Bilder: Hartex, GF

Bilder: Hartex, GF

Im Grunde muss fast jede Materie, die zu einem Produkt wird, irgendwann durch einen Extruder. „Und wenn es abrasive oder chemisch aggressive Stoffe sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Doppelschneckenextruder innen von uns hartbeschichtet wurden“, erklärt Martin Kreickenbaum, Geschäftsführer der Hartex GmbH. Hartex produziert nicht nur Doppelschneckenextruder unterschiedlichster Größen, sondern bringt an den Innenseiten eine extrem widerstandsfähige Beschichtung aus einer besonderen Werkstoffkombination auf, die die Standzeiten der Extruder deutlich erhöht. Anwender berichten von Standzeitverlängerungen um 50 bis 200 Prozent.

Neun AgieCharmilles-Drahterodiermaschinen der GF Machining Solutions GmbH arbeiten autark ihre Aufträge ab. Bei den großen, über 500 mm langen Extrudern läuft so ein Auftrag schon

Hartex Extruder

Bilder: Hartex, GF

einmal über mehr als 20 h. Bedienpersonal bedarf es in dieser Zeit wenig. Wohl aber ständig reinstes und rückstandsfreies Prozesswasser, dessen Leitwert dauerhaft und gleichbleibend niedrig ist. Das hält die Leistungsfähigkeit der Maschinen kontinuierlich hoch. „Wir benutzen die Maschinen eigentlich als elektrische Bandsägen“, fasst es Kreickenbaum zusammen.

Bei hohen Drücken und Temperaturen verdichtet

Die konkrete Werkstoffzusammensetzung und das genaue Beschichtungsverfahren will man bei Hartex nicht preisgeben. Nur so viel, dass es sich um das heißisostatische Pressverfahren (HIP) handelt und dass sich die Werkstoffkombination bei hohem Druck und Temperaturen von etwa 1000 °C verdichtet und zur Beschichtung wird. Die Kunst besteht darin, die besondere Werkstoffkombination an den Innenseiten der Extruder mit dem HIP-Verfahren so aufzubringen, dass sie dauerhaft hält.

Da im Beschichtungswerkstoff und im Stahl unterschiedliche Spannungen wirken, wollen die Werkstoffe sich eigentlich nicht miteinander verbinden lassen. Dass das bei Hartex dennoch klappt, ist das Geheimnis der Kreickenbaums.

Trends µ-genau

Osmose-Anlage Easyro

Mit zwei separat einstellbaren Kanälen versorgt die Anlage nicht nur Drahterodiermaschinen mit vordeionisiertem Prozesswasser, sondern stellt es auch zum Mischen dem Kühlschmiermittel für Zerspanungsmaschinen bei. Die sehr energieeffiziente Osmoseanlage arbeitet mit einem Wirkungsgrad zwischen 65 und 80 Prozent und senkt den Eingangsleitwert des ankommenden Leitungswassers um bis zu 98 Prozent. Der Umkehrosmoseprozess drückt das Wasser durch eine sehr feine TFC High-grade Hochleistungsmembrane mit einer Maschenweite von nur sechs Ångström (Å). Somit kommen im Wesentlichen nur die Wasseratome durch, die 5 Å im Durchmesser messen. Alle Stoffe, die den Leitwert nach oben beeinflussen, werden dadurch ausgefiltert. Das Hightech-Filtersystem reinigt und optimiert sich automatisch, nahezu wartungsfrei.

Nach dem Beschichtungsprozess werden die Durchmesser der Doppelschneckenextruder auf Maß gebracht. Die AgieCharmilles-Maschinen erodieren in den senkrecht aufgespannten Doppelschneckenextrudern die Innendurchmesser auf das geforderte Maß. Hierzu fahren sie die Innenkontur wie eine liegende Acht ab und schneiden ausnahmslos im Hartmetallbereich.

Hartex Wasservorratstank

Ein 1000-l-Vorratstank stellt Prozesswasser
auch in größeren Mengen schnell und kurz­fristig zur Verfügung.

