Keller, Teile Rennsport

Teile für den Rennsport – oft müssen solche Aufträge über Nacht fertig bearbeitet werden. - Bild: werkzeug&formenbau

Die Anfänge des Unternehmens Keller CNC liegen in der Fertigung anspruchsvoller Teile für die Autotuning-Szene. Der Umbau auf Flügeltüren, luftgefederte Fahrwerke – die Anforderungen an die individuell gefertigten Teile sind hier sehr hoch, schließlich müssen Optik und Funktion auf Anhieb passen. “Mein Mann hat das als Nebengewerbe im Jahr 2008 angefangen, und mit der Zeit ist das immer mehr geworden“, erklärt Mit-Inhaberin Irina Keller, die neben der Verwaltungsarbeit im Betrieb regelmäßig an den Maschinen steht. “Wir haben uns in der Einzelteilfertigung sehr viel Know-how erworben, und inzwischen gehören zu unseren Kunden neben den Automobil-OEM und deren Zulieferer auch einige Rennställe aus dem Motorsport, die wissen, dass wir schnell und in sehr hoher Qualität fertigen.“

Keller CNC Einzelteile
Präzise und schnell gefertigte Einzelteile und Kleinserien sind die Domäne von Keller CNC. - Bild: werkzeug&formenbau

Das ist in diesem Metier auch nötig: Für Tests mieten die Racing-Teams Rennstrecken für ein paar Tage. “Da zählt dann jede Minute, in der die Fahrzeuge unterwegs sind“, erklärt Keller. “Bei solchen Tests geht meist sehr viel kaputt – da muss sehr schnell für besseren Ersatz gesorgt werden. Das heißt, das defekte Teil muss über Nacht konstruktiv verbessert und mit der Designänderung neu gefertigt werden, damit die Tests schnellstmöglich weitergehen können. Auf dieses Teilespektrum und den damit verbundenen Zeitdruck sind wir bestens eingerichtet. Für die Racing-Teams fertigen wir sehr viele Prototypen und Entwicklungsstücke – da fließt auch unser Fertigungs-Know-how mit ein.“

“Wenn wir etwas brauchen, dann in der Regel sofort. Dafür brauchen wir einen Maschinenpartner, der auch uns als kleines Unternehmen ernst nimmt und sich entsprechend mit einbringt.“ Irina Keller, Unternehmerin, Keller CNC (Bild: werkzeug&formenbau)

Zerspant wird in erster Linie Aluminium, auch hochfeste Aluminiumlegierungen, aber auch unterschiedlichste Stähle, Edelstähle und verschiedene Kunststoffe – die Anforderungen an die Bauteile für den Motorsport sind einerseits eine hohe Festigkeit bei einem gleichzeitig sehr geringen Werkstückgewicht. Die geforderten Toleranzen liegen in der Regel bei einem Hundertstelmillimeter.

Bei solchen Anforderungen ist ein leistungsfähiger und verlässlicher Maschinenpark eine unumgängliche Notwendigkeit. “Im Jahr 2008 kauften wir uns gebraucht ein vertikales Bearbeitungszentrum Mazak VTC 41 – Baujahr 1993 – für die Bearbeitung kubischer Teile“, erklärt Keller. “Die Maschine war genau richtig für uns, wir haben mit ihr gutes Geld verdient. Sie war sehr zuverlässig, und wir hatten trotz ihres Alters nur einen einzigen Servicefall.“

Irina Keller erinnert sich noch sehr gut: “Eine kleine Feder war gebrochen, und wir brauchten ein Originalersatzteil“, berichtet sie. “Wir hatten vorher keinen Kontakt mit Mazak und fragten uns, ob die uns als kleinen Gebrauchtmaschinenanwender überhaupt ernst nehmen. Taten sie: Am nächsten Tag war das Paket mit der Feder da. Für einen Preis von rund 2,50 Euro – ein Ersatzteil für eine Maschine, die schon damals weit mehr als 25 Jahre alt war.“
Die VTC 41 leistete gute Dienste bis ins Jahr 2017 – dann mehrten sich die Fälle, in denen die Zerspaner aufgrund immer komplexerer Werkstückgeometrien an die Grenzen des betagten Bearbeitungszentrums stießen. Speziell, als der Auftrag eines Premium-Sportwagenherstellers für ein größeres Kontingent an Teilen kam, war für die Unternehmerin und ihren Ehemann klar: “Wir benötigten eine leistungsfähigere Maschine. Und zwar möglichst sofort!"

Das sagt die Redaktion

Wenn der Kunde mit Auftrag droht ...

Immer wieder bekomme ich bei meinen Recherchen gerade von kleineren Unternehmen gesagt, dass diverse Maschinenhersteller auf Anfragen entweder gar nicht oder mit erkennbar wenig Engagement reagieren. Ein aus meiner Sicht fataler Fehler, denn neben den technischen Daten einer Maschine wird für den Anwender immer wichtiger, wie sich der Maschinenlieferant verhält – kein Wunder, schließlich ist der Kauf einer Maschine ja kein Selbstzweck. Und es ist keineswegs unwichtig, wie schnell und wie kompetent ein Hersteller reagiert, ob er einen Unterschied macht zwischen großen und kleinen Kunden oder ob er sich wie ein echter Partner verhält. Wichtig insbesondere dann, wenn die Maschine einmal nicht so läuft, wie sie soll. Schließlich soll eine Investition bestmöglich genutzt werden. Da sind Beratung, Schulung und Unterstützung des Anwenders über das gesamte Maschinenleben hinweg wesentliche Faktoren. Maschinenhersteller, die nachhaltig denken, legen Wert auf gute und kompetente Beratung sowie auf einen exzellenten Service. Denn nur wenig ist schädlicher fürs Geschäft als der Ruf, sich nicht um seine Interessenten und Anwender zu kümmern – und seien sie noch so klein. Richard Pergler

Einige Maschinenhersteller wurden angefragt, anhand von Musterteilen und Zeichnung sollte gemeinsam die optimale Maschine gefunden werden.

