Benchmark Formenbau Kellermann, Lotec, Schülken Form, Wunder Formenbau

werkzeug&formenbau stellt die externen Werkzeugbauten von Schülken Form, Formenbau Kellermann, Lotec und Wunder Formenbau vor und berichtet detailliert über deren Stärken und warum sie so wettbewerbsfähig sind. - Bild: werkzeug&formenbau

Die innovationsgetriebene Branche der Werkzeug- und Formenbauer steht ständig vor der Herausforderung, den technologischen Ansprüchen gerecht zu werden und die Wünsche der Kunden bestmöglich umzusetzen.

Stetig steigende Anforderungen

Permanent sind die Spezialisten gefordert, Lösungen zu präsentieren, und das so schnell, innovativ und preisgünstig wie nur irgend möglich. Das gilt auch für unsere heutigen Sieger und Finalisten des Benchmark-Wettbewerbs "Excellence in Production".

In der Kategorie "externer Werkzeugbau unter 50 Mitarbeiter" haben es neben dem Unternehmen Lotec aus dem nordrhein-westfälischen Sauerland auch Formenbau Kellermann aus Postbauer-Heng in der bayerischen Oberpfalz sowie Wunder Formenbau aus Steinwiesen im Landkreis Kronach in Oberfranken in die Ränge der Finalisten geschafft. Schülken Form aus Waltershausen in Thüringen erzielte den Kategoriesieg. Alle vier Unternehmen haben sich im harten Wettbewerb von insgesamt 279 Betrieben als "die Besten der Branche" bewiesen.

Lotec Loh GmbH & Co. KG

Immer engere Toleranzen, immer größere Umformgrade, immer festere Stähle und komplexere Kunststoffe – das ist ein Trend, den auch die Spezialisten zur Fertigung von Stanz- und Umformwerkzeugen von Lotec in Arnsberg seit mehreren Jahren beobachten.

Die Projekte der Stanz- und Umformtechniker sind speziell im Hochtechnologiesektor angesiedelt. Geschäftsführer Hubert Angenendt erklärt: "Meistens müssen wir etwas komplett Neues entwickeln, um die Teile unserer Kunden überhaupt und dann auch noch kostengünstiger realisieren zu können."

Künftig möchten sich die Spezialisten vermehrt auf Insert- und Outsert-Technologien konzentrieren, um ihren Kunden beides aus einer Hand anbieten zu können.

Umfangreiches Serviceangebot

Das entwicklungsbegleitende Dienstleistungsangebot gehört zweifellos zu den Stärken des Betriebs. Darüber hinaus bietet Lotec Lohndienstleistungen in zahlreichen Bearbeitungsverfahren, Ersatzteilmanagement, Konzeptentwicklung sowie Vermessungsleistungen bis hin zum Erstmusterprüfbericht.

"Unsere Herausforderung besteht darin, in einer prozess- und bauteilbezogenen Kombination die Werkzeuge so zu gestalten, dass sie auch prozesssicher laufen. Das hat viel mit Innovation und starken Ideen zu tun", berichtet Angenendt.

Bauraumbezogene Herstellanalysen

Hubert Angenendt, Lotec Loh
Hubert Angenendt, Geschäftsführer Lotec Loh GmbH & Co. KG, Arnsberg - Bild: werkzeug&formenbau

Im Bereich der Produktentwicklung arbeiten die Spezialisten mit bauraumbezogenen Herstellbarkeitsanalysen. Fertigung nach Zeichnung gibt es bei Lotec nur noch selten. "Wir haben 2012 zum ersten Mal beim Wettbewerb mitgemacht und freuen uns nun umso mehr über die Nominierung", berichtet der Geschäftsführer. Grundlage dafür ist vor allem ein hervorragendes Projektcontrolling, das auf einer sehr detaillierten Planung der Werkzeuge auf Arbeitsgangebene beruht. Dank der Einführung eines ERP- und PPS-Systems ist Lotec seit wenigen Jahren in der Lage, jederzeit den aktuellen Stand des Werkzeugs im System einzusehen. Die Effektivität im Betrieb konnte so um etwa 40 Prozent gesteigert werden. "Das sind schöne Instrumente, mit denen man den Wettbewerb auf die Ränge verweisen kann", so Angenendt.

Interne Unsicherheiten etwa hinsichtlich Kapazitäten gehören damit der Vergangenheit an. Aufträge können priorisiert, Prozesse kontrolliert und Durchlaufzeiten reduziert werden. Er erklärt: "Die Kunst in den letzten Jahren war, mit einer Liefertermintreue größer 90 Prozent innovative Projekte abzuwickeln." Erfahrungswerte aufschlussreicher Auftragsnachkalkulationen werden für künftige Projekte genutzt.

Erschließung neuer Bereiche

Im Moment fertigen die Spezialisten hauptsächlich Werkzeuge für die Fahrzeug- und Beschlagindustrie aus hochfesten Materialien. Die größten Kunden stammen aus der Automobilindustrie und der Möbelbeschlagindustrie. Dabei verarbeitet Lotec Blechstärken von 0,4 mm im Dünnblechbereich bis 12 mm im Dickblechbereich. Die Herstellung von Spritzgießwerkzeugen stellt zwar einen umsatzanteilig kleineren Sektor dar, ist aber nicht zu vernachlässigen.

