Einer der Claims, mit denen die Euromold wirbt, ist ein hoher Grad an Internationalität bei Besuchern und Ausstellern.

Einer der Claims, mit denen die Euromold wirbt, ist ein hoher Grad an Internationalität bei Besuchern und Ausstellern.

Bei diesem gewandelten Umfeld kommen gleich mehrere Fragen auf, die es zu beantworten gilt – in erster Linie: Was bedeutet diese Situation für Aussteller und Besucher?

Da ist zunächst die Moulding Expo. Mit ihren deutlich mehr als 600 Ausstellern hat sie die Erwartungen klar übertroffen – genau, wie man sich das von einer solchen Erstlingsveranstaltung wünscht. Thematisch ist sie stark auf den Werkzeug- und Formenbau fokussiert. Die digitale Produktentwicklung – also alles vom 3D-Scanner bis hin zum CAD/CAM-System – sowie die additiven Fertigungsverfahren werden auf der Moulding Expo vor allem als Zulieferer der Werkzeug- und Formenbauer verstanden. Und natürlich ist der Messeplatz im Herzen der deutschen Werkzeug- und Formenbauindustrie gut positioniert. Eine wirklich respektable Veranstaltung, vor allem für den Werkzeug- und Formenbau, mit Fokus im Süden Deutschlands. Das war das aus dem Aussteller- und Besucherkreis geäußerte Echo.

Frankfurter Messe als neuer Player

Euromold Medizintechnik

Additive Verfahren haben sich in den vergangenen Jahren immer neue Gebiete erobert, beispielsweise einige Felder in der Medizintechnik.

Als zweite Veranstaltung im neuen Reigen tritt die formnext in Frankfurt an. Stand Mitte Juni sprachen die Verantwortlichen von rund 80 angemeldeten Ausstellern, das Ausstellerverzeichnis ist online. Das Branchen-Know-how für den Aufbau einer Wettbewerbsveranstaltung zur Euromold will sich die Messe Frankfurt erarbeiten und mit Partnern generieren. Daher heißt die formnext „powered by TCT“. Mit diesem Partner scheint die Ausrichtung der formnext klar: Der Schwerpunkt liegt wohl auf den additiven Technologien.

Was bedeutet all das nun für die Euromold? Klar ist, die Euromold wird sich in dem beschriebenen Umfeld verändern. Laut Aussage von Terry Wohlers, einem Kenner der additiven Technologien, ist sie bislang die weltweit wichtigste Messe zu diesem Thema. Nach Aussage des Veranstalters Demat ist für die Euromold 2015 das Ziel ausgegeben, rund 600 Aussteller zu erreichen. Mitte Juni gab die Demat die Zahl der angemeldeten Ausstellermit 328 an (ein Ausstellerverzeichnis war zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Ausgabe indes noch nicht verfügbar). Berücksichtige man das typische Anmeldeverhalten über den Jahresverlauf hinweg, erhoffen sich die Veranstalter letztlich zwischen 500 und 600 Aussteller auf der Veranstaltung; damit sollen die Hallen 15 und 16 des Düsseldorfer Messegeländes gefüllt werden.

Euromold additive Technologie

Auch wenn sich mit additiven Verfahren komplexe Strukturen schnell und einfach realisieren lassen – der klassische Modellbau wird weiter benötigt.

Schon lange keine reine Werkzeugbaumesse mehr

Die Euromold war in den vergangenen Jahren keine reine Werkzeug- und Formenbau-Messe, und sie war nie eine reine Messe für die additive Welt. Sie versteht sich als branchenübergreifende Messe für die Produktentwicklung. Wenn man sich die Entwicklungsgeschichte der Euromold anschaut, wird das noch deutlicher. Vor 20 Jahren suchte vor allem die Automobilindustrie schnelle Wege zu neuen, hochwertigen Produkten. Wer eine Idee in den Markt bringen wollte, kam auf die Euromold und suchte nach neuen, innovativen Lösungen. Dann kamen die Hersteller von Mobiltelefonen. Heute sind das, neben den beiden genannten angestammten Branchen und dem klassischen Werkzeug- und Formenbau, die Produktmanager und Projektleiter aus Medizintechnik und Life-Style-Branche.

Die klassischen Verfahren werden nicht verdrängt

Euromold additive Technologie

Schnell von den Daten zur Form: Die additiven Technologien können die klassischen Verfahren sinnvoll ergänzen.

Ein Thema, von dem man vor 20 Jahren kaum zu träumen wagte, wird nun Realität: Mass Customization – also das kundenindividuell angepasste Produkt. Klingt nach einer schönen neuen Welt, die nur noch aus additiven Technologien besteht. Aber der Schein trügt, denn diese Entwicklungen bedeuten für den klassischen Werkzeug- und Formenbau keineswegs eine Existenzgefährdung. Die Additiven können bis auf Weiteres weder beim Preis noch bei der Qualität mit dem klassischen Formenbau mithalten. Und für den Verbraucher hört an dieser Stelle bekanntlich der Spaß auf. Genau hier will die Euromold ansetzen. Dadurch, dass alle nebeneinander ausstellen, will sie aufzeigen, welches Fertigungsverfahren auf dem Weg zum fertigen Produkt das optimale ist. Mal der klassische Werkzeug- und Formenbau, mal die Additiven, mal beide in der Kombination miteinander.

