal neben Produktentwicklungs- und Produktionsthemen auch Inhalte aus dem Bereich Spritzguss bereithalten. Nach der Veranstaltung laden die Organisatoren auch für 2018 wie üblich zu einem gemütlichen Beisammensein ein. nh

Trends µ-genau

Aufgrund der großen Nachfrage nach Ausstellerplätzen und der begrenzten Kapazität des Veranstaltungsortes konnten die Veranstalter des Konstruktionsbüros Hein zum Technologietag 2017 erneut einer großen Anzahl an Unternehmen keinen Ausstellungsplatz anbieten. Die Rückmeldungen der vergangenen Jahre haben außerdem gezeigt, dass der richtige Mix der Fachbereiche sehr wichtig ist. Daher berücksichtigen die Organisatoren Ausstelleranmeldungen künftig nicht nur nach Anmeldedatum, sondern zusätzlich nach Branchenzugehörigkeit und begrenzen die Ausstellerzahl aus einem Bereich. Der 22. Technologietag wird am Freitag, den 16. Februar 2018 von 8.30 Uhr bis 16.30 Uhr wieder im Gebäude der Volkshochschule in Neustadt am Rübenberge ein zentraler Treffpunkt für die Kunststoffbranche bilden. Nähere Infos erhalten Sie auf www.kb-hein.de/technologietag.

Konstruktionsbüro Hein: 21. Technologietag bietet Netzwerkplattform