LeadMould Service Center Europe: Portalmaschinen von Skymaster

Im LeadMould Service Center Europe dominieren die Portalmaschinen von Skymaster. Hier werden Formen bis 50 t bearbeitet. - Bild: werkzeug&formenbau

Das Video zum Beitrag wird in Kürze veröffentlicht.

Wer in China Spritzgießformen beschafft, verspricht sich in der Regel einen Preisvorteil – wobei der tendenziell immer kleiner wird, da auch gute chinesische Werkzeugmacher inzwischen sehr genau wissen, was ihre Arbeit wert ist. Bleibt der Faktor Zeit – in China ist es durchaus üblich, dass rund um die Uhr an einem Werkzeugprojekt gearbeitet wird und so unter Umständen kürzere Projektdurchlaufzeiten erreicht werden als in Ländern, in denen Werkzeugbau einschichtig stattfindet.

ZCC-CT HPC-VHM-Fräser UM-5 EP-D20
Der HPC-VHM-Fräser UM-5 EP-D20 geht mit sehr progressiven Parametern zu Werke. Am Beispielwerkstück konnte er gegenüber dem Referenzwerkzeug rund 20 Prozent Bearbeitungszeit einsparen. - Bild: werkzeug&formenbau

LeadMould beschäftigt im Werkzeug- und Formenbau rund 1000 Mitarbeiter in China. An verschiedenen Standorten werden unter anderem jährlich rund 700 Werkzeuge mit einem Auftragsvolumen von rund 30 Mio. Euro für Europa gebaut (insgesamt rund 1500 Werkzeuge im Wert von 70 Mio. Euro). Um die Werkzeuge an die Bedürfnisse der Anwender hierzulande anzupassen, für die Arbeiten rund um die Abmusterung und für Änderungen auf Anwenderwunsch gründete LeadMould als hundertprozentige deutsche Tochter das LeadMould Service Center Europe im oberfränkischen Steinwiesen. In diesem zerspanenden Betrieb kümmern sich 43 versierte Werkzeugmacher um die Betreuung der Spritzgießformen, die hierzulande sowohl von den OEM als auch von großen Zulieferern etwa aus dem Tier1-Bereich geordert werden. Zwischen 150 kg und 50 t wiegen in der Regel diese Formen. Die Fachleute übernehmen komplett die "Second Stage", prüfen, ob alle Vorgaben des Kunden und alle Vorschriften und Normen erfüllt sind. "Dabei halten wir stets einen engen Kontakt zu unserem Mutterunternehmen in China", erklärt David Baumann, Betriebsleiter beim LeadMould Service Center Europe. "Derzeit bauen wir hier noch keine kompletten Werkzeuge, das ist aber durchaus geplant – im Fokus sollen hier indes Stanz- und Umformwerkzeuge stehen." Auch Komponenten für Druckgusswerkzeuge, Messmittel und Vorrichtungen sind im Portfolio.

"Wir haben das Versuchswerkstück exakt mit den vorgeschlagenen Parametern der Hersteller bearbeitet. Und die Werkzeuge von ZCC Cutting Tools hatten einfach deutlich mehr Biss." David Baumann, Betriebsleiter Lead Mould Service Center Europe (Bild: werkzeug&formenbau)

Das Unternehmen, das seit Juli 2018 von 0 auf 43 Mitarbeiter gewachsen ist, festigt seine Strukturen. Die Mitarbeiter kommen aus der engeren Region, die Bezahlung ist gut.

Werkzeugportfolio bei LeadMould
Das Werkzeugportfolio bei LeadMould umfasst unter anderem Formen für A-, B-, C-Säulen, Mittelkonsolen, Instrumententafeln, Stoßfänger oder Kühlerschutzgitter. - Bild: werkzeug&formenbau

"Wir profitieren davon, dass unser Umland traditionell sehr vielfältigen und sehr guten Werkzeugbau beheimatet – Fachkräfte sind hier vorhanden", erklärt Baumann. "Das Betriebsklima ist sehr familiär und geprägt von unserer fränkischen Mentalität."

Wegen der hohen Datendurchgängigkeit setzt man beim CAD/CAM-Paket auf Visi – hier wird von der Elektrodenerstellung bis zum Hartfräsen alles abgedeckt. Die Daten für die Werkzeuge kommen in der Regel aus China, in Steinwiesen werden sie überarbeitet und genau geprüft. Bearbeitet werden die im Werkzeugbau üblichen Stähle, auch hochlegierte Stähle sind im Werkstoffspektrum. Die Fräsbearbeitung läuft überwiegend – zu 80 bis 90 Prozent – mit Vollhartmetallwerkzeugen. Sowohl Plan- und Eckfräser, aber auch Trochoidalfräser kommen zum Einsatz.