„Wir konnten in der Vergangenheit als Euromold-Aussteller in Frankfurt stets interessante Neukontakte knüpfen, die vielfach in konkrete Kooperationen mündeten“, erklärt hierzu Rainer Gahn von der Knarr Vertriebs GmbH. „Konsequenterweise werden wir das neue Euromold-Konzept begleiten und freuen uns auf eine erfolgreiche Messepremiere in Düsseldorf.“

Euromold Maschine

In der Verknüpfung mit den klassischen Verfahren können additive Technologien ihre Vorteile ausspielen.

Aber auch die Euromold ist bei der Weiterentwicklung ihres Konzepts in diesem Jahr nicht untätig geblieben und hat sich nach eigenen Angaben neu erfunden. Der Veranstalter gesteht selbst ein, dass das vielleicht früher hätte geschehen sollen – aber man hat nun nach eigener Aussage aus den eigenen Fehlern der Vergangenheit gelernt und Konsequenzen gezogen.

Gemeinsam zurück zu den Wurzeln

Konkret wurde mit den Ausstellern zusammen ein Zukunftskonzept entwickelt. Zum Teil kann man dieses Zukunftskonzept als „Back to the roots“ bezeichnen. Viele Aussteller wünschten sich wieder verstärkt Standnachbarn, mit denen horizontal entlang der Prozesskette zusammengearbeitet wird. Das, was auf der Euromold immer als „Bazarcharakter“ bezeichnet wurde. Trotzdem haben alle Beteiligten versucht, gleichzeitig auch dem Miteinander von Werkzeug- und Formenbau und der additiven Welt Rechnung zu tragen.

Daher werden in allen Messehallen beide Bereiche vertreten sein – getrennt nur durch einen gut sichtbaren Gang. Dazwischen gibt es im Sinne von „Scharnierfunktionen“ Sonderschauen, die

Euromold Aussteller

Auch für die klassischen konventionellen Bearbeitungstechnologien will die Euromold in Düsseldorf ein Forum bieten.

zum Beispiel zeigen sollen, wie additive Technologien und Werkzeug- und Formenbau idealtypisch zusammenarbeiten. Dass es die Macher der Euromold mit dem Durchstarten am neuen Standort in Düsseldorf offenbar sehr ernst meinen, sieht man daran, dass sie Geld in die Erschließung neuer Kunden- und insbesondere Besuchergruppen investieren. So wurden renommierte Dienstleister mit Werbemaßnahmen in Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt und Lifestyle beauftragt. Diese Besuchergruppen sollen zusätzliche Orientierungsmaßnahmen vor Ort vorfinden.

Internationalität als Trumpfkarte

Was der Euromold aber zusätzlich wichtig ist, ist ihre Internationalität. Damit dies so bleibt, hat die Euromold zwei strategische Partnerschaften geschlossen. Einerseits mit dem SME, also der Society of Manufacturing Engineers, und andererseits mit Wohlers Associates, Inc. – beide mit Sitz in den USA. Terry Wohlers, Gründer und Eigentümer von Wohlers Associates, Inc. aus Fort Collins in Colorado, gilt als profunder Kenner der additiven Welt. Und der SME ist einer der wichtigsten Ingenieurverbände weltweit mit bereits zwei Jahrzehnten Erfahrung beim Ausrichten von Kongressen zum Thema 3D-Druck auf amerikanischem Boden. Als erstes Ergebnis dieser strategischen Partnerschaften wird die internationale Konferenz rund um das Thema Additive Manufacturing in diesem Jahr sehr viel umfangreicher ausfallen und drei Tage dauern.

Euromold Forum

Innovative Verfahren und profundes Praxis-Know-how treffen auf einer Messe aufeinanderund können so Impulse für die eigene Arbeit geben.
Bilder: demat

Mindestens genauso wichtig: Eine Messe wie die Euromold muss wissen, wohin sich die Branche bewegt, um sich entsprechend aufzustellen. Damit dies gelingt, hat Terry Wohlers das Zukunftsbild der additiven Welt skizziert und mit SME und den Veranstaltern der Euromold einen Fahrplan entwickelt, die Euromold in den nächsten fünf bis zehn Jahren stets „state-of-the-art“ zu halten. Stück für Stück soll das rund um die additive Welt entstehende Ökosystem sein Spiegelbild auf der Euromold finden.

Große Chancen für konventionelle Technologien

Dieses Konzept für die Zukunft der additiven Technologien hält für die konventionellen Technologien und die Unternehmen des Werkzeug- und Formenbaus übrigens mannigfaltige Chancen bereit. Um effizient zu werden und die vielfach prophezeite nächste industrielle Revolution herbeizuführen, sind diese boomenden Technologien unverzichtbar auf zahlreiche konventionelle Technologien angewiesen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Bis auf weiteres bedürfen zahlreiche mittels 3D-Druck hergestellte Bauteile einer umfangreichen Nachbearbeitung, beispielsweise in zerspanenden Verfahren.

„Wir glauben fest an die Euromold und sind seit 20 Jahren Aussteller“, erklärt Kay Griesbach, Geschäftsführer der VG Kunststofftechnik GmbH. „Gerade im Bereich der additiven Technologien hat die Euromold ein führendes Know-how. Das müssen sich andere doch erst erarbeiten.“