Reinstes Prozesswasser

An jeder Maschine steht ein E.KO Ioniser der österreichischen easymetal Prozesstechnik GmbH. Als Partner von GF Machining Solutions versorgen die Wasserexperten seit 1998 die Drahterodiermaschinen mit reinstem und rückstandsfreiem, deionisiertem Prozesswasser. Bei Hartex sind es E.KO Ioniser 1501 speziell für Kupfer, Aluminium, Werkzeugstähle sowie Hartmetall. Die E.KO-Ioniser-Serie wurde speziell für die Wasseraufbereitung von Drahterodiermaschinen entwickelt. Die Technologie verspricht einen optimalen ph-Wert mit niedrigem Leitwert über die gesamte Laufzeit der Maschine.

Aus der Leitung kommt das Stadtwasser mit etwa 300 µS, an anderen Standorten ist es oft wesentlich höher. Die E.KO Ioniser senken den Eingangsleitwert auf bis zu 0,1 µS. Etwa 800 Erodierstunden

Hartex Ioniser

E.KO Ioniser 1501 von easymetal senken den Leitwert des Prozesswassers zuverlässig auf bis zu 0,1 µS.

liefern die E.KO Ioniser deionisiertes Prozesswasser, bevor die schnell an- und abzukoppelnden Leihgeräte ausgetauscht werden müssen. Bei einem Leitwert von 15 µS arbeiten die Maschinen optimal. Da im Lauf eines Arbeitstages etwa 10 bis 20 Prozent des Wassers in die Umgebungsluft verdunsten, muss stets Wasser nachgefüllt werden, sonst würde sich der Leitwert allein durch die höhere Konzentration erhöhen. „Das können wir nicht akzeptieren“, betont Kreickenbaum. „Denn dann ändert sich sofort die Qualität der Erodierergebnisse.“

Profil

Hartex GmbH

Die Hartex GmbH ist ein Familienunternehmen. In einer hochautomatisierten Fertigung bringen die Experten an den Innenseiten von Doppelschneckenextrudern unterschiedlichster Größen eine extrem widerstandsfähige Beschichtung aus einer besonderen Werkstoffkombination auf, die die Standzeiten der Extruder deutlich erhöht. So entstehen mit dem HIP-Verfahren Extruder, Gehäuse, Buchsen oder Sonderverbundbauteile sowie Verschleiß- und Korrosionsschutz.

Hartex Halle

15 AgieCharmilles-Drahterodiermaschinen von GF Machining Solutions arbeiten bei Hartex zuverlässig die Aufträge ab.

Bei den großen Extrudern mit über 500 mm Länge ist das Draht­erodieren sowieso ein heikler Prozess. Über diese Länge den Draht gespannt zu halten, ohne dass er ‚bauchig’ wird, und damit eine gerade Schnittkante hervorzubringen, ist eine Herausforderung. Seit Dezember 2013 verfügt Hartex über eine zentrale Wasserversorgung, die über eine penibel geplante Verrohrung jede Maschine ans Wassernetz anschließt. Der Clou: Noch bevor sich die Leitungen verzweigen, ist eine easymetal-Umkehrosmose-Anlage installiert. Das Basismodul Easyro 150 liefert bis zu 2400 l aufbereitetes Prozesswasser pro Tag und entlastet so den Aufbereitungsprozess der E.KO Ioniser an den Erodiermaschinen.

Das Ansteigen des Leitwertes kann fatale Folgen haben wie Drahtbruch, schlechte Oberflächenqualität und Maßungenauigkeit bis hin zum Maschinenstopp. Dies verhindert die Easyro-Wasseraufbereitungsanlage bereits im Vorfeld. Eine konstante Qualität des Prozesswassers wird selbst beim Nachfüllen garantiert, da der maximal höchstzulässige Leitwert des nachzufüllenden Wassers voreingestellt werden kann.

Sehr gute Erfahrungen

Hartex hat mit der Prozesswasseraufbereitung von easymetal sehr gute Erfahrungen gemacht. „Wir betreiben die E.KO Ioniser jetzt für 1400 Erodierstunden, bevor wir wechseln müssen“,

Hartex Osmoseanlage

Über ein zentrales Leitungssystem versorgt eine
Osmose-Anlage Easyro von easymetal die Drahterodier­maschinen mit bis zu 2400 l aufbereitetem Prozesswasser pro Tag.

berichtet Kreickenbaum. Bei Neuinstallation einer Maschine oder bei Neubefüllung bestehender Maschinen spart man 4 bis 5 h Füllzeit. Wichtig ist vor allem aber die kontinuier­liche Versorgung der Maschinen, ohne dass man ständig Wasser nachfüllen muss.

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