ZCC-CT Hochvorschubfräser XMR01
Der Hochvorschubfräser XMR01 ist mit vierschneidigen SD09-Wendeschneidplatten bestückt. - Bild: werkzeug&formenbau

"Unsere Hochvorschubfräser bezogen wir bis vor kurzem unter anderem von einem renommierten japanischen Hersteller, dessen Werkzeuge bei vielen Werkzeugbauern als Benchmark für hohe Leistungsfähigkeit und Präzision stehen" erklärt Baumann. "Diese Werkzeuge konnten die Fähigkeiten unserer Skymaster-Maschinen, die als 3-Achs-Portalmaschinen einen sehr stabilen, steifen Aufbau mit hoher Dynamik vereinen, sehr gut ausreizen." Weitere Werkzeuge kommen von einem deutschen Handelshaus.

Trends µ-genau

Hochvorschubfräser XMR01
Hochvorschubfräser der Serie XMR01 lassen sich mit drei- oder vierschneidigen Wendeschneidplatten ausstatten. Die Platten sind PVD- oder CVD-beschichtet, sie sind in den Größen 6, 9 und 12 mm lieferbar. Ein doppeltes Klemmsystem sorgt für sicheren Halt und einen schnellen und einfachen Wechsel der Einsätze. Die XMR01-Fräser sind im Durchmesserbereich von 20 bis 160 mm verfügbar. Aufgrund der Schneidkantengeometrie sowie der Spanbrecherausprägung verspricht der Fräser einen weichen Schnitt sowie einen ruhigen Lauf – schonend für die Spindellager des Bearbeitungszentrums. Die Werkzeuge wollen mit großem Zerspanvolumen bei hoher Standzeit punkten.

Der chinesische Präzisionswerkzeughersteller Zhuzhou Cemented Carbide Cutting Tools (ZCC-CT) aus Zhuzhou (Provinz Hunan) war den Zerspanern in Steinwiesen kein Begriff. Bis ein Außendienstmitarbeiter von ZCC Cutting Tools eher per Zufall auf das junge Unternehmen stieß und einen Fräsversuch an einem Formeinsatz anregte – das Material war 1.2738 HH. Zwei Fräser kamen zum Einsatz – ein fünfschneidiger HPC-VHM-Fräser UM-5 EP-D20 und ein Hochvorschubfräser XMR 01-052 mit SD-Platten. Mit überzeugendem Ergebnis: Die Bearbeitungszeit verringerte sich von 2,5 auf nur noch 2 h. "Wir waren sehr positiv überrascht von dem Ergebnis – so überrascht übrigens, wie der ZCC-Cutting-Tools-Außendienstmitarbeiter von der Performance unseren Skymaster-Maschinen war", erinnert sich Baumann. "Wir haben das Versuchswerkstück exakt mit den vorgeschlagenen Parametern der Werkzeughersteller bearbeitet. Und die ZCC-Werkzeuge hatten einfach deutlich mehr Biss."

fünf Schneiden des HPC-VHM-Fräser UM-5 EP-D20 von ZCC-CT
Die fünf Schneiden des HPC-VHM-Fräser UM-5 EP-D20 sorgen für einen sehr ruhigen Lauf des Werkzeugs. - Bild: werkzeug&formenbau

So wurde etwa mit dem VHM-Fräser eine insgesamt 70 mm tiefe Tasche bearbeitet. Im ersten Schritt wurde eine Hammerkopfgeometrie gefräst, in einem zweiten die Nut. Die Bearbeitung verkürzte sich deutlich auf nur noch 20 min. "Die Werte, die der Werkzeughersteller uns da vorgab, waren sehr progressiv – wir arbeiteten mit einer Schnittgeschwindigkeit von Vc = 271 m/min, einer seitlichen Zustellung von 9 Prozent und einer Tiefenzustellung über die volle Schneidkante von 40 mm. Der Zahnvorschub Fz lag bei 0,7 mm", berichtet Baumann. "Das ergab zeitweise Zerspanvolumina von bis zu 1086 cm3/min – wohlgemerkt im nicht ganz trivialen Werkstoff 1.2738 HH."

Die Basisplatte – ebenfalls 1.2738 HH – wurde mit dem Hochvorschubfräser bei 0,7 mm Tiefenzustellung und einer Schnittgeschwindigkeit Vc von 320 m/min und 1,5 mm Zahnvorschub Fz = 1,5 mm bearbeitet – bei 80 Prozent Überlappung. Der Werkzeuggrundkörper war mit Platten SD09 bestückt.