Mazak VCN-530C Spindel
Mit bis zu 12 000 min-1 geht die Spindel der VCN-530C zu Werke. - Bild: werkzeug&formenbau

Aber: “Manche bekam man nur mit Mühe ans Telefon, oder man wartete tagelang auf einen Rückruf“, erinnert sich Keller. “Anders bei Mazak – hier hörte uns der für uns zuständige Außendienstberater gut zu und hatte dann eine schnelle und nahezu perfekte Lösung: Eine Maschine, die gerade im Showroom in der Mazak-Niederlassung Düsseldorf aufgebaut werden sollte, wurde zu uns umgeleitet und dann, um sie für unser Teilespektrum zu optimieren, bei uns in der Werkstatt um einen Rundtisch als vierte Achse ergänzt – exakt die Konfiguration, die wir benötigen. Wenn wir etwas brauchen, dann in der Regel sofort – etwa, um wie hier einen Auftrag abarbeiten zu können. Dafür brauchen wir einen Maschinenpartner, der auch uns als kleines Unternehmen ernst nimmt und sich entsprechend mit einbringt.“

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Seit Oktober 2017 steht das vertikale Bearbeitungszentrum Mazak VCN-530C jetzt in Schwelm. Die Monteure arbeiteten schnell und kompetent, die Aufstellung und Inbetriebnahme der Maschine lief laut Irina Keller “absolut reibungslos“. Mazak unterstützte das Vier-Personen-Unternehmen unter anderem mit einer intensiven Schulung vor Ort, und schon bald konnte die Maschine produzieren.

Mazak Steuerung
Die Steuerung Mazatrom SmoothG ermöglicht schnell und einfach Korrekturen und setzt die Vorgaben von Edgecam exakt um. - Bild: werkzeug&formenbau

“Die lief für die Aufträge des Sportwagenherstellers erst einmal ein halbes Jahr rund um die Uhr“, erinnert sich Keller. “Wir konstruieren und programmieren in Edgecam, die Mazak-Steuerung Mazatrol SmoothG setzt die Daten dann exakt so um, wie es das CAD/CAM-System vorgibt. Und das sehr schnell und präzise – bei einem anderen Steuerungshersteller dauert das auf einer vergleichbaren Maschine rund 15 bis 20 Prozent länger.“

Die Maschine bietet eine Vorschubgeschwindigkeit im Eilgang in den Linearachsen von 42 m/min. Die Spindel dreht mit bis zu 12 000 min-1. Die Aufspannfläche liegt bei 1300 x 550 mm. Der automatische Werkzeugwechsler schafft einen Werkzeugwechsel in 2,8 s und bietet 30 Magazinplätze für Tools mit der Werkzeugaufnahme CAT 40.

Mazak VCN-530C Arbeitsraum
Die weit öffnenden Türen der VCN-530C ermöglichen eine gute Zugänglichkeit zum Arbeitsraum. - Bild: werkzeug&formenbau

“Werkzeugplätze hat man eigentlich immer zu wenig“, meint Irina Keller. “Speziell dann, wenn man wie wir in der Einzelstückfertigung und mit wechselnden Materialien arbeitet, zahlt es sich aus, in die größtmögliche Magazinversion zu investieren.“ Die Maschine verfügt über einen gut zugänglichen Arbeitsbereich: Zwei weit zu öffnende Arbeitsraumtüren und ein großes Sichtfenster zur bequemen Überwachung der Bearbeitung ermöglichen eine ergonomisch sehr günstige Bedienbarkeit des Bearbeitungszentrums.

Die Auftragslage ist derzeit sehr gut, und Keller hofft, im Sommer einen zusätzlichen Mitarbeiter einstellen zu können. “Heute noch ist Drehen und Fräsen bei uns auf verschiedene Maschinen verteilt. Mittelfristig überlegen wir uns aber durchaus, ein Mazak-Dreh-Fräszentrum aus der Integrex-Baureihe zu beschaffen – wir brauchen eine Maschine, die ein Teil möglichst komplett bearbeiten kann“, gibt Irina Keller einen Ausblick auf die Zukunft. “Unsere Philosophie ist, langsam, aber sicher und möglichst komplett aus eigener Kraft zu wachsen. Und wir sind uns sicher, mit Mazak einen Maschinenhersteller gefunden zu haben, der uns partnerschaftlich dabei unterstützen will.“ vg

Trends µ-genau

Mazak VCN-530C

Das vertikale Bearbeitungszentrum verspricht kurze Zykluszeiten dank hoher Vorschubgeschwindigkeit, gutem Beschleunigungs-/Verzögerungsverhalten und schnellem Werkzeugwechsel. Die Vorschubgeschwindigkeit liegt in den Linearachsen bei 42 m/min, die Spindeldrehzahl reicht bis 12 000 min-1. Die Werkzeugwechselzeit beträgt 2,8 s. Die Maschine verfügt über einen Tisch mit 1300 x 550 mm Aufspannfläche. Der automatische Werkzeugwechsler bietet 30 Magazinplätze für Tools mit der Werkzeugaufnahme CAT 40. Die VCN-530C baut dabei sehr kompakt: Sie benötigt eine Standfläche von 2950 x 3139 mm.