Transparenz im Wettbewerb

Das Benchmarking als Vergleich mit dem Wettbewerbsumfeld ermöglicht es, Leistungen richtig einzuordnen und Entwicklungen im Werkzeugbau zu erkennen. Im Werkzeugbau dient dazu der Wettbewerb „Excellence in Production“ zum Werkzeugbau des Jahres, der in diesem Jahr zum elften Mal durchgeführt wird.

Der Werzkeugbau bestimmt durch seine Schlüsselposition zwischen Produktentwicklung und Serienfertigung maßgeblich die Leistungsfähigkeit der industriellen Wertschöpfung. Trotz dieser wichtigen Position im Produktentstehungsprozess führt er jedoch häufig ein Schattendasein. Der Werkzeugbau ist mit einem breiten Spektrum an Leistungen sehr heterogen aufgestellt, was sich beispielsweise anhand der unterschiedlichen Leistungsarten in der Verteilung der Produktionsvolumina des Werkzeugbaus zeigt.

Außerdem unterscheiden sich die Betriebe wesentlich hinsichtlich ihres Marktzugangs. Während interne Werkzeugbaubetriebe Teil eines produzierenden Unternehmens sind, bearbeiten EiP 2externe Werkzeugbaubetriebe Aufträge unterschiedlicher Kunden. Zusätzlich unterscheiden sich Werkzeugbaubetriebe erheblich in ihrer Größe: In Deutschland beschäftigen die meisten laut VDMA weniger als 50 Mitarbeiter. Seit einigen Jahren wächst jedoch trotz der Heterogenität der Branche der Wunsch seitens zahlreicher Werkzeugbaubetriebe, Transparenz hinsichtlich der Leistungsfähigkeit des Werkzeugbaus zu schaffen und sich mit Marktbegleitern vergleichen zu können.

Um Vergleichbarkeit zu schaffen, bedarf es einer unabhängigen Institution mit entsprechender Fachkompetenz auf dem Bereich des Werkzeug- und Formenbaus. Zusätzlich ist ein auf die Branche Werkzeugbau zugeschnittenes Kennzahlenmodell notwendig, um konkrete Aussagen aus dem Vergleich ableiten zu können.

Der Wettbewerb „Excellence in Production“ zum Werkzeugbau des Jahres wird seit 2004 jährlich vom Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen und dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT durchgeführt. Die beiden Institute arbeiten bereits seit mehr als 20 Jahren im Bereich des Werkzeug- und Formenbaus zusammen. Die Institute vereinen Unabhängigkeit und ein hohes Maß an Kompetenz in diesem Bereich.

Der Wettbewerb wird in vier verschiedenen Kategorien unterteilt, um die faire Vergleichbarkeit der Betriebe untereinander gewährleisten zu können. Es werden Kategoriesieger in den folgenden Kategorien gekürt:

  • externer Werkzeugbau unter 50 Mitarbeiter
  • externer Werkzeugbau über 50 Mitarbeiter
  • interner Werkzeugbau unter 50 Mitarbeiter
  • interner Werkzeugbau über 50 Mitarbeiter
  • Zusätzlich wird ein Gesamtsieger des Wettbewerbs ermittelt.

Die Grundlage des Vergleichs im Rahmen des Wettbewerbs stellt ein speziell entwickeltes Kennzahlenmodell dar, das sogenannte Aachener Werkzeug- und Formenbau-Management-Modell oder kurz AWFM-Modell. Anhand dieses Modells werden die zu vergleichenden Betriebe in den Bereichen „Ergebnisse“ und „Befähigende Faktoren“ bewertet. Befähigende Faktoren dienen dazu, Ergebnisse erzielen zu können. Insbesondere bei internen Werkzeugbaubetrieben, die als Dienstleister innerhalb eines Unternehmens agieren, sind die diesem Bereich zugeordneten Kennzahlen von hoher Bedeutung.

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So unterschiedlich Leistungsspektrum und Marktzugang der Betriebe in der Branche Werkzeugbau auch ist: Dank der Bewertung im AWFM-Modell wird der Benchmark fair, transparent und nachvollziehbar. Die Vorgehensweise stützt den hohen Anspruch an die Methodik des Branchenvergleichs – Schritt für Schritt arbeitet die Jury den Kreis der Finalisten heraus.

Ausgeklügeltes Kennzahlensystem
Die Kennzahlen im Bereich der befähigenden Faktoren untergliedern sich in die Kategorien Prozesse, Ressourcen, Organisation sowie Strategie und Führung. Beispiele für Kennzahlen im Bereich der befähigenden Faktoren sind Mitarbeiterqualifikation, Betriebszugehörigkeit oder Mitarbeiterverteilung im Unternehmen. Im Bereich Ergebnisse werden Kennzahlen hinsichtlich finanzieller Ergebnisse sowie kundenbezogener und produktbezogener Ergebnisse wie etwa Durchlaufzeit oder Termintreue verglichen. Die einzelnen Bereiche des Kennzahlensystems sind unterschiedlich stark gewichtet. Die befähigenden Faktoren sind wichtiger als die Ergebnisse, da sie den langfristigen Unternehmenserfolg sichern.