Das sagt die Redaktion

Werkzeuge nicht unterfordern
Progressive Fräsparameter – gerade, wenn es um die Bearbeitung wertvoller Werkstücke geht, neigen viele Zerspaner dazu, lieber erst einmal "langsam zu machen", Leistung, Drehzahlen und Vorschübe zu reduzieren, um den Zerspanprozess ja nicht zu überfordern. Gut gemeint – aber eben nicht gut gemacht. Im Gegenteil: Denn die Werkzeuge sind für die angegebenen Werte gebaut. Nicht nur, dass sie ihre Leistung erst bei den vorgegebenen Werten optimal abrufen können – zu niedrige Vorschübe oder Drehzahlen beispielsweise können in diesem Fall sogar zu Belastungen führen, die das Werkzeug unter Umständen schnell zerstören. Und im schlimmsten Fall auch das Werkstück irreparabel beschädigen. Deshalb: Hände weg vom Poti! Es ist sinnvoll, von den empfohlenen Werten des Werkzeugherstellers auszugehen – auch, wenn die im ersten Moment der eigenen Erfahrung und dem eigenen Bedürfnis, bei der Bearbeitung "auf der sicheren Seite" zu bleiben, zu widersprechen scheinen. Die empfohlenen Werte sind in der Regel mit zahlreichen Versuchen validiert und stellen eine sichere Ausgangs­basis für die Bearbeitung dar. Richard Pergler

Die Performance der sehr gut abgestimmten Werkzeuge von ZCC-CT erklärt sich Baumann damit, dass der chinesische Werkzeughersteller die gesamte Wertschöpfungskette im eigenen Konzern hat – angefangen von den Minen der Zutaten für das VHM-Substrat.

Werkzeuge im LeadMould Service Center Europe
Inzwischen kommen rund 80 Prozent aller Werkzeuge im LeadMould Service Center Europe von ZCC-CT. - Bild: werkzeug&formenbau

"Überzeugend bei der sehr guten Performance war schon vom ersten Moment an die hohe Laufruhe der Fräser – sie kommen zudem mit einer deutlich geringeren Leistungsaufnahme an der Spindel aus", erklärt Baumann. "Das wirkt sich auch auf den Verschleiß der Fräser aus, der deutlich geringer war als erwartet. Wir waren sehr überrascht, dass ein uns bis dato völlig unbekannter Hersteller mit so hoher Performance und so guten Werten punkten kann." Weiteres Positivum: Neben den Normlängen sind die Fräser auch in anwenderspezifischen Längen erhältlich, die ein optimales Arbeiten ermöglichen – die Werkzeuge lassen sich auf der richtigen Länge einspannen.

Die Versuche haben offenkundig überzeugt – und seither sind zahlreiche weitere Werkzeuge aus dem Sortiment von ZCC-CT in Steinwiesen im Einsatz. Obwohl sie meist hochpreisiger sind als die Werkzeuge, die vorher verwendet wurden. "Aber dank ihrer Performance lohnt sich die Mehrausgabe", betont Baumann. "Zumal auch die Werkzeugstandzeiten deutlich höher sind als bei den Vergleichswerkzeugen. Uns jedenfalls haben die Werkzeuge, für die der Hersteller auch einen Nachschleifservice in Deutschland anbietet, überzeugen können – inzwischen kommen rund 80 Prozent der bei uns eingesetzten Präzisionswerkzeuge von ZCC-CT." vg

Profil

LeadMould Service Center Europe GmbH
Die LeadMould Gruppe verfügt über zwei Werke in China (in den Provinzen Dongguan und Hubei, drei Vertriebsbüros in Deutschland (Kronach, Kempten, Bielefeld) und einen Werkzeugbau in Deutschland (Steinwiesen). Die Werkzeugbauer betreuen ihre Kunden von der Anfrage bis zur globalen Auslieferung des serienreifen Werkzeugs in engster Abstimmung mit den Werken in China. Das Werkzeugportfolio umfasst unter anderem Formen für A-, B-, C-Säulen, Mittelkonsolen, Instrumententafeln, Stoßfänger, Kühlerschutzgitter, aber auch Ausströmer, Sitzverkleidungen, Handschuhkästen oder Seitenverkleidungen. Das Spektrum der hierfür umgesetzten Werkzeugtechnologien umfassen 1K- bis 2K-, Indexdrehplatten-, Schiebe- und Umsetzwerkzeuge, Gasinnendruckformen, Ausdrehwerkzeuge bis hin zu Etagenformen mit einer Größe von bis zu 50 t. In Steinwiesen stehen Fräsmaschinen mit einem maximalen Verfahrweg bis 2400 mm in X und Erodiermaschinen mit einer maximalen Tischgröße bis 2500 mm sowie alle für den Werkzeugbau notwendigen Werkstattausstattungen wie Drahtschneiden, Drehen, Tuschierpressen oder Schleifmaschinen bis 1700 mm zur Verfügung. In den Bereichen Lohnfertigung und Betriebsmittelbau für Stanz-, Druckguss- und Biegewerkzeuge sollen die Kapazitäten deutlich ausgebaut werden.