In Zukunft möchte sich der Werkzeug- und Formenbau vermehrt auf Insert- und Outsert-Technologien konzentrieren. "Viele Betriebe bieten entweder Stanz- oder Spritzgießwerkzeuge an. Die Kombination aus Stanzteilen und kunststoffumspritzten Teilen ist eine große Herausforderung und eine Kunst für sich. Hier liegt für uns ganz klar der Reiz. Deshalb möchten wir unseren Kunden künftig beides aus einer Hand anbieten", so Angenendt.

Zitat

"Die Kunst in den letzten Jahren war, mit einer Liefertermintreue größer 90 Prozent innovative Projekte abzuwickeln."

Hubert Angenendt

Wunder Formenbau GmbH

Die Materialpaarung Kunststoff und Metall bietet bei hoch komplexen Bauteilen oftmals die einzige Lösung. Auch die Experten von Wunder Formenbau & Kunststofftechnik sind seit vielen Jahren in diesem Bereich kompetente Ansprechpartner.

Hybride Fertigungsverfahren

Hauptsächlich in der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und der Medizintechnik beheimatet, verkauft das Unternehmen nicht nur komplexe Spritzgießwerkzeuge, sondern baut und nutzt diese auch für ihre eigene Produktion.

Das Dienstleistungsangebot erstreckt sich von der Konstruktion und Fertigung über die Bemusterung und Serienreifmachung bis hin zu Reparaturen und Wartungsservice. "Wir haben bisher dreimal am Wettbewerb teilgenommen und dürfen uns nun erstmals zu den Finalisten zählen", freut sich Andreas Wunder, Projektleiter Wunder Kunststofftechnik.

Seit 2015 gehört die Serienreifmachung für Fremdwerkzeuge aus dem In- und Ausland zum Dienstleistungsangebot, was positiv von der Branche angenommen wird.

Clever durchdachtes Geschäftsmodell

Andreas Wunder, Wunder Kunststofftechnik
Andreas Wunder, Projektleitung Wunder Kunststofftechnik GmbH, Steinwiesen - Bild: werkzeug&formenbau

Ein Grund für die positive Betriebsentwicklung in den vergangenen Jahren ist nicht zuletzt ein clever durchdachtes Geschäftsmodell. Seit 2015 bieten die Formenbauer aus Steinwiesen nun auch die Serienreifmachung für Fremdwerkzeuge aus dem In- und Ausland an. "Wir sind der Meinung, wenn wir Werkzeuge schon nicht selber bauen dürfen, wollen wir sie wenigstens serienreif machen. Bisher haben wir mehr als 300 Fremdwerkzeuge serienreif gemacht, darunter auch viele Werkzeuge aus China", erklärt Wunder.

Trotz eines sehr hohen Organisationsaufwands erweist sich das Konzept als lukrativ, was sich in deutlichen Umsatzsteigerungen widerspiegelt. Die Steinwiesner haben eine Möglichkeit gefunden, den Trend vieler großer Konzerne, Werkzeuge vermehrt im Ausland, speziell auch in China, produzieren zu lassen, für ihren Vorteil zu nutzen. "Wir entkonservieren Werkzeuge, die zum Beispiel über den Seeweg importiert werden, optimieren sie und übernehmen sämtliche Änderungen."

Voll automatisierte Fertigungsstraße für Graphitelektroden und Senkerosion

Darüber hinaus investierte Wunder aber auch in eine voll automatisierte Fertigungsstraße für Graphitelektroden und Senkerosion. Diese Linie umfasst eine Fräs-, zwei Senkerodier- sowie eine Messmaschine. "Damit konnten wir unsere Maschinenlaufzeiten deutlich erhöhen und unsere Fehlerquote im Bereich Erodieren um 90 Prozent senken", berichtet Wunder.

Das nächste Ziel ist, diesen Erfolg auf weitere Fertigungsbereiche wie dem Stahlfräsen auszudehnen. Um dies zu realisieren, planen die Formenbauer für 2018 den Bau einer neuen Fertigungshalle. "Auf weiteren 620 m² haben wir genug Platz für neue noch größere und komplett automatisierte Maschinen. Hier sehen wir Potenzial, um unsere Kapazitäten besser zu nutzen, Prozesse zu standardisieren, Fehler zu vermeiden und so insgesamt noch schneller und präziser arbeiten zu können", so Wunder.

Auch hinsichtlich Personalführung scheinen die Verantwortlichen bei Wunder vieles richtig zu machen. Mit kurzen Abstimmungswegen, flexiblen Arbeitszeiten, zahlreichen Vergünstigungen und hohen Entwicklungschancen haben sie für die Mitarbeiter angenehme Arbeitsbedingungen geschaffen. Insgesamt wird auf ein familiäres Betriebsklima großen Wert gelegt.

Zitat

"Seit 2015 haben wir mehr als 300 Fremdwerkzeuge serienreif gemacht. Für uns ist das ein lukratives Geschäftsmodell."

Andreas Wunder