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Der Wettbewerb startet jährlich im Dezember zeitgleich mit der Messe EuroMold. Zu Beginn registrieren sich interessierte Unternehmen auf der Internetseite des Wettbewerbs, um die Login-Daten zu einem ausführlichen Fragebogen zu erhalten. Der Fragebogen wird von den Teilnehmern ausgefüllt und anschließend in einem standardisierten Kennzahlensystem verarbeitet. Aufgrund der intuitiven Gestaltung ist er einfach und mit kleinem Aufwand für die Werkzeug- und Formenbauer auszufüllen.

Die Teilnehmerzahl des Wettbewerbs steigt stetig, so dass im Jahr 2013 bereits 301 Werkzeugbaubetriebe am Excellence in Production teilgenommen haben. Aus der Masse der Gesamtteilnehmer werden jeweils die besten 50 Werkzeugbaubetriebe genauer untersucht. Letztlich werden die 16 besten Unternehmen von einem Expertenteam des WZL der RWTH Aachen und des Fraunhofer IPT im Rahmen von Vor-Ort-Audits analysiert. Darauf aufbauend bewertet eine Jury mit Experten aus Industrie, Politik, Verbänden und der Wissenschaft die Unternehmen.

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Werkzeugbau des Jahres 2014
Seit elf Jahren wird der Wettbewerb vom WZL der RWTH Aachen und dem Fraunhofer IPT veranstaltet. Der Wettbewerb bietet den Teilnehmern die Chance, ihre Leistungsfähigkeit zu messen und Partner, Mitarbeiter und Kunden von der Kompetenz des eigenen Unternehmens zu überzeugen. Verantwortliche in Unternehmen des Werkzeug-, Formen- und Vorrichtungsbaus können den Online-Fragebogen noch bis 7. April 2014 ausfüllen: Hierzu registriert man sich unter www.excellence-in-production.de, bekommt Zugang zum persönlichen Fragebogen und kann bis zum Einsendeschluss Daten eingeben und verändern. Alle eingegebenen Daten werden vom EiP logoVeranstalter auf Konsistenz geprüft. Dann werden die Angaben in einem standardisierten Kennzahlensystem verarbeitet und eine erste Rangfolge der Teilnehmer gebildet. Die besten Unternehmen werden von einem Experten-Team beider Institute vor Ort besucht und bewertet. Eine hochkarätig besetzte Jury mit Vertretern aus Industrie, Politik, Verbänden und Wissenschaft wählt die Sieger aus. In der feierlichen Preisverleihung werden die besten Unternehmen beim 14. Inter­natio-nalen Kolloquiums „Werkzeugbau mit Zukunft“ am 4. im Aachener Krönungssaal gekürt.

Neben dem Vergleich von Werkzeugbaubetrieben ist das Ziel des Wettbewerbs, die öffentliche Wahrnehmung der Branche Werkzeugbau zu stärken. Darüber hinaus soll ein Forum geschaffen werden, das es den Unternehmen erlaubt, sich mit den Besten der Branche auszutauschen und von ihnen lernen zu können. Zahlreiche bedeutende Verbände, Industrie- und Medienunternehmen sowie namhafte Persönlichkeiten aus Industrie und Forschung unterstützen seither dieses Vorhaben.

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Zur Bewertung der eigenen Leistungsfähigkeit im Vergleich zum Wettbewerb erhalten alle Teilnehmer eine individuelle und ausführliche Auswertung. Ein Wettbewerbsvergleich sowie Stärken und Verbesserungspotenziale können anhand von Kennzahlen unter organisatorischen und technologischen Gesichtspunkten identifiziert werden. So werden Defizite im Vergleich zum Wettbewerb deutlich, zur Behebung derer anschließend Handlungsalternativen entwickelt werden können. Zudem nutzen zahlreiche Werkzeugbaubetriebe den Wettbwerb mit einer regelmäßigen Teilnahme zur kontinuierlichen Überprüfung ihrer strategischen Ausrichtung sowie zum Controlling von Verbesserungsmaßnahmen.

Das Gütesiegel schafft Renommee
Die Sieger und Finalisten des Wettbewerbs erhalten zudem die Möglichkeit, das Gütesiegel des „Excellence in Production“ zu führen, um so auf Ihre Leistung und Position in der Branche aufmerksam zu machen. Außerdem wird der Wettbewerb von einer intensiven Pressearbeit flankiert – werkzeug&formenbau begleitet den Wettbewerb als Medienpartner und stellt (in diesem Heft ab Seite 76) Sieger und Finalisten der einzelnen Kategorien ausführlich vor. Darüber hinaus unterstützen ihn unterschiedliche Organisationen, wovon sowohl externe als auch interne Werkzeugbaubetriebe profitieren.

Sowohl das zusätzliche Ansehen als auch die Chance, Schwachstellen erkennen und beheben zu können, sind der Antrieb für die zahlreichen Teilnehmer des Wettbewerbs „Excellence in Production“ zum Werkzeugbau des Jahres. Lesen Sie dazu auch unser Interview mit Herbert Johann, Leiter des Werkzeug- und Prüfmittelbaus der ZF Friedrichshafen AG, der im Jahr 2012 als Gesamtsieger des Wettbewerbs ausgezeichnet wurde.

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