Formel 1

Geschwindigkeit ist nicht nur in der Formel 1 gefordert, sondern auch in der Leistungserstellung erfolgreicher Werkzeugbauten. - Bild: apfelweile/AdobeStock

Die in der werkzeug&formenbau erscheinende dreiteilige Serie basiert auf wissenschaftlichen Studien, die unter dem Namen "Corporate Tooling" durch das Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen sowie die WBA Aachener Werkzeugbauakademie GmbH veröffentlicht wurden. "Corporate Tooling" steht für eine Kollaboration zwischen Werkzeugbau und Kunde zur gemeinsamen Erarbeitung von Lösungen, die ein erfolgreiches, langfristiges Agieren am international stark umkämpften Markt sicherstellen.

Um von den meist deutlich größeren Kunden als Partner auf Augenhöhe anerkannt zu werden, ist es Aufgabe des Werkzeugbaus, sich durch Schnelligkeit, Qualität und Flexibilität auszuzeichnen.

Die Studie zur operativen Umsetzung von Industrie-4.0-Assistenzsystemen wagt einen Blick in die Formel 1, die ähnlichen Herausforderungen ausgesetzt ist wie der Werkzeugbau. Höchste Geschwindigkeit unter ständig wechselnden Umwelteinflüssen – das ist die Herausforderung in der Königsklasse des Automobilsports. In 21 Rennen pro Jahr erschweren sich kontinuierlich verändernde neue Streckencharakteristika, spontane Renngeschehnisse und wechselnde Witterungsbedingungen die Planbarkeit des Rennablaufs. Durchschnittsgeschwindigkeiten von 250 km/h können bei einem Rennen nur erreicht werden, wenn eine akribische Planung vorliegt, die Rennstrategie an die Streckencharakteristika angepasst, Boxenstopps eingetaktet und die Reifentemperaturen überwacht werden.

Kompetente Mitarbeiter und digitale Vernetzung

Hohe Geschwindigkeit unter ständig wechselnden Umwelteinflüssen sind nicht nur in der Formel 1, sondern auch in der Leistungserstellung eines erfolgreichen Werkzeugbaus gefordert. Geringe Wiederholhäufigkeiten, ein hoher Anteil von Eilaufträgen sowie eine mangelnde Transparenz hinsichtlich Auftrags- und Ressourcendaten sind charakteristisch. Um effizient auf die wechselnden Umwelteinflüsse reagieren zu können, ist der Werkzeugbau, genau wie die Formel 1, auf kompetente Mitarbeiter sowie digital vernetzte Assistenzsysteme angewiesen. Um als kompetenter und zugleich wettbewerbsfähiger Partner der Serienproduktion nachhaltig am Markt bestehen zu können, muss langfristig die traditionell handwerklich geprägte Werkzeugerstellung hin zu einer intelligenten, durch digital vernetzte Assistenzsysteme unterstützte Werkzeugerstellung, einem Intelligent Tool Manufacturing, entwickelt werden. Die im Rahmen einer Studie WZL der RWTH Aachen und der WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH befragten Unternehmen gaben nahezu einstimmig ein sehr hohes Potenzial von Industrie 4.0 auf dem Shopfloor an. Konkrete Optimierungspotenziale werden hinsichtlich der Erhöhung von Maschinenverfügbarkeiten (98 Prozent), Verkürzungen der Durchlaufzeiten (92 Prozent) sowie einer Erhöhung der Produktivität (83 Prozent) und Reduktion von Fertigungsfehlern (83 Prozent) bewertet.

Trends µ-genau

Agile Methoden im Werkzeugbau

Die Serie thematisiert eine Positionierung des Werkzeugbaus hinsichtlich agiler Methoden zur frühzeitigen Integration in Produktentwicklungsprozesse (Agile Tool Development), die Gestaltungsmöglichkeiten flexibler und effizienter Organisationsstrukturen (Flexible Tooling Organization) sowie die operative Umsetzung von Industrie-4.0-Assistenzsystemen in der Auftragsabwicklung des Werkzeugbaus zur Optimierung des Leistungserstellungsprozesses (Intelligent Tool Manufacturing).