Präzision in sechs Achsen

„Unsere Hermle C50 war bislang unsere größte 5-Achs-Maschine“, erklärt Thorsten Krieb, Prokurist bei Kunze. „Unsere Kunden fragten jedoch immer wieder auch qualitativ hochwertige 5-Achs-Teile in größeren Dimensionen an – die konnten wir mit unserem bestehenden Maschinenpark nicht oder nicht wirtschaftlich realisieren. Zudem stiegen auch die Anforderungen an die Teile.“ Werkstücke mussten oft kompliziert umgespannt und neu eingerichtet werden, es war viel Improvisation gefordert. Und das häufige Umspannen macht es auch nicht gerade einfacher, die geforderten Toleranzen zu halten.

Das sagt die Redaktion

Der Service bringt‘s
Der Service – gerade in Zeiten immer kürzerer Lieferfristen ist schnelle Hilfe essenziell für den Anwender. Hier können Maschinenhersteller Boden gut machen. Oder aber trotz technisch sehr guter Maschinen Terrain verlieren. Gute Serviceleute sind deshalb für die Hersteller eine erstklassige Investition, die alte Binsenweisheit, dass spätestens die zweite Maschine vom Servicemann verkauft wird, hat ein gutes Quantum Wahrheit in sich. Die tschechischen Monteure, die hier beim Aufstellen der Trimill mit leidenschaftlichem Perfektionismus „keine Ruhe gegeben haben“, bis alles tipptopp war, bleiben den Anwendern bei Kunze sicher dauerhaft im Gedächtnis. Und sind so eine erstklassige Visitenkarte für ihr Unternehmen.
Richard Pergler

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Kleine Aufstellfläche bei sehr großem nutzbarem Arbeitsraum: Die Trimill VU 3525 ist für Kunze die beste Wahl.

Bearbeiten in möglichst wenig Aufspannungen
Die Verantwortlichen machten sich also auf die Suche nach einer Lösung, bei der sie mit möglichst wenig Aufspannungen auskommen. Dabei setzten die Zerspanungsexperten auf einen großen Sprung in Sachen möglicher Werkstückgröße und -gewicht: „Eine neue Maschine sollte auch groß dimensionierte komplexe Werkstücke möglichst in einer Aufspannung fertig bearbeiten“, erklärt Krieb. „Diese neue Maschine sollte uns zudem die Türen zu neuen Projekten öffnen, die wirbislang mit unserem Maschinenpark nicht darstellen konnten.“

Da die Platzverhältnisse in gewachsenen Betrieben nicht gerade üppig sind, sollte die Maschine zudem einen möglichst großen Arbeitsraum mit einer möglichst geringen Aufstellfläche vereinen. Die Palette der bearbeiteten Werkstoffe reicht von Aluminium über Grauguss und Werkzeugstähle bis hin zu gehärteten Stählen sowie Edel- und Duplexstählen. „Künftig wollen wir uns aber auch an Titan wagen“, betont Krieb. „Auch dafür sollte die neue Maschine fit sein.“

Damit war der Kreis möglicher Kandidaten bereits sehr stark eingeschränkt. Viele Maschinen mit adäquatem Arbeitsraum fielen aufgrund ihrer Baugröße durchs Raster. Schließlich entschieden sich die Verantwortlichen für eine massiv ausgeführte fünfachsige Trimill 3525 mit obenliegender Gantry. Die Alternativen, die sich das Team von Kunze anschaute, waren bei vergleichbarem Arbeitsraum deutlich größer dimensioniert. „Wir waren schließlich gemeinsam mit den künftigen Maschinenbedienern bei Trimill in Tschechien im Werk, und das Konzept der Maschine hat uns alle überzeugt“, betont Krieb. „Der solide Grundaufbau ermöglicht eine ausgereifte, vibrationsarme Konstruktion der Maschine – das ist bei unseren Werkstücken oft unerlässlich. Darüber hinaus stimmt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis.“

Zudem war der Maschinenhersteller für das Kunze-Team kein Unbekannter: „Bei uns steht unter anderem eine VC 2314 und eine noch von Trimill unter der Marke Depo gebaute HC 1612 – das sind kleinere Maschinen, die sehr zuverlässig laufen und sehr niedrige Ausfallquoten aufweisen. Die Verfügbarkeit der Maschinen ist extrem gut“, ergänzt der Prokurist. „Und auch mit dem Service von Trimill haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.“

Trends µ-genau

Trimill VU 3525
Die schwere fünfachsige Maschine wurde speziell für den Werkzeug-, Formen- und Gesenkbau entwickelt. Sie ermöglicht die 5-Seiten-Bearbeitung mit der Kombination von Drehtisch und Gabelfräskopf. Die Maschine ist als obenliegendes Gantry ausgeführt, damit sollen kontrollierte Dynamik und Genauigkeit garantiert werden. Die Maschine verfügt über eine geschlossene Konstruktion des Doppelbalkens und Kreuzschiebers mit innen liegender, rundum geführter Schieberfräseinheit (box-in-box-Design). Sie verspricht dank last- und thermosymmetrischem Design konstant gute Fräsergebnisse und aufgrund des stationären Werkstücks gleichbleibend gute Oberflächenqualitäten. Die sehr kompakte Maschine bietet einen großen Arbeitsraum bei sehr kleiner Aufstellfläche. Sie ermöglicht hohe Produktivität dank Schrupp- und Schlichtbearbeitung in einer Aufspannung.

Das wurde auch beim Aufstellen der neuen Maschine deutlich: „Die Aufbauphase war sehr kurz, die Abwicklung absolut unkompliziert. Und speziell die tschechischen Werksmonteure hatten einen sehr hohen Anspruch an ihre Maschine“, ist Krieb noch immer beeindruckt. „Die haben keine Ruhe gegeben, bis wirklich alles hundertprozentig gepasst hat.“ Ein knappes Dreivierteljahr nach der Bestellung fielen in Netphen die ersten Späne.

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Insgesamt 50 HSK-100-Werkzeuge bis zu 400 mm Länge fasst das Werkzeugmagazin der Trimill.

Sechste Achse erweitert Möglichkeiten
Die neue Maschine bei Kunze verfügt über Verfahrwege in x, y, z von 3500 x 2500 x 1250 mm. Um den Arbeitsraum bestmöglich nutzen zu können, wurde der Fräskopf mit einer zusätzlichen sechsten Achse ausgestattet, die als Stellachse fungiert. So können die Werkstücke über die komplette Länge eingeschwenkt bearbeitet werden: Wenn sich aufgrund der Größe das Bauteil nicht mehr drehen lässt, dann kann mit der Stellachse die notwendige Positionierung erreicht werden.

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Die Maschine geht kräftig und doch präzise zu Werke. Mittels Fernbedienung kann der Bediener das Werkzeug komfortabel und auf sehr einfache Weise exakt positionieren – direkt im Arbeitsraum.
Bilder: werkzeug&formenbau

 

Die HSK-100-Spindel von Weiß dreht bis 12 000 min-1 und bietet ein Drehmoment von 239 Nm bei S1/100 Prozent beziehungsweise von 300 Nm bei S6/40 Prozent. Die Maschine ist mit einem Magazin mit 50 Werkzeugplätzen für Werkzeuge bis 400 mm Länge ausgestattet.

Die Heidenhain-Steuerung iTNC 530 sorgt für einfache Bedienbarkeit, eine Blum-Laservermessung für Werkzeuge und die Kollisionssensorik von Brankamp schaffen Sicherheit in der Bearbeitung. Gerade in der Einzelteilfertigung ist das Risiko von Kollisionen sehr hoch. Die keramischen Lager der Spindel sind zwar im Normalbetrieb sehr langlebig, aber bei Crashs sehr empfindlich. Da ist der Kollisionssensor aus Sicht der Verantwortlichen bei Kunze eine notwendige Versicherung.

Krieb und seine Maschinenbediener sind „rundum zufrieden“ mit ihrer Trimill VU 3525. „Mit der Maschine erreichen wir zuverlässig die geforderte Präzision – ein Hundertstel ist auch bei großen Teilen kein Problem“, erklärt Krieb. „Und die hohe Verfügbarkeit und der faire Preis der Maschine ermöglichen uns eine Fertigung zu wettbewerbsfähigen Kosten.“