Stephan Berz, Vice President HRSflow. – Bild: HRSflow

Stephan Berz, Vice President HRSflow: „Die Werkzeugmacher müssen von der Preisdiskussion wegkommen. Was zählt sind Diskussionen über neue Konzepte. Darüber müssen wir unseren Technologievorsprung im deutschsprachigen Raum definieren.“ – Bild: HRSflow

| von Melanie Fritsch

WERKZEUG&FORMENBAU: Herr Berz, die Werkzeug- und Formenbauer stehen unter enormen Druck und müssen Kosten reduzieren. Wie können Sie dabei helfen?

Stephan Berz: Die derzeitigen Absatzrückgänge befeuern den Kostendruck im deutschsprachigen Raum nochmal zusätzlich. Die Werkzeugmacher müssen aus der reinen Preisdiskussion herauskommen. Wichtiger ist die Konzeptdiskussion. Im Fokus sollten neue Konzeptideen stehen, die entweder den höheren Preis rechtfertigen oder Kosten reduzieren können. Je früher Werkzeugbauer uns hier mit ins Boot holen, desto schneller können sie neue Lösungen anbieten und mit innovativen Konzepten überzeugen, die mit den traditionellen Heißkanalsystemen so nicht umsetzbar wären.

Welche neuen Lösungen sind das zum Beispiel?

Berz: Wir unterscheiden zwei Ansätze. Zum einen haben wir die Möglichkeit, über den Artikel Kosten einzusparen. In diesem Bereich beraten wir die Werkzeugbauer etwa darüber, wie sie bei großflächigen Bauteilen Wandstärken um bis zu 20 Prozent reduzieren und gleichzeitig die Qualitätsansprüche beibehalten können. Wie so oft greifen wir hier auf unser servo­gesteuertes Nadelverschlusssystem Flexflow Evo zurück. Zum anderen gibt es aber auch den Weg, die Kosten klassisch am Werkzeug zu senken.

Es müssen also neue Werkzeugkonzepte her ...

Berz: ... es muss zumindest eine Anpassung passieren. Wir setzen im Moment sehr stark auf Familienwerkzeuge, mit denen mehrere Bauteile in einem Werkzeug abbildbar sind. Bislang gab es immer das Problem, dass die kleinen Kavitäten hoffnungslos überspritzt und die großen nicht richtig ausgeprägt waren. Unsere Nachfrage ist deshalb so groß, weil wir mit unserem System den Volumenstrom an jeder einzelnen Düse bestimmen und so auf die unterschiedlichsten Kavitätengrößen und Volumina eingehen können.

Der Großteil Ihrer Nachfrage kommt aus der Automobilindustrie. Eine­ Branche, die sich im Umbruch befindet. Wie merken Sie das?

Berz: Überall, wo Umbruch herrscht, sind auch neue Wege gefragt, das merken wir. Das Thema Leichtbau zum Beispiel rückt durch die E-Fahrzeuge in den Fokus. Damit beschäftigen wir uns mit der Substitution von Metall durch Kunststoff. Bei Langglasfaserlösungen muss also ein Heißkanalsystem eingesetzt werden, das diese langen Glasfaserfüllstoffe möglichst schonend verarbeitet und eine Faserverkürzung vermeidet. Dafür entwickeln wir Lösungen­. Genauso wie für das Trendthema Dekor-Hinterspritzung.

Was versteht man darunter?

Berz: Knöpfe und Stellräder werden zunehmend von Touch-Bedien-Elementen abgelöst. Unterschiedlichste Dekore wie Carbon-, Chrom- oder Alcantara-Effekt-Folien sind gefragt. Nur mit dem geeigneten System lässt sich eine Faltenbildung und Beschädigung der Folie bei der Hinterspritzung vermeiden. Wir können solche hoch empfindlichen Folien in einem Schuss im Spritzgussprozess abbilden und die gewünschte Oberflächenqualität und Funktionalität der Folie gewährleisten. Die technischen Möglichkeiten sind also da, und wir wollen sie für und mit unseren Kunden nutzen.

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