Vernetzte Wertschöpfung

Werkzeugbaubetriebe sind mit erheblichen Auftragsschwankungen und einer Preisdynamik konfrontiert, die von osteuropäischen und asiatischen Wettbewerbern beeinflusst werden. Dem zunehmend globalen Wettbewerb kann sich der deutsche Werkzeugbau nur mit Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen bei gleichzeitig gesteigerter Kosteneffizienz erfolgreich stellen. Um auch künftig wettbewerbsfähig zu sein, wird es nicht mehr ausreichen, ausschließlich die internen Prozesse zu optimieren. Eine Steigerung der Leistungsfähigkeit wird künftig nur über eine Kooperation mit Partnern und Kunden erreicht werden können. Vernetzte Wertschöpfung heißt der neue Lösungsansatz für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit im Werkzeugbau.

Die Werkzeugerstellung erfolgt meist als Unikatfertigung mit hoher Prozessvarianz. Herausforderung für Werkzeugbaubetriebe ist, diese Prozessvarianz zu beherrschen und eine industrielle Fertigung in der kundenindividuellen Werkzeugerstellung umzusetzen. Standardisierte Prozesse schaffen Wiederholhäufigkeiten und reduzieren die Prozessvarianz. Dazu ist die Fokussierung auf eigene Kompetenzen und die gezielte Einbindung von Partnern erforderlich. Sie ermöglicht es, Kompetenzen gezielt zu stärken und die Kosteneffizienz zu erhöhen. Internationale Kooperationen eröffnen zudem Eintrittschancen in globale Märkte.

Dank Kooperation mit Partnern können Werkzeugbaubetriebe vier zentrale Potenziale zur Steigerung der unternehmerischen Leistungsfähigkeit adressieren: Fokussierung des Ressourcenspektrums, Flexibilität der kapazitiven Verfügbarkeit, Wissensaustausch und Erweiterung des Leistungsangebots. Die Fokussierung des Ressourcenspektrums und die Flexibilisierung der kapazitiven Verfügbarkeit dienen der Steigerung der operativen Effizienz. Die Erweiterung des Leistungsangebots und der Wissensaustausch mit Partnern führen zusätzlich zur nachhaltigen Stärkung der Wettbewerbsposition. Die Adressierung der Potenziale hat zur Folge, dass die Kooperationsintensität mit Partnern zukünftig steigen wird.

Trends µ-genau

Kooperation schafft Potenziale
Die Abteilung Unternehmensentwicklung am WZL beschäftigt sich in angewandter Forschung und in zahlreichen Industrieprojekten mit den organisatorischen und technologischen Entwicklungen der Branche Werkzeugbau. Die nun vorgestellten Ergebnisse einer Studie mit 110 Werkzeugbaubetrieben zeigen Differenzierungsmerkmale für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit im Werkzeugbau. Die zunehmend intensive Kooperation mit Partnern und Kunden ist ein Trend, der die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit im Werkzeugbau fördert. Die Einschätzung der befragten Werkzeugbaubetriebe zur zukünftigen Entwicklung der Kooperationsintensität mit Partnern und Kunden zeigt, dass vernetzte Wertschöpfung für die Branche zukünftig prägend sein wird. Vernetzte Wertschöpfung stellt damit eine Abkehr vom traditionellen Werkzeugbau dar. Der Werkzeugbau ist gefordert, die Potenziale der Kooperation zu nutzen und eine Kompetenz zur Koordination eines Wertschöpfungsnetzwerks aufzubauen.

Fokussierung des Ressourcenspektrums
Die Fokussierung des Ressourcenspektrums ist zentrale Voraussetzung einer industriellen Werkzeugerstellung. Damit können sowohl Kosteneffizienz als auch Schnelligkeit signifikant erhöht werden. Ein fokussiertes Ressourcenspektrum fördert den Aufbau spezialisierter Kompetenzen und so Produktqualität und Innovationsfähigkeit von Werkzeugbaubetrieben. Nur jeder dritte Betrieb ist derzeit in der Lage, ein fokussiertes Ressourcenspektrum umzusetzen. Vernetzte Wertschöpfung ist eine Möglichkeit, das Potenzial eines fokussierten Ressourcenspektrums zu adressieren.

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Kooperation mit Partnern ermöglicht weiterhin die Flexibilisierung der kapazitiven Verfügbarkeit. Der Werkzeugbau ist durch hohe Auftragsschwankungen geprägt, die sich auf Termintreue und Schnelligkeit negativ auswirken. Werkzeugbaubetriebe sind daher auf verlängerte Werkbänke und externe Konstruktionsbüros angewiesen, um Kapazität und Bedarf kontinuierlich anzupassen. Sie benötigen vernetzte Wertschöpfung, um die Flexibilität erhöhen und kurzfristig auf Anfragen reagieren zu können. Mit kompetenten Partnern kann dies ohne kosten- und zeitintensiven Aufbau eigener Kompetenzen erreicht werden. Die Diversifizierung des Leistungsspektrums steht dann auch nicht im Widerspruch zu einer Strategie der internen Fokussierung auf Kompetenzen.

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Trend der vernetzten Wertschöpfung im Werkzeugbau
Die Einbindung in die Prozesse der Kunden sowie die Vernetzung mit Partnern bieten dem deutschen Werkzeugbau die Chance, sich weiterzuentwickeln und international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Vertrauensvolle Kooperation bringt allen Vorteile
Vertrauensvolle Kooperationen mit Partnern gestatten den gezielten Wissensaustausch zum Vorteil aller Beteiligten. Bestehendes Wissen kann erweitert und neues Wissen generiert werden. Die Gefahr des Missbrauchs der bereitgestellten Information ist begrenzt. In vertrauensvollen Kooperationen können Probleme mit Partnern gemeinsam gelöst und die Wiederholung von Fehlern vermieden werden. Im Ergebnis wird die Schnelligkeit und Flexibilität der Problemlösungen erhöht.

Die konsequente Ausrichtung an Kundenbedürfnissen führt zu einer ansteigenden Serviceorientierung im Werkzeugbau. Kundenbedürfnisse können jedoch nur in enger Kooperation mit dem Kunden zielgerichtet adressiert werden. Dies gilt sowohl für die der Werkzeugerstellung vorgelagerte Zusammenarbeit mit der Produktentwicklung als auch für die der Werkzeugerstellung nachgelagerte Zusammenarbeit mit der Serienproduktion. Der Werkzeugbau integriert sich dazu zunehmend in die Wertschöpfung des Kunden, so dass starre Verantwortungsgrenzen aufgelöst werden. Die Kooperation mit dem Kunden ermöglicht es, Kundenbindung und Kundenzufriedenheit zu steigern sowie die Innovationsfähigkeit zu stärken.

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Schnittstellen der Wertschöpfungskette des Werkzeugbaus
Basierend auf standardisierten Prozessen und definierten internen Kompetenzen besteht für Werkzeugbaubetriebe die Herausforderung darin, Kooperationen mit Partnern und Kunden zielgerichtet und umfassend zu steigern.

Zunehmende Integration in Kundenprozesse
Werkzeugbaubetriebe werden zunehmend bei einer integrierten Produkt- und Prozessentwicklung in die vorgelagerten Kundenprozesse integriert. Beratungsleistungen zur der kundenseitigen Produktgestaltung werden heute von vielen Werkzeugbaubetrieben angeboten, obwohl sie nicht zum ursprünglichen Kerngeschäft gehören. Vermehrt umfasst das Dienstleistungsangebot sogar die komplette Übernahme von Bauteilkonstruktionen des Kunden. Via vorgelagerte Kundenintegration können Werkzeugbaubetriebe die Produktgestaltung beeinflussen und ein fertigungsgerechtes Werkzeugdesign sicherstellen. Gleichzeitig kann gewährleistet werden, dass die Leistungserstellung termingerecht geplant wird.

Analog zur vorgelagerten Kundenintegration gilt der Trend ebenso für die Integration des Werkzeugbaus in nachgelagerte Kundenprozesse der Serienproduktion. Die Mehrheit der Werkzeugbaubetriebe übernimmt bereits Try-out und Anlaufbegleitung der kundenseitigen Serienproduktion inklusive entsprechender Nacharbeitsmaßnahmen. Zusätzlich bieten eine Vielzahl von Werkzeugbauern Instandhaltungen und Reparaturen beim Kunden an. Das hier gewonnene Know-how können sie nutzen, um in der vorgelagerten integrierten Produkt- und Prozessentwicklung innovative Lösungen realisieren zu können. Die Kombination von vorgelagerter und nachgelagerter Integration befähigt Werkzeugbaubetriebe, anforderungsgerechte Werkzeuge erstellen